Gehaltvolle Themen romantisch verpackt
So laut der Himmel„So laut der Himmel“ ist der emotionale dritte Teil von Jessica Winters Oak Harbor-Reihe, der sich auch unabhängig von den Vorgängerbänden problemlos lesen lässt.
Diesmal lässt das Schicksal Thalia und ...
„So laut der Himmel“ ist der emotionale dritte Teil von Jessica Winters Oak Harbor-Reihe, der sich auch unabhängig von den Vorgängerbänden problemlos lesen lässt.
Diesmal lässt das Schicksal Thalia und Seven aufeinandertreffen – in Oak Harbor bereits zum zweiten Mal: Als der charmante Frauenheld Seven in Seattle selbstlos eine hübsche fremde Frau rettet, ist er eigentlich auf der Suche nach seiner bis dato tot geglaubten Schwester. In seiner Mission erfolglos kehrt er nach Oak Harbor zurück. Doch die dunkelhaarige Fremde schleicht sich immer wieder in seine Gedanken. Als er ihr gut ein halbes Jahr später in Oak Harbor überraschend gegenübersteht, geraten die Gefühle in große Aufruhe. Doch beide verbergen nicht nur ihre Gefühle, sondern auch die großen Probleme, die auf ihnen lasten.
Jessica Winter beweist in „So laut der Himmel“ einen lockeren Schreibstil, der sich sehr leicht und flüssig lesen lässt. Sie hält sich wenig mit detailreichen Beschreibungen von Nebensächlichkeiten auf, sondern fängt vor allem die aufbrechenden Gefühle der beiden Protagonisten ein. Durch die Wahl der Erzählperspektive in Ich-Form, die wechselweise aus Sevens und Thalias Sicht dargestellt ist, gelingt ihr das sehr ausdrucksstark.
Der Roman ist in Anbetracht der vielfältigen Problematiken für sein Genre ausgesprochen spannungsgeladen und erfährt kurz vor Schluss noch einmal einen dramatischen Höhepunkt. Mir persönlich sind es allerdings zu viele Baustellen, die hier zum Tragen kommen und vor allem die Wege des Schicksals erscheinen mir an einigen Stellen doch zu überzogen um authentisch zu wirken. Dabei bin ich von der Idee Beeinträchtigungen, wie chronischen Erkrankungen oder Gehörlosigkeit über den Roman in der Gesellschaft präsenter zu machen eigentlich sehr angetan. Schließlich sollte der Umgang und das Zugehen aufeinander eine Selbstverständlichkeit sein. Hier werden allerdings zusätzlich u.a. noch Themen wie Drogenmissbrauch, Obdachlosigkeit, Kindeswohlgefährdung in mehreren Fällen und Traumata angesprochen. Solche tiefgründigen Themen in Hülle und Fülle sind auf knapp 330 Seiten einfach etwas viel, obwohl es der Autorin durchaus gelingt in die Tiefe zu gehen.
Die Figuren des Buches sind durchweg ausgesprochen sympathisch und stellen ihre Hilfsbereitschaft vielfach unter Beweis. Seven und Thalia können sich auf ihre Familien und den Freundeskreis buchstäblich in jeder Lebenslage verlassen.
Mit seiner schlitzohrigen Art hat es mir vor allem Gramps angetan, der hinter seiner manchmal etwas brummigen Art ein wunderbares Herz verbirgt. Seven zeigt sich nach außen hin stets selbstbewusst und souverän. Er ist immer für andere da und überaus hilfsbereit. Nur seine engsten Freunde ahnen, dass ihn sein Gewissen plagt und er sich selbst hinter seiner Fassade nicht das geringste persönliche Glück zugesteht. Abgesehen von seinen Freunden lässt Seven keine engeren Bindungen zu. Thalia dagegen ist oft eher unsicher. Sie hat Pläne für ihr Leben, wird aber von ihrer Krankheit immer wieder aus der Bahn geworfen. Das fehlende Verständnis der meisten Menschen für ihre Krankheit macht ihr noch zusätzlich zu schaffen und sorgt für Zurückhaltung und Bindungsängste. Rückhalt erfährt sie von ihrer Freundin Gemma und ihren Eltern, auch wenn die ihr lange Zeit einen wesentlich Teil ihres Lebens vorenthalten haben.
Alles in allem ist „So laut der Himmel“ trotz romantischer Liebesgeschichte kein reiner Feel-Good-Roman, sondern holt auch viele bedeutende und ernste Themen an die Oberfläche. Überaus angenehm zu lesen und tiefgründig, büßt das Buch lediglich durch einige Schicksalswendungen zu viel ein wenig Authentizität ein. Davon abgesehen ist das Buch wirklich sehr lesenswert.