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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2026

Spannend und Ungewöhnlich

Noch fünf Tage
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„Noch 5 Tage“ von Helena Falke ist ein ungewöhnlicher Thriller, der mit einem starken Ausgangsszenario sofort fesselt: Eine Privatköchin, deren Arbeitgeber durch ein vergiftetes Silvestermenü sterben – ...

„Noch 5 Tage“ von Helena Falke ist ein ungewöhnlicher Thriller, der mit einem starken Ausgangsszenario sofort fesselt: Eine Privatköchin, deren Arbeitgeber durch ein vergiftetes Silvestermenü sterben – und die selbst nur noch wenige Tage zu leben hat, während sie unter Mordverdacht steht. Allein diese Prämisse sorgt für ein hohes Tempo und eine permanente Grundspannung.

Im Mittelpunkt steht Lis, eine hochbegabte Köchin, die für die superreiche Familie Harman arbeitet. Nach der Vergiftung überlebt sie zunächst, erfährt jedoch im Krankenhaus, dass ihr nur noch fünf Tage bleiben. Statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, beginnt sie – gemeinsam mit ihrer Krankenschwester – vom Krankenbett aus zu ermitteln. Dieser Ansatz, die Aufklärung fast ausschließlich über Gedanken, Erinnerungen und Gespräche laufen zu lassen, ist ungewöhnlich, funktioniert aber erstaunlich gut. Die Autorin schafft es, daraus einen regelrechten Sog zu entwickeln, sodass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt.

Besonders gelungen sind die Einblicke in zwei Welten: zum einen in das Leben der Superreichen, mit all ihren Abgründen, Geheimnissen und Spannungen innerhalb der Familie Harman, zum anderen in die Spitzengastronomie. Die vielen kulinarischen Details und Metaphern verleihen dem Buch eine eigene Atmosphäre und heben es angenehm von klassischen Thrillern ab.

Allerdings hat die Geschichte auch Schwächen. An manchen Stellen wirkt sie etwas konstruiert, insbesondere die medizinische Prämisse: Dass der Todeszeitpunkt nach einer Vergiftung so exakt auf fünf Tage festgelegt werden kann, erscheint fragwürdig und mindert gelegentlich die Glaubwürdigkeit. Wer sich daran stört, könnte kurzzeitig aus der Handlung gerissen werden.

Das Ende hingegen überzeugt wieder: Es kommt überraschend, wirkt aber gleichzeitig schlüssig und rundet die Geschichte sinnvoll ab.

Insgesamt ist „Noch 5 Tage“ ein spannender, origineller Thriller mit einer starken Hauptfigur, atmosphärischem Setting und einem ungewöhnlichen Erzählansatz. Kleine Ungereimtheiten in der Plausibilität werden durch die packende Handlung und die interessante Perspektive weitgehend ausgeglichen. Ein lesenswertes Buch für alle, die Spannung mit einem besonderen Twist mögen.

Veröffentlicht am 15.09.2025

Die Zukunft der Demokratie

Gesellschaftsspiel
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In Gesellschaftsspiel entwirft Dora Zwickau ein ambitioniertes Gedankenexperiment: Ein Tech-Milliardär – klug, medienwirksam und visionär – beschließt, mit seinem Vermögen die Demokratie neu zu erfinden. ...

In Gesellschaftsspiel entwirft Dora Zwickau ein ambitioniertes Gedankenexperiment: Ein Tech-Milliardär – klug, medienwirksam und visionär – beschließt, mit seinem Vermögen die Demokratie neu zu erfinden. Sein Projekt trägt den Namen „Syndicate“ und soll in der thüringischen Stadt Weimar erprobt werden – einem historisch und kulturell aufgeladenen Ort, der hier zur Kulisse eines politischen Feldversuchs wird.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen: Isabelle, ihre Schwester Annika und deren Tante Dagmar. Sie alle leben in Weimar und erleben das „Syndicate“-Experiment auf sehr unterschiedliche Weise – als Beobachterinnen, Mitgestalterinnen oder Kritikerinnen. Ihre Perspektiven bilden das emotionale und erzählerische Zentrum des Romans. Zwickau gelingt es, ihre Lebensgeschichten mit psychologischer Tiefe und erzählerischer Nähe zu zeichnen – es sind keine Heldinnen, sondern glaubhafte Frauen mit Brüchen, Zweifeln und Hoffnungen.

Stilistisch überzeugt Gesellschaftsspiel vor allem in diesen Passagen über die drei Frauen. Der Erzählfluss ist ruhig, die Sprache präzise und einfühlsam. Zwischen diesen Abschnitten streut die Autorin immer wieder Kapitel ein, die aus Chats, Zeitungsartikeln oder Reden bestehen – ein moderner Kniff, der das Buch mit dokumentarischer Vielfalt anreichert, gelegentlich aber auch den Lesefluss stört und stilistisch etwas uneinheitlich wirkt.

Inhaltlich ist Gesellschaftsspiel als gut gemeinte Dystopie angelegt – kein drastisches Zukunftsszenario, sondern eine leise, realitätsnahe Kritik an bestehenden politischen Strukturen. Das Buch stellt wichtige Fragen: Wie reformierbar ist unsere Demokratie? Welche Rolle spielen Macht, Geld und Technologie in einer politischen Neuausrichtung? Und was bedeutet Mitbestimmung in einer durchdigitalisierten Gesellschaft?

Trotz dieser spannenden Ausgangslage bleibt der Roman in seinen Antworten oft vage. Das „Syndicate“-Modell wird angedeutet, aber nie ganz entfaltet. Viele Ideen wirken schwammig, es fehlt an konkreter Vision oder Systematik. Vielleicht ist das beabsichtigt – um die Offenheit der Zukunft zu spiegeln –, dennoch hätte man sich an manchen Stellen mehr Klarheit und Tiefe gewünscht.

Fazit: Gesellschaftsspiel ist ein vielschichtiger Roman über gesellschaftliche Utopien und persönliche Realitäten. Er überzeugt durch seine starken Figuren und die sensible Darstellung ihrer Lebenswege. Als politische Dystopie bleibt das Buch jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück – es benennt die Probleme, skizziert Alternativen, lässt aber zu viele Fragen offen. Trotzdem: ein lesenswerter Beitrag zur aktuellen Debatte über Demokratie, Macht und Teilhabe.

Veröffentlicht am 15.09.2025

Die Zukunft der Demokratie

Gesellschaftsspiel
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In Gesellschaftsspiel entwirft Dora Zwickau ein ambitioniertes Gedankenexperiment: Ein Tech-Milliardär – klug, medienwirksam und visionär – beschließt, mit seinem Vermögen die Demokratie neu zu erfinden. ...

In Gesellschaftsspiel entwirft Dora Zwickau ein ambitioniertes Gedankenexperiment: Ein Tech-Milliardär – klug, medienwirksam und visionär – beschließt, mit seinem Vermögen die Demokratie neu zu erfinden. Sein Projekt trägt den Namen „Syndicate“ und soll in der thüringischen Stadt Weimar erprobt werden – einem historisch und kulturell aufgeladenen Ort, der hier zur Kulisse eines politischen Feldversuchs wird.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen: Isabelle, ihre Schwester Annika und deren Tante Dagmar. Sie alle leben in Weimar und erleben das „Syndicate“-Experiment auf sehr unterschiedliche Weise – als Beobachterinnen, Mitgestalterinnen oder Kritikerinnen. Ihre Perspektiven bilden das emotionale und erzählerische Zentrum des Romans. Zwickau gelingt es, ihre Lebensgeschichten mit psychologischer Tiefe und erzählerischer Nähe zu zeichnen – es sind keine Heldinnen, sondern glaubhafte Frauen mit Brüchen, Zweifeln und Hoffnungen.

Stilistisch überzeugt Gesellschaftsspiel vor allem in diesen Passagen über die drei Frauen. Der Erzählfluss ist ruhig, die Sprache präzise und einfühlsam. Zwischen diesen Abschnitten streut die Autorin immer wieder Kapitel ein, die aus Chats, Zeitungsartikeln oder Reden bestehen – ein moderner Kniff, der das Buch mit dokumentarischer Vielfalt anreichert, gelegentlich aber auch den Lesefluss stört und stilistisch etwas uneinheitlich wirkt.

Inhaltlich ist Gesellschaftsspiel als gut gemeinte Dystopie angelegt – kein drastisches Zukunftsszenario, sondern eine leise, realitätsnahe Kritik an bestehenden politischen Strukturen. Das Buch stellt wichtige Fragen: Wie reformierbar ist unsere Demokratie? Welche Rolle spielen Macht, Geld und Technologie in einer politischen Neuausrichtung? Und was bedeutet Mitbestimmung in einer durchdigitalisierten Gesellschaft?

Trotz dieser spannenden Ausgangslage bleibt der Roman in seinen Antworten oft vage. Das „Syndicate“-Modell wird angedeutet, aber nie ganz entfaltet. Viele Ideen wirken schwammig, es fehlt an konkreter Vision oder Systematik. Vielleicht ist das beabsichtigt – um die Offenheit der Zukunft zu spiegeln –, dennoch hätte man sich an manchen Stellen mehr Klarheit und Tiefe gewünscht.

Fazit: Gesellschaftsspiel ist ein vielschichtiger Roman über gesellschaftliche Utopien und persönliche Realitäten. Er überzeugt durch seine starken Figuren und die sensible Darstellung ihrer Lebenswege. Als politische Dystopie bleibt das Buch jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück – es benennt die Probleme, skizziert Alternativen, lässt aber zu viele Fragen offen. Trotzdem: ein lesenswerter Beitrag zur aktuellen Debatte über Demokratie, Macht und Teilhabe.

Veröffentlicht am 18.08.2024

nette Geschichte

Die Entflammten
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Das Buch weckte mein Interesse, weil ich gerne zwischendurch Romanbiografien lese, bei denen nicht nur der Lesegenuss im Vordergrund steht, sondern man auch etwas über die beschriebenen Personen erfährt.
In ...

Das Buch weckte mein Interesse, weil ich gerne zwischendurch Romanbiografien lese, bei denen nicht nur der Lesegenuss im Vordergrund steht, sondern man auch etwas über die beschriebenen Personen erfährt.
In diesem Fall steht ja der Künstler (van Gogh) selbst eher im Hintergrund, denn das Buch erzählt die Geschichte von seiner Schwägerin Jo, die nach seinem Tod seinen Bildern zu Berühmtheit verhelfen will. Auf einer zweiten Erzählebene erfährt der Leser die Geschichte von Gina, die sich wiederum mit der Lebensgeschichte von Jo beschäftigt.
Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, da es eine andere, weibliche Perspektive auf Vincent van Gogh und sein Lebenswerk wirft und welche Rolle darin eine Frau gespielt hat, von der man bisher nichts wusste.
Die Sprache ist schön, aber ungewöhnlich. Insgesamt lese ich das Buch als Erfolgsgeschichte von Frauen, die maßgeblich den Erfolg berühmter Menschen beeinflusst haben und denen mit diesem Roman die Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie verdienen.

Veröffentlicht am 17.03.2024

Blieb unter den Erwartungen

Das Lächeln der Königin
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Von estuck
Das Buch beschreibt, wie die Büste der Nofretete nach ihrem Fund in Ägypten nach Berlin kam.
Beim Start hatte ich hohe Erwartungen an das Buch. Da ich das Cover wirklich toll fand (löst gleich ...

Von estuck
Das Buch beschreibt, wie die Büste der Nofretete nach ihrem Fund in Ägypten nach Berlin kam.
Beim Start hatte ich hohe Erwartungen an das Buch. Da ich das Cover wirklich toll fand (löst gleich leichte "Babylon Berlin" Vibes aus), ich Berlin als Setting liebe und auch das Thema spannend fand, begann ich gerne zu lesen. Leider wurde ich auf dieser Reise enttäuscht: die ganze Story, besonders der Weg von der Ausgrabung der Büste bis zur Reise nach Berlin bleibt insgesamt sehr technisch. Man erfährt doch viel über die Bürokratie und Diplomatie zu der Zeit, insgesamt fehlten mir dabei aber die persönlichen Geschichten der Protagonisten. Ich konnte mich in keine Figur so richtig einführen, sie waren für mich etwas hölzern und auch die Handlung war wenig fantasievoll.
Was die Sprache anging, war ich zufrieden. Sehr gut lesbar, flüssige Schreibe.
Insgesamt wohl eher ein Buch für wirklich Archäologiebegeisterte, als für Kulturinteressierte.