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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.11.2024

Aquarelle anstelle von Fotos

Das Aroma der Jahreszeiten
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Die beiden Autorinnen sind, wie man schnell merkt, sehr lange schon Freundinnen. Ich finde sie super sympathisch. Dennoch hätte ich mich über Fotos zu den Gerichten gefreut, auch wenn Sabine Nimz wunderbare ...

Die beiden Autorinnen sind, wie man schnell merkt, sehr lange schon Freundinnen. Ich finde sie super sympathisch. Dennoch hätte ich mich über Fotos zu den Gerichten gefreut, auch wenn Sabine Nimz wunderbare Zeichnungen davon gemacht hat. Dafür gibt es Fotos von den beiden Frauen, der Natur und anderen Dingen. Für mich ist das nicht so ganz ideal. Sehr schön finde ich aber den sehr ausführlichen kulinarischen Wortschatz, sodass auch Nicht-Österreicher die Ausdrücke, die ich so sehr liebe, verstehen.

Zu den vier Jahreszeiten gibt es, ganz dem Titel entsprechend, passende Rezepte. Kurze Gedichte und einleitende kleine Texte stimmen darauf ein. Neben den vegetarischen Rezepten wird auch das Prinzip des Leaf to Root angewandt. Letzteres ist leider nichts für mich persönlich. Radieschenblätter, Karottengrün und ähnliches nehme ich nach unzufriedenstellenden Versuchen endgültig nicht auf meinem Speiseplan auf. Daher muss ich das eine oder andere Rezept etwas abändern, was kein echtes Problem darstellt.

Der recht klassische Aufbau der Rezepte ist sehr gefällig. Überschrift, kleiner Text, Angaben zu Zubereitungszeit und Menge, Zutatenliste, Arbeitsschritte und ein zusätzliches Anmerkungsfeld ergeben verständliche und übersichtliche Rezepte. Angaben zu den Nährwerten finden sich nicht. Ich persönlich brauche die auch gar nicht.

Die Rezepte selbst sind jetzt vielleicht nicht die Neuerfindung der vegetarischen Küche, bestehen aber für mein Verständnis aus einer tollen, abwechslungsreichen Mischung. Es finden sich Klassiker und Neuinterpretationen, die recht unkompliziert nachgekocht werden können, ohne die Zutaten in der halben Welt zusammensuchen zu müssen.

Dennoch ist dies für mich ein Kochbuch, das sich nicht für alle eignet, sondern eher etwas für Sammler und Liebhaber ist. So leid es mir tut, kann ich nicht mehr als drei Sterne geben.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Was geschah wirklich?

Stalker – Er will dein Leben.
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Endlich steht Eric Sander vor dem Durchbruch als Schauspieler! Die Rolle im TATORT hat ihm viele Türen geöffnet und ihn einem breiten Publikum bekannt gemacht. Auch auf allen Social Media Kanälen wächst ...

Endlich steht Eric Sander vor dem Durchbruch als Schauspieler! Die Rolle im TATORT hat ihm viele Türen geöffnet und ihn einem breiten Publikum bekannt gemacht. Auch auf allen Social Media Kanälen wächst das Interesse an ihm. Doch dann kippt es und jemand versucht, sein Leben so zu übernehmen, wie er seine Profile übernimmt. Das Ganze gipfelt darin, dass dieser Unbekannte Eric dazu zwingen will, einen Mord zu gestehen, wenn er seine Liebsten retten will. Eric muss herausfinden, was vor vielen Jahren geschah, denn an seine Kindheit und frühe Jugend kann er sich seit einem fürchterlichen Ereignis nicht mehr erinnern.

Die Story ist nicht schlecht, aber es kippt an einem gewissen Punkt für meinen Geschmack ins Absurde. Bis dahin bauen die Ereignisse aber sehr gekonnt aufeinander auf und führen Eric in seine eigene Vergangenheit, die er so wenig kennt, wie der Leser oder Hörer. Das macht es sozusagen doppelt spannend. Einige Aktionen und Reaktionen von Erik finde ich jedoch etwas fragwürdig und sinnbefreit. Die Zusammenhänge werden nach und nach klar, ein paar Stellen sind etwas ungehobelt und ungeschliffen, wodurch sie sehr konstruiert wirken.

Ich hadere auch mit dem Titel und Begriff Stalker etwas. Die Story dreht sich eigentlich gar nicht um dieses Thema und Erics Gegner sehe ich auch nicht als Stalker an. Doch das sind Haarspaltereien und nicht der Grund, warum ich nicht so sehr begeistert bin. Meine Kritik betrifft die meiner Meinung nach zu krassen Wendungen in zu hoher Anzahl. Das zieht die Story dann für meinen Geschmack ins Absurde, Lächerliche, Unrealistische. Die ausgelegten falschen Spuren sind für mich mit einem leichten Hauch von Billig gewürzt. Das ist schade und hat dieser Autor doch gar nicht nötig. Der Anfang war richtig klasse, doch dann hat er sich irgendwie vergaloppiert. Schon allein, dass außer der Figur des Erics alle anderen wie Statisten wirken und damit farblos bleiben, schmälert bei mir den Genuss. Insgesamt war das eine außergewöhnliche Geschichte, die viel besser erzählt hätte werden können, auch wenn Sascha Rotermund wie immer einen großartigen Job beim Lesen gemacht hat. Bleiben drei Sterne.

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Veröffentlicht am 08.08.2024

Der Greifer

Finster
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Kriminalkommissar Hans J. Stahl ist inzwischen a.D., kommt aber nicht zur Ruhe. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass er sein Versprechen, das Verschwinden eines kleinen Jungens im Jahre 1976 aufzuklären, ...

Kriminalkommissar Hans J. Stahl ist inzwischen a.D., kommt aber nicht zur Ruhe. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass er sein Versprechen, das Verschwinden eines kleinen Jungens im Jahre 1976 aufzuklären, nicht einhalten konnte. Daher will er nach Katzenbrunn und unter dem Vorwand, Urlaub zu machen, ein wenig herumschnüffeln, denn ein paar Monate zuvor ist wieder ein Junge verschwunden, zehn Jahre danach. Stahl kann nicht an einen Zufall glauben und mit Hilfe von Wirtin Geli setzt er alles in Bewegung, die Fälle aufzuklären. Dabei decken die Beiden verstörende Dinge auf.

Die Figuren dieses Thrillers gefallen mir zum großen Teil sehr. Auch ist es Ivar Leo Menger gelungen, ein paar Wendungen einzubauen, die man nicht erwarten konnte. Die Ideen sind super, dennoch finde ich das Buch nicht so stark, wie Als das Böse kam. Mir fehlt etwas, das ich nicht greifen kann. Zudem sind mir an einigen Stellen die Sätze zu phrasenhaft, abgedroschen, abgenutzt und fast schon schuljungenhaft anmutend. Dabei meine ich nicht die Gedanken zweier bestimmter Figuren, sondern tatsächlich insgesamt im Buch verteilt, auf alle Personen und Szenen verteilt. Das erstaunt mich in mehrfacher Hinsicht, da ich diese Störpunkte im vorgenannten Buch nicht fand und ich mich auch wundere, wieso das Lektorat daran nichts auszusetzen hatte.

Das Privatleben einiger Personen bzw. Figuren wird näher beleuchtet. Da kann man manchmal schon das Grausen bekommen! Bei anderen ist es wiederum erfreulich und fast schon tröstlich. Der Ort selbst ist wenig einladend und in ein paar Punkten eindeutig unrealistisch angelegt. Da ich nicht weit weg vom Odenwald lebe und ein paar der realen Orte kenne, bin ich vom Rest etwas erstaunt – kein Ort ähnelt Katzenbrunn, was ganz gut ist, denn dieser Ort ist sehr abstoßend. Die Trinkerheilanstalt und die Psychiatrische Klinik gibt es ebenfalls nicht. Darüber kann man problemlos hinwegsehen, jedoch nicht über ein paar Unstimmigkeiten und logische Fehler der Story. Gegen Ende wird etwas direkt umgesetzt, was im realen Leben nicht ohne weiteres möglich wäre. Das hat mich wirklich gestört.

Auch schwierig ist die Masse an Figuren, die schon auf den ersten 50 Seiten auftreten. Da ist es schwer, den Überblick zu behalten und eigene Theorien aufzustellen. Sowohl Motiv als auch die Gleichgültigkeit der Dorfbewohner und das Hobby vieler davon sind für mich nicht nachvollziehbar. Schade, denn ich liebe Storys, die in den 1980ern angesiedelt sind. Das alles zusammen macht die geniale Grundidee leider zunichte, sodass ich am Ende nicht mehr als drei Sterne geben kann. Daran ändert auch der auf Spotify zu findende Soundtrack zum Buch nichts.

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Veröffentlicht am 01.08.2024

Zu komplex für meinen Geschmack

Tode, die wir sterben
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Kommissar Jon Nordh ist frisch verwitwet und kämpft mit seiner Trauer. Svea Karhuu wurde strafversetzt und ist entsprechend mies drauf. Ausgerechnet diese beiden müssen zu einem eingeschworenen Team zusammenwachsen, ...

Kommissar Jon Nordh ist frisch verwitwet und kämpft mit seiner Trauer. Svea Karhuu wurde strafversetzt und ist entsprechend mies drauf. Ausgerechnet diese beiden müssen zu einem eingeschworenen Team zusammenwachsen, um einen äußerst heiklen Fall zu lösen, der zunächst harmlos aussah, sich aber schnell als alles andere als das erwies. Da sollte einem sein eigenes Leben und vor allem seine eigene Vergangenheit nicht im Wege stehen und einen immer wieder einholen.

Dies ist der Auftakt einer Reihe. Inwieweit ich dieser folgen werde, kann ich noch nicht sagen. Als Vielleser habe ich ein kleines Problem mit Reihen. Meist dauert es ewig, bis ein neuer Band erscheint. Bis dahin habe ich so viel anderes gelesen, dass ich die relevanten Dinge nicht unbedingt parat habe.

Das größte Problem, das ich mit diesem Thriller habe, ist das, was eigentlich große Kunst ist. Er ist enorm vielschichtig, komplex und dicht verwebt. Für die spannende Unterhaltung nach einem langen Tag ist das, wie ich merken musste, nicht so gut geeignet. Hier muss man sich voll drauf einlassen und muss Fuchs und Hase sein, um nicht die Anschlüsse, Abzweigungen und Wendungen zu verpassen.

Für mich sind das einfach zu viele Stränge und zu viele (zugegeben: wichtige) Themen, die in einer Story zusammengefasst wurden. Es ist immer schön, etwas über das Privatleben der Ermittler zu erfahren, aber das noch zu all den Geschehnissen dazu genommen, ergibt eine Mischung, die mir zu schwer im Magen liegt und den Lesegenuss sehr geschmälert hat.

Die Ermittlungsarbeit ist in sich für mich stimmig und verständlich geschrieben. Da ich jedoch weder Jon noch Svea sympathisch genug fand, um mich auf seine oder ihre Seite zu schlagen, hat mich das Autorenduo nicht für sich und ihr Buch gewinnen können. Ich mag nordische Autoren in der Hörbuchversion sehr gerne, beim Lesen gebe ich da schnell auf. Hier hätte ich jedoch zwischendurch tatsächlich gern abgebrochen, weil alles zu depressiv und düster wirkte und mich daher eher abstieß, als zu fesseln. Drei Sterne. Gerade noch so.

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Veröffentlicht am 23.07.2024

Schwieriges Thema für einen Liebesroman

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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Erin hat versehentlich eins ihrer Lieblingsbücher mitsamt einer ihr wichtigen Postkarte in den öffentlichen Bücherschrank gestellt, der in London wohl ein wenig anders funktioniert, als bei uns. Man nimmt ...

Erin hat versehentlich eins ihrer Lieblingsbücher mitsamt einer ihr wichtigen Postkarte in den öffentlichen Bücherschrank gestellt, der in London wohl ein wenig anders funktioniert, als bei uns. Man nimmt ein Buch mit und bringt es nach dem Lesen wieder zurück. Als sie ihr Buch endlich wieder hat, stellt sie fest, dass ein Fremder auf ihre Kommentare, die sie am Rand hinterlassen hatte, geantwortet hat. Dieser Fremde lädt sie ein, ihn im nächsten Buch zu treffen. Es entsteht eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden. Dann stellt der Fremde, James, fest, dass er Erin kennt. Und das darf sie nicht erfahren.

Die Story selbst wirkt durch das, was Erin und James verbindet, ohne dass sie es wissen. Irgendwann muss natürlich einer von beiden dahinterkommen und ab diesem Zeitpunkt ändert sich die Stimmung total. Witzig finde ich das Buch eigentlich an keiner Stelle, eher empfinde ich besonders Erin als schwierige Person. Auch James ist nicht ganz so unschuldig an der Situation, insgesamt ist er aber eher in der Opferrolle. Bei beiden sehe ich auch den Freundeskreis als versagend an. Die Verwicklungen sind schon hin und wieder nicht ganz unkomisch, dennoch bleibt das Hauptthema bitter ernst. Am ehesten sympathisiere ich noch mit James, obwohl ich ihn hin und wieder auch ganz gern kräftig geschüttelt hätte.

Dass man als Außenstehender nach und nach viel über das Leben von Erin und James erfährt, ist für das Ende wichtig, wirkt zeitweise aber überflüssig. Dafür gefällt mir die eingebildete Anwesenheit von Bonnie sehr gut. Ich mag solche emotionalen Momente sehr und jeder, der schon einen geliebten Menschen verloren hat, wird das mehr oder weniger stark selbst kennen.

Schade finde ich, dass nicht mehr auf die Bücher eingegangen wurde, über die die beiden sich ausgetauscht haben. Das hätte jede Menge Potenzial geboten und das Interesse an diesen Büchern beim Leser geweckt. So knapp gehalten bleibt dieser Effekt leider aus.

Die Sprecher haben mich an manchen Stellen fast so genervt, wie die Figuren, die sie darstellen. Besonders wenn London englisch ausgesprochen wurde, fand ich das affig und nicht stimmig. Trotzdem waren die beiden eine gute Wahl.

Für eine lockerleichte Sommerunterhaltung ist das Thema zu ernst, aber wirklich tiefgründig und anspruchsvoll ist die Story dann doch nicht. Daher ergibt das bei mir insgesamt drei Sterne.

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