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Veröffentlicht am 01.09.2024

Mitreißende Fortsetzung

Der Schlachter (Tom-Bachmann-Serie 4)
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What the fck?! Was habe ich hier bitte gelesen?

Brutal und bildgewaltig erzählt Chris Meyer hier die Geschichte eines Mannes, der in seiner Kindheit gebrochen wurde und immensen Schaden davongetragen ...

What the fck?! Was habe ich hier bitte gelesen?

Brutal und bildgewaltig erzählt Chris Meyer hier die Geschichte eines Mannes, der in seiner Kindheit gebrochen wurde und immensen Schaden davongetragen hat. Seine Art, sich an seinen Opfern auszutoben, ist bestialisch und hat mir (als geübte Thrillerleserin) einiges abverlangt. Angeleitet von den noch immer präsenten und belehrenden Stimmen seines Vaters im Kopf, hängt der Mann seine Opfer auf, entfernt ihnen bestimmte Körperteile und bietet sie ihnen zum Essen an. Danach legt er die verstümmelten Leichen vor Metzgereien ab. Doch sind es nur Zufallsopfer, oder hat der Täter eine direkte Verbindung zu ihnen? BKA-Spezialist Tom Bachmann ermittelt auf Hochtouren, um den Schlachter dingfest zu machen, bevor es noch mehr Opfer gibt.

Dass Meyer hier parallel das Thema Kannibalismus aufgreift, fand ich einerseits widerlich, andererseits höchst interessant. Die Autorin erzählt von alten Fällen und hatte dabei meine volle Aufmerksamkeit, auch wenn mich die ausgeführten Handlungen des Täters mehr als angeekelt haben. Die Beschreibungen von Meyer sind nämlich ziemlich detailliert und ihr Schreibstil ist düster und fesselnd.

Dass Tom Bachmann eine schwere Kindheit hatte, ist uns ja bereits bekannt. Diese hat ihn geprägt und zu dem Menschen gemacht, der er heute ist. So auch Lisa, die damals mit Tom im Kinderheim war. Ihrer grausamen Vergangenheit nimmt sich Meyer in diesem Teil an und offenbart eine erschreckende Geschichte, bei der sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Voller Emotionen habe ich die Ereignisse von Lisas Kindheit aufgesogen und konnte nur schwer begreifen, welch unvorstellbares Leid sie in ihrem Leben ertragen musste. Armes Geschöpf!

Im Schlussteil hat mich Meyer voll überrascht. Ich gebe zu, dass ich nach dieser nervenaufreibenden Geschichte einen krassen Showdown erwartet habe. Aber was die Autorin mir serviert hat, war feinste Erzählkunst mit Sahnehäubchen. I luv it! Jedoch nicht den offenen Schluss, denn der bedeutet – warten, warten, warten. Mäh.

Fazit: Spannungsgeladen, brutal und hochsensibel entführt uns Meyer in die Tiefen des Kannibalismus und bringt ihre Leser damit an ihre Grenzen. Eine mitreißende Fortsetzung einer Reihe, die für mich nicht mehr wegzudenken ist. Ich bitte um schnellen Nachschub!

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Willkommen in Katzenbrunn, dem Dorf der verlorenen Seelen

Finster
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Katzenbrunn ist ein Ort des Schreckens. Denn immer wieder verschwinden hier Kinder auf unerklärliche Weise. Kriminalkommissar Hans Stahl gehen diese Vermisstenfälle einfach nicht aus dem Kopf. Er ist zwar ...

Katzenbrunn ist ein Ort des Schreckens. Denn immer wieder verschwinden hier Kinder auf unerklärliche Weise. Kriminalkommissar Hans Stahl gehen diese Vermisstenfälle einfach nicht aus dem Kopf. Er ist zwar schon längst im Ruhestand, reist aber erneut nach Katzenbrunn, um den Fällen nochmals auf den Grund zu gehen. Während seines Aufenthaltes verschwindet wieder ein Kind und Stahl ist mehr als gefordert. Er ermittelt in alle Richtungen und kommt dem „Greifer“, wie er im Ort genannt wird, immer näher …

Die Handlung wird aus diversen Perspektiven erzählt, was mich zunächst ein wenig überfordert hat. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich zurechtgefunden hatte und die Charaktere auseinanderhalten konnte. Ab diesem Punkt war ich dann einfach nur noch fasziniert von den verschiedenen Schicksalen der Protagonisten, die diese Story ausmachen. Allen voran Kommissar Stahl, der mir direkt sympathisch war und mich mit seiner ruhigen und gelassenen Art voll überzeugen konnte. Aufgrund seines Alters geht er die Ermittlungen ganz in seinem Tempo an und ich hätte ihn dabei ewig begleiten können. Auch die anderen Charaktere waren real und authentisch gezeichnet und ich hatte große Freude daran, ihrer Entwicklung beizuwohnen.

Der Schreibstil von Menger ist beklemmend, düster und fesselnd. Ich habe mich in seinen detaillierten Beschreibungen völlig verloren. Sei es der dunkle Wald, in dem die Kinder verschwinden, die angsteinflößende Psychiatrie oder auch einfach nur die Erwähnung der Tschernobyl-Katastrophe, die sich kurz vorher ereignet hat – die Handlung hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Gerade die kurzen Kapitel haben mich zum Weiterlesen animiert, und Menger hat mit seinen plötzlichen Wendungen sein Übriges getan.

Auch wenn ich mir das Ende etwas emotionaler gewünscht hätte, konnte es mich dennoch abholen und bildete einen guten Abschluss dieser bedrückenden Geschichte.

Fazit: Ein vielschichtiger Thriller über traurige Schicksale, menschliche Abgründe und allerlei Emotionen. Düster und bedrohlich erzählt Menger hier eine Geschichte, die noch lange nachwirken wird.

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Veröffentlicht am 09.08.2024

Pass auf, wem du vertraust!

Er will nicht gehen
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Lucy und Sam führen eine tolle Beziehung und fühlen sich in ihrem Haus rundum wohl. Leider können sie es sich finanziell nicht mehr leisten und suchen daher einen Käufer. Als die Besichtigung näher rückt, ...

Lucy und Sam führen eine tolle Beziehung und fühlen sich in ihrem Haus rundum wohl. Leider können sie es sich finanziell nicht mehr leisten und suchen daher einen Käufer. Als die Besichtigung näher rückt, geht es Lucy umso schlechter. Ihre Panikattacken schränken sie ein und ihr ist unwohl dabei, jemand Fremdes ins Haus zu lassen. Da ihr keine andere Wahl bleibt, überwindet sich Lucy und merkt schon kurz darauf, dass sie einen großen Fehler begangen hat. Der Mann stellt Fragen über Lucys Vergangenheit, rückt ihr immer mehr auf die Pelle und verschwindet plötzlich im Keller. Für Lucy beginnt ein Martyrium, denn sich ihrer Angst zu stellen, bringt sie fast um den Verstand…

Der Autor beginnt die Handlung rasant, und wir begleiten abwechselnd Lucy sowie ihren Freund Sam. Während Lucy sich zur Besichtigung in der Wohnung befindet, hält Sam eine seiner Selbsthilfegruppen für Menschen mit Panik und Phobien ab. Ich mochte beide Handlungsorte sehr, und spätestens als herauskommt, dass unter Sams Patienten ein Komplize des Hausinteressenten von Lucy zu sein scheint, nimmt die Story so richtig an Fahrt auf. Für mich gab es ab diesem Punkt kein Halten mehr und ich war gespannt wie ein Flitzebogen, wie das ganze Drama wohl endet.

Vom Schreibstil her hat Ewan mich direkt gepackt. Flüssig, dynamisch und düster erzählt er hier eine Geschichte, die mich schier gefesselt hat. Gerade die Parts von Lucy gingen mir besonders nahe, da ich total nachvollziehen konnte, wie sie sich mit ihren Ängsten fühlen musste. Ich hätte es auch mit der Angst zu tun bekommen, wenn dieser Besucher bei mir aufgetaucht wäre. Aber auch Sams Perspektive war spannend und energiegeladen. Die Stimmung war stets geheimnisvoll, was mich von Sekunde zu Sekunde neugieriger auf den Ausgang gemacht hat. Jedoch hätte ich mit der Wendung, mit der Ewan im Schlussteil um die Ecke kommt, nie und nimmer gerechnet. Verblüfft, fasziniert und voller Emotionen habe ich das Finale aufgesogen und bin immer noch ganz geflasht von dieser unglaublich einnehmenden Geschichte.

Fazit: Ein wendungsreicher Thriller über Ängste, Phobien und düstere Gedanken. Die Story hat mir oft Gänsehaut beschert und mich am Ende vor allem eins gelehrt: Pass auf, wem du vertraust!

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Veröffentlicht am 09.08.2024

Spannender Auftakt einer rundum gelungenen Familiensaga

Im Nordwind
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Familiensagas, dann auch noch historisch angehaucht, stehen eigentlich nicht auf meiner Interessenliste. Miriam Georgs Roman „Im Nordwind“ hat mich dann beim Lesen der Inhaltsangabe aber doch neugierig ...

Familiensagas, dann auch noch historisch angehaucht, stehen eigentlich nicht auf meiner Interessenliste. Miriam Georgs Roman „Im Nordwind“ hat mich dann beim Lesen der Inhaltsangabe aber doch neugierig gemacht. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt!

Georg greift verschiedenste gesellschaftskritische Themen und Missstände auf, die sie wunderbar zu einer schlüssigen, spannenden Story verwebt. Zudem bahnt sich in diesem ganzen Wahnsinn eine verbotene Liebesgeschichte an, die gleich in mehrerlei Hinsicht unschicklich und aussichtslos scheint: Alice, eine junge Fabrikarbeiterin, teilt mit ihrer kleinen Tochter Rosa ein wunderbares Talent, mit dem sie Menschen faszinieren können. Gleichzeitig zieht sie damit regelmäßig die Wut ihres Mannes Henk auf sich. Es ist also nicht verwunderlich, dass Alice aus ihrem Elend voller Dreck und Gewalt fliehen will. Jedoch ist es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur unüblich, es ist auch aussichtslos. In John findet sie einen Anwalt, der den Kampf mit ihr gemeinsam aufnehmen will. Was zunächst erfolgsversprechend aussieht, gerät durch tief verborgene Geheimnisse ins Wanken.

Miriam Georg hat eine wunderbare Art zu erzählen. Die ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart in der Erzählzeit lockern die Handlung auf und bringen zu gleich einen erfrischenden Schwung Spannung ins Spiel. Denn lang ist nicht klar, was die Rückblicke mit der Story im Hamburg des Jahres 1913/14 zu tun haben. Und einige Geheimnisse bleiben ganz geschickt auch zum Ende des ersten Teils ungelüftet.

Auch ihre Figuren zeichnet die Autorin wunderbar. Alice, eine wahre emanzipierte Powerfrau, die kein leichtes Leben hat, sich aber eben auch nicht einfach ihrem Schicksal fügt, hat mich sofort mit ihrer Art eingenommen. Aber auch Henk, Rosa, John und alle anderen Charaktere sind unglaublich realistisch und glaubwürdig gezeichnet.

Das i-Tüpfelchen verleiht Tanja Fornaro dieser Story. Ich hätte ihr noch stundenlang zuhören können. Ihre Stimme strahlt eine unfassbare Ruhe und Wärme aus und hat mich als Hörerin sofort gefesselt. Mit feinsten Nuancen erweckt sie jede Figur zum Leben und macht das Gesamtbild dieser Story einfach rund. Es hätte keine passendere Sprecherin für diesen wunderbaren Roman geben können!

Letztlich verging die Zeit des Hörens viel zu schnell. Miriam Georg setzt im richtigen Moment den Schlusspunkt und macht so Lust auf mehr! Glücklicherweise erscheint bereits im Oktober die Fortsetzung. Das Warten hat also in absehbarer Zeit ein Ende.

Fazit: Ich werde jetzt vermutlich doch noch zum Fan historischer Romane. Was für ein Auftakt. Tolle Story, brillant erzählt, großartig gelesen. Mir bleibt nur eines zu sagen: Unbedingt reinhören!

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Veröffentlicht am 30.07.2024

Rasant, emotional, überraschend

Keiner liebt mich so wie du
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Reporterin Kiki Holland wird von ihrem Chef mal wieder zu Gericht beordert. Diesmal soll sie über das Verfahren gegen Peter W berichten, der sein Opfer gestalkt und letztendlich erstochen haben soll. Kiki ...

Reporterin Kiki Holland wird von ihrem Chef mal wieder zu Gericht beordert. Diesmal soll sie über das Verfahren gegen Peter W berichten, der sein Opfer gestalkt und letztendlich erstochen haben soll. Kiki saugt die Informationen begierig auf und versucht auf eigene Faust, noch mehr über den Fall und Peters Leben zu erfahren. Als sie ein Foto des Opfers sieht, stellt Kiki fest, diesem sehr ähnlich zu sehen. Das scheint noch jemandem aufgefallen zu sein, denn plötzlich erhält Kiki Liebesbotschaften an ihrem Auto und über anonyme SMS. Es bricht zudem jemand in ihre Wohnung ein und installiert eine Kamera. Kiki bekommt es mit der Angst zu tun, denn je näher sie dem Stalker kommt, umso mehr gerät sie in Lebensgefahr...

Der Schreibstil des Autorenduos ist flüssig und überaus mitreißend. Wie auch im ersten Justiz-Krimi „Mutterliebe“ wird die Story hauptsächlich aus Kikis Sicht erzählt. Ich hatte sie ja damals schon ins Herz geschlossen und mich daher umso mehr auf ein Wiedersehen mit ihr gefreut. Dass Kiki diesmal ungewollt zur Hauptperson der Story wird, hat mir richtig gut gefallen und mich ihr noch näher gebracht. Ich habe enorm mitgefiebert und wäre am liebsten ins Buch gehüpft, um bei der Suche nach ihr zu helfen.

Spannungsmäßig wird dem Leser einiges geboten - gerade weil Kiki selbst in Gefahr war. Dieses nervenaufreibende Katz-und-Maus-Spiel hat mich ordentlich in Schach gehalten und mich die teils langen Kapitel in einem Rutsch verschlingen lassen. Dafür wurde ich dann im Schlussteil mit einer fulminanten Auflösung belohnt. Hier haben beide Autoren all ihr Können gezeigt und für mich den perfekten Abschluss dieser emotionalen Achterbahnfahrt geschaffen.

Fazit: Ein weiterer Justiz-Krimi, der mich überzeugen und bestens unterhalten konnte. Rasant, emotional und voller Überraschungen greifen Silke Porath und Sören Prescher das Thema Stalking auf und hätten es meiner Meinung nach nicht besser umsetzen können.

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