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Veröffentlicht am 25.08.2024

Streifzug durch die Geschichte

Was war denn da los?!
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Podcasts sind der Trend der heutigen Zeit und bieten Interessierten wirklich zu jeder Thematik das passende Format. Felix Melching und David Neuhäuser, von Haus aus Historiker, liefern in ihrem Podcast ...

Podcasts sind der Trend der heutigen Zeit und bieten Interessierten wirklich zu jeder Thematik das passende Format. Felix Melching und David Neuhäuser, von Haus aus Historiker, liefern in ihrem Podcast natürlich Geschichtliches und haben nun für Leser eine Auswahl ihrer Themen in einem Buch zusammengebracht. Die Autoren führen durch verschiedenste Ereignisse aus Antike, Mittelalter, Neuzeit, 19.Jahrhundert bis hin zur Gegenwart, insgesamt in 30 ausgewählten Beiträgen.

Der interessierte Leser erfährt so beispielsweise etwas über die kriegerischen Amazonen, Neros Verhältnis zu seiner Mutter, den spanischen Nationalhelden El Cid, ebenso wie über Rasputin, oder darüber, wie London sein Abwasserproblem lösen konnte und zahlreichen Nazis nach Beendigung des zweiten Weltkrieges die Flucht nach Südamerika gelang.

Die ausgewählten Beiträge sind vielfältig, allerdings vermisse ich eine gewisse Logik in der Zusammenstellung. Den meisten Lesern wird vieles bekannt sein, anderes zwar neu, aber wahrscheinlich auch wenig interessant. Viele der Themen sind eindeutig politischer Natur, oft geht es um kriegerische Handlungen, Aufstände, oder Revolutionen und die darin involvierten Persönlichkeiten, Margaret Thatcher und der Falkland Krieg, Fidel Castros Rolle beim Umsturz in Cuba, die Taten der RAF und der Roten Brigaden, nur selten um Wissenschaft und Forschung, wenn etwa über die Suche nach einer verschollenen Expedition in die Arktis erzählt wird. Alles in allem sehr bunt und willkürlich gemischt, ohne erkennbaren roten Faden.

Ich hatte mit von diesem Buch nicht unbedingt wegweisende neue Fakten versprochen, ich habe nach dem Klappentext und dem Untertitel eher auf eine kurzweilige Lektüre gehofft, die mit einigen kuriosen Anekdoten und historischen Hintergründen aufwarten kann, die so vielleicht nicht in jedem Geschichtsbuch stehen. Ich hatte Fakten erwartet, die man (nicht im negativen Sinne) unter sinnloses Wissen verbucht, die aber immer wieder für Lacher und erstaunte Blicke sorgen, wenn man sie im passenden Moment zum Besten geben kann. Fakten und Infos, die man nicht wie Jahreszahlen mühselig auswendig lernen muss, sondern solche, die einem eben wegen ihrer Kuriosität im Gedächtnis bleiben.

Sicher ist das Buch für Geschichtsinteressierte, die noch in den Anfängen stecken eine schöne Anfangslektüre, ich hatte etwas anderes erwartet.

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Veröffentlicht am 18.08.2024

Verbrechen im Urlaubsidyll

Die Chinesin
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Der deutsche Ex-Polizist Gerhard Beckmann lebt nach dem Unfalltod seiner Frau dauerhaft auf der Ferieninsel Sardinien. Hier begegnet er am Strand einer Chinesin, die Massagen anbietet, eine Begegnung, ...

Der deutsche Ex-Polizist Gerhard Beckmann lebt nach dem Unfalltod seiner Frau dauerhaft auf der Ferieninsel Sardinien. Hier begegnet er am Strand einer Chinesin, die Massagen anbietet, eine Begegnung, die sein Leben ziemlich stark beeinflussen wird.

Autor Jochen Brunow stellt dem Leser mit seiner Hauptfigur einen ziemlichen Einzelgänger vor, der sich in seinem zurückgezogenen Leben eingerichtet hat. Recht schnell wird klar, dass der Tod der Ehefrau noch lange nicht aufgearbeitet ist und auch der fehlende Kontakt zur Tochter, die Beckman eine Mitschuld am Unfall der Mutter gibt, belastet den Ruheständler sehr. Durch seine Bekanntschaft mit Chinesin Xia wird nun die Eintönigkeit unterbrochen, Beckmann wird gezwungen seine Kompfortzone zu verlassen, sich mit sich und auch mit seiner Trauer zu beschäftigen. In all diese persönlichen Probleme kommt nun der Kriminalfall, wird Beckmann doch Zeuge eines brutalen Überfalls.

Das Buch verbindet hier sehr stark die persönlichen Hintergründe der Figuren mit dem vorliegenden Kriminalfall, hier rund um die Ausbreitung der chinesischen Triaden in Europa. An sich ist diese Thematik äusserst spannend, allerdings empfand ich die Ermittlungen hier als recht langatmig, teilweise verworren und undurchsichtig. Zwischendrin dann ein frisch verliebter Ex- Polizist, die, doch sehr klischeehaft gezeichnete, italienische Polizei und wunderschöne, seitenlange Beschreibungen der Insel Sardinien.

Leider war mir diese Mischung nicht ganz ausgewogen. Natürlich verstehe ich den Hintergrund, das Anliegen des Autors zu zeigen, dass das Verbrechen eben auch vor der Idylle der italienischen Urlaubsinsel nicht halt macht und das Corruption, Menschenhandel, moderne Sklaverei inzwischen überall zu finden sind. Ich komme aber eben so überhaupt nicht mit dem Kontrastprogramm, dem Privatleben der Hauptfigur klar, die so viel Raum innerhalb der Geschichte einnimmt, dass ich oft das Gefühl hatte zwei verschiedene Bücher zu lesen.

Generelle finde ich es immer gut den Figuren Tiefe durch Hintergrundgeschichten und Nebenhandlungen zu geben, hier ist mir das Ganze aber zu viel. Der Autor erzählt diesen Teil unglaublich intensiv, erzeugt eine tolle Atmosphäre, zeichnet wunderschöne Bilder um dann komplett umzuschwenken und den Fokus auf den anderen Teil der Geschichte zu lenken, der dann eben wie gesagt langatmig und zäh verläuft. Die Balance, eine Verbindung zwischen beiden Teilen fehlt mir so ein bisschen und das hat mir das Lesen letztlich sehr erschwert, die Krimihandlung war wenig spannend und konnte mich nicht wirklich fesseln.

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Veröffentlicht am 30.07.2024

Viel Drumherum, wenig Spannung

Signum
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Kim Ribbing will nun endlich Antworten von seinem Peiniger, Doktor Martin Rudbeck und hat ihn deshalb im Keller seiner Villa versteckt, allerdings läuft nicht alles nach Plan und plötzlich hat Kim ein ...

Kim Ribbing will nun endlich Antworten von seinem Peiniger, Doktor Martin Rudbeck und hat ihn deshalb im Keller seiner Villa versteckt, allerdings läuft nicht alles nach Plan und plötzlich hat Kim ein ziemlich großes Problem. Probleme gibt es auch in der Beziehung zu Ex-Polizistin und Krimiautorin Julia Malmros, denn die kommt nur bedingt mit Kimˋs Stimmungsschwankungen zurecht und natürlich ist da auch noch Astrid Helander, der Kim angeboten hat ein Zimmer in seinem Haus als Zuflucht zu nutzen.

Nachdem das erste Buch mit einem ziemlichen Cliffhanger geendet hat, musste ich natürlich wissen wie es weitergeht, obwohl im Groben recht klar war, was sich da wohl im Keller des ehemaligen Botschaftsgebäudes abspielt. Der Fortgang der Geschichte, rund um Kimˋs Rache und damit verbunden eventuell auch eine gewisse Aufarbeitung seiner Vergangenheit versprach recht spannend zu werden. Spannend war es dann auch, allerdings nur wenige der 480 Seiten lang, denn der große Knall kommt ziemlich früh im Buch und dann beobachtet man die Protagonisten eigentlich nur noch dabei, wie sie krampfhaft versuchen der Polizei wenigstens einen halben Schritt voraus zu sein.

Irgendwie hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass sich die Figuren einmal komplett gedreht haben. Aus der taffen Julia wird eine stets jammernde, sich selbst leidtuende Frau mittleren Alters, die ständig mit ihrer Beziehung und ihrer beruflichen Zukunft hadert. Kim, der unerschütterliche, immer einen Ersatzplan inpetto habende Hacker, macht einen dilettantischen Flüchtigkeitsfehler nach dem Anderen und wäre ohne die Hilfe von Julia, Astrid und dem geheimnisvollen Ces ziemlich verloren, und Astrid die für Tierrechte kämpfende Hardcoreveganerin entpuppt sich als manipulative, skrupellose Trickbetrügerin. Das wurde mir alles zu viel und hat auch nicht unbedingt zu dem Bild gepasst, dass ich mir im ersten Buch von den Figuren gemacht hatte. Klar, ich liebe komplizierte, spezielle Figuren, mit Ecken, Kanten und gern auch einer Dunklen Seite, aber das hier war einfach zu viel des Guten. Man hat das Gefühl der Autor versucht einen Wettkampf um die durchgeknallteste Figur zu gewinnen. Einziger Lichtblick hier, Julias Freundin Irma, die herrlich selbstironisch von ihrem, hoffentlich noch weit entfernten Tod philosophiert. Leider kann dann auch die etwas unbeholfene, aber durchaus niedliche Romanze von Julias Ex mann Jonny die angeknackste Stimmung nicht mehr retten.

Rein theoretisch ist die Geschichte vom Beginn der Trilogie, in meinen Augen, auserzählt, ich kann mir also nicht vorstellen, was jetzt Thema im dritten und letzten Buch werden soll. Davon abgesehen glaube ich kaum, dass ich mich für den dritten Band noch werde motivieren können.

Obwohl ich das Buch wesentlich schwächer als seinen Vorgänger fand und die Geschichte gut auch mit der Hälfte der Seiten funktioniert hätte, gebe ich drei Sterne, weil zweieinhalb ja nicht geht und ich zwei dann doch zu drastisch fand.

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Veröffentlicht am 30.07.2024

Ende und Neuanfang

Gallwitz
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Jana Gallwitz steht kurz vor ihrer Pensionierung und freut sich auf darauf mit ihrem Mann Hartmut endlich all die Dinge zu tun, für die bisher keine Zeit geblieben ist. Leider ist ihrem Mann an den gemeinsamen ...

Jana Gallwitz steht kurz vor ihrer Pensionierung und freut sich auf darauf mit ihrem Mann Hartmut endlich all die Dinge zu tun, für die bisher keine Zeit geblieben ist. Leider ist ihrem Mann an den gemeinsamen Aktivitäten nicht ganz so viel gelegen, hat er doch plötzlich politische Ambitionen und das ausgerechnet für eine rechtsradikale Partei.

Direkt im Prolog lernt der Leser Hauptfigur Jana kennen und in gewisser Weise auch ihren Mann, so weiß man direkt, wie das Buch endet. Der Weg dorthin erzählt Szenen einer Ehe, ihre Anfänge und ihren Niedergang und das Leben danach. Er erzählt in den zwei Teilen, in die das Buch gegliedert ist, aber auch Lebensgeschichten. Anhand dieser Lebensgeschichten, die sich teilweise sehr ähneln, wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen sich entwickeln können, so das aus dem Einen ein angagierter aufgeklärter Lehrer wird und aus dem Anderen ein verbitterter, Polemiker, der seine krude Weltanschauung verbreitet.

In Teil Eins geht es hauptsächlich um Jana und Hartmut. Das Buch spielt wärend der Coronapandemie und natürlich ist dieses Thema eines, zu dem Hartmut seine vorgefasste Meinung vertritt, die er durch Informationen aus recht zwielichtigen Quellen untermauert und gern ungefragt jedem verkündet. Bei Zwangsimpfung für Schulkinder bleibt es allerdings nicht, auch zu Migration, sexueller Orientierung, oder Chemtrails hat Hartmut etwas beizutragen und er nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle seiner Frau, oder guter Freunde. Anhand all dieser "Propaganda" hat mir das Lesen fast körperlich Schmerzen bereitet, die Qualen, die Ehefrau Jana hier erduldet, sind spürbar. Jeder von uns hat sicher noch die Ein, oder Andere Verschwöhrungstheorie, den Ein, oder Anderen Spruch beim Montagsspatziergang im Ohr und ich zumindest frage mich immer noch, wie konnte/kann man sowas als halbwegs gebildeter und aufgeklärter Mensch bloß glauben.

Im zweiten Teil erlebt man Jana nach ihrer Trennung von Hartmut, wie sie dabei ist sich in ihrem Ruhestand ohne Ehemann einzurichten. Hier kommt nun der oben bereits erwähnte Lehrer ins Spiel, bei dem Jana früher Unterricht hatte und der ihr nun bei einem Buchprojekt helfen soll. In langen Gesprächen erfährt man hier viel über dessen Vergangenheit und es wird viel philosophiert, um Hartmuts Radikalisierung zu verstehen und zu erklären.

Trotz des leichgängigen Schreibstils hat mich die Autorin im zweiten Teil etwas verloren. Natürlich war es interessant hier Kindheitserinnerungen zu lesen, aber gerade zum Ende hin wurde es dann doch eher träge, da konnten auch die humorigen Dialoge nicht immer drüber hinwegtäuschen. Ich fand es einfach wenig spannend vom Wehrdienst im Nachkriegsdeutschland zu lesen und darüber, was wohl all die übriggebliebenen Nazis in der neugegründeten Bundeswehr so getrieben haben. Die beschriebene Liebesgeschichte freut mich sehr für die Autorin, aber ich hätte sie anhand des Klappentextes so gar nicht erwartet.

Gallwitz ist für mich bisschen ein Buch mit zwei Gesichtern, das Eine finde ich hochaktuell, es regt zum Nachdenken an und macht auch ein wenig Angst, weil es zeigt wie leicht Personen dem braunen "Geschwurbel" erliegen können, das Andere ist das komplette Kontrastprogramm, nett zu lesen, aber auch nicht mehr.

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Veröffentlicht am 21.07.2024

Dornröschen

Anna O.
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Benedict Prince ist Psychologe, sein Fachgebiet Schlafstörungen, als Berater der Polizei wird er hinzugezogen, wenn es zu klären gilt, ob ein Täter, eine Täterin unzurechnungsfähig ist, weil die Tat unbewußt ...

Benedict Prince ist Psychologe, sein Fachgebiet Schlafstörungen, als Berater der Polizei wird er hinzugezogen, wenn es zu klären gilt, ob ein Täter, eine Täterin unzurechnungsfähig ist, weil die Tat unbewußt im Schlaf begangen wurde. Als er die Möglichkeit bekommt am berühmtesten Fall seiner Zeit mitzuarbeiten, steht die Entscheidung schnell fest, glaubt er doch so seiner Ex-Frau etwas beweisen zu können. Der Fall betrifft Anna O. eine junge Frau, die nach dem brutalen Mord an ihren beiden besten Freunden buchstäblich wie Dornröschen in einen tiefen Schlaf gefallen ist.

Der Autor breitet einen interessanten Fall vor dem Leser aus, ein Mord, eine schlafende Mordverdächtige, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, solange sie schläft und zeitgleich auch eine Art Cold Case, den es gibt gewisse Verbindungen zu einem anderen, zwanzig Jahre zurückliegenden Fall. In den einzelnen Kapitel folgt man meist Ben bei seiner Arbeit mit der schlafenden Anna, aus deren Tagebucheintragungen und Bens Nachforschungen erfährt man dann mehr über die Tat, derer Anna beschuldigt wird und über den Fall, der letztlich Auslöser für alles Weiter ist.

Die Geschichte ist ziemlich verschachtelt und läuft auf mehreren Ebenen ab, gerade im Bezug auf die psychologischen Zusammenhänge ist es manchmal etwas schwer alles zu verstehen. Teilweise hatte ich hier auch das Gefühl, als wollte der Autor einfach nur ein wenig die Seiten füllen. Über allem steht immer die Frage nach der Schuld, hat Anna die Tat begangen, oder nicht. Es ist für den Leser nicht einfach hier eine Seite zu wählen, geschickt schafft es der Autor immer wieder Zweifel an jeder der Möglichkeiten aufkommen zu lassen, bis man dann schließlich doch in eine bestimmte Richtung gelenkt wird und glaubt die Geschichte durchschaut zuhaben. Bis zu diesem Punkt fand ich die Story gut, in gewisser Weise fesselnd, wenn auch auf eine unaufgeregte, ruhige Art. Zum Ende hin hat mich der Autor dann aber zunehmend verloren. Vielleicht, weil die Story hier plötzlich so komplett von dem abweicht, was für mich eigentlich feststand, oder aber weil der Schluss so extrem konstruiert daherkommt, das ich gut und gerne darauf hätte verzichten können.

Die Thematik des Thrillers hat mich unglaublich fasziniert, ein Verbrechen begangen im Schlaf, die Frage der Schuld, die im Buch immer wieder Gegenstand für Diskussionen liefert bietet viel Spielraum fürs Philosophieren. Die Figuren sind kontrovers angelegt, ihr Handeln, besonders das von Ben, wirkt aber nicht immer logisch und nachvollziehbar. In der Gesamtheit erfüllt das Buch nicht ganz meine Erwartungen.

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