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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.11.2017

Dieses wunderbare Bilderbuch kann helfen, diese Botschaft an Generationen weiterzugeben, für die der Name John Lennon kein Begriff mehr ist.

Imagine
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John Lennon, Jean Jullien, Imagine, Verlag Freies Geistesleben 2017, ISBN 978-3-7725-2800-2

Wohl kaum ein anderes Lied der Musikgeschichte hat seit seiner ersten Veröffentlichung so stark die Gefühle ...

John Lennon, Jean Jullien, Imagine, Verlag Freies Geistesleben 2017, ISBN 978-3-7725-2800-2

Wohl kaum ein anderes Lied der Musikgeschichte hat seit seiner ersten Veröffentlichung so stark die Gefühle und Sehnsüchte von Menschen weltweit so bewegt wie das Lied „Imagine“ von John Lennon. Eine bewegende und berührende Hymne ging das um die Welt, die sprach und sang von der Kraft und der Fantasie der Menschen, denen es möglich ist sich für eine friedvolle Welt zu engagieren.

Weil dieses Lied und seine Poesie ungebrochen wahrhaftig ist, weil sich die Lage in der Welt, gegen die es ansingt, in den Jahrzehnte seit seinen Erscheinen nicht besser geworden ist, hat Amnesty International mit der Unterstützung von John Lennons Witwe Yoko Ono den französischen Illustrator Jean Jullien gebeten, den in der englischen Originalfassung und der deutschen Übersetzung abgedruckten Text zu illustrieren, was ihm mit starken und eindrucksvollen Bilder gut gelungen ist.

Yoko Ono schreibt in ihrem Vorwort: „Das Lied ‚Imagine‘ hat eine starke Botschaft: Es wurde aus einer unverkennbar tiefen Liebe für alle Menschen geschrieben.“

Dieses wunderbare Bilderbuch kann helfen, diese Botschaft an Generationen weiterzugeben, für die der Name John Lennon kein Begriff mehr ist.

Veröffentlicht am 08.11.2017

Der Roman besteht aus vielen kleinen, meist nur drei Seiten umfassenden Geschichten, ein „Reigen aus unendlich vielen vergessenen Geschichten", wie Scheuer in einer Danksagung schreibt. „Vielleicht kann man sagen, das unser Leben auch nur ein Reigen, aus

Am Grund des Universums
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Norbert Scheuer, Am Grund des Universums, C.H. Beck 2017, ISBN 978-3-406-71179-4

Mit „Überm Rauschen“, das 2009 erschien und auf der Shortlist für den Deutschen Buchkreis stand, hat der in der Eifel lebenden ...

Norbert Scheuer, Am Grund des Universums, C.H. Beck 2017, ISBN 978-3-406-71179-4

Mit „Überm Rauschen“, das 2009 erschien und auf der Shortlist für den Deutschen Buchkreis stand, hat der in der Eifel lebenden Schriftsteller Norbert Scheuer seine Leser zum ersten Mal in die leise und verborgene Welt eines Eifeldorfes namens Kall entführt und über seine Bewohner, ihre Beziehungen, ihre Geschichte und ihre Sehnsüchte geschrieben.

Mit „Peehs Liebe“ und „Die Sprache der Vögel“ folgte ein weiterer Roman über Kall, ein Buch, das einen treffen kann dorthin, wo man selbst klein und verletzlich, unverstanden und belacht, schwach und unscheinbar ist. Ein Buch, das mit einer faszinierende Sprache von der ersten Seite an Poesie in die Seele des Lesers zaubert, von der er lange zehrt. Und es ist Ausdruck einer Haltung, die Norbert Scheuer an einer Stelle des Buches so ausdrückt: „Vielleicht hat das Leben nur den Sinn, dass man am Ende jemandem eine Geschichte erzählt.“

Der in „Die Sprache der Vögel“, seinem dritten Dorfroman in Afghanistan kämpfende und dort schwer verletzte Vogelforscher Paul Arimond ist im vorliegenden Band genauso nach Kall zurückgekehrt, wie der ehemalige Betriebselektriker des Zementwerkes Lünebach. Er will ein Raumschiff bauen und bis ans Ende des Universums fliegen.

Der Erzählbogen reicht von der Rückkehr Pauls 2006 bis zum Jahr 2014 und beschreibt eine stille Liebes- und Alltagsgeschichte. Im Hintergrund geht es immer um eine Welt verschollener Dinge und Geheimnisse. Eine Gruppe von alten Männer, die er „die Grauköpfe“ nennt, trifft sich jeden Tag im Cafe und beobachten das Dorfgeschehen und geben ihre eigenwilligen Kommentare dazu ab. Besonders kritisch und stellenweise auch schadenfreudig kommentieren sie die sehr schleppenden Versuche, durch die Erweiterung des Stausees ein Ferienpark zu errichten und Touristen nach Kall zu locken. Nicht die einzige Veränderung ist das allerdings, die im Dorf vor sich geht. Norbert Scheuer erzählt vom Leben unterschiedlichster Menschen, die Debatten um den Stausee sind sozusagen das Zentrum, um das er sie alle anordnet. Er erzählt von ihnen mit leisen Tönen, unspektakulär beschreibend und mit einer wunderschönen poetischen Sprache, die mich bei den früheren Büchern schon in den Bann gezogen hat.

Der Roman besteht aus vielen kleinen, meist nur drei Seiten umfassenden Geschichten, ein „Reigen aus unendlich vielen vergessenen Geschichten", wie Scheuer in einer Danksagung schreibt. „Vielleicht kann man sagen, das unser Leben auch nur ein Reigen, aus unendlich vielen vergessenen Geschichten ist.“

Vielleicht deshalb lösen Scheuers Geschichten und seine Sprache beim begeisterten Rezensenten eine Art Wärme aus, die ihm eine ganz besondere Wertschätzung für die sonst unsichtbaren und vergessenen Aspekte seines eigenen Lebens und des Lebens insgesamt nahebringt.

Veröffentlicht am 08.11.2017

Wer dieses neue Buch von Katharina Saalfrank nicht als Bibel eines Gurus liest, sondern kritisch, wird eine Menge Anregungen finden, auch wenn er sich schon lange auf dem „wertschätzenden Weg“ befindet.

Kindheit ohne Strafen
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Katharina Saalfrank, Kindheit ohne Strafen. Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen, Beltz Verlag 2017, ISBN 978-3-40786488-8

Das neue Buch von Katharina Saalfrank will nicht ...

Katharina Saalfrank, Kindheit ohne Strafen. Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen, Beltz Verlag 2017, ISBN 978-3-40786488-8

Das neue Buch von Katharina Saalfrank will nicht belehren, sondern einladen. Einladen zum Nachdenken und Ausprobieren eines Erziehungsstils, der von Anfang an (also meiner Meinung nach schon während der Schwangerschaft!) auf Bindung setzt und auf einen gegenseitigen Umgang zwischen Erwachsenen und zwischen Erwachsenen und Kindern, der von Wertschätzung geprägt ist.

An vielen Beispielen zeigt sie, wie ein von Anfang an von Vertrauen in sich selbst und seinen Kindern und gegenseitiger Wertschätzung geprägtes Zusammenleben, Konflikte, die es in jeder Familie gibt, mit wertschätzenden Dialogen und Lösungsgesprächen, lösen hilft, ohne Strafen einzusetzen.

Meines Erachtens bedeutet das aber nicht, in bestimmten Fällen auf Konsequenzen zu verzichten. Was meiner Meinung nach aber oft den Erfolg eines solchen Erziehungsstils gefährdet, sind Erwachsene, die selbst anders erzogen wurden und diesen Druck unreflektiert an ihre Kinder weitergeben. Und jene, die ohne jegliche Grenzen und Bindung aufgewachsen sind, und die deshalb ihren eigenen Kindern von Anfang an (Schwangerschaft!) kein Containment geben können.

Wer dieses neue Buch von Katharina Saalfrank nicht als Bibel eines Gurus liest, sondern kritisch, wird eine Menge Anregungen finden, auch wenn er sich schon lange auf dem „wertschätzenden Weg“ befindet.




Veröffentlicht am 08.11.2017

Ein kleines Buch, das man schnell gelesen hat, das aber Anregungen bietet für eine innere Arbeit, die sich lohnt.

Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen
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Michael Bordt SJ, Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen. Vom Mut zum selbstbestimmten Leben, Elisabeth Sandmann Verlag 2017, ISBN 978-3-945543-39-9

Jeder Mensch kann sie haben, die innere Freiheit. Die ...

Michael Bordt SJ, Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen. Vom Mut zum selbstbestimmten Leben, Elisabeth Sandmann Verlag 2017, ISBN 978-3-945543-39-9

Jeder Mensch kann sie haben, die innere Freiheit. Die Freiheit, sein eigenes Leben so führen, wie man es im Einklang mit seiner Seele leben möchte. Nicht das Leben, das andere von mir erwarten, und deren zum Teil fantasierte Erwartungen schon feste Bestandteile meiner eigenen Selbstwahrnehmung geworden sind.

Jeder Mensch kann sie haben, diese Freiheit, wirklich und tief selbst zu sein, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und auch in Konflikten anderen Meinungen und Lebensentwürfen standzuhalten, ohne sich gleich wieder anzupassen.

Das, was viele Menschen noch als Sehnsucht spüren (andere haben es vor lauter Anpassung schon lange vergessen) kann man aber nur erreichen und es dann leben, wenn man bereit ist, sich selbst kennenlernend auf die Spur zu kommen und dabei auch die Schattenseiten anzuschauen. Das scheuen die meisten, und fliehen in die Arbeit, den Stress, das Internet – keine Zeit für sich selbst.
In seinem letzten Buch beschrieb er diese Anstrengung:
„Freiheit gibt es nicht umsonst. Innerlich immer freier zu werden, um auch in unserem Tun frei zu sein, ist, wie wir gesehen haben, ein durchaus anspruchsvoller, zum Teil konfrontativer, manchmal auch schmerzhafte Prozess. Es ist verständlich, wenn Menschen diesem Prozess lieber ausweichen…. Dieser Weg wird, wenn er einmal beschritten ist, eine ganz eigene Dynamik und Kraft entfalten, die Sie tragen und dort halten wird. Eine Dynamik und Kraft, die ausgesprochen heilsam ist und die uns immer tiefer mit uns selbst verbindet.“

Um genau diese Form der Arbeit an sich selbst geht auch in seinem neuen hier vorliegenden Buch, in dem er „die Kunst, die Eltern zu enttäuschen“ beschreibt und Mut macht zu einem selbstbestimmten Leben.
Ich selbst habe in meinem Berufsleben als Pfarrer und Seelsorger viele Menschen, zum Teil selbst schon weit über 70 Jahre alt, kennengelernt, die in einer Weise an ihre Eltern ( die manchmal schon tot waren) gebunden waren, dass ihnen für ein freies und selbstbestimmtes Leben kein Platz blieb.

In seinem klug aufgebauten Text führt er den Leser zu einer solchen inneren Auseinandersetzung mit den alten Mustern, die sie gegenüber den Eltern unfrei machen. Es geht darum, mit den Eltern seinen Frieden zu finden und die Enttäuschungen im Zusammenhang mit ihnen als ein Übungsfeld zu nutzen für eine immer feinere Selbstreflexion und Selbstwahrnehmung.

Er will zu der Erkenntnis führen, dass kein Mensch für das Glück eines anderen erwachsenen Menschen verantwortlich ist, erst recht nicht die Kinder für das Glück ihrer Eltern. Wer diesen Prozess durchlebt und durchlitten hat, wer sich also, wie auch immer, mit seinen Eltern innerlich versöhnt hat, ist in der Regel auch gegenüber anderen ein freier und versöhnter Mensch.

Solange ich mich noch an den Eltern abarbeite, habe ich mich selbst und vor allen Dingen meinen Weg ins eigene Leben nicht gefunden.

Ein kleines Buch, das man schnell gelesen hat, das aber Anregungen bietet für eine innere Arbeit, die sich lohnt.



Veröffentlicht am 30.10.2017

Leon de Winter hat aber aus einem historischen Geschehen eine lesenswerte Geschichte gemacht, deren menschliche und spirituelle Dimensionen lange in mir nachgewirkt haben.

Geronimo
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Leon de Winter, Geronimo (tb), Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-24422-9

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter, der für seine klare Haltung gegenüber den radikalen Islam nicht nur in seiner Heimat ...

Leon de Winter, Geronimo (tb), Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-24422-9

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter, der für seine klare Haltung gegenüber den radikalen Islam nicht nur in seiner Heimat oft angefeindet wurde, gehört zu den Autoren, die mit jedem weiteren Roman nicht nur literarisch besser werden, sondern sich mit ihren Themen mutig immer weiter vorwagen.

So hat er in seinem neuen Roman in einer wahnsinnigen Mischung aus Realität und Fiktion jene Aktion des amerikanischen CIA hinterfragt, bei der am 2.Mai 2011, fast zehn Jahre nach dem Anschlag auf das World Trade Center, eine Eliteeinheit Usama Bin Laden (im Buch nur UBL genannt) in seinem Unterschlupf im pakistanischen Abbottabad getötet hat.
Weltweit gab es klammheimlichen Beifall für diese Aktion, doch es kamen auch immer wieder Fragen auf, warum man den gesuchten Chef von Al Kaida nicht lebend gefangen nahm bzw. warum man seinen Leichnam so schnell über dem Arabischen Meer in der Tiefe verschwinden ließ?

Ohne jegliche Verschwörungsmethaphern hat Leon de Winter sich diesen Fragen mit einer genial erzählten Geschichte genähert. Hauptpersonen sind der amerikanische ehemalige Agent Tom Johnson, der nach einer schlimmen Verletzung in Afghanistan nicht mehr im Kampf eingesetzt werden kann. Dort hatte er auch das afghanische Flüchtlingsmädchen Apana kennengelernt und sie gleichsam adoptiert. Die Musik Bachs, insbesondere die Goldberg-Variationen, die das Mädchen durch Tom kennenlernt, verändert das Leben des Kindes radikal. Ihr schreckliches Schicksal und die Verantwortung, die Tom für das Kind übernimmt bis an die Grenzen seiner Kraft, ist ein wesentlicher, sehr bewegender und theologisch interessanter Strang der Handlung. Hier wird etwas deutlich von der Phantasie des jüdischen Autors, wie es sein könnte, wenn die Religionen der Welt jene Vorstellung und Dimension des Göttlichen, die in den Goldberg-Variationen aufscheint, annehmen und aufnehmen würden.

Ein zweiter Strang erzählt von den Vorbereitungen und der Durchführung der Aktion „Neptune`s Spear“, von der Begegnung Apanas mit UBL in Abbottabad, und gibt einen angedeuteten Hinweis darauf, warum UBL nicht am Leben gelassen wurde.

Der Roman ist spannend erzählt und entwickelt sich bald für den Leser zum regelrechten Pageturner. Das angedeutete Geheimnis, mit dem UBL angeblich Obama bedrohte, ist nach einigem Nachdenken über bestimmte Auswüchse im gegenwärtigen Wahlkampf in den USA so ganz abwegig nicht.

Wie es wirklich gewesen ist, wird die Welt nie erfahren. Leon de Winter hat aber aus einem historischen Geschehen eine lesenswerte Geschichte gemacht, deren menschliche und spirituelle Dimensionen lange in mir nachgewirkt haben.