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Veröffentlicht am 10.09.2024

Der Rommé-Club und sein erster Fall

Der Rommé-Club ermittelt
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Hauptkommissar Hannes Neffgen liebt es gemütlich und er ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Als ihm kurz vor seiner Pensionierung ein Mordfall übertragen wird, fühlen sich die kriminalistisch ambitionierten ...

Hauptkommissar Hannes Neffgen liebt es gemütlich und er ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Als ihm kurz vor seiner Pensionierung ein Mordfall übertragen wird, fühlen sich die kriminalistisch ambitionierten Damen des örtlichen Rommé-Clubs genötigt, den Ermittler zu unterstützen.

Wer hat Bürgermeister Hubert Brandt erschlagen? Das Eifeldörfchen Himmelrath steht kopf. Schnell sind die ersten Verdächtigen gefunden, aber sie können allesamt ein Alibi vorweisen. Während der Ermittlungen werden gut gehütete Geheimnisse aufgedeckt oder wie Ingrid, eine der Freundinnen sagt: „Unter jedem Dach ein Ach“. Das führt zu neuen Verdächtigen. Aber wieder hat jeder ein Alibi. Die Tätersuche erweist sich weiterhin als schwierig, obwohl die Rommé-Cops erfolgreicher scheinen als die Polizei. Wird dieser Fall als Cold Case enden?

Das originelle Cover ziert eine dörfliche Szene in Form einer Spielkarte. Verziert mit den Symbolen Pik, Karo, Herz und Kreuz. Passt ausgezeichnet zum Rommé-Spiel.

Birgit Zimmermanns locker-leichter Schreibstil erlaubt flüssiges Lesen. Ihre anschaulichen Beschreibungen und gut gewählten Schauplätze erzeugen eine angenehme Atmosphäre. Idyllische Landschaften, provinzieller Charme, Lokalkolorit und bodenständige Charaktere sorgen für gute Unterhaltung. Das Tempo ist eher behäbig, was passt. Seelische Erschütterungen oder unangenehme Entdeckungen werden erst einmal mit einem Gläschen Sekt oder Rotwein neutralisiert. Trotzdem gelingt es der Autorin, Spannung zu erzeugen. Erst auf den letzten Seiten wird der Mörder entlarvt – mit einem glaubwürdigen Tatmotiv. Für einen Cosy Krimi erweist sich der Kriminalfall als unerwartet spannend.

Auch die Charaktere überzeugen. Ob die schillernde Rosa, die sich als langjährige Krimileserin Miss Marple verbunden fühlt und mit 83 immer noch erfolgreich flirtet. Oder Tochter Evelyne, die sportliche Ex-Rektorin, die sich rührend um den Sohn des Mordopfers kümmert und während der Ermittlung die Liebe ihres Lebens findet. Die Femme fatale Ingrid und die tatkräftige Bäuerin Barbara vervollständigen das ermittelnde Detektiv-Quartett. Auch die Nebencharaktere sind liebevoll gezeichnet.

Regionalkrimis sind beliebt. „Der Rommé-Club ermittelt“ gehört zu den überzeugenden Vertretern dieses Genre. Ich fühlte mich von dem starken Frauenquartett sehr gut unterhalten. Hoffentlich ermitteln sie bald wieder.



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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2024

Wer mordet mit Nussecken?

Nuss und Schluss. Ein Hansel & Pretzel Krimi
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Was ist ein Cosy-Krimi? In der Wikipedia fallen dazu die Schlagworte: Kriminalfall steht nicht im Mittelpunkt, Lokalkolorit, Humor, Ironie, Amateurermittler, gemächliches Erzähltempo. Wem dieses Genre ...

Was ist ein Cosy-Krimi? In der Wikipedia fallen dazu die Schlagworte: Kriminalfall steht nicht im Mittelpunkt, Lokalkolorit, Humor, Ironie, Amateurermittler, gemächliches Erzähltempo. Wem dieses Genre so gut gefällt wie mir, der ist mit der Hansel & Pretzel-Reihe von Dani Baker auf eine Goldmine gestoßen.

In „Nuss und Schluss“, dem ersten Band, kommt Sieglinde Sommer, genannt Linn, in die kanadische Kleinstadt Kitchener-Waterloo. Nach dem Scheitern ihrer Ehe will sie sich neu erfinden. Sie ändert Wohnort, Arbeitgeber, Job und Vornamen. Doch gleich ihr erster Arbeitstag in der deutschen Bäckerei Hansel & Pretzel beginnt mit einem Supergau. Nachdem sie es gerade noch rechtzeitig nach Kitchener geschafft hat, findet sie im Hinterhof ihrer neuen Arbeitsstätte eine Leiche. Und nicht irgendeine Leiche! Bei der Toten handelt sich ausgerechnet um Sidney Stark, einflussreiche Stadträtin und Erbin einer Supermarktkette. Prompt wird ihr Chef, der Bäcker Rainer, als tatverdächtig verhaftet. Da Linn von seiner Unschuld überzeugt ist, beginnt sie selbst zu ermitteln. In Kitchener ist der Mord Stadtgespräch. Linn kann sehr gut zuhören und erhält so neue Informationen über die Tote, die außergewöhnlich unbeliebt war. Viele hatten Grund, sie zu hassen. Rainer wird bald aus der Untersuchungshaft entlassen. Doch Linn ermittelt heimlich weiter und kommt dem Täter immer näher. Zu nah?

Deutsche im Ausland sind für mich immer ein interessantes Thema. Hier dient diese Konstellation als Aufhänger für eine Krimireihe. Linn nimmt vieles anders wahr als ihre Mitbürger. Dass die Autorin selbst in Kanada lebt und sich bestens auskennt, ist gut zu spüren.

Obwohl ich ein bekennender Fan von Cosy-Krimis bin, kannte ich Dani Baker noch nicht. Ein Umstand, den ich schnellstens ändern werde. Ihr flotter Schreibstil hat mich die Geschichte beinahe inhalieren lassen. Ich schätze ihren Humor sehr. Sie geizt nicht mit lustigen Sprüchen, ohne seicht zu werden. Mein Lieblingszitat: „So viel Gesundes würde meinem Körper schaden. Da müsste ich anschließend zwei Tafeln Schokolade und eine Tüte Chips essen, um das wieder zu neutralisieren.“

Ganz nebenbei erfährt der Leser einiges über die Eigenheiten der Kanadier. Ob Schecks statt Lastschrift, Ehrenamt oder Toplader-Waschmaschinen, die Autorin hat gut recherchiert. Das bestätigte mir eine amerikanische Freundin, die lange Zeit an der kanadischen Grenze gelebt hat. Manches mag etwas überzeichnet sein, das ist dem Genre geschuldet. Das trifft jedoch nicht auf Lakishas Beschreibung eines Anaphylaktischen Schocks zu. Nachvollziehbar erklärt.
Den Kriminalfall fand ich für einen Cosy-Krimi ziemlich spannend. Lange tappte ich im Dunkeln. Aber es gab auch genügend Verdächtige und Motive.
Die leckeren Backrezepte am Buchende waren noch ein weiteres Highlight für mich. Trotz der Hitze habe ich bereits eines ausprobiert. Lecker, echtes Hüftgold.

Linn ist mir sehr sympathisch. Nach dem Ende ihrer Ehe krempelt sie die Ärmel hoch und wagt einen Neuanfang. Sie ist klug, tatkräftig und empathisch. Dass gleich zwei attraktive Männer durch ihre bloße Anwesenheit Linns Denkvermögen jeweils schock gefrieren, ist zwar übertrieben, aber amüsant. Ihre WG-Mitbewohner sind divers. Der bullige Gesundheitsfanatiker Igor ist ein Sensibelchen was den Mordfall betrifft und beschwert sich über zu viel Butter in Backwaren. Mitbewohnerin Mac dagegen sieht aus wie ein Goth-Model, verfügt über hervorragende PC-Kenntnisse und hat mennonitische Wurzeln. Kyle ist einer der zwei Gründe, die Schnappatmung bei Linn auslösen. Seine Freundin Norah ist vor einem Jahr spurlos verschwunden, ohne Gepäck und ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Vermieter Bryan ist harmoniesüchtig und stets auf Ausgleich bedacht. Und da ist noch Inspektor Bas van de Groot. Groß, blond, blauäugig ist er Linns Objekt der Begierde.
Man sieht, die Autorin hat sich mit ihren Charakteren Mühe gegeben. Ihr volles Potenzial werden sie erst noch entfalten.

Das Cover hat mir sehr gut gefallen. Farben, Darstellung und Schriftzug wirken leicht altmodisch und passen perfekt. Das Brezel-Design der Kapitelseiten ist hübsch und stimmig.

Die Autorin setzt das Konzept des Cosy-Krimis hervorragend um. Für alle Freunde des Genres ein absolutes Muss! Großartig, dass es mit Linn weitergeht. Band Zwei, einen Weihnachtskrimi, werde ich mir nicht entgehen lassen. Die Leseprobe am Buchende verspricht weiteren großen Lesespaß.





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  • Spannung
Veröffentlicht am 31.08.2024

Wer hexen kann, hat trotzdem Probleme.

Circle of Night - Die geheime Akademie
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Nach den Schrecken des vergangenen Sommers versuchen Josie, Louisa, Jason, Niklas und Gizem sich wieder im Alltag zurechtzufinden. Das Hexen hat für sie viel von seinem Reiz verloren, sie benötigen ihre ...

Nach den Schrecken des vergangenen Sommers versuchen Josie, Louisa, Jason, Niklas und Gizem sich wieder im Alltag zurechtzufinden. Das Hexen hat für sie viel von seinem Reiz verloren, sie benötigen ihre ganze Kraft, um ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Da trifft Josie in der geheimen Bibliothek auf den Hexer Matteo. Er macht ihr ein verlockendes Angebot.

Wer Teil 1 „Circle of Night – Das Reich der Schatten“ gelesen hat, findet schnell in die Geschichte hinein. Die Hamburger Gruppe nimmt trotz ihrer schlechten Erfahrungen nach einer kurzen Diskussion Matteos Angebot an. Vor allem Josie und Louisa wollen die Gelegenheit in der Akademie eines echten Hexenzirkels zu hospitieren, unbedingt nutzen. So geht es mit dem Zug nach London. Die Akademie erweist sich zunächst als einschüchternd für unsere jungen Hexer, da dort schon Zehnjährige ausgebildet werden.
Alle außer Gizem bekommen an der Akademie einen Mentor zugewiesen, um ihre Fähigkeiten zu steigern. Gizem trifft sich derweil mit der sympathischen Willow, die keine Hexe mehr ist, da sie ihre Fähigkeiten freiwillig aufgegeben hat. Sie überlegt sich, dies auch zu tun. Matteo und Josie kommen sich näher.
Bald stellt sich heraus, dass London von einer Invasion von Untoten bedroht wird. Auch die deutsche Gruppe wird angegriffen, kann aber gerettet werden. Inzwischen entdecken die Hamburger, dass an der Akademie nicht alles so ist, wie es sein sollte. Prompt geraten unsere Fünf wieder in lebensgefährliche Situationen.

Die Geschichte nimmt rasch an Fahrt auf. Wir lernen neue Protagonisten kennen und erfahren mehr über die Welt der Hexen. Der flotte Schreibstil und die relativ kurzen Kapitel garantieren flüssiges Lesen. Michelle C. Paige versteht es sehr gut, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Zeitweise wollte ich das Buch nur ungern weglegen. Gut gefallen hat mir neben den spannenden und kreativen Einfällen der Autorin zur magischen Welt, dass ihre jungen Hexenden auch mit den gleichen Problemen wie nicht-magische Teenies kämpfen. Seien es Schulstress, Herzensangelegenheiten oder psychische Probleme, die Reaktionen wie Panikattacken oder Ritzen hervorrufen. Und sie geht angemessen damit um.

Die Geschichte ist spannend, kurzweilig und unterhaltsam. Es bleiben noch genügend Fragen offen für Teil 3. Ich bin schon sehr gespannt auf den letzten Teil der Trilogie.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Macht Appetit auf mehr ...

Übung macht den Mörder
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Isa wollte nie mehr zurück in die schwäbische Pampa. Nur der Liebe wegen ist sie wieder nach Grimmingen gezogen. Inzwischen ist die Beziehung gescheitert und sie wohnt allein in ihrem Häuschen auf der ...

Isa wollte nie mehr zurück in die schwäbische Pampa. Nur der Liebe wegen ist sie wieder nach Grimmingen gezogen. Inzwischen ist die Beziehung gescheitert und sie wohnt allein in ihrem Häuschen auf der ungeliebten Alb. Die räumliche Nähe der Eltern (netter Vater, übergriffige Mutter), die im Nachbardorf wohnen, verbessert die Situation keineswegs. Nur Freundin Renate, Zwillingsschwester Toni und Mitbewohner Alfons, ein Rauhaardackel, machen das Leben erträglich. Isas Frustration wirkt sich auch negativ auf ihren Beruf als Lehrerin aus, den sie mit nur wenig Engagement ausübt.

Als die Frau des Zahnarztes ermordet wird, spielt Isa die kaum vorhandene Infrastruktur Grimmingens in die Hände. Da es weder eine Pension noch ein Hotel gibt, wird der ermittelnde Kommissar Bähr in ihre Ferienwohnung einquartiert. Beim Schnüffeln in den Ermittlungsakten reift ihr Entschluss, im Mordfall zu ermitteln. Leider bleibt ihre Neugier nicht unbemerkt und das Verhältnis zwischen dem korrekten, gut organisierten Kommissar und der unordentlichen, chaotischen Isa verschlechtert sich zusehends. Die daraus resultierende mangelnde Kommunikation bringt die Hobbyermittlerin schließlich in Lebensgefahr …

Der Krimi hat mich gut unterhalten. Er ist flott geschrieben und der Humor kommt nicht zu kurz. Ein schwäbischer Cosy Krimi sozusagen. Die Charaktere sind gut getroffen. Nur die Naivität und Verpeiltheit von Isa wirkt stellenweise übertrieben. Der Kriminalfall bringt niemand um den Schlaf, doch die Auflösung kam für mich überraschend.

Ich freue mich schon auf den nächsten Fall und hoffe, mehr über den Kommissar zu erfahren. Auch meinen Liebling Alfons treffe ich gern wieder.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Speed Dating und andere Katastrophen

Spellbound - Der Zwerg im Glassarg
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Warum liegt ein Zwerg im Glassarg, niedergestreckt vom Ewigen-Schlaf-Fluch? Auch im dritten Teil der Reihe geht es gleich zur Sache. Emmas Hexenfreundin Sophie hat Freddie, den Zwerg, im Wald entdeckt ...

Warum liegt ein Zwerg im Glassarg, niedergestreckt vom Ewigen-Schlaf-Fluch? Auch im dritten Teil der Reihe geht es gleich zur Sache. Emmas Hexenfreundin Sophie hat Freddie, den Zwerg, im Wald entdeckt und Hugo, Spellbounds trotteliger Sheriff-Zentaur, hat sie als Tatverdächtige verhaftet. Also muss Emma mal wieder die jugendliche Miss Marple geben. Dabei zieht sie alle Register und schreckt vor nichts zurück, um den neuen Fall aufzuklären.

Was dabei alles auf sie zukommt, hätte sie vielleicht zögern lassen. Aber nein, Emma ist derart loyal und gerechtigkeitsliebend, dass sie sogar Spellbounds Dating Szene über sich ergehen lässt. Dort tummeln sich größtenteils Typen, die Frau zu Recht meidet. Und bei Pandoras Partnervermittlung sieht es nicht viel besser aus. Das führt zu vergnüglichen bis derben Szenen, die nur noch Spellbounds Pflegeheim toppt. Dort sein hohes Alter zu verbringen, hört sich wesentlich vergnüglicher an, als in entsprechenden Einrichtungen der Menschenwelt zu leben.

Romantik spielt in diesem Teil eine große Rolle, sowohl bei Freddies Fluch, als auch bei Emmas aktuellem Verteidigungsfall. Leider entwickelt sich ihre eigene Herzensangelegenheit allmählich zum Desaster.

Immerhin kann sie beruflich erneut einen Erfolg verbuchen und Heinzelmann Thom vor dem Gefängnis bewahren. Auch ihr letzter Fall, Linsey, wird erwähnt, was mich gefreut hat. Und Sophie rettet sie natürlich auch.

Annabel Chase versteht es auch ohne einen Mordfall die Spannung hochzuhalten. Die Auflösung dieses Kriminalfalls ist deutlich raffinierter als bei den letzten. Auch der Grusel kommt nicht zu kurz. Raisa erweist sich als absolut schaurig und die Grey-Schwestern scheinen von ähnlichem Kaliber. Sogar Gareth fürchtet sie und er ist ein Geist! Weiterhin bleibt offen, welchem Hexenzirkel Emma nun angehört.

Wir lernen wieder neue magische Spezies kennen und erweitern die Landkarte von Spellbound um zusätzliche Attraktionen, z. B. „Tausendschön“. Wunderbar, dass der Autorin die Ideen nicht ausgehen und sie wie bisher unauffällig Kritikpunkte einbaut. Der unverändert locker-leichte Schreibstil fördert weiterhin das Lesevergnügen.

Mein Fazit? Ich freue mich auf Teil vier!

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