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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2024

Gute Krimiunterhaltung

Beifang
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Auch Kriminalpolizisten werden älter wie man am Beispiel von Triests Commissario Proteo Laurenti sehen kann. In seinem nunmehr 12. Fall, der hoffentlich trotzdem nicht sein letzter sein wird, soll er, ...

Auch Kriminalpolizisten werden älter wie man am Beispiel von Triests Commissario Proteo Laurenti sehen kann. In seinem nunmehr 12. Fall, der hoffentlich trotzdem nicht sein letzter sein wird, soll er, nach dem Willen seines Vorgesetzten, den Antrag auf Pensionierung ausfüllen und unterschreiben. Da kommt ihm doch eine weibliche Leiche, die er beim Fischen im Golf von Triest selbst entdeckt, gerade recht.

Wie sich schnell herausstellt ist die Tote eine erfahrene Skipperin, die diesmal vielleicht doch zuviel riskiert hat. In derselben Nacht hat es auf der, von den Behörden festgesetzten, russischen Yacht A eine Explosion gegeben und ein russischer Waffenhändler soll über das Meer geflohen sein. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang vermutet.

Laurenti verschiebt den Gedanken an eine Pension weit weg und ermittelt im Umkreis der Toten. Immer taucht der Name von Raffaele Raccaro auf, einem international bekannten Geschäftsmann mit einem großen Netzwerk von Gefälligkeiten, in das halb Triest verstrickt zu sein scheint und wenn es auch nur - wie bei Laurenti - um eine nicht angemeldete Putzfrau geht.

Daneben muss sich Laurenti ein wenig mit seiner lieben Gattin herumschlagen, die unbedingt eine Villa in der Stadt kaufen will, während Proteo lieber direkt am Meer wohnen bliebe. Wer wird dieses Match gewinnen?

Meine Meinung:

Diese Reihe von Veit Heinichen, der ja selbst in der altösterreichischen Hafenstadt Triest lebt, habe ich nicht so stringent verfolgt wie jene seines Kollegens aus Venedig. Proteo Laurenti kenne nur aus ein oder zwei Fällen. Das werde ich nun aber nachholen, versprochen. Ich mag ja Triest mit seinen Häusern, die an die k. und k. Zeit erinnern, fast lieber als die Serenissima.

Besonders gut gefällt mir, weil für mich unbekannt, das „Verhältnis“ von Proteo zur kroatischen Staatsanwältin Ziva Ravno. Bilde ich mir das nur ein, oder höre ich ein leises Knistern? Schon allein deswegen lohnt es sich, bei Band eins zu beginnen.

Schmunzeln musste ich auch über die Altherrenrunde, die über vergangene (Partisanen)Heldentaten philosophieren und auch mit der Oligarchenyacht, die den italienischen Steuerzahler aberwitzige Summen kostet, kurzen Prozess machen würden, wenn man sie nur ließe.

Der Schreibstil ist eher gemächlich. Es werden weder Laurentis Privatleben noch seine kulinarischen Vorlieben ausgelassen. Ein echter Wohlfühlkrimi, wenn man nicht gerade das Opfer oder der Täter ist.

Auch wenn mit diesem Krimi das Dutzend voll ist, kann ich mir noch weitere Fortsetzungen vorstellen.

Fazit:

Mir hat dieser Krimi recht gut gefallen, weshalb ich hier 5 Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 11.08.2024

Fesselnd bis zur letzten Seite

Salzburger Intrigen
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Nach „Salzburger Abgründe“ lässt Jenna Theiss ihre Abteilungsinspektorin Dina Stassny zum zweiten Mal in der Stadt Salzburg ermitteln.

Daniel Gerlach und Stella Hellwig, ein junges Paar, stößt beim Umgraben ...

Nach „Salzburger Abgründe“ lässt Jenna Theiss ihre Abteilungsinspektorin Dina Stassny zum zweiten Mal in der Stadt Salzburg ermitteln.

Daniel Gerlach und Stella Hellwig, ein junges Paar, stößt beim Umgraben eines Rasenstückes in ihrem Garten auf menschliche Knochen. Anstatt die Polizei zu verständigen, entwickeln sie eine eigenartige Betriebsamkeit. Blöderweise werden sie dabei von der neugierigen Nachbarin beobachtet.

Dieses Skelett wird nicht der einzige Todesfall in diesem Salzburger Krimi bleiben, denn, wie Dina Stassny und ihr Chef Adrian Billinger herausfinden, ist der Knochenfund nur der Auftakt einer Reihe von Verbrechen. So wird wenig später Stellas Chefin, die Schriftstellerin Alexa Graf, mit vergifteten Mozartkugeln getötet. Der Verdacht fällt relativ schnell auf Daniel und Stella, denn in ihrem Garten wächst der Blaue Eisenhut, jene Pflanze die in ihrer Gesamtheit höchst toxisch wirkt.

Doch was hätte Stella davon, ihre Chefin zu töten?

Meine Meinung:

Wie schon in ihrem ersten Salzburg-Krimi „Salzburger Abgründe“, gelingt es Autorin Jenna Theiss wieder eine komplexe Handlung vor der Kulisse der Festspielstadt zu erstellen, in dem starke Gefühle eine große Rolle spielen, die schon in der Vergangenheit für eine Tragödie gesorgt haben.

Der Plot ist komplex und die Anzahl der Mitspieler groß, die in einem Personenverzeichnis dem Krimi voran gestellt sind. Neben den menschlichen Akteuren spielen verschiedene Ortsteile von Salzburg sowie Chips, der Schäferhund von Dina Stassny, der zwar kein offizieller Polizeihund ist, aber eine entsprechende Ausbildung absolviert hat, eine große Rolle.

Dieser Krimi beschert uns auch ein Wiedersehen mit Chefinspektor Paul Materna. Leiter der Ermittlungsabteilung „Leib und Leben“ in Linz aus der anderen Krimi-Reihe von Jenna Theiss. Hier wird Netzwerken und Bundesländer übergreifende Zusammenarbeit großgeschrieben! Das gefällt mir sehr gut.

Der Schreibstil ist authentisch, denn die Autorin verwendet zahlreiche österreichische Ausdrücke. Aber, keine Angst, die werden in einem Glossar am Ende des Krimi aufgelistet und übersetzt. Sehr angenehm ist, dass auch die Dienstgrade der österreichischen Polizei - also AbteilungsinspektorIn, ChefinspektorIn etc. verwendet werden.

Neben den zielstrebigen Ermittlungen darf auch ein wenig Humor nicht fehlen.

Fazit:

Eine fesselnde Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 31.07.2024

Gipfel sammel im Tiroler Unterland

Tirol Summits
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Gipfel sammeln im (Nord)Tiroler Unterland

Dieser nach, „Salzburg-Summits“ und „Osttirol-Summits“ dritte Berg- und Wanderführer für Gipfelsammler, bietet eine vollständige Liste der jeweils höchsten Punkte ...

Gipfel sammeln im (Nord)Tiroler Unterland

Dieser nach, „Salzburg-Summits“ und „Osttirol-Summits“ dritte Berg- und Wanderführer für Gipfelsammler, bietet eine vollständige Liste der jeweils höchsten Punkte aller 89 Tiroler Gemeinden im (Nord)Tiroler Unterland. Das Unterland besteht aus den Bezirken Kitzbühel, Kufstein und Schwaz.

Wie immer weisen Gabriel Seitlinger und seine Co-Autorin Irene Welebil in der Einleitung auf präzise Tourenplanung und ordentliche Ausrüstung hin. Man kann diese „Hochpunkte“ als Berg-, Ski- oder Radtour erklimmen und für die Anreise öffentliche Verkehrsmittel benützen.

Flachlandbewohner können das akribische Sammeln von Gipfeln schwer begreifen. Es scheint aber die Leidenschaft vieler Bergfexe zu sein. Ob dabei nicht das Wesen einer Bergtour verloren geht? Nämlich das Einssein mit der Natur?

Sei es, wie es sei, Gabriel Seitlinger weiß, worüber er schreibt, ist er doch studierter Geograf, Mitarbeiter der Salzburger Landesregierung, Abteilung Raumplanung und leidenschaftlicher Bergsteiger.

Er beschreibt bekannte und weniger bekannte Touren. Insgesamt 89 an der Zahl. Die Touren sind im (Nord)Tiroler Unterland wie folgt zusammengefasst:

Kitzbühel
Kufstein
Schwaz

Bei jeder Tour ist angegeben, ob sie sich als Berg-, Ski- oder Radtour eignet. Kartenausschnitt, Angabe von Koordinaten, Anforderungen, Ausrüstung und Ausgangspunkt vervollständigen den „Steckbrief“.

Wer seine Summits lieber alphabetisch ordnet, kann das auch: Von Achenkirch bis Zellberg.

Fazit:

Dieser Bergtourenführer bietet ein kompaktes Kompendium der schönsten und höchsten Berggipfel Tirols. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.07.2024

Kärnten auf Schusters Rappen entdecken

Gemütliches Kärnten
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40 ge(h)mütliche Wanderungen warten nun in Kärnten auf uns. Nach der Steiermark, der Obersteiermark, dem Burgenland sowie den grenzenlosen Wanderungen zeigen uns Alois und Anni Pötz sowie Johann Dormann, ...

40 ge(h)mütliche Wanderungen warten nun in Kärnten auf uns. Nach der Steiermark, der Obersteiermark, dem Burgenland sowie den grenzenlosen Wanderungen zeigen uns Alois und Anni Pötz sowie Johann Dormann, die schönsten Wege und Ausblicke in Österreichs südlichstem Bundesland.

Wir begeben uns auf vierzig Genusswanderungen und entdecken so manches Kleinod abseits der touristisch Trampelpfande. Geografisch bzw. geologisch ist Kärnten wie folgt eingeteilt:

das Klagenfurter Becken, das größte inneralpine Becken in den Ostalpen
die Karawanken und die Karnischen Alpen im Süden
das Hochgebirge Oberkärntens mit dem Großglockner, dem höchsten Berg Österreich (3.798m)
die Gurktaler Alpen, ein Mittelgebirge zwischen der Linie Villach-St. Veit-Friesach und dem Liesertal
die Sau- und die Koralpe mit dem Lavanttal im Osten

Als halbe Kärntnerin, deren Wurzeln in Villach liegen, kenne ich die Umgebung der Draustadt natürlich am besten. Das Maibachl im Warmbad Villach habe ich auch Anfang September sprudeln gesehen.

Auf den vierzig Wanderungen kann man nicht nur Naturschönheiten wie die Obirhöhlen bewundern, sondern auch Sakralbauten wie den Dom zu Gurk oder Profanbauten wie Burg Hochosterwitz oder Landskron oder Burgruine Finkenstein sowie einige Schlösser. Nicht zu vergessen die vielfältige Seenlandschaften mit dem Millstätter See, Faaker See, die Ruhe am Weißensee oder das quirlige Treiben am Wörther See.

Jede dieser Wanderungen wird gut beschrieben. Details zu Schwierigkeitsgrad, Länge, Gezeit sowie Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergänzen den Kartenausschnitt. Natürlich dürfen kulinarische Tipps und interessante Informationen zu Land und Leuten nicht fehlen.

Fazit:

Auf diesen 40 Wanderungen warten zahlreiche, vielleicht bislang unbekannte, Kleinode Kärntens darauf, von uns entdeckt zu werden. Von mir gibt es dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.07.2024

Erschütternd

Qimmik
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In seinem neuen Roman beschäftigt sich Michel Jean abermals mit den Verbrechen der Behörden Quèbecs an der autochthonen Bevölkerung der Innu. Neben der Abnahme der indigenen Kindern, deren Erziehung in ...

In seinem neuen Roman beschäftigt sich Michel Jean abermals mit den Verbrechen der Behörden Quèbecs an der autochthonen Bevölkerung der Innu. Neben der Abnahme der indigenen Kindern, deren Erziehung in katholischen Internaten bzw. Freigabe zur Adoption, gehört das massenhafte Erschießen der Schlittenhunde zum üblichen Vorgehen der Polizei. Mit dem systematischen Töten der, als Qimmik bezeichneten Tiere, die in der Gesellschaft der Innu mehr als nur Tiere zum Jagen oder Ziehen von Schlitten sondern als Familienmitglieder behandelt worden sind, unterbindet man das traditionelle Jagen in den nördlichen Landstrichen. Das brutale Vorgehen der Polizei in den 1960er-Jahren hat Auswirkungen auf die Gegenwart.

Die junge Rechtsanwältin Ève Beaulieu, die in einer renommierten Kanzlei in Québec arbeitet, übernimmt die Verteidigung von Uqittuk Ainalik, einem Innu, der im Verdacht steht zwei Rentner getötet zu haben. Der Mann schweigt beharrlich. Ève beginnt zu recherchieren und entdeckt, dass der Verdächtige für zwei weitere Morde als Täter in Frage kommen könnte. Die vier Toten haben eines gemeinsam: Sie sind ehemalige Polizisten im Ruhestand, die ihren Dienst im Gebiet der Autochthonen verrichtet haben.

Bei den Recherchen zu Ainalik kommt quasi nebenbei heraus, dass der Verbleib eines der vom Jugendamt „beschlagnahmten“ Kinder ungeklärt ist. Das Mädchen ist am 7. Jänner 1995 geboren - Èves Geburtstag.

Meine Meinung:

Wie schon in seinen anderen Roman erzählt Michel Jean in eindringlichen Worten vom Schicksal der autochthonen Bevölkerung Kanadas, die systematisch zur Sesshaftigkeit und damit zur Untätigkeit gezwungen worden ist.

In zwei Zeitebenen und ebenso vielen Handlungssträngen erfahren wir die Geschichte des Jägers Ulaajuk und der Saullu, die mehrere Jahre gemeinsam auf Jagd gehen, bevor auch sie in ein Reservat in Nunavik umziehen müssen.

Der Erzählstrang in der Gegenwart beschäftigt sich nicht nur mit Ainalik, sondern auch mit Èves Herkunft, die, wie sie weiß, als Baby vom Ehepaar Beaulieu adoptiert worden ist. Da sie sich sehr geliebt fühlt, hat sie nie das Bedürfnis verspürt, nach ihren leiblichen Eltern zu suchen. Der Fall um Uqittuk Ainalik, der sie als „Schwester“ bezeichnet, bringt den Stein ins Rollen.

Die Beweggründe der Behörden, (autochthonen) Minderheiten zu assimilieren und/oder zu vernichten, wie es in einigen Ländern der Welt nach wie vor passiert, werde ich nie verstehen. Die Rolle der katholischen Kirche noch viel weniger. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ hat sichtlich im imperialen Größenwahn keinen Platz.

Das Buch ist im kleinen, aber feinen Verlag Loijze Wieser aus Klagenfurt in gediegener Ausstattung als Hardcover mit Lesebändchen erschienen. Ich bin sehr froh, dass Michel Jeans Roman in diesem Verlag eine Heimat gefunden haben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem erschütternden Roman über die systematische Vernichtung der autochthonen Lebensweise der Innu und Inuit in Kanada 5 Sterne und eine Leseempfehlung.