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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2024

Im Süden lebt es sich angenehmer

Es kann so schön sein, das Leben
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Eigentlich wissen wir alle ganz genau, wie man besser leben könnte: Sich Zeit lassen, Solidarität mit anderen pflegen, gut essen, sich Bewegung gönnen und einiges andere mehr. Jeder weiß das, aber kaum ...

Eigentlich wissen wir alle ganz genau, wie man besser leben könnte: Sich Zeit lassen, Solidarität mit anderen pflegen, gut essen, sich Bewegung gönnen und einiges andere mehr. Jeder weiß das, aber kaum jemand tut es. Der Autor, deutscher Journalist und Frankreich-Experte, schaut sich an, wie die Menschen im Süden Europas leben und listet auf, warum es ihnen so gut geht. Auch Frankreich zählt er zu diesem „Süden“.
Die Tipps, die er ausschließlich aus persönlichen Erlebnissen und Beobachtungen folgert, sind naheliegend und längst bekannt. Er verortet sie geografisch, im Sinne des französischen „Savoir-Vivre“ oder des italienischen „Dolce Vita“.
Wenn also im Süden tatsächlich alles besser ist, warum dann nicht auswandern? Diesen konsequenten Schritt ist er anscheinend selbst gegangen. Was das für den Einzelnen bedeuten kann, welche Gedanken und Entwicklungen damit verbunden sind. Leitsätze, die dabei helfen können, runden das Buch ab. Ganz am Ende findet sich ein unterhaltsames Alphabet des „Dolce Vita“.
Das Lektorat sorgt an einigen Stellen für Fragen – hier war offenbar eine automatische Rechtschreibprüfung aktiv, die nicht weiter kontrolliert wurde.
Dies ist vielleicht eine inspirierende Zusammmenstellung für Menschen, die Leichtigkeit in ihrem Leben vermissen. Insgesamt gibt es aber wenig Neues.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Frau, Wut, Drachin

When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen
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Eine alternative Gegenwart: Im Jahr 1955 verwandeln sich hunderttausende Frauen in den USA in Drachen. Dieser Sache auf den Grund zu gehen, ist nicht möglich, denn es gibt Denkverbote. Und es gibt Scham. ...

Eine alternative Gegenwart: Im Jahr 1955 verwandeln sich hunderttausende Frauen in den USA in Drachen. Dieser Sache auf den Grund zu gehen, ist nicht möglich, denn es gibt Denkverbote. Und es gibt Scham. Die Drachinnen werden als etwas Unanständiges betrachtet.
In den fünfziger Jahren können Frauen praktisch nur Hausfrau und Mutter sein, etwas anderes ist nicht möglich. Alex ihat eine Begabung für Mathematik, sie hat Mutter und Tante verloren und ihr Vater lehnt es ab, ihr ein Studium zu finanzieren. Um Klos zu putzen, so sein Argument, brauche es keinen Universitätsabschluss.
Die Sprache ist schön, oftmals poetisch und sehr angenehm zu lesen. Die Hauptperson Alex ist leidenschaftlich, zielstrebig und durchaus glaubwürdig. Doch die Geschichte einer Frau, die sich gegen alle Widerstände Bildung und ein eigenes Leben erkämpft, hat man schon allzu oft gelesen. Alle anderen Persönlichkeiten wirken etwas blass.
Die Idee, dass unterdrückte Frauen aus Wut zu Drachinnen werden, funktioniert als Geschichte nicht so richtig. Die Wut ist mehr als begreiflich. Aber Drachen mit Lippenstift und Handtäschchen? Zwar gehören Feuerspeien und das Verschlingen von Menschen zu den Dingen, die diese Drachinnen tun. Doch sie backen auch Kuchen, häkeln und besuchen den Gottesdienst oder eben Schulen und Universitäten.
Eine kühne Idee, deren Umsetzung mich nicht überzeugt hat. Besonders unpassend fand ich den englischsprachigen Titel für ein Buch in deutscher Sprache.

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Veröffentlicht am 03.09.2024

Der böse Wolf

Lupus
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Jenny ist Tierärztin und lebt mit ihrem Vater auf einen Hof in der Nähe von Greifswald. Eines Tages ist ihr Vater verschwunden. Dann wird sie gerufen, um eine Herde Schafe, von denen die meisten von einem ...

Jenny ist Tierärztin und lebt mit ihrem Vater auf einen Hof in der Nähe von Greifswald. Eines Tages ist ihr Vater verschwunden. Dann wird sie gerufen, um eine Herde Schafe, von denen die meisten von einem wilden Tier gerissen wurden, zu untersuchen. War das etwa ein Wolf? Schon sind wir mitten drin in einer Geschichte um wilde Tiere, Nachzuchten und den Schutz der Natur. Es geht zurück bis in die alte DDR. Da es auf der anderen Seite um Jennys familiäre Herkunft geht und dann auch noch eine Liebesgeschichte hinzukommt, wird das Ganze nicht nur lang sondern auch überfrachtet. Da ging mir unterwegs die Spannung verloren.
Wir haben hier einen fesselnden, höchst professionell erzählten Thriller. Die Personen sind nicht allzu komplex, aber zumindest Jenny ist sympathisch genug, dass man ihr gerne folgt. Sie trägt allerdings nicht über die ganze, lange Geschichte. Und das ist das Dilemma: Für einen Thriller ist das Ganze zu überladen, für einen erzählenden Roman aber sind die Personen zu flach.
Mit dem Lektorat war ich nicht so zufrieden. So sind zum Beispiel an einer Stelle die Protagonisten schon per Du, obwohl das erst später dran ist.
Vielleicht hätte Rode sich mehr fokussieren sollen und ausführlicher in ein oder zwei der Themen einsteigen können. So ist einfach alles zuviel.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Erfindung und Funktion der Märchen

Der Salon der kühnen Frauen
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Ich hatte eine Sammlung von Geschichten erwartet, aber die sind hier mehr ein Instrument. Es geht um Frauen, die keine Geldsorgen hatten, nicht arbeiten mussten und keinerlei Selbstbestimmungsrecht besaßen. ...

Ich hatte eine Sammlung von Geschichten erwartet, aber die sind hier mehr ein Instrument. Es geht um Frauen, die keine Geldsorgen hatten, nicht arbeiten mussten und keinerlei Selbstbestimmungsrecht besaßen. In Madame d'Aulnoys literarischem Salon sitzen sie im 17. Jahrhundert mitten in Paris und erzählen einander Geschichten, die ihr Leben widerspiegeln. Die Märchen werden mündlich erzählt und nicht schriftstellerisch dargestellt. Wichtig ist die Reaktion des Publikums und die des Autors oder der Autorin auf das Publikum. Aber noch wichtiger und folgenschwer ist die Reaktion des absolutistischen Herrschers.
Die Damen haben Vornamen, Titel, Nachnamen und Spitznamen, und das wird alles einzeln und durcheinander verwendet. Das erfordert viel Konzentration beim Lesen. Es gibt eine Personenliste zu Beginnn des Buches, die braucht man auch.
Sehr sinnlich erleben wir die Kälte des Pariser Winters, die Sexualität der Menschen, die sonst nichts zu tun haben, die bittere Armut der Armen sowie Schönheit, Prunk und Protz im Schloss Versailles.
Ich fand es etwas anstrengend zu lesen. Die Autorin ist als Dichterin hervorgetreten, dies ist ihr zweiter Roman. Die Erzählweise ist nicht immer gradlinig, die Sprache nichts Besonderes, und man weiß gar nicht genau, wer hier die Protagonisten sind: die erzählenden Frauen oder die Märchen, die zu dieser Zeit wie eine eigene Sprache erfunden werden. Die Geschichte der Madame d'Aulnoy scheint immer wieder auf, wird aber auch nicht spannend erzählt.
Als Roman wenig fesselnd. Eher ein Kaleidoskop des Frauenlebens einer historischen Epoche.

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Veröffentlicht am 13.08.2024

Amüsant aber klischeehaft

Pi mal Daumen
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Hier prallen sehr verschiedene Welten aufeinander: Oscar ist 16, hochbegabt und gücklich, endlich sein Mathestudium aufnehmen zu können. Moni ist Mitte fünfzig und eine scheinbar ungebildete Frau mit schillernder ...

Hier prallen sehr verschiedene Welten aufeinander: Oscar ist 16, hochbegabt und gücklich, endlich sein Mathestudium aufnehmen zu können. Moni ist Mitte fünfzig und eine scheinbar ungebildete Frau mit schillernder Kleidung, proletenhaftem Umfeld und mehreren Enkelkindern, um die sie sich kümmert. So klischeehaft, wie das klingt, wird es im Roman auch.
Die Personen zeigen nicht allzuviel Charakter. Dass Moni ernsthaft Mathematik studiert und darin nicht schlechter ist als andere Studierende, ist nicht überraschend. Denn warum sollte sie sich nicht für Mathematik interessieren? Im letzten Drittel erfahren wir mehr über ihren Hintergrund. Dieser wirkt konstruiert und teilweise unglaubhaft.
Stil und Sprache sind humorvoll und amüsant zu lesen. Die Einblicke in die Mathematik sind für die, die das selbst studieren oder mal studiert haben, sicherlich angenehm. Die Auflösung am Ende wirft ein schlechtes Licht auf den Wissenschaftsbetrieb, macht die Geschichte insgesamt aber auch nicht runder.

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