Profilbild von Clara

Clara

Lesejury Star
offline

Clara ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Clara über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2017

Verwirrende Erzählweise

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?
0

Auf das Erscheinen von Megan Mirandas Debütroman war ich sehr gespannt. Das Cover sticht mit seinen pinken Buchstaben auf dunklem Untergrund ins Auge. In den Lesepausen habe ich immer wieder über den Buchdeckel ...

Auf das Erscheinen von Megan Mirandas Debütroman war ich sehr gespannt. Das Cover sticht mit seinen pinken Buchstaben auf dunklem Untergrund ins Auge. In den Lesepausen habe ich immer wieder über den Buchdeckel gestrichen, da sich die Buchstaben in den verschiedenen Farben unterschiedlich anfühlen.

Die Geschichte handelt von Nicolette, die in ihre Heimatstadt zurück kehrt um das Haus ihres Vaters auszuräumen, da er in ein Pflegeheim umgezogen ist. In der Kleinstadt scheinen an jeder Ecke Gespenster der Vergangenheit zu lauern. Vor 10 Jahren ist hier Nicks beste Freundin Corinne verschwunden und dies scheint sich nun mit einem anderen Mädchen zu wiederholen.

Nach einem kurzen Einstieg, der in der Gegenwart spielt, wird die Geschichte rückwärts erzählt, dass heißt, am Ende eines jeden Kapitels springt die Handlung einen Tag zurück. Diese Erzählweise ist einerseits originell, da sie mir bisher in noch keinem Buch begegnet ist, überzeugen konnte sie mich jedoch nicht. Die umgekehrte Reihenfolge macht es sehr schwer, der Handlung zu folgen. Ich hatte ständig das Gefühl, beim Lesen geträumt und etwas verpasst zu haben. Zudem wurde mein Lesefluss immer wieder unterbrochen, wenn ein neues Kapitel begann. Ich musste mich immer wieder erinnern, dass wir nun einen weiteren Tag zurück sind und dass das bereits Gelesene in der Chronologie der Ereignisse erst später passiert.

Trotz dieser Schwierigkeiten war ich dennoch von Anfang an sehr interessiert, was es mit dem Verschwinden von Corinne und Annaleise auf sich hat. Auf den letzten 100 Seiten – je näher wir dem Tag 1 kommen – nimmt die Handlung immer mehr an Fahrt auf und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass in den letzten beiden Kapiteln im Grunde die komplette Geschichte erzählt wird und der Rest rückblickend überwiegend Seitenfüller ist. Das fiel mir allerdings erst auf, als ich „Tick Tack“ beendet hatte, während des Lesens fühlte ich mich gut unterhalten.

Die Charaktere sind im Großen und Ganzen allesamt ziemlich naiv. Mit Ende 20 agieren sie immer noch genauso irrational wie mit 18 Jahren. Alles was geschieht beruht auf einer Verkettung von Ereignissen, die man hätte vermeiden können, wenn die Teenies und Nics Vater damals ein erwachseneres Verhalten an den Tag gelegt hätten.

Nichts desto trotz scheint die Gruppe in ihrem Kokon aus Intrigen und Geheimnissen glücklich zu sein.
Mitleid hatte ich mit Everett, Nics hilfsbereiten Verlobten, der sich vermutlich gefühlt hat, als sei er in ein Irrenhaus geraten.

„Tick Tack – wie lange kannst Du lügen“ ist meiner Meinung nach zwar nicht das versprochene Krimi Highlight, aber dennoch ein Buch, welches ich gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 06.11.2017

Weniger seicht als erwartet

Sommer unseres Lebens
0

Genau 25 Jahre ist es her, dass Hanne, Miriam und Claude sich zufällig kennen lernten und einen unvergesslichen Sommer in Portugal verbrachten. Damals gaben sie sich das Versprechen, diese Reise in genau ...

Genau 25 Jahre ist es her, dass Hanne, Miriam und Claude sich zufällig kennen lernten und einen unvergesslichen Sommer in Portugal verbrachten. Damals gaben sie sich das Versprechen, diese Reise in genau 25 Jahren zu wiederholen.
Nach einigem Zögern machen sich die mittlerweile 50-jährigen Damen tatsächlich auf den Weg nach Portugal.
Was folgt ist eine Situation zwischen Fremdheit und Vertrautheit. Ein halbes Leben ohne Kontakt ist eine lange Zeit, die jeder auf eine andere Art verbracht hat. Dennoch sind Claude, Hanne und Miriam im Grunde ihres Herzens die selben wie früher und so dauert es nicht lange, bis die Freundschaft von damals wieder auflebt.

Allein vom Klappentext und Cover des Buches hatte ich nicht allzu hohe Erwartungen an „Sommer unseres Lebens“ und habe eine seichte Strandlektüre erwartet. Deswegen war ich positiv überrascht, dass das Buch doch ein wenig mehr Tiefgang bieten konnte. Geplatzte Träume, Existenzangst und gescheiterte Beziehungen sind nur einige Themen, mit denen sich die drei Frauen konfrontiert sehen.
Dazu kam noch eine große Mischung an Pleiten, Pech und Pannen in Form von defekten Handys, gestohlenen Kreditkarten und einem kaputten Auto. In der Häufung ist es zwar nicht wirklich wahrscheinlich, trägt aber dazu bei, das Chaos komplett zu machen sowie mehr als einen Wutausbruch zu provozieren.

Dieser Trip ist für die Freundinnen nicht nur eine Reise in die Vergangenheit sondern auch eine Reise zu sich selbst, an deren Ende jeder mit neuen Erkenntnissen zurück kommt.

Bis auf eine Länge im vorderen Drittel des Romans lies sich „Sommer unseres Lebens“ sehr kurzweilig lesen. Land und Leute sind sehr gut beschrieben, wodurch die Handlung lebendig wurde.

Veröffentlicht am 10.05.2026

Fehlende Originalität

Schlafende Vulkane
0

Da ich sowohl die Sebastian Bergmann Reihe als auch Krimis, die in Island spielen, liebe, war ich sehr gespannt, was herauskommt, wenn sich Michael Hjorth mit einem neuen Schreibpartner zusammentut.
Rückblickend ...

Da ich sowohl die Sebastian Bergmann Reihe als auch Krimis, die in Island spielen, liebe, war ich sehr gespannt, was herauskommt, wenn sich Michael Hjorth mit einem neuen Schreibpartner zusammentut.
Rückblickend hätte ich mit etwas weniger hohen Erwartungen zu dem Buch greifen sollen, denn für mich war das leider kein Krimi der sich in irgendeiner Weise abhebt. Es war nicht per se schlecht, denn der Schreibstil ist flüssig und lässt sich angenehm lesen. Die beiden Hauptfiguren Helga und Bjarki sind sympathische Charaktere. Aber mir hat es an Spannung und Originalität gefehlt.
In „Schlafende Vulkane“ bekommt die junge Kommissarin Helga ihren ersten großen Fall übertragen. Im Polizeiteam hat sie sowohl Neider, als auch Unterstützer. Allgemein herrscht eine eher freundschaftliche Atmosphäre und es fiel mir leicht, Helga und die Kriminaltechnikerin Yvette ins Herz zu schließen. Obwohl ich sie mag, ist Helga eine relativ blasse Protagonistin. Deutlich mehr Ecken und Kanten hat dagegen Bjarki, ein Streifenpolizist, der für diesen selbstgewählten Job überqualifiziert scheint. Durch sein ganzes Auftreten (Motorradfahrer, unkonventionelle Arbeitsweise) weckt er den Wunsch des Lesers, mehr über ihn zu erfahren.
Der Kriminalfall, aufgrund dessen dieses Polizeiteam zusammengestellt wurde, befasst sich mit einem skrupellosen Serienmörder, der nach einem bestimmten Muster Frauen im Internet sucht, um seine persönliche Vendetta zu verfolgen. Die Vorkommnisse sind ekelerregend und grausam aber für einen erfahrenen Krimileser war das Motiv leider nichts Außergewöhnliches. Es ist nicht so, dass ich mir einen brutaleren Fall gewünscht hätte, aber einen, der weniger austauschbar wirkt.
Die Identität des Täters wurde leider sehr früh enthüllt und generell war die komplette zweite Hälfte sehr vorhersehbar. Meine Vermutung über das nächste Opfer und wie alles ausgehen wird hat sich bewahrheitet. Teilweise kam mir der Verlauf der Handlung auch sehr erzwungen vor. Wer bitte geht nackt und alleine in einer heißen Quelle baden, wenn ein Serienmörder hinter einem her ist?
Insgesamt fand ich „Schlafende Vulkane“ okay, war aber auch froh, als ich es beendet hatte. Trotzdem überlege ich, der Reihe eine zweite Chance zu geben und den Folgeband zu lesen, der im Herbst erscheint. Allein schon um zu erfahren, wie es mit Helga und Bjarki privat weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Überzogen

Happy End
0

Da „Happy end“ von Sarah Bestgen in den sozialen Medien ziemlich gehypt wird, habe ich mich gefreut, diesen Thriller endlich auch zu lesen.
Leider kann ich mich der Begeisterung nicht anschließen. Ich ...

Da „Happy end“ von Sarah Bestgen in den sozialen Medien ziemlich gehypt wird, habe ich mich gefreut, diesen Thriller endlich auch zu lesen.
Leider kann ich mich der Begeisterung nicht anschließen. Ich fand das Buch insgesamt nur mittel und die Storyline ziemlich überzogen.
Im Zentrum steht hier die junge Mutter Isa, deren Baby spurlos verschwindet. Nach 9 Monaten taucht Ben wieder auf, doch es fällt ihr schwer, mit dem Kind zu connecten, zudem meint sie immer wieder kleine Abweichungen zu erkennen.
Die Grundidee fand ich ziemlich vielversprechend. Wie kann ein Säugling verschwinden und plötzlich wieder auftauchen? Es wäre allerdings noch mysteriöser gewesen, wenn sich Charaktere aus Isas Umfeld nicht dermaßen verdächtig verhalten hätten. Mir hat die junge Frau ziemlich leidgetan, weil sie so alleine mit ihren Sorgen war und sie mit einem dermaßen unsympathischen Ehemann geschlagen ist. Gleichzeitig fand ich die unterschwelligen Avancen des ermittelnden Polizeibeamten irgendwie unpassend. Auch wenn ich schon länger wusste, wer in das Verschwinden von Ben involviert ist, so hatte ich noch 50 Seiten vor Schluss keine Ahnung, was der Grund für die Geschehnisse ist, was ich als positiv werte. Die Auflösung selbst war ein sehr wilder Ritt und wirkte unrealistisch.
Schade, ich hatte mir „Happy end“ besser vorgestellt und habe den zweiten Thriller der Autorin erstmal von meiner Wunschliste gestrichen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Lektüre für die dunkle Jahreszeit

Rauhnächte
0

In ihrem neuen Roman „Rauhnächte“ gelingt es Ellen Sandberg sehr gut, eine intensive Atmosphäre aufzubauen. Die Geschichte spielt in der Zeit zwischen Heilig Abend und dem 6. Januar. Das kalte Winterwetter ...

In ihrem neuen Roman „Rauhnächte“ gelingt es Ellen Sandberg sehr gut, eine intensive Atmosphäre aufzubauen. Die Geschichte spielt in der Zeit zwischen Heilig Abend und dem 6. Januar. Das kalte Winterwetter und die trübe Stimmung zwischen den Jahren hat sich zum Greifen nah angefühlt. Deswegen empfehle ich den Roman insbesondere für die dunkle Jahreszeit. Ich habe ihn während der ersten Frühlingstage bei 15 Grad gelesen, deswegen fühlte es sich etwas komisch an, sich wieder in diese winterliche Tristesse hineinzuversetzen.
Die Hauptfigur ist Pia, die nach dem Abitur noch überlegt, welchen Studiengang sie wählen soll. Diese Sorgen rücken allerdings in den Hintergrund, als ihre Eltern sich überraschend trennen und Pia durch Zufall erfährt, dass sie adoptiert wurde. Die Identität ihrer Mutter steht schnell fest doch um deren Tod und ihren leiblichen Vater legt sich ein Mantel des Schweigens.
Pia empfand ich als sympathische Protagonistin. Ich konnte mich gut in ihre Zerrissenheit (weitersuchen oder aufgeben) hineinversetzen. Manchmal fand ich sie ein wenig leichtgläubig ihren Mitmenschen gegenüber. Eine sehr lange Zeit erschien mir der Roman wahnsinnig vorhersehbar. Es lag für mich völlig auf der Hand, was mit Pias Mutter passiert ist. Als sich kurz vor Schluss herausstellte, dass alles doch ganz anders war, war ich komplett schockiert insbesondere auch wegen der unfassbaren Bösartigkeit, mit der all das geschehen ist. Ich fand die Geschichte, die sich letztendlich entfaltet hat so dermaßen schrecklich, dass ich es gar nicht fassen konnte. Und irgendwie war mir das auch too much und zu unglaubwürdig, dass sich ein Mensch über Jahre so dermaßen verstellen soll.
„Rauhnächte“ hat seine positiven Seiten, wie die sympathische Protagonistin und die tolle Atmosphäre. Aber mir hat die meiste Zeit über etwas mehr Spannung gefehlt und die Auflösung war mir, wie bereits erwähnt, zu drüber. Für mich war es ein eher schwächeres Ellen Sandberg Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere