Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
online

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2024

Underland

Starling House
0

Mit schlecht bezahlten Jobs hält sich die sechsundzwanzigjährige Opal über Wasser und legt jeden Cent, den sie erübrigen kann, zurück. Sie will ihrem jüngeren Bruder ermöglichen rauszukommen aus diesem ...

Mit schlecht bezahlten Jobs hält sich die sechsundzwanzigjährige Opal über Wasser und legt jeden Cent, den sie erübrigen kann, zurück. Sie will ihrem jüngeren Bruder ermöglichen rauszukommen aus diesem scheußlichen Nest Eden in Kentucky. Das Einzige, was sie hier fasziniert, ist Starling House. In dem alten Anwesen hat einst die mysteriöse Autorin von Underland gelebt, die - je nach Blickwinkel - entweder ein Opfer oder eine Hexe war. Und Starling House scheint Opal magisch anzuziehen, deshalb nimmt sie sofort an, als Arthur, der letzte lebende Erbe in dem Haus, ihr einen Job anbietet. Doch Arthur gibt weder von sich noch vom Haus etwas preis - und Ungeheuer und Dämonen gibt es doch nur in Albträumen, oder?

Eigentlich macht die Autorin alles richtig - bis sie es dann doch nicht mehr richtig macht. Sie hat einen wirklich mega Schreibstil, der eigentlich richtig reinzieht, sich dann aber doch irgendwie als sperrig erweist. Und sie entwickelt interessante Charaktere - Opal, Jasper, Arthur - bis diese sich dann doch überhaupt nicht mehr weiterentwickeln. Und eigentlich wäre die Sache mit Starling House auch wirklich interessant und spannend - bis es das nicht mehr ist, weil man einfach nach der gefühlt hundertsten Andeutung einfach nur ermüdet. Vielleicht liegt es an mir, dass ich ein Kind der schnelllebigen Zeit bin, dass ich keine Geduld mehr aufbringe für sehr, sehr langsam aufgebaute Schauergeschichten, vielleicht liegt es aber auch doch an der Autorin, die es nicht schafft, einen gleichmäßigen Spannungsbogen aufzubauen. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist: Ich wollte dieses Buch so sehr mögen - bis ich es dann doch nicht mehr tat.

Veröffentlicht am 15.08.2024

Ein Geist in der Buchhandlung

Mord in der Charing Cross Road
0

Sally arbeitet als Buchhändlerin im Antiquariat Heldar, versteht sich mit den meisten Angestellten und hat nur regelmäßig unangenehme Begegnungen mit Butcher aus dem oberen Büro. Sie achtet auch nicht ...

Sally arbeitet als Buchhändlerin im Antiquariat Heldar, versteht sich mit den meisten Angestellten und hat nur regelmäßig unangenehme Begegnungen mit Butcher aus dem oberen Büro. Sie achtet auch nicht auf die Gerüchte der Belegschaft, dass im oberen Stock ein Geist umgehen soll. Doch dann wird ausgerechnet Butcher ermordet und sie kann einfach nicht glauben, dass einer ihrer Freunde der Täter sein soll. Der gutaussehende und ruhige Johnny Heldar will den Mörder finden, denn sein junger Cousin Tim wird verdächtigt, und Sally ist genau die Richtige, um ihm zu helfen.

Die Autorin ist mir völlig unbekannt, was auch kein Wunder ist, denn sie starb vor beinahe 30 Jahren und scheint eine Wiederentdeckung zu sein. Um ehrlich zu sein, habe ich von der Geschichte einfach mehr erwartet. Als Fan von Agatha Christie und Ellery Queen dachte ich an psychologisch raffinierte Verbrechen und scharfsinnig agierende ErmittlerInnen. Stattdessen bekam ich zwar viele Details aus der Buchhandlung, aber das Verbrechen blieb ziemlich auf der Strecke. Erzählt wird in einem einesteils ausschweifenden, biederen Stil, dann wiederum werden Dinge einfach mal so in den Raum gestellt, mehr Tell als Show. In diesem zumindest versucht emanzipiertem Zeitalter erschien mir das Verhältnis von Johnny und Sally auch eher nicht ausgeglichen. Offenbar soll Johnny der große, zuverlässige und nette Held sein, allerdings ging er mir für meine Begriffe ein paarmal zu offensichtlich über das hinweg, was ihre Bedürfnisse sind, um sein Bedürfnis als der große, zuverlässige Held unter Beweis zu stellen. Dazu kommt, dass die Lösung ein bisschen arg wie aus einem Bahnhofkioskheftchen daherkommt und mal eben aus dem Hut gezogen wird.

Alles in allem ist mir das Ganze zu altbacken gewesen. Oh, es klingelt, Moment, da muss ich rangehen. Hallo? Ach so. Die 50iger haben angerufen. Sie möchten ihre Geschichte zurück. Ich glaube nicht, dass dich die Reihe weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 10.08.2024

Deal mit Elfen

Jane und die Geheimnisse von Branwell Hall
0

Im Klappentext wird darauf hingewiesen, dass es bei der Geschichte um ein modernes Retelling von Jane Eyre handelt. Nun. Das ist ein bisschen weit, weit, weit hergeholt. Ja, es gibt ein Waisenmädchen namens ...

Im Klappentext wird darauf hingewiesen, dass es bei der Geschichte um ein modernes Retelling von Jane Eyre handelt. Nun. Das ist ein bisschen weit, weit, weit hergeholt. Ja, es gibt ein Waisenmädchen namens Jane. Und sie kommt auf ein Anwesen in England, um sich um ein kleines Mädchen zu kümmern. Dann gibt es noch ein paar Schlüsselszenen wie den Brand, bei dem sie das männliche Loveinterest - hier heißt er Liam - rettet und eine junge, adlige Frau, die um Liams Gunst buhlt. Damit und zwei oder drei Namen, die man aus dem Klassiker kennt, endet die Ähnlichkeit bzw. das Retelling und um ehrlich zu sein, hätte es meiner Meinung nach besser ohne diese forcierten Ähnlichkeiten funktioniert.

Besagte Jane also kommt nach Branwell Hall, um sich als Au-Pair um ein kleines Mädchen zu kümmern. Der Bruder der Kleinen, kaum älter als sie, scheint sie nicht zu mögen. Und dann gibt es noch einen Elfenkönig, der verschiedene Deals mit verschiedenen Leuten abgeschlossen hat und darauf besteht, dass diese Deals eingehalten werden. Das ist anfangs ein wirklich spannend erzählte Geschichte, zumal der Hintergrund von Janes verstorbener Großmutter beleuchtet wird und interessante Dinge verspricht. Doch spätestens ab der Hälfte wurde der Fokus dann weniger auf die Handlung oder das Retelling gelegt, denn ab da müssen sich Jane und Liam verlieben. Es gibt auch ein paar Dinge, die mir unlogisch erschienen und der Schluss war wirklich unbefriedigend, weil so viele Fragen so unnötig offen blieben. Auch gestört hat mich das ewige "Äh ..." von Jane, das auf den ersten 100 Seiten gefühlt auch hundertmal vorkam, und offen blieb mir auch, welche Qualitäten Liam besaß, dass sich Jane in ihn verlieben konnte. Das Buch hatte wirklich viel Potenzial, von dem auch viel verschenkt wurde.

Veröffentlicht am 01.08.2024

Wieder und wieder und wieder

Death. Life. Repeat.
0

Es ist der Jahrestag vom Tod der Mutter und James Spencer, genannt Spence, geht es schlecht. Daran ändert sich auch nichts, als ausgerechnet sein Crush Clara Hart ihm ins Auto fährt. Wie üblich benimmt ...

Es ist der Jahrestag vom Tod der Mutter und James Spencer, genannt Spence, geht es schlecht. Daran ändert sich auch nichts, als ausgerechnet sein Crush Clara Hart ihm ins Auto fährt. Wie üblich benimmt sich Spence wie ein Ar...ch; kein Wunder, dass Clara ihn stehenlässt. Spencers bester Freund Anthony gibt an diesem Abend eine Party und alle sind eingeladen. Spence haut sich mit Alkohol die Birne weg, aber dennoch bemerkt er, dass Anthony Clara unter Drogen setzt und missbraucht. Das Mädchen rennt entsetzt aus dem Haus und vor ein Auto. Und plötzlich wiederholt sich dieser Abend immer wieder, solange, bis es auch in Spences Schädel geht, wie toxisch nicht nur Anthony und die Rugbymannschaft, sondern auch er selbst ist.

Das ist ein so, so wichtiges Thema und es sollte davon viel mehr Bücher geben. Allerdings hapert es hier ganz schön an der Umsetzung. Es fängt meiner Meinung nach schon damit an, dass Spence der falsche Erzähler ist. Ganz ehrlich: Wen interessiert die Sichtweise eines weiteren Mitläufers toxischer Männlichkeit? Daran ändert auch sein ach-so-tragischer Hintergrund mit der gestorbenen Mutter nichts. Es spielt keine Rolle für die Opfer von Missbrauch, was deren Tätern passiert ist, und es nimmt der Story jede Menge Impact, dass wir sie nur aus Spence Perspektive erfahren. Ja, er macht eine Entwicklung durch, aber das nützt den Frauen und Mädchen, denen Ähnliches wie Mia oder Clara passiert, nichts mehr, zumal es auch in seinem häuslichen Umfeld keine Erklärung für sein Verhalten gibt. Und sein Verhalten ist mehr als einmal cringy, dennoch sind Mädchen und Frauen dieses Verhalten gewohnt: Warum sollten sie noch darüber lesen wollen? Es werden also viele Dinge erwähnt, nur durch die endlosen Schleifen und Wiederholungen, wenn auch mit Abweichungen, nicht spannender. Und was ich auch als wirkliche Katastrophe empfand: das Korrektorat. Gab es überhaupt eines? Es kamen so, so viele Rechtschreibfehler, fehlende Buchstaben/Wörter vor, dass es eine Schande für diesen Publikumsverlag ist.

Veröffentlicht am 12.07.2024

Happy Life

Wolke Sieben ganz nah
0

Delphie hat nie damit gerechnet, mit siebenundzwanzig an einem miesen Burger zu sterben. Doch da ist sie jetzt, steht im Vorzimmer des Ablebens bei einer durchgeknallten Psychologin, die ihr den Tod bekömmlicher ...

Delphie hat nie damit gerechnet, mit siebenundzwanzig an einem miesen Burger zu sterben. Doch da ist sie jetzt, steht im Vorzimmer des Ablebens bei einer durchgeknallten Psychologin, die ihr den Tod bekömmlicher machen soll. Und dann ist da auch noch dieser unglaublich gut aussehende Mann, Jonah, zu dem sie sofort eine Verbindung spürt. Dumm nur, dass Jonahs Ableben ein Fehler war - er wird zurückgeschickt ins Leben. Delphie will das nicht auf sich sitzenlassen: Sie muss diesen Mann wiedersehen und sie handelt noch ein paar Tage Leben aus, in denen sie Jonah finden und sich von ihm küssen lassen muss, sonst heißt es Aus die Maus. Auf ihrer verzweifelten Suche nach dem Traummann bekommt sie unerwartete Hilfe von flüchtigen Bekannten und sie merkt, wie wichtig Beziehungen zu anderen sind.

Ja, ich weiß nicht. Die Geschichte war schon ganz nett mit den richtigen Messages, die als Glückskeks verpackt wurden wie "Carpe diem", Familie und Freunde sind wichtig, Mobber sind Ar...öcher etc. Gut gefallen hat mir auch, dass keiner der auftretenden Männer eine red flag war. Und dass Delphie so ein gutes Verhältnis zu ihrem alten Nachbarn hat, um den sie sich kümmert. Aber im Großen und Ganzen fand ich Delphie selbst ziemlich anstrengend und die Faszination aller um sie herum für sie konnte ich nicht nachvollziehen. Dass alle Tropes aller Romances aufgefahren wurden, erwies sich zum Schluss zwar als Kniff, war aber zu dem jeweiligen Zeitpunkt eher ein wenig too much. Und ich hätte mehr wirklich lustigen Humor erwartet, richtige Lacher statt müde Schmunzler. Alles in allem ist das wohl kein Buch, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.