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Veröffentlicht am 24.08.2024

Cosy-Crime im Politikgeschehen?

Freunderlwirtschaft
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Der Krimi "Freunderlwirtschaft" von Petra Hartlieb spielt in der Wiener Politikerszene.
Der junge Landwirtschaftsminister Max Langwieser, gut befreundet mit dem österreichischen Kanzler Ferchner, wird ...

Der Krimi "Freunderlwirtschaft" von Petra Hartlieb spielt in der Wiener Politikerszene.
Der junge Landwirtschaftsminister Max Langwieser, gut befreundet mit dem österreichischen Kanzler Ferchner, wird in seinem Wohnzimmer tot aufgefunden. Offenbar wurde ihm die Kante seines Designer-Glastisches zum Verhängnis.
Kommissarin Alma Oberkofler, frisch bei der Wiener Mordkommission, oder besser gesagt der "Abteilung Leib und Leben" angekommen, bekommt es in ihrem ersten Fall mit einer ordentlichen Portion Öffentlichkeit zu tun.
Die Verlobte des Toten, Jessica Pollauer, ist genauso verschwunden wie sein Laptop und die Ermittler um Alma Oberkofler tappen im Dunkeln.

Der Klappentext verspricht einen Krimi in der jungen Politikszene Österreichs mit Politikern, die sich für unbesiegbar halten bis einer von ihnen zu Fall gebracht wird.
Hauptkommissarin Oberkofler begibt sich auf Spurensuche, "doch ihre Suche nach Antworten stellt sie bald vor eine neue Frage: Wem kann sie trauen?" - so der Klappentext. Allerdings dauert es im Buch ziemlich lange, bis sich die erste Verschwörung blicken lässt, und das ist mein großer Kritikpunkt an diesem Buch. Ich hatte tiefere Einblicke in die Mauscheleien zwischen Politikern erwartet oder zumindest irgendwelche Intrigen, durch die Alma nur schwer an zuverlässige Informationen kommt. Allerdings beschäftigt sich die Handlung zunächst ziemlich ausführlich mit ihrem Privatleben und der Hintergrundgeschichte und Flucht von Jessica. Das sind zwar gute Infos und Geschichten, die die Charaktere nahbarer machen, aber es war eben nicht, was ich erwartet hatte.

Das Cover finde ich dagegen großartig: es ist schlicht und doch auffällig und je länger ich darüber nachdenke, desto besser passt es zur Story.

Die Charaktere sind allesamt gut gezeichnet und meiner Meinung nach treffend recherchiert. Bei dem ein oder anderen Herrn im Anzug trieft der schmierige Charm geradezu aus dem Buch. Alma, ihre Kollegen und auch Jessica erscheinen durchweg sympathisch beziehungsweise angenehm nüchtern und ohne allzu große Voreingenommenheit. Der Ton unter den ermittelnden Kollegen bleibt durchweg respektvoll, wodurch es einem leicht gemacht wird den Ermittlungen zu folgen. (Das ist eine Sache, die mich bei anderen Krimis oft etwas stört: wenn es von vorneherein schon Vorurteile oder schlechte Stimmung unter den Kollegen gibt).
Die Ermittlungen plätschern unaufgeregt vor sich hin. Jessica ist zwar verschwunden, aber es ist lange nicht klar, ob es sich um einen Unfall handelt, oder ob der Minister ermordet wurde. Und falls es Mord war, tut sich auch kein besonders starkes Motiv auf. Nebenbei erfährt man immer wieder einiges über Jessicas und Max' Vergangenheit, sowie über Almas Hintergrund in ihrer Jugend und in ihrer vorherigen Dienststelle in Linz. Kurz zusammengefasst: das ist kein Krimi für Fans des blutigen Thrillers.

Freunderlwirtschaft beschert einem zwar keine schlaflosen Nächte beim Lesen (weder weil es so gruselig ist, noch weil man es nicht aus der Hand legen könnte), aber dennoch hatte ich es in relativ kurzer Zeit fertig gelesen und fühlte mich prima unterhalten. Ungefähr so muss man sich wohl Cosy-Crime im nüchternen Umfeld der Politik vorstellen - und das ganze mit einer Prise Freunderlwirtschaft.

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Veröffentlicht am 25.01.2024

Locker-flockig, witzig geschrieben und erstaunlich tiefgründig

Wenn Liebe die Antwort ist, wie lautet die Frage?
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Dies ist bereits der dritte Band der Tagebuch-Roman-Reihe mit der 16-jährigen Lilia als Hauptfigur. Lilia war in den Ferien im Sommerlager auf einer Insel und hat sich verliebt. Und nicht nur verliebt, ...

Dies ist bereits der dritte Band der Tagebuch-Roman-Reihe mit der 16-jährigen Lilia als Hauptfigur. Lilia war in den Ferien im Sommerlager auf einer Insel und hat sich verliebt. Und nicht nur verliebt, sondern sie ist mit ihrem Schwarm Tom fest zusammen. Das Problem ist nur, dass der Alltag ganz schön viele Ablenkungen bereithält, die Zeit und Nerven kosten.
Da ist zuallererst ihre Familie, mit ihrem, aktuell alleinerziehenden, Vater, ihrer kleinen Schwester Rosalie und ihrem großen Bruder Florian.
Lilia schlägt sich von Beginn des neuen Schuljahres an schon mit den - aus ihrer Sicht völlig absurden - Erziehungsmethoden ihres Vaters herum und bekommt Hausarrest, weil sie sich rausgeschlichen hat um sich heimlich mit Tom zu treffen. Oder - wie es die neugierige Nachbarin formuliert - um auf der Straße wild rumzuknutschen.

In der Schule steht der Abschlussball des Tanzkurses an - das große Highlight in diesem Jahr. Mit Tom hat sie bereits den passenden Partner, also bleiben nur noch so schwierige Fragen zu klären wie: Was ziehe ich an? Wer geht mit wem? und: Wie halte ich mir die nervige Vicky vom Hals, die dauernd mit meinem Freund flirtet?!
Neben dem Abschlussball und dem emotionalen Chaos, zetteln Lilia und ihre Freunde fast eine kleine Revolte in der Schule an und müssen sich deshalb mit den Konsequenzen auseinandersetzen.

Meine Meinung



Ich bin ohne große Erwartungen an das Lesen herangegangen und wusste bis dahin auch gar nicht, dass es das dritte Buch einer Reihe ist. Das war allerdings kein Problem. Die Charaktere wurden alle nochmal zu Genüge vorgestellt und ich hatte keine Mühe, sie auseinanderzuhalten.
Besonders der Schreibstil in Form eines Tagebuchs aus Lilias Perspektive macht es total lebendig. Lilia schreibt präzise und witzig und lockert selbst schwierige Situationen mit ihren kreativen Wortfindungen und Beschreibungen auf.
Zusätzlich zum Wortwitz wurde ich positiv von der Tiefe der Handlung überrascht. Die Protestaktion in der Schule beschreibt ein durchaus ernstes Thema und tut dem Buch wirklich gut.

Fazit



Ein locker-flockiges Buch, das sich super liest und auch mit einer Menge Handlung um die Ecke kommt. Besonders der Wortwitz der Erzählerin und ihre kreativen Wortschöpfungen haben mich immer wieder schmunzeln lassen.

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Veröffentlicht am 14.11.2023

Spannend, fesselnd und brutal

Eisige Stille. Ein Mara-Billinsky-Thriller
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Worum geht’s?

“Eisige Stille” ist das 8. Buch in der Reihe um Mara Billinsky - “die Krähe” - und ihre Kollegen von der Mordkommission in Frankfurt am Main.

Im Prolog wird man direkt in einen der spannendsten ...

Worum geht’s?



“Eisige Stille” ist das 8. Buch in der Reihe um Mara Billinsky - “die Krähe” - und ihre Kollegen von der Mordkommission in Frankfurt am Main.

Im Prolog wird man direkt in einen der spannendsten Teile der Handlung hineingeworfen, als auf Mara ein Anschlag verübt wird.

Dies ist nur ein Teaser für eine Menge von Straftaten und mysteriösen Vorkommnissen, mit denen sich das Team um Mara im Verlauf des Buches konfrontiert sieht: Ihr ehemaliger Partner Jan Rosen sucht mit seiner neuen Abteilung für Cybercrime die Betreiber eines illegalen Darknet Servers, auf dem sich Videos von Vergewaltigungen und anderen Brutalitäten finden, während Mara selbst sich um einen Vermisstenfall und eine Mordermittlung kümmern soll.
Außerdem hadert Mara mit ihrer Gefühlswelt: sie sorgt sich um ihren ehemaligen Schützling und Freund Rafael, der sich seit längerem nicht mehr meldet, und grübelt über ihre “Beziehung” zu ihrem schwedischen Kollegen Erik Nordin, der sogar plötzlich wieder bei ihr auf der Matte steht.

In einem parallelen Erzählstrang, der immer wieder durch abrupte Szenenwechsel fortgeführt wird, erfahren wir, weshalb sich Rafael Makiadi nicht meldet: Er ist dem Charme des so charismatischen wie brutalen Prince Bangura erlegen. Der nennt sich “Prinz des Dschungels”, stellt sein Gefolge mit Pillen ruhig und stiftet sein Umfeld zu Brutalität an.

Der Frage, wie das alles zusammenhängt, gehen wir mit atemberaubenden Tempo und ständigen, zu Beginn verwirrenden, Szenenwechseln gemeinsam mit Mara und ihrem Team nach.

Meine Meinung



Zu Beginn muss ich erwähnen, dass ich bisher kein anderes Buch dieser Reihe gelesen habe. Einer Stammleser:in sind viele der Figuren wohl schon bekannt, was - gerade am Anfang - die Einordnung sicher erleichtert.
Wenn man sich nicht von der schieren Menge an Unbekanntem zu Beginn verunsichern lässt, kommt man im Laufe des Buches immer besser rein und lernt auch die Figuren schnell kennen. Nach ungefähr einem Drittel des Buches geriet ich auch bei den abrupten Szenenwechseln nicht mehr ins Schwimmen, was die Zuordnung der einzelnen Personen angeht.

Man wird von Anfang an mitten in die Geschehnisse hinein geworfen und kommt kaum hinterher, alles einzuordnen. Schon der Prolog lässt die schonungslose Brutalität des Erzählers erahnen und das Buch hält an dieser Stelle, was es verspricht…

Kriminalkommissar Jan Rosen, sichtet Videos aus dem Darknet und stößt dabei auf einen mutmaßlichen Mord: Ein Mann sitzt gefesselt auf einem Küchenstuhl und wird bei lebendigem Leibe verbrannt. Rosen informiert seine ehemalige Partnerin Mara Billinsky, muss aber zugeben, dass er bisher noch keine Hinweise auf die Täter vorweisen kann.

Szenenwechsel: Eine Frau kämpft gefesselt und geknebelt in einem Erdloch um ihr Leben, während sie Schaufel für Schaufel mit Erde bedeckt wird.

Zurück in ihrem Büro wird Mara von ihrem ungeliebten Chef, Hauptkommissar Klimmt, erwartet, der sie bittet sich um eine hartnäckige Dame zu kümmern, die behauptet einen Mord melden zu wollen. Tessa Steinberg vermisst ihre Geschäftspartnerin und besteht darauf, dass ein Verbrechen passiert sein muss.

Parallel dazu hängt Rafael Makiadi, ein Freund und Schützling Maras, mit “dem Prinz des Dschungels” und seinem Gefolge ab. Prince Bangura ist ein ehemaliger Kindersoldat aus Sierra Leone, für den Brutalität und Tod zum Alltag zu gehören scheinen. So ganz nebenbei präsentiert er Rafael sein “Geschenk”: eine verängstigte und nackte junge Frau, die Rafael mit einer Skimaske über dem Kopf vor laufender Kamera und unter dem Gejohle des Gefolges vergewaltigen soll.

Man wird förmlich in die Handlung gezogen und ist trotz - oder gerade wegen - der anfänglichen Verwirrung geradezu gezwungen, Seite für Seite weiter zu lesen.
Das Tempo bleibt durchweg atemberaubend hoch und die Brutalität scheint kein Ende zu finden. Für meinen Geschmack wäre die eine oder andere Szene nicht nötig gewesen. Besonders die übertriebene Zurschaustellung von Gewalt seitens Prince Bangura ist meines Erachtens überflüssig. Die relevanten Gewalttaten sind schon brutal genug und werden auch recht detailliert beschrieben, was mir wiederum durchaus nötig erscheint, um die Handlungen und Charakterzüge der Figuren nachvollziehbar zu machen.

Der Autor erzählt angenehm flüssig und beiläufig. Er nutzt viel direkte Rede, um seine Figuren miteinander sprechen zu lassen und behält auch das schnelle Grundtempo des Buches bei.

Teilweise wechselt er in eine nachdenkliche, fast abgehackte, Erzählweise, die zum Beispiel den Kampf der lebendig begrabenen Frau greifbar darstellt:

“Sie rang nach Luft [...] während der Himmel fast vollends verschwunden war.
So wie die Luft gleich verschwinden würde.
Und ihr Leben.
Das herrliche Blau dort oben.
Einfach nicht mehr da.”



Die Figuren sind plastisch beschrieben und haben alle ihre Ecken und Kanten. Auf der Sympathie-Skala ist alles dabei: von sehr sympathisch über “was soll ich jetzt davon halten?” bis abgrundtief abstoßend, aber dennoch mit einer gewissen Faszination versehen. Es macht Spaß, sich gemeinsam mit den Figuren durch die Handlung zu bewegen, auch wenn es einem teilweise schwer fällt, nicht “direkt ins Buch zu springen”, um eine verhängnisvolle Tat zu verhindern.

Die Hauptfigur Mara Billinsky wird als kleine, drahtige Frau mit eisernem Willen beschrieben, die ihre Gefühlswelt weitestgehend außen vor lässt. Auch deutet sich durch die Reaktion ihres Chefs (Hauptkommissar Klimmt) an, dass ihre Alleingänge eher die Regel als ein Einzelfall sind.
Genau dieser Aspekt hat mich gestört, da mir das Ausmaß dieser Alleingänge etwas zu weit ging. Gerade in brutalen Krimis sind die Hauptfiguren oft Einzelgänger mit teilweise extremen Zügen, was ich oft gut finde, weil es die Figur interessant macht. In diesem Fall scheinen Maras Alleingänge aber schon zur, von ihrem Arbeitsumfeld akzeptierten, Regel geworden zu sein und diesen Punkt halte ich für realitätsfern und übertrieben.

Mein Fazit



Das Wichtigste zuerst: Ich fand das Buch spannend bis zum Schluss und habe es in einem Rutsch durchgelesen. Die Handlung ist zwar durch die verschiedenen Erzählstränge und ständigen Szenenwechsel ziemlich kompliziert, aber ich mag es, wenn man als Leser:in mitten ins Geschehen geworfen wird. Wie schon erwähnt, hat es mich nach einem Drittel des Buches auch nicht mehr gestört, dass ich die Vorgeschichten der Charaktere nicht kenne.

Der Autor erzählt temporeich, aber zugleich angenehm und beschreibt Szenen und Figuren so bildlich und genau, dass man sich prima hineinversetzen kann. Allerdings stört mich eben diese Genauigkeit bei den vielen brutalen Szenen: Einige davon sind - wie schon gesagt - notwendig, um die Motive und Handlungen der Figuren nachzuvollziehen, andere sind für mein Empfinden einfach zu viel des Guten und hinterlassen einen negativen Beigeschmack.

Für Fans der Krähe kann man vermutlich eine klare Leseempfehlung aussprechen. Mich hat es neugierig auf die anderen Bücher dieser Reihe gemacht. Besonders interessiert mich dabei die Entwicklung der vielen wiederkehrenden Figuren.

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  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 26.03.2025

Eine humorvolle Städtereise in Buchform

Acht (un)geplante Tage mit dir
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Der Roman “Acht (un)geplante Tage mit dir” ist eine Städtereise in Buchform.
Hazel und Lukas fliegen zusammen nach New York, um den Gewinn von Lukas Schwester (und Hazels bester Freundin) Milena einzulösen. ...

Der Roman “Acht (un)geplante Tage mit dir” ist eine Städtereise in Buchform.
Hazel und Lukas fliegen zusammen nach New York, um den Gewinn von Lukas Schwester (und Hazels bester Freundin) Milena einzulösen. Die beiden kennen sich zwar schon ewig, aber konnten sich bisher nie so wirklich leiden. Allerdings scheinen die Dinge in New York anders zu liegen: Hazel findet Lukas witzig und charmant und Lukas stellt fest, dass Hazel gar nicht so eine Tussi ist, wie er immer dachte. Außerdem fühlen sie sich neuerdings zueinander hingezogen…

Der Einstieg in die Geschichte hat mich direkt überzeugt. Hazel und Milena sind Klamotten shoppen für New York und Hazel versucht, ihre Freundin davon abzubringen ein hellgrünes Kleid zu kaufen, in dem sie “auf den Fotos aussehen würde wie ein seekranker Kermit der Frosch”. Die Autorin beschreibt die Szenen witzig und kurzweilig und Hazels quirliger Charakter kommt besonders in den Anfangssequenzen gut zum Vorschein. Auch die ersten Tage in New York City sind von einer humorvollen Atmosphäre geprägt, die wirklich gut transportiert wird.
In New York hat Lukas eine ambitionierte Liste an Sehenswürdigkeiten, die er unbedingt abhaken möchte. Hazel würde sich zwar lieber treiben lassen, aber fügt sich erstmal ihrem Schicksal. Als Leser bekommen wir so oder so eine kostenlose Stadtführung durch New York City. Zum Glück gibt es im Umschlag des Buches eine kleine Karte von Manhattan, die uns zumindest eine grobe Orientierung der wichtigsten Punkte gibt. Die beiden kommen ganz schön rum und es werden immer wieder Sehenswürdigkeiten oder bekannte Gebäude in der Umgebung erwähnt. Nach anfänglicher Euphorie hat mich das allerdings etwas gestört, da die Autorin teilweise keinerlei Information zu den erwähnten Orten liefert. Wenn man also nicht wenigstens den passenden Wikipedia-Artikel nebenbei offen hat, dann sind diese Informationen nicht mehr als heiße Luft.
Gegen Ende fand ich es etwas länglich mit der ein oder anderen gefühlten Wiederholung - aber ich wollte natürlich trotzdem wissen, wie es ausgeht. Außerdem habe ich mich von den wiederholten Hinweisen zu Müllvermeidung und Umweltschutz etwas belehrt gefühlt, obwohl ich die gleiche Meinung dazu habe und das Thema extrem wichtig finde. Am Anfang habe ich noch gefeiert, dass Hazel und Lukas immer ihre Bambus-Kaffeebecher und ihre Trinkflaschen durch die Gegend schleppen und auffüllen lassen. Am Ende allerdings wirkte das, wie schon erwähnt, zu belehrend und passte auch nicht so recht zu der romantischeren Stimmung.

Fazit: Wer Städtetrips mag, wird sich in diesem Buch wohl fühlen. Es herrscht eine humorvolle, lockere Atmosphäre und liest sich angenehm. Meiner Meinung nach ein prima Buch für den Reiseweg - sei es im Flugzeug oder im Zug.

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Veröffentlicht am 02.08.2024

Vielleicht doch kein Liebesroman?

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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“Wir treffen uns im nächsten Kapitel” von Tessa Bickers klingt beim Lesen des Klappentextes erstmal wie ein weiterer Liebesroman, wie wir ihn schon tausendfach gelesen haben (und es trotzdem immer wieder ...

“Wir treffen uns im nächsten Kapitel” von Tessa Bickers klingt beim Lesen des Klappentextes erstmal wie ein weiterer Liebesroman, wie wir ihn schon tausendfach gelesen haben (und es trotzdem immer wieder tun). Aber einer mit einem kleinen interessanten Twist: die beiden (zukünftig) Liebenden kommunizieren durch Notizen am Rand von Büchern, die sie in einen öffentlichen Bücherschrank stellen. Diese Idee kannte ich bisher noch nicht und sie hat mich dazu bewegt das Buch lesen zu wollen.
In der Beschreibung wird schon erwähnt, dass Erin den Tod ihrer besten Freundin noch nicht überwunden hat, was die Grundstimmung natürlich etwas trübt. Mir war allerdings nicht bewusst, wie viel Raum die verstorbene Freundin in der Geschichte einnimmt. Es dauert ganz schön lange, bis der Bücherschrank überhaupt das erste Mal auftaucht und auch dann bleibt die Stimmung teilweise eher gedrückt.

Meine Gefühle beim Lesen des Buches waren zwiespältig. Einerseits mochte ich die Idee mit dem Bücherschrank sehr und fand auch den Schreibstil und die Kapitelaufteilung sehr angenehm. Zwischendurch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, und das, obwohl ein Liebesroman ja normalerweise nicht gerade vor Spannung strotzt (dieser hier auch nicht, aber ich wollte trotzdem schnell wissen, wie es weiter geht). Mein Lesetempo hat sich da ziemlich an der zunehmenden Aufregung der beiden Hauptfiguren orientiert, die immer ungeduldiger auf die Fortsetzung ihrer “Unterhaltung” warten.
Andererseits war die Grundstimmung für meinen Geschmack trotz des traurigen Anlasses zu negativ, und auch Erin sorgte bei mir immer wieder für Unmut. Es passiert selten, dass mir die Protagonisten eines Romans unsympathisch sind, aber hier ist das der Fall. Ihre “ich verkriech mich und die ganze Welt ist sowieso gegen mich”-Attitüde fand ich ziemlich anstrengend. Der geheimnisvolle Kommentarschreiber ist da schon besser, aber auch er hat sein Päckchen zu tragen und kann nicht so recht aus seiner Haut.

So oder so, habe ich das Buch gerne gelesen. Man muss ja nicht jeden mögen oder im echten Leben mit ihnen befreundet sein wollen. Also ist mein Fazit: bildet euch eure eigene Meinung!

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