Schiffbruch
Der Untergang der "Wager"Ein Schiff mit 250 Mann Besatzung verlässt den Hafen von Portsmouth. Auf dem Weg um Kap Hoorn gibt es Wetterprobleme, die immer heftiger werden. Das Schiff strandet vor einer unbewohnten Insel vor der ...
Ein Schiff mit 250 Mann Besatzung verlässt den Hafen von Portsmouth. Auf dem Weg um Kap Hoorn gibt es Wetterprobleme, die immer heftiger werden. Das Schiff strandet vor einer unbewohnten Insel vor der Küste Patagoniens. Bald bilden sich zwei, später sogar drei verfeindete Lager; es kommt zu Missgunst, Anfeindungen, Waffengewalt. 283 Tage später tauchen 29 Männer in Brasilien auf und werden später in der Heimat als Helden gefeiert. Wer fehlt, ist der Kapitän. Sechs Monate später tauchen drei weitere Überlebende auf, unten ihnen ist Kapitän Cheap. Die Geschichten der Überlebenden stehen zueinander in Widerspruch. Was ist damals wirklich geschehen, 1741 auf Wager Island?
Das Buch liest sich wie ein Abenteuerroman und doch hat sich alles so zugetragen. In jahrelanger intensiver Forschungsarbeit hat der Autor David Grann gewaltige Mengen an Material gelesen und zu dieser Geschichte zusammengebracht. Er versucht dabei, die verschiedenen Aussagen der Überlebenden faktengetreu wiederzugeben und stützt sich dabei besonders auf Tagebücher, die während der Reise angefertigt und gerettet wurden, Augenzeugenberichte, Gerichtsakten etc. Letztlich müssen die Leser und Leserinnen entscheiden, wie die teilweise widersprüchlichen Aussagen ineinandergreifen.
Für mich war das Buch sehr unterhaltsam, eine Mischung aus Roman und Sachbuch. Ich habe es in kürzester Zeit gelesen. Man muss das Genre natürlich mögen oder zumindest interessant finden, sonst könnte man sich ggf. langweilen. Aber das ist ja mit anderen Genres genauso. Fasziniert hat mich wieder, wie überheblich die Kolonialmächte gegenüber der Natur und natürlich den Indigenen agieren, die dort leben, wo die vermeintlichen zivilisierten Männer immer mehr verrohen und kurz vor dem Hungertod stehen. Ähnlich wie schon in den Romanen über die Terror und die Erebus, hätten sich die Verluste in Grenzen gehalten, wenn man sich nicht so ungemein überschätzt hätte und Vernunft vor Pflichtbewusstsein gesetzt hätte - von dem Verhalten gegenüber den Indigenen mal ganz abgesehen.
Etwas ermüdend war lediglich die ständige Wiederholung, wie viel Hunger die Männer leiden mussten. Natürlich steht die Nahrungsbeschaffung an erster Stelle, aber gefühlt standen die Seeleute ca. 100 Mal unmittelbar vor dem Hungertod, bevor eine Schnecke oder ein Stückchen Seegras diesen Tod noch mal um zwei Stunden verzögerte, um dann einige Seiten weiter wieder von vorne zu beginnen.
Abbildungen, Karten, Literatur- und Quellenverzeichnis sowie ein Anmerkungsapparat vervollständigen das Werk.
Interessant außerdem: Unter den Seeleuten war ein direkter Vorfahre von Lord Byron, der wiederum die Erlebnisse seines Großvaters literarisch verarbeitete.