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Veröffentlicht am 18.09.2024

Liebe und Meer

Föhrer Frühling
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Titel und Titelbild haben mich direkt angesprochen. Föhr ist die Insel meiner Kindheit. Hier waren wir in vielen Familienurlauben.

Julia zieht nach dem Tod ihres Mannes Barne mit ihrem 5-jährigen Sohn ...

Titel und Titelbild haben mich direkt angesprochen. Föhr ist die Insel meiner Kindheit. Hier waren wir in vielen Familienurlauben.

Julia zieht nach dem Tod ihres Mannes Barne mit ihrem 5-jährigen Sohn Liam relativ kurzfristig nach Föhr. Barne ist dort aufgewachsen, der Kontakt zu seinen Eltern war aber abgebrochen und Julia weiß nicht warum.

Zufällig lernt sie ihren Schwager Krischan kennen, die beiden verstehen sich von Anfang an gut, während die Schwiegereltern keinen Kontakt zu ihr wünschen.

Das Buch lässt sich flüssig lesen, allerdings kamen zwischendurch einige Ungereimtheiten durch, die ich irritierend fand. Barnes (sehr plötzlicher) Tod ist noch nicht einmal 8 Wochen her. In dieser Zeit hat Julia eine Beerdigung organisiert, die Entscheidung, nach Föhr zu ziehen getroffen, ohne dort jemanden zu kennen, eine Stelle, eine Wohnung und einen Kitaplatz für Liam gefunden, den Umzug mit einem Umzugsunternehmen organisiert und ihre Sachen gepackt.

Auch das Rollenbild, das die Autorin im Roman beschreibt, empfinde ich als schwierig. Julia hat seit ihrer Hochzeit, also seit ca 10 Jahren nicht mehr gearbeitet, ihr Sohn ist erst 5 Jahre alt. Sie ist also nicht etwa für das Kind zuhause geblieben und war völlig abhängig von ihrem Mann. Das spiegelt sich auch in ihrem Zögern Krischan gegenüber, zu dem sie sich zwar hingezogen fühlt, den sie aber zurückweist, weil er ihr Schwager ist.

Einerseits möchte ich gerne wissen, was vorgefallen ist, dass Julias Mann und seine Familie entzweit hat, es werden ja schon einige Andeutungen im Buch gemacht, andererseits halten mich die genannten Kritikpunkte davon ab.

Schön fand ich den Föhr-Bezug und dass hier auch tatsächlich (hoffentlich echte) Traditionen verarbeitet wurden. Die Frankfurter Pfingsttraditionen haben es ja leider nicht einmal zur Erwähnung geschafft.

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Veröffentlicht am 16.08.2024

Ohne erkennbare Prämisse

Der Salon der kühnen Frauen
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Der Titel und das Cover hatten mich neugierig gemacht auf diesen historischen Roman, der hinter die Kulissen in Versailles zur Zeit Ludwigs des XIV. blickt.

Doch leider hält das Buch nicht, ...

Der Titel und das Cover hatten mich neugierig gemacht auf diesen historischen Roman, der hinter die Kulissen in Versailles zur Zeit Ludwigs des XIV. blickt.

Doch leider hält das Buch nicht, was ich mir durch den Klappentext versprach.
Zunächst einmal sind die Kapitelüberschriften Märchentitel, wobei manchmal wirklich ein Märchen erzählt und manchmal die Geschichte weitergesponnen wird.
Im Mittelpunkt steht der Salon der geheimnisvollen Madame D'Aulnois, in dem sich überwiegend Damen der noblen Pariser Gesellschaft diese Märchen erzählen und darin versteckt auch durchaus Kritik am System äußern. Allerdings auf ihrem adligen Niveau, ohne die Situation der niederen Schichten zu beachten. Dabei erfahren die Lesenden so einiges über die Zustände am Hof von Versailles, die Intrigen und Verschwendung, die (Un)Moral und Missgunst höfischen Lebens.
Historische Fakten stehen direkt neben der dichterischen Freiheit der Autorin und das eine vom anderen zu unterscheiden, ist für die Lesenden nicht ohne leicht.
Die Sprache war für mich zunächst sehr gewöhnungsbedürftig. Sie lehnt sich vermeintlich an die Ausdrucksweise der vornehmen Gesellschaft im ausgehenden 17. Jahrhundert an und schockiert dann zwischendurch mit expliziter direkter Beschreibung von sexuellen Handlungen, die dazu nicht wirklich passen.
Die Autorin beschreibt die grundsätzliche frauenfeindliche Haltung der damaligen Welt und wie die Frauen indirekt und heimlich, teilweise auch direkt und offen dagegen rebellieren.
Am Ende ist mir aber nicht klar, was die Prämisse dieses Buches ist. Mir fehlt ein richtiger Spannungsbogen, es werden viele kleine Episoden aneinander gereiht, aber am Ende keine wirklich auserzählt, außer vielleicht der Zuneigung zwischen Perrault und Madame D'Aulnois. Die Salonnieres erfragen und diskutieren regelmäßig die Moral der Märchen, die im Salon erzählt werden. Was ist die Moral dieses Buches?

Ich vergebe 3 Sterne und kann das Buch nicht wirklich empfehlen, würde aber auch niemandem ausdrücklich abraten es zu lesen.

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Veröffentlicht am 21.05.2024

Ein Ratgeberbuch, das versucht, kein Ratgeberbuch zu sein

Herr G. hat Angst
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Herr G. hat Ängste, viele Ängste. Von denen erzählt er uns im ersten Kapitel. Danach begibt er sich auf eine Reise, um herauszufinden, wo diese Ängste herkommen und wie er ihnen begegnen kann. Er konsultiert ...

Herr G. hat Ängste, viele Ängste. Von denen erzählt er uns im ersten Kapitel. Danach begibt er sich auf eine Reise, um herauszufinden, wo diese Ängste herkommen und wie er ihnen begegnen kann. Er konsultiert Philosoph:innen, Therapeut:innen, Wissenschaftler:innen, Achtsamkeitslehrer:innen und Buddhist:innen. Zwischendurch sucht er immer wieder Rat bei seinem Physiker-Freund Doc. Er setzt sich mit allem intensiv auseinander und findet am Ende einen Weg, der wohl aus allem ein bisschen enthält.

Der Autor erzählt von sich, aber er erzählt nicht in der Ich-Perspektive sondern in der Draufschau von Herrn G.. Anfangs fand ich diesen Stil noch ganz amüsant, doch irgendwann war er etwas anstrengend.

Durch das 2. Kapitel, das die Philosophie behandelt, musste ich mich sehr durchquälen, zum Glück hatten die folgenden Kapitel dann mehr Alltagsbezug und so konnte ich sie flüssiger lesen.

Herr G. streift viele Themen, die jedes für sich genommen, ein ganze Bücher füllen würden. Dies zeigt gleichzeitig auf, wie komplex der Weg aus der Angst ist und das es nicht den einen Weg gibt, sondern dass man individuell unterschiedliche und oft auch verschlungene Wege gehen muss. Auf jeden Fall findet man in diesem Buch Anregungen, wo man seine eigene Reise fortsetzen kann. Nicht zuletzt reichliche Quellenangaben und ein ausführliches Literaturverzeichnis machen dies möglich.

Insgesamt ein netter Versuch ein Sachbuch nicht als typisches Ratgeberbuch daherkommen zu lassen, aber so ganz überzeugend war die Umsetzung leider nicht.

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Veröffentlicht am 30.04.2024

Seltsame Mischung

Das Mondscheincafé
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Das Cover fand ich sofort wunderschön, es fühlt sich wunderbar samtig an, die hellen Stellen sind erhaben und es leuchtet sogar im Dunkeln. Auch das Bild ist sehr schön, die sternenklare Vollmondnacht ...

Das Cover fand ich sofort wunderschön, es fühlt sich wunderbar samtig an, die hellen Stellen sind erhaben und es leuchtet sogar im Dunkeln. Auch das Bild ist sehr schön, die sternenklare Vollmondnacht mit dem Cafe entspricht vollauf dem Titel.

Unterschiedliche Menschen treffen in jeweils komplizierten Phasen ihres Lebens und in unterschiedlichen Situationen auf das "Mondscheincafe", das von Katzen betrieben wird. Katzen, die Namen von Planeten tragen. Die Katzen führen diese Menschen durch westliche Astrologie zu Erkenntnissen über sich selbst und ihre Umgebung und dadurch zu einem wieder erfüllteren Leben. Am Ende werden die losen Enden der einzelnen Abschnitte auch für den Leser zusammengeführt.

Dies war mein erstes Buch einer japanischen Autorin und die beschriebene japanische Kultur wie auch der Stil waren sehr gewöhnungsbedürftig. Die Kombination von japanischer Mythologie (Katzen) mit unserer westlichen Astrologie (Tierkreiszeichen und Horoskope) kam dann noch erschwerend hinzu. Hier fehlen mir einfach Kenntnisse darüber, wie selbstverständlich es für Japaner:innen ist, sich in einer mythologisch/astrologischen Welt zu bewegen und welchen Einfluß unsere westliche Astrologie in Japan hat. Ich persönlich kann mit Astrologie, egal aus welcher Kultur, wenig anfangen und so viel es mir auch schwer, die Geschichte als sinnstiftend zu erfassen.

Erfreulich fand ich zumindest, dass die am Anfang sehr losen Geschichtsteile am Ende doch noch zusammengeführt wurden.

Es ist ganz nett zu lesen und man lernt ein wenig über das japanische Denken. Aufgrund des Cover, des Titels und des Klappentextes hatte ich allerdings irgendwie andere Erwartungen.

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Veröffentlicht am 24.04.2024

Seltsame Mischung

Das Mondscheincafé
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Das Cover fand ich sofort wunderschön, es fühlt sich wunderbar samtig an, die hellen Stellen sind erhaben und es leuchtet sogar im Dunkeln. Auch das Bild ist sehr schön, die sternenklare Vollmondnacht ...

Das Cover fand ich sofort wunderschön, es fühlt sich wunderbar samtig an, die hellen Stellen sind erhaben und es leuchtet sogar im Dunkeln. Auch das Bild ist sehr schön, die sternenklare Vollmondnacht mit dem Cafe entspricht vollauf dem Titel.

Unterschiedliche Menschen treffen in jeweils komplizierten Phasen ihres Lebens und in unterschiedlichen Situationen auf das "Mondscheincafe", das von Katzen betrieben wird. Katzen, die Namen von Planeten tragen. Die Katzen führen diese Menschen durch westliche Astrologie zu Erkenntnissen über sich selbst und ihre Umgebung und dadurch zu einem wieder erfüllteren Leben. Am Ende werden die losen Enden der einzelnen Abschnitte auch für den Leser zusammengeführt.

Dies war mein erstes Buch einer japanischen Autorin und die beschriebene japanische Kultur wie auch der Stil waren sehr gewöhnungsbedürftig. Die Kombination von japanischer Mythologie (Katzen) mit unserer westlichen Astrologie (Tierkreiszeichen und Horoskope) kam dann noch erschwerend hinzu. Hier fehlen mir einfach Kenntnisse darüber, wie selbstverständlich es für Japaner:innen ist, sich in einer mythologisch/astrologischen Welt zu bewegen und welchen Einfluß unsere westliche Astrologie in Japan hat. Ich persönlich kann mit Astrologie, egal aus welcher Kultur, wenig anfangen und so viel es mir auch schwer, die Geschichte als sinnstiftend zu erfassen.

Erfreulich fand ich zumindest, dass die am Anfang sehr losen Geschichtsteile am Ende doch noch zusammengeführt wurden.

Es ist ganz nett zu lesen und man lernt ein wenig über das japanische Denken. Aufgrund des Cover, des Titels und des Klappentextes hatte ich allerdings irgendwie andere Erwartungen.

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