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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.08.2024

Idas Suche nach sich selbst

Windstärke 17
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Ida verlässt zwei Wochen nach dem Tod ihrer Mutter Hals über Kopf ihr Zuhause, nimmt nur wenig von ihren Habseligkeiten mit, als sie sich auf eine Reise mit unbekanntem Ziel aufmacht. Sie nimmt am Bahnhof ...

Ida verlässt zwei Wochen nach dem Tod ihrer Mutter Hals über Kopf ihr Zuhause, nimmt nur wenig von ihren Habseligkeiten mit, als sie sich auf eine Reise mit unbekanntem Ziel aufmacht. Sie nimmt am Bahnhof den Zug, der sie am weitesten wegbringt, und landet so auf Rügen. Dort trifft sie auf Knut, den örtlichen Kneipenbesitzer, der sie mit zu sich nach Hause nimmt. Bei ihm und seiner Frau Marianne findet Ida ein neues Zuhause, lernt Leif kennen, und bald merkt sie, dass sie und der junge Mann etwas füreinander empfinden. Doch so schön sich ihr neues Leben gibt, es gibt bald einen Wermutstropfen: Marianne ist schwer krank, und Ida muss einen Weg suchen, sich damit abzufinden.

Es ist ein großer Klumpen aus Wut, Trauer und Schuld, der Ida aus ihrem bisherigen Zuhause treibt, hinein in eine ungewisse Zukunft, auf der Suche nach sich selbst. Das Buch knüpft an das erste Buch der Autorin Caroline Wahl auf, „22 Bahnen“, in dem der Fokus auf Idas älterer Schwester Tilda liegt. Nun kommt Ida zu Wort, und sehr schnell hat sie mich eingefangen mit ihrer Erzählung zu all dem, was sie von zu Hause wegtreibt. Auf Rügen angekommen, mit dem Zusammenleben mit Knut und Marianne und der aufkeimenden Liebe zu Leif, hat Ida die Chance, all das aufzuarbeiten, was ihr zu schaffen macht. Das ist sehr einfühlsam beschrieben, so dass man Idas teilweise verzweifeltes Suchen gut verstehen kann.

Der Roman erzählt eher mit leisen Tönen von Idas Suche nach sich selbst, und dennoch ist es ziemlich heftig, was sie so zu bewältigen hat. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Humorvolle Verwicklungen der Liebe

Komm schon, Baby!
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Hebamme Juli, 38, geht ganz in ihrem Beruf auf. Sie selbst ist allerdings Single und kinderlos. Doch dann wird sie schwanger von einem One-Night-Stand. Der Kindsvater stellt sich heraus als der Lebensgefährte ...

Hebamme Juli, 38, geht ganz in ihrem Beruf auf. Sie selbst ist allerdings Single und kinderlos. Doch dann wird sie schwanger von einem One-Night-Stand. Der Kindsvater stellt sich heraus als der Lebensgefährte einer ihrer Klientinnen. Für Juli ist klar, dass sie das Kind allein aufziehen wird – wenn da nur nicht dieses Prickeln wäre, wenn sie auf Matteo trifft…

Dieser Roman über die Verwicklungen der Liebe kommt äußerst humorvoll daher. Es ist ja auch eine echte Verkettung unglücklicher Umstände, dass sie überraschend auf Matteo trifft, als sie ihn brauchen könnte, und er dann trotzdem tabu für sie sein muss. Doch ganz so einfach verläuft die Geschichte nicht, denn da gibt es so einige überraschende Wendungen, die den Leser hin und her schicken zwischen einem bangen „Werden die beiden doch noch zusammenkommen?“ und einem überzeugten „Das kann ja niemals etwas werden!“ Da wird jede Menge Chaos heraufbeschworen, es gibt einiges an Situationskomik, der humorvolle Schreibstil treibt einen regelrecht von Seite zu Seite. Sehr imponiert hat mir, wie viele Einsichten in den Beruf der Hebamme gegeben werden, man kann Julis Begeisterung für ihre Berufung richtig herausspüren.

Mich hat dieser Roman bestens unterhalten können, sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

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Veröffentlicht am 13.08.2024

Spirale abwärts

Yoko
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Yokos Leben ist vom alltäglichen Glück geprägt. Bis etwas ihr Leben völlig auf den Kopf stellt. Bis dahin hat Yoko die Metzgerei ihres Vaters bis zu seinem Tod weitergeführt, um diese danach in eine Glückskeks-Manufaktur ...

Yokos Leben ist vom alltäglichen Glück geprägt. Bis etwas ihr Leben völlig auf den Kopf stellt. Bis dahin hat Yoko die Metzgerei ihres Vaters bis zu seinem Tod weitergeführt, um diese danach in eine Glückskeks-Manufaktur umzuwandeln. Als sie eine Lieferung Glückskekse an ein chinesisches Restaurant abliefert, ändert sich von einem Augenblick auf den anderen ihr ganzes Leben.

Es ist erstaunlich, wie ein Augenblick die Gegenwart verändern kann. Yoko musste nur zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Da bricht ein Albtraum über sie herein, wie man ihn sich nie im Leben vorstellen möchte. Zunächst scheint Yoko daran zu zerbrechen. Doch dann steigt sie in den Kampf ein gegen ihre Peiniger. Damit aber ist sie in eine Spirale abwärts eingestiegen, die endlos erscheint. Was damit einher geht, ahnt sie noch lange nicht. Es ist erschreckend zu lesen, wie schnell sich Yokos Leben verändert, denn alle Gedanken, die sie nun prägen, wären sicher auch meine gewesen. Das hat mir beim Lesen immer wieder die schlimmsten Schauer über den Rücken gejagt, ich konnte Yokos Verhalten sehr gut nachvollziehen. Und bin damit ein bisschen entsetzt darüber, denn das hätte ich mir nie im Leben zugetraut. So wie auch Yoko sich ihr Verhalten in dieser Spirale abwärts niemals zugetraut hätte. Zusätzlich zur atemlosen Spannung der Geschichte ist es dieses Nachdenken über mich selbst, das dieses Buch für mich zu einem Thriller gemacht hat. Zudem gibt es noch eine weitere Handlungsebene, die sich für mich völlig überraschend herausgeschält hat. Dadurch erhält die Geschichte noch weitere Handlungsebenen, die von Anfang bis Ende authentisch wirken.

Dieser Thriller ist kein leichter Lesestoff und birgt in sich eine Menge Gedanken, die sich zu Trigger entwickeln könnten. Insgesamt hat mir das Buch einige spannende Lesestunden beschert - ich gebe zu, ich habe es gleich von der ersten Seite an in einem Atemzug ausgelesen. Sehr gerne vergebe ich alle 5 möglichen Sterne und empfehle das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 13.08.2024

Roman mit leisen Tönen und einer starken Geschichte

Das Licht in den Birken
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Thea kehrt mit Mitte fünfzig zurück nach Deutschland in ihren Heimatort. Sie hatte mehr als zwanzig Jahre in Portugal gelebt und war zuletzt als Ziegenhirtin durch die Lande gezogen. Nun hat sie sich mit ...

Thea kehrt mit Mitte fünfzig zurück nach Deutschland in ihren Heimatort. Sie hatte mehr als zwanzig Jahre in Portugal gelebt und war zuletzt als Ziegenhirtin durch die Lande gezogen. Nun hat sie sich mit ihren beiden Lieblingsziegen auf einem Hof in der Lüneburger Heide eingemietet. Der Hofbesitzer Benno stellt sich als Tierfreund dar, der jedoch wenig mit Menschen anfangen kann. Zu den beiden gesellt sich noch eine junge Frau, Juli, die sich beim Wandern so verletzt hatte, dass sie nun eine Pause einlegen muss. Bald stellt sich heraus, dass der Hof verschuldet ist. Wird es den dreien gelingen, Bennos Hof, den Lebenshof für Tiere, zu retten?

Diese drei Menschen, Benno, Thea und Juli, sind zunächst völlig zufällig zusammengetroffen. Was keiner vom anderen weiß: Jeder trägt mit sich einen Rucksack voller seelischer Altlasten mit sich herum. Doch sie scheinen es zu spüren, denn trotz aller Schwierigkeiten, die diese drei Menschen zunächst miteinander haben, finden sie zusammen zu einer Art Wahlfamilie. Diese Wandlung ist äußerst spannend zu lesen, weil die Autorin Romy Fölck sehr feinfühlig die Zwischentöne herausfiltert, die zu einer Annäherung der drei Menschen führt. Denn nur angeblich sucht jeder von ihnen nach Ruhe und Einsamkeit, vielmehr entwickeln sie sehr schnell ein Verantwortungsgefühl füreinander, das sie zu einer Wahlfamilie verbindet.

Dieser Roman erzählt ganz leise von einer Zweckgemeinschaft, die in kürzester Zeit zu Freunden zusammenwächst. Mich hat diese Geschichte sehr berührt. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

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Veröffentlicht am 13.08.2024

Ein Baumhaus und jede Menge düstere Geheimnisse

Das Baumhaus
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Henrik und Nora fahren mit ihrem fünfjährigen Sohn Fynn in ihr Ferienhaus im schwedischen Västernorrland. Als Kind war Henrik jedes Jahr dort, nun aber lange Jahre nicht mehr. Die Hütte ist in einem erbärmlichen ...

Henrik und Nora fahren mit ihrem fünfjährigen Sohn Fynn in ihr Ferienhaus im schwedischen Västernorrland. Als Kind war Henrik jedes Jahr dort, nun aber lange Jahre nicht mehr. Die Hütte ist in einem erbärmlichen Zustand, vor allem aber strahlt sie von Anfang an eine versteckte Bedrohung aus. Zur selben Zeit wird im angrenzenden Wald ein Kinderskelett gefunden. Als Fynn verschwindet, zieht die Polizei nicht nur die Hundestaffel, sondern auch die Forensikerin Rosa Lundqvist zu den Ermittlungen dazu. Zudem steht das alte Baumhaus im Wald, und Henrik wird von Erinnerungen befallen, die er längst verdrängt hatte. Doch was hat das Baumhaus mit Fynns Verschwinden zu tun?

Es ist eine Alptraumgeschichte für alle Eltern, die hier völlig zu entgleisen droht: Ein Urlaub, der die kleine Familie wieder mehr zusammenbringen soll, stürzt die Eltern in die schlimmsten Ängste überhaupt. Da ist es nicht hilfreich, dass hier so viele Geheimnisse hineinragen, denn jeder der Beteiligten hat hier was zu verbergen. Hier wird Bullerbü zum schlimmsten Erlebnis überhaupt… Man spürt die Gefahr von Anfang an zwischen den Zeilen, wobei die einzelnen Splitter der Erzählung noch nicht wirklich einen Sinn ergeben. Doch diesen Sinn herauszufinden, treibt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite an. Die Auflösung ist völlig überraschend, und doch ist sie genau richtig für diesen Thriller. Die Charaktere sind passend zum Plot angelegt, man kann sich in jeden der Beteiligten hineindenken und seine Motivation nachvollziehen. Immer wieder ergeben sich neue Entwicklungen, ein neuer Twist in der Erzählung lässt neue Fragen aufkommen.

Mich hat dieser Thriller von der ersten Seite an fesseln können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

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