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Veröffentlicht am 06.10.2024

Amüsanter Whodunit

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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Hört man den Namen Robert Thorogood, wissen Krimi-Fans eigentlich sofort, dass sie ein besonderes Schmankerl erwartet. Auch der dritte Band von Mrs Potts’ Mordclub („Der tote Bürgermeister“) überzeugt ...

Hört man den Namen Robert Thorogood, wissen Krimi-Fans eigentlich sofort, dass sie ein besonderes Schmankerl erwartet. Auch der dritte Band von Mrs Potts’ Mordclub („Der tote Bürgermeister“) überzeugt durch sein liebevoll-verschrobenes Setting und seinen wohldurchdachten Mordfall. Einzig die Schrulligkeit der Ermittlerinnen kommt in diesem Band ein wenig zu kurz.

Judith Potts landet mit ihren ermittlungswütigen Freundinnen Becks und Suzie schon wieder mitten in einem mysteriösen Mordfall, der das lauschige Marlow erschüttert. Diesmal muss der Bürgermeister dran glauben – dabei scheint er allgemein beliebt und ein durch und durch anständiger Mensch gewesen zu sein. Oder hütete er ein dunkles Geheimnis? Die drei Damen vom Mordclub wollen es herausfinden, diesmal sogar in offizieller Rolle, denn die frisch beförderte Inspektorin Tanika beruft sie diesmal als Beraterinnen in dem Fall. Das hindert die drei allerdings nicht daran, ihre Nachforschungen auf teils unkonventionelle Weise anzustellen und nicht immer in vollem Ausmaß mit der Polizei zu kooperieren.

Der dritte Band der Reihe hat im Grunde alles, was man sich von einem Cosy Murder Mystery wünscht: einen vertrackten Fall, viele, viele Zeugenaussagen und Indizien, ein schrulliges Ermittlertrio und jede Menge englischen Charme, alles gewürzt mit einer ordentlichen Prise Humor. Was hier allerdings ein wenig zurückbleibt, sind die Schrullen der Hauptfiguren. Hatte gerade Judith in den ersten Bänden noch ausnehmend viele Ecken und Kanten, sind diese hier schon deutlich geglättet, und auch Suzie und Becks fehlt es ein wenig an Schärfe, was ihre persönlichen Eigenheiten angeht. Zwar bekommt jede von ihnen einen kleinen Nebenhandlungsstrang, jedoch in wirklich homöopathischen Dosen. Der Vorteil: Dadurch bekommt der Fall sehr viel Raum, und Rätselfreund*innen kommen in diesem Krimi wirklich voll auf ihre Kosten. Wer zudem aber auch an den Figuren selbst interessiert ist, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein.

Insgesamt ein absolut lohnenswerter Krimi mit viel Charme und Witz, der die Ermittlung im Mordfall stark in den Vordergrund stellt und mit vielen Verdachtsmomenten, Irrungen und Wirrungen aufwartet.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Spannungssnack für Thrillerhungrige

Das Smartphone
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Marc Mellers neuer Thriller „Das Smartphone“ spielt auf spannende Weise mit den Möglichkeiten des technischen Fortschritts – samt allen Konsequenzen. Echter Tiefgang kommt auf der rasanten Reise durch ...

Marc Mellers neuer Thriller „Das Smartphone“ spielt auf spannende Weise mit den Möglichkeiten des technischen Fortschritts – samt allen Konsequenzen. Echter Tiefgang kommt auf der rasanten Reise durch die Welt von KI, Spyware und Genforschung zwar nicht zustande, dafür besticht das Buch jedoch durch sein flottes Tempo und die originellen Ideen.

Paula steht kurz davor, ihre Doktorarbeit in Molekularbiologie zu beginnen und ihre wissenschaftliche Karriere zu starten, als der Kauf eines gebrauchten Smartphones ihr Leben aus den Angeln hebt. Unmittelbar nach dem Kauf wird der Besitzer des Handyshops ermordet – kurz nachdem er Paula mitgeteilt hat, dass er Spyware auf ihrem alten Gerät gefunden hat. Nur ein merkwürdiger Zufall? Paula wendet sich zunächst an die Polizei, gerät jedoch selbst bald ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Nur der psychisch kranke Bruder des Ermordeten scheint an Paulas Unschuld zu glauben. Aber ist die Verschwörung, die er aufzudecken gedenkt, echt oder nur ein Hirngespinst?

„Das Smartphone“ bewegt sich auf der Grenze zwischen Wissenschafts- und Actionthriller und setzt vor allem auf ein rasantes Tempo ohne Atempausen. Beinahe jedes Kapitel hält eine neue Wendung bereit, sodass die Lektüre wie im Flug vergeht. Der sehr einfach und knapp gehaltene Schreibstil trägt ebenfalls dazu bei, dass die Seiten nur so dahinsausen. Das Buch legt den Fokus vor allem auf die Schattenseiten moderner Technologie und beleuchtet einige erschreckende Möglichkeiten, wie diese Technologie missbraucht werden kann. So richtig zum Nachdenken anregen kann der Thriller dabei allerdings nicht. Aufgrund des rasanten Tempos und des knappen, handlungsorientierten Stils bleibt wenig Zeit für Reflexion, und bei keinem der angerissenen Themen geht es so richtig in die Tiefe, was gesellschaftliche oder individuelle Konsequenzen anbelangt. Das tut jedoch dem Unterhaltungswert des Buchs keinen Abbruch.

Fazit: „Das Smartphone“ ist ein spannender und origineller Thriller, jedoch eher eine Lektüre für zwischendurch. Wer nicht nach Tiefgang sucht, sondern vor allem gut unterhalten werden möchte, wird mit dem Buch sicher seinen Spaß haben.

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Veröffentlicht am 03.08.2024

Trotz schwachem Start eine spannende Lektüre

Im Kopf des Bösen - Ken und Barbie
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„Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie“, der zweite Band aus der Reihe um das Ermittler-Duo Sophie Kaiser und Leonhard Michels, beginnt schwach, kann sich jedoch stetig steigern. Dank der polizeilichen Expertise ...

„Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie“, der zweite Band aus der Reihe um das Ermittler-Duo Sophie Kaiser und Leonhard Michels, beginnt schwach, kann sich jedoch stetig steigern. Dank der polizeilichen Expertise von Fallanalytiker Axel Petermann, in Worte gepackt von Autorin Petra Mattfeldt, besticht das Buch vor allem durch die Authentizität des dargestellten Falls, der auf einer wahren Begebenheit beruht.

In Köln treibt ein Frauenmörder sein Unwesen. Mehrere junge Frauen sind bereits verschwunden, und als die ersten grausam zugerichteten Leichen auftauchen, treten Sophie Kaiser und Leonhard Michels vom BKA auf den Plan. Mit ihrem fallanalytischen Know-how erstellen die beiden ein Profil des Täters, das jedoch rasch an seine Grenzen stößt. Sind hier etwa zwei Personen am Werk – ein Paar? Als eine weitere junge Frau entführt wird, beginnt die Uhr zu ticken. Sophie und Leonhard stürzen sich mit allem, was sie haben, in die Arbeit und kommen sich dabei auch auf menschlicher Ebene näher. Für Sophie kein leichter Schritt, denn ihre autistischen Züge erschweren ihr zwischenmenschliche Beziehungen sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext.

Der Thriller basiert auf einem wahren Fall, einer Mordserie, die sich in den 1990ern in Kanada zutrug, wie das Nachwort detailliert aufschlüsselt. Petermann und Mattfeldt halten sich eng an die Abfolge der Ereignisse während dieser Morde und verlegen die Handlung nach Deutschland. Man merkt dem Roman an, dass hier geballte Expertise in Gestalt von Fallanalytiker Axel Petermann im Hintergrund steht, denn die Darstellung der Ermittlungen wirkt außerordentlich authentisch. Neben den beiden Ermittlungsfiguren kommen auch Opfer und Täter zur Sprache, in teils reißerischen Schilderungen, die aber fürs Genre gut passen und eine Abwechslung zum relativ neutral gehaltenen Ton des Handlungsstrangs rund um die Ermittlungen darstellen. Insbesondere der Start ins Buch wirkt beinahe nüchtern und damit nicht unbedingt spannungsgeladen. Das Autoren-Duo nimmt sich viel Zeit, Sophies Autismus zu erklären und vorzustellen, anstatt ihn anschaulich zu zeigen, sodass sich auf den ersten Seiten trotz Leichenfund nicht so recht Spannung einstellen will. Hat man es dann erst mal über die holzige Exposition geschafft, wird der Fall jedoch bald richtig spannend und auch Sophie im Kontakt mit ihrem Kollegen Leonhard als Figur etwas plastischer.

Ein spannender Thriller, der zwar schleppend ins Rollen kommt, dann aber durch hohes Tempo und ein authentisch geschildertes, spannungsreiches Ermittlungsverfahren überzeugen kann.

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Veröffentlicht am 09.06.2024

Brillant konstruiert und humorvoll erzählt

Mord stand nicht im Drehbuch
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Mit „Mord stand nicht im Drehbuch“ tritt Bestseller-Autor Anthony Horowitz einmal mehr mitten hinein in seinen eigenen Kriminalroman. Diesmal jedoch nicht als Ermittler, sondern als Tatverdächtiger. Während ...

Mit „Mord stand nicht im Drehbuch“ tritt Bestseller-Autor Anthony Horowitz einmal mehr mitten hinein in seinen eigenen Kriminalroman. Diesmal jedoch nicht als Ermittler, sondern als Tatverdächtiger. Während der Mix aus Realität und Fiktion nicht immer ganz gelingt, ist die Krimi-Handlung selbst ein großes Vergnügen.

Nach der Premiere von Horowitz’ aktuellem Theaterstück – einer Kriminalkomödie – in London, wird die härteste Kritikerin des Stücks tot aufgefunden. Ermordet mit einem Dolch, wie ihn die Besetzung als Geschenk erhalten hat. Horowitz gerät ins Fadenkreuz der polizeilichen Ermittlungen und sieht sich gezwungen, Hilfe bei dem brillanten, jedoch unausstehlichen Privatdetektiv Hawthorne zu suchen.Während sich die Polizei immer dichter an seine Fersen heftet, ziehen Horowitz und Hawthorne auf der Suche nach Antworten quer durch London und Umgebung. Mit jedem Interview eines Verdächtigen aus der Theatertruppe tauchen neue Hinweise auf, und schlussendlich gilt es, ein Puzzle aus unzähligen Teilen zusammenzusetzen, um dem Täter auf die Schliche zu kommen.

„Mord stand nicht im Drehbuch“ ist im Grundsatz ein Kriminalroman in bester Agatha-Christie-Manier: ein begrenzter Kreis von Verdächtigen, alle mit ihren jeweils eigenen Motiven und Geheimnissen, und ein Ermittler, der nach und nach die Informationshäppchen sammelt und am Ende durch erstaunliche Denkleistung zu einem klaren Bild zusammensetzt. Horowitz würzt dieses Patentrezept mit einer kräftigen Prise Humor und einer vielleicht etwas ausgearteten Dosis Metaebene. Die selbstironische Art, mit der der Autor sich selbst als Hauptverdächtigen und Erzähler ins Zentrum der Ermittlungen schiebt, wirkt hier und da vielleicht etwas übertrieben augenzwinkernd. Insbesondere dann, wenn Horowitz in tiefstaplerischer Manier seinen eigenen Erfolg als Autor herunterspielt oder sich von anderen Romanfiguren kleinreden lässt. Ein bisschen weniger Horowitz und ein klein wenig mehr Hawthorne hätten dem Roman gutgetan. Die Ermittlungen selbst und die Auflösung des Falls können dank der brillanten Konstruktion und der geschickten Einflechtung kleinster relevanter Details über den gesamten Roman hinweg jedoch auf ganzer Linie überzeugen.

Insgesamt ein lohnenswerter Kriminalroman mit leicht gewöhnungsbedürftiger Erzählperspektive, der Genrefans und Fans von Horowitz ganz sicher großes Lesevergnügen bereiten wird.

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Veröffentlicht am 09.06.2024

Ein wendungsreicher Krimi zum Mitdenken

COLD CASE - Das letzte Bild
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„Cold Case. Das letzte Bild“ ist bereits Tina Frennstedts vierter Band um die schwedische Kommissarin Tess Hjalmarsson und ihr Team, das sich gezielt mit Cold Cases, also alten und bislang ungelösten Fällen, ...

„Cold Case. Das letzte Bild“ ist bereits Tina Frennstedts vierter Band um die schwedische Kommissarin Tess Hjalmarsson und ihr Team, das sich gezielt mit Cold Cases, also alten und bislang ungelösten Fällen, beschäftigt. Genau wie die Vorgängerbände glänzt „Das letzte Bild“ durch einen komplexen und spannend konstruierten Fall und zahlreiche unerwartete Wendungen, wobei im Vordergrund stets die eigentliche Ermittlungsarbeit steht.

Tess hat es gerade nicht einfach: Sie ist vorübergehend vom Dienst freigestellt, und dann wird ihr auch noch wegen zu schnellen Fahrens der Führerschein entzogen. Nicht gerade die idealen Voraussetzungen für eine Ermittlung. Als jedoch in einem alten Fall, der Tess persönlich nahegeht, plötzlich neue Informationen auftauchen, ist sie wild entschlossen, der Sache endlich auf den Grund zu gehen. Bislang unbekannte Fotos des Opfers machen die Runde auf einer dubiosen Website. Da Tess die Zusammenarbeit mit ihrem eigenen Cold-Case-Team vorerst verwehrt bleibt, tut sie sich mit einem Profiler und einer Bildanalytikerin von der Kopenhagener Polizei zusammen. Neben den Schwierigkeiten der Ermittlungen bringt dies auch eine Reihe von berufspolitischen und persönlichen Hürden mit sich.

Tina Frennstedts Krimis zeichnen sich vor allem durch ihren Fokus auf der Ermittlungsarbeit selbst aus. Jede Wendung wird sorgfältig vorbereitet, jede Enthüllung befindet sich am richtigen Fleck, sodass Lesende mitdenken und miträtseln können. In „Das letzte Bild“ gelingt dies allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt – das Ende bringt dann doch noch eine nicht vorhersehbare Überraschung mit sich. Im Großen und Ganzen ist die „Cold-Case“-Reihe nicht effekthascherisch, in „Das letzte Bild“ lehnt sich die Autorin mit der ein oder anderen Enthüllung zum Ablauf der Tat dann aber doch etwas weiter aus dem Fenster. Das tut dem spannenden Leseerlebnis insgesamt jedoch kaum Abbruch. Besonders gelungen sind in diesem Band die Einblicke in weniger verbreitete Ermittlungsmethoden wie die Bildanalyse, die wertvolle Hinweise zur Lösung des Falls beiträgt. Wie von der Autorin gewohnt, sind es die kleinen Details, die am Ende entscheidend sind.

„Cold Case. Das letzte Bild“ ist ein absolut empfehlenswerter Krimi für Lesende, die gerne komplexe Ermittlungen begleiten und sich dabei selbst den Kopf zerbrechen. Trotz eines nicht hundertprozentig überzeugenden Endes kann dieser Roman gut unterhalten und lädt zum Mitfiebern ein.

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