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Christina19

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Die Geschichte einer iranischen Familie in Deutschland - literarisch dicht und in poetischer Sprache

Als wir Schwäne waren
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Reza ist noch ein Kind, als seine Eltern mit ihm vom Iran nach Deutschland ziehen. Hier leben sie in einem Viertel in Bochum, in dem Menschen der unteren Unterschicht bis zur mittleren Mittelschicht zu ...

Reza ist noch ein Kind, als seine Eltern mit ihm vom Iran nach Deutschland ziehen. Hier leben sie in einem Viertel in Bochum, in dem Menschen der unteren Unterschicht bis zur mittleren Mittelschicht zu Hause sind. Der Familie fällt es nicht leicht, Anschluss zu finden. Sprache und Kultur sind ihnen fremd, ihre Nachbarn beäugen sie misstrauisch, ihre Abschlüsse werden nicht anerkannt. Auch nach Jahren in der neuen Heimat fühlt sich die Familie nicht zugehörig. Behzad Karim Khani erzählt davon, was es heißt, in einem Land anzukommen, ohne wirklich dort anzukommen.

Mit „Als wir Schwäne waren“ hat Behzad Karim Khani einen Roman verfasst, der deutliche autobiografische Züge aufweist. Er verleiht darin Reza seine Stimme. Reza ist der Sohn iranischer Einwanderer, der rückblickend seine und die Geschichte seiner Familie erzählt. Die Geschehnisse schildert er episodenhaft, sodass sich der Roman aus vielen Fragmenten in chronologischer Reihenfolge zusammensetzt. Der Autor bedient sich beim Schreiben einer höchst poetischen Sprache. Seiner Hauptfigur gibt er eine gewisse Distanz zu den Ereignissen, sodass Reza diese – obwohl er selbst Teil des Ganzen war – wie ein außenstehender, objektiver Beobachter recht emotionslos wiedergibt.
Khani schreibt über all die Probleme, die Menschen in Deutschland erwarten. Er weist auf kulturelle Unterschiede hin, erzählt von Sprachproblemen, der fehlenden Anerkennung von Abschlüssen und der Chancenlosigkeit. Er berichtet von Armut und Nachbarn, die deshalb ins kriminelle Milieu abstürzen. Er zeigt die Gewalt und Drogendelikte auf, die in Rezas Viertel vorherrschen. Und er erzählt, wie auch Reza selbst sich nicht gegen den Absturz schützen kann.
„Als wir Schwäne waren“ ist aber nicht nur eine Geschichte über die Perspektivlosigkeit einer emigrierten Familie, sondern es ist auch eine Geschichte von Vater und Sohn, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite der Vater, der in Deutschland nie Fuß fassen konnte, immer stiller wurde und vor allem über seine Gedanken und Gefühle nicht sprach. Über einen Vater, der Stolz und Würde besaß. Auf der anderen Seite der Sohn, der immer tiefer in die Kriminalität abrutschte und seinen Stolz noch heute sucht. Es ist die Geschichte zweier, die sich womöglich auch durch die Auswanderung voneinander entfernt und nie wieder so ganz zusammengefunden haben.
So viel uns der Autor über die Herausforderungen der Familie in Deutschland wissen lässt, so wenig gibt er an anderer Stelle preis. Das sorgt dafür, dass die Geschichte einerseits literarisch dicht erzählt ist, die Leerstellen andererseits aber einige Fragen aufwerfen: Wieso hatte die Familie den Iran überhaupt verlassen? Warum haben sie an ihrer Situation im Bochumer Viertel nicht früher etwas geändert, wenn sie nicht glücklich waren?
Obwohl „Als wir Schwäne waren“ in den 1980er und 1990er Jahren spielt, ist der Roman noch immer höchst aktuell und auf jeden Fall lesenswert.

Veröffentlicht am 13.09.2024

Ein solides Nachschlagewerk für die Auswahl von Möbeln

Das Möbel-Handbuch
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Auf über 300 Seiten stellt die schwedische Innendesignerin und Bloggerin Frida Ramstedt Hinweise zusammen, auf welche Kriterien man bei der Auswahl seiner Möbel Acht geben sollte.
Sie befasst sich dabei ...

Auf über 300 Seiten stellt die schwedische Innendesignerin und Bloggerin Frida Ramstedt Hinweise zusammen, auf welche Kriterien man bei der Auswahl seiner Möbel Acht geben sollte.
Sie befasst sich dabei mit Sitzmöbeln und Tischen ebenso wie mit Stauraummöglichkeiten und Betten. In jeder dieser Kategorien gibt es zahlreiche Unterscheidungen: So geht die Autorin beispielsweise bei den Sitzmöbeln separat auf Stühle, Hocker, Barhocker, Bänke, Schreibtischstühle, Sofas, Sessel und Schaukelstühle ein. Hierzu erteilt sie spezifische Tipps, da z. B. für den Kauf eines Stuhles auf andere Dinge zu achten ist als bei der Anschaffung eines Sofas. Ich finde es klasse, wie differenziert Frida Ramstedt die einzelnen Möbelarten betrachtet. Ihre Tipps sind entsprechend sehr umfangreich, enthalten für mich jedoch wenig neue Informationen (wobei ich mich seit einigen Jahren schon intensiv mit Möbeln befasse).
Interessanter finde ich ein weiteres Kapitel, das sich Materialien widmet. Hier werden unterschiedliche Arten an Holz, Stein, Leder, Textilien und Glas ausführlich beschrieben und miteinander verglichen. So erhält man u. a. einen Überblick über die Unterschiede zwischen Nubuk-, Anilin- und oberflächengefärbtem Leder sowie Kunstleder und erfährt über deren jeweilige Vor- und Nachteile. Die umfangreiche Übersicht inkl. der Beschreibungen erspart somit langes und mühseliges Recherchieren bei der Materialauswahl.
Eine dann folgende Zeitleiste gibt Einblick in die Designgeschichte Schwedens, ehe das Buch mit einem Kapitel zu Planungsgrößen und Konzepten endet. Diesen Abschnitt finde ich besonders hilfreich, da er Einblicke zur Einrichtung von Räumen bietet. Gerne hätte ich dazu noch mehr gelesen: Denkbar wäre für mich z. B. die Vorstellung von Wohnstilen und ein Abriss zur Farbenlehre, also kurzum, wie man Möbel hinsichtlich Form und Farbe geschmackvoll in Räumen mit Tapeten, Teppichen, Leuchten und Vorhängen kombiniert. Vermutlich hätte das an dieser Stelle aber zu weit geführt und womöglich wurde das Thema bereits im ersten Buch „Innendesign“ der Autorin abgehandelt (dieses kenne ich nicht, daher kann ich das nicht einschätzen).
Zuletzt einige Sätze zur Aufmachung des Buches: Der Einband aus Leinen lässt das Werk sehr hochwertig erscheinen, wenngleich mir das Cover der schwedischen Originalausgabe in seiner schlichten Gestaltung noch besser gefällt. Der Inhalt ist klar gegliedert, was die Orientierung in den einzelnen Kapiteln erleichtert. Einige Passagen sind um Darstellungen von Möbeln ergänzt, wobei diese durchgängig schwarz-weiß und somit recht schlicht gehalten sind.
Alles in allem ist dieses Buch ein solides Nachschlagewerk, wenn man die Anschaffung neuer Möbel in Betracht zieht.

Veröffentlicht am 18.08.2024

Eine eindringliche Geschichte über Frauenfeindlichkeit

Reichlich spät
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Es ist ein Freitagnachmittag, als Cathal nach der Arbeit in den Bus steigt und die Heimreise antritt. In Gedanken ist er bei Sabine, mit der er die letzten Monate geteilt hatte. Cathal erinnert sich an ...

Es ist ein Freitagnachmittag, als Cathal nach der Arbeit in den Bus steigt und die Heimreise antritt. In Gedanken ist er bei Sabine, mit der er die letzten Monate geteilt hatte. Cathal erinnert sich an ihr Kennenlernen und an gemeinsame Momente: Sabine, wie sie teure Lebensmittel kauft, den Bräter zu lange einweichen lässt und zu viel Platz in seiner Wohnung einnimmt. Eigentlich würden sie an diesem Freitag ihre Hochzeit feiern, wäre die F***e nicht gegangen…

Auf wenigen Seiten umreißt Claire Keegan in „Reichlich spät“ das Ende einer Beziehung.
Aus der Perspektive von Cathal beschreibt sie seine Sicht auf die Frauenwelt. Sei es die Kollegin aus der Buchhaltung, die polnische Reinigungskraft oder die Sitznachbarin im Bus, Cathal blickt auf die Frauen in seiner Umgebung herab. Ihm zufolge reden sie zu viel, sind übergewichtig oder schauen ihn schief an. Ebenso sieht er Sabine, die Frau, die noch bis vor Kurzem an seiner Seite stand. Cathal ist oberflächlich, undankbar und herabwürdigend. Glücklicherweise realisiert Sabine, mit welcher Art Mann sie liiert ist, und löst – ihren eigenen Wert kennend – die Verlobung. Doch Cathal wäre nicht er selbst, würde ihn die Trennung zum Umdenken anregen. „(…) dass sie nicht hören und gut die Hälfte der Dinge auf ihre Weise tun wollte.“ (S. 35), sieht er das Problem bezeichnenderweise bei Sabine.
Was Claire Keegan hier beschreibt, ist ein Mann, dessen Wahrnehmung der Welt durchweg frauenverachtend, gar frauenfeindlich ist. Trotz seiner negativen Charakterzüge schafft sie es, ihre Figur absolut glaubwürdig abzubilden, denn die Botschaft in „Reichlich spät“ vermittelt die Autorin anfangs eher subtil und erst später offensiver. So entwickelt man während des Lesens eine immer stärker werdende Antipathie gegenüber Cathal, die sich, umso länger das Erzählte nachhallt, in eine regelrechte Wut umwandelt. Mit dem Thema Misogynie nämlich spricht Keegan etwas an, das leider bis heute in sämtlichen Ländern der Erde und in allen Gesellschaftsschichten verbreitet ist. Für viele Frauen ist die Behandlung, wie sie Sabine und die übrigen weiblichen Charaktere erfahren, tägliche Realität.
Beim Erzählen konzentriert sich Claire Keegan auf die relevanten Inhalte und schreibt kein Wort zu viel. Ihre ausdrucksstarke Geschichte beläuft sich dadurch auf gerade einmal 55 Seiten. Obwohl das Thema so schwer im Magen liegt, kommt das Buch also ganz leicht daher.
Für das eigene Regal ist die Ausgabe ein Schmuckstück: Die Aufmachung des Werkes wirkt durch den Leineneinband sehr hochwertig und erhält eine besondere Haptik.
Ein Buch, das in jeglicher Hinsicht empfehlenswert ist!

Veröffentlicht am 18.08.2024

Spartipps als Roman verpackt

3000 Yen fürs Glück
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„Wie du 3000 Yen verwendest, kann über dein ganzes Leben entscheiden.“, gibt Kotoko ihrer Enkelin mit auf den Weg. Zuerst versteht Miho nicht, was ihre Großmutter damit meint, doch sie lernt es schon bald: ...

„Wie du 3000 Yen verwendest, kann über dein ganzes Leben entscheiden.“, gibt Kotoko ihrer Enkelin mit auf den Weg. Zuerst versteht Miho nicht, was ihre Großmutter damit meint, doch sie lernt es schon bald: Als ihre Kollegin nach vielen Jahren unerwartet aus der Firma entlassen wird, wird Miho klar, dass auch sie keine Gewissheit hat, für immer in dem Unternehmen arbeiten zu können. Aus dem Gefühl der Unsicherheit heraus beginnt sie, ihre Finanzen auf den Prüfstand zu stellen. Miho beschließt, fortan zu sparen. Um Tipps zu erhalten, wie sie Rücklagen bilden kann, investiert sie 3000 Yen in das Seminar einer bekannten Spar- und Finanzberaterin.
Nacheinander geraten auch Kotoko, Maho, Yasuo, Tomoko und Shohei an einen Punkt in ihrem Leben, an dem ihnen ihre jeweilige finanzielle Situation Gedanken bereitet. Alle suchen sie nach Lösungen für ihre Sorgen und lernen dabei, inwieweit Geld ihre Persönlichkeit beeinflusst und wie sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen können.

Der Roman „3000 Yen fürs Glück“ stammt aus Japan, wo er in den letzten Jahren zum Bestseller wurde. Die Autorin Hika Harada überzeugt durch einen unaufgeregten Schreibstil, mit dem sie eine ruhige, familiäre Atmosphäre schafft.
Das Buch ist in insgesamt sechs Kapitel eingeteilt, in denen jeweils eine Figur im Mittelpunkt steht. Alle Figuren und ihre Leben stehen in enger Verbindung zueinander, sodass auch die Kapitel miteinander verknüpft sind. Wir lernen vor allem die Familie Mikuriya kennen, wozu die Großmutter Kotoko, ihre Schwiegertochter Tomoko sowie die Enkelinnen Maho und Miho zählen. Damit stellt die Autorin Frauen dreier Generationen vor, die in vollkommen unterschiedlichen Lebenssituationen stecken. Während Maho bis zum Schulabschluss ihrer Tochter 10 Millionen Yen zurücklegen möchte, zweifelt Tomoko nach einer schweren Operation an ihrem Mann und ihrer Ehe. Kotoko wiederum, die sich bereits im Ruhestand befindet, sorgt sich darum, eines Tages pflegebedürftig zu werden. Die Redewendung, dass Jeder sein Päckchen zu tragen habe, wird in der Geschichte gut veranschaulicht.
Zu ihrem persönlichen Glück benötigen alle eine meist größere Summe Geld, die sie ansparen wollen. Der Untertitel „Ein Familienroman über die Kunst des Sparens“ ist wörtlich zu nehmen, denn wir erfahren von zahlreichen Möglichkeiten, Rücklagen zu bilden. Zuerst wird das Kakeibo, ein traditionelles japanisches Haushaltsbuch, vorgestellt. Gut gefällt mir, dass der Verlag für diejenigen Leser, die diese Methode gerne für sich ausprobieren möchten, Druckvorlagen zum Download bereitstellt. Im Roman werden weiterhin die Fixkosten wie Miete und Mobilverträge untersucht, um Kosten zu minimieren. Außerdem werden Anlagemöglichkeiten diskutiert und Sparziele gesetzt. Die Hinweise und Tipps sind sehr informativ und wunderbar in die Geschichte eingebunden. Dennoch lehrt uns der Roman, dass man nie weiß, was die Zukunft für uns bereithält und man daher trotz ambitionierter Sparziele das Leben genießen sollte.
Für meinen Geschmack hätte der Fokus in den einzelnen Kapiteln statt auf den Finanzen gerne noch ein wenig mehr auf dem alltäglichen Leben und persönlichen Glück der Figuren liegen können. Trotz dieses Kritikpunktes habe ich das Buch sehr gerne gelesen!

Veröffentlicht am 22.07.2024

Ein bezauberndes Kinderbuch mit atmosphärischem Setting

Komm, wir trösten den kleinen Stern
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Mit ihrem Hängebauchschwein Rolf lebt Schnipsel auf der Vulkaninsel Ometepe. Gemeinsam schauen die beiden eines Abends in den Himmel. Sie entdecken dort den Stern Ninjesi, der ganz betrübt dreinschaut. ...

Mit ihrem Hängebauchschwein Rolf lebt Schnipsel auf der Vulkaninsel Ometepe. Gemeinsam schauen die beiden eines Abends in den Himmel. Sie entdecken dort den Stern Ninjesi, der ganz betrübt dreinschaut. Ninjesi erzählt ihnen, wie einsam er sich fühlt und dass ihm eine Umarmung guttäte. Mit Hilfe des Mondes machen sich Schnipsel und Rolf auf den Weg in den Himmel und versuchen, Ninjesis Wunsch zu erfüllen.

„Komm, wir trösten den kleinen Stern“ lädt Kinder ab 3 Jahren auf eine fantasievolle Reise ein. Mit einer Geschichte in Reimform entführt Mira Schönegge ihre Leser zunächst nach Ometepe. Sie erzählt davon, wie die Insel einst aus zwei Vulkanen entstand und später von Schnipsel, ihrer Mutter und dem Hängebauchschwein Rolf bezogen wurde. Ich bin ein großer Fan des Settings und der Art, wie die Autorin diese Welt in ihren Illustrationen festhält. Die Bilder sind großflächig gestaltet, strahlen etwas Exotisches aus und sind ganz besonders stimmungsvoll. Wir sehen ein farbenfrohes Häuschen, Palmen und Kakteen, Ylang-Ylang sowie Schnipsel, die mich mit ihren buschigen Augenbrauen ein wenig an Frida Kahlo erinnert. Die Illustrationen sind sehr detailreich, sodass es auf jeder Seite viel zu entdecken gibt.
Als Ninjesi in Erscheinung tritt und um eine Umarmung bittet, treten wir gemeinsam ein Abenteuer zu dem kleinen Stern an. Gut gefällt mir, dass der Mond seine Unterstützung anbietet und Schnipsel und Rolf in den Himmel transportiert.
Mit ihrer Geschichte greift Mira Schönegge eine Vielzahl an Themen auf: Sie zeigt mit Schnipsel, was Diversität bedeutet, gibt den beiden Hauptfiguren eine große Portion Mitgefühl und Mut und schenkt Ninjesi Hoffnung. Vor allem aber weist sie auf den besonderen Wert einer Freundschaft hin.
Ein wirklich schönes und empfehlenswertes Kinderbuch!