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Veröffentlicht am 21.08.2024

Dove c’è luce, c’é anchore ombra

Das erste Licht des Sommers
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„Wo Licht ist, da ist auch Schatten“ Der zweite Roman der Schriftstellerin Daniela Raimondi „Das erste Licht des Sommers“ nimmt uns mit in die Geschichte der Familie Casadio, eine Geschichte dreier Generation ...

„Wo Licht ist, da ist auch Schatten“ Der zweite Roman der Schriftstellerin Daniela Raimondi „Das erste Licht des Sommers“ nimmt uns mit in die Geschichte der Familie Casadio, eine Geschichte dreier Generation und ihrer Liebesbeziehungen, die von Höhen und Tiefen, von Verletzung und Fremdgehen, vom Armut und Lieblosigkeit, aber auch immer wieder von Verzeihen und Sich wieder zusammenraufen geprägt ist. Die Hauptfigur ist Norma Martiroli, deren Geschichte in mehreren Kapiteln ab ihrer Geburt 1947 erzählt wird und im Verlauf in die Gegenwart wechselt. In der Gegenwart macht sich Norma mit ihrer Mutter auf die Reise nach Italien, aber nicht um Urlaub zu machen, ihre Mutter ist schwer krank und Norma verbringt mit ihr dort die letzte verbleibende Zeit, sie begleitet ihr sterben. Das hat mich sehr bewegt, weil Norma eigentlich ihre Mutter als sehr lieblos empfunden hat.
Als Kind hat Norma regelmäßig die Sommerferien bei ihrer Großeltern in Stellata verbracht und mit dem gleichaltrigen Elio verband sie eine tiefe Freundschaft. Ihre Wege trennen sich, und erste Jahre später begegnen sie sich in London wieder, sie verlieben sich ineinander und heiraten. Aber „Dove c’è luce, c’é anchore ombra“. Das Buch ist in einer schönen flüssigen Sprache mit viel Empathie geschrieben, man kann sich in die Gefühls und Gedankenwelt der Figuren einfühlen. Es hat mich von Beginn an bis zum stimmigen Ende sehr berührt, und man darf mit Freude auf das nächste Buch von Daniela Raimondi warten, es ist sicherlich so lesenswert wie dieses, ich war gerne dabei, vielen Dank.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Manche Zeit wird uns entrissen, mache unvermerkt entzogen, manche fließt fort. Doch am schimpflichsten ist der Verlust, der aus Unachtsamkeit geschieht. (Seneca)

Seinetwegen
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Nach „Die Marschallin“, erschienen 2021 erzählt eine weitere Familiengeschichte als Zeitgeschichte.
In den 1963 Jahren wo ein Autos als modernes Fortbewegungsmittel galt und man sich über Sicherheit ...

Nach „Die Marschallin“, erschienen 2021 erzählt eine weitere Familiengeschichte als Zeitgeschichte.
In den 1963 Jahren wo ein Autos als modernes Fortbewegungsmittel galt und man sich über Sicherheit noch nicht so viel Gedanken gemacht hat spielt diese Familiengeschichte. Wie stolz war man auf sein damals gekauftes Auto in diesem Buch einen VW Käfer machte es doch frei und unabhängig. Und dann, wie oft stellt man sich die Frage war man zur falschen Zeit am falschen Ort, ein Unfall geschieht und die Frage nach dem wie hat er das Leben aller Beteiligten verändert steht im Raum. Wie auch hier müssen alle Beteiligten lernen damit zu leben, jeder auf seine Art. Die Autorin schreibt immer wieder Geschichte um die Geschichte, das normale Leben, Zeitgeschehnisse, das lässt es interessant bleiben, los geht’s. Mit nur acht Monate verliert Zora ihren Vater bei einem Unfall, im Kino sieht sie Bambi und weint, weil es den Verlust ihrer Mutter durchleben muss, sie sieht Herby der ihr vermittelt wie lustig und bunt ein Käfer sein kann, zur Firmvorbereitung drehen Jugendliche einen Film, Zora spielt die Hauptrolle einen Unfall mit Ketchup, was hat der Pfarrer sich dabei gedacht, ist es gut therapeutisch durchdacht oder ist er einfach ein Sadist? Sie trägt einen Diamantring ihrer Mutter der schon zwei Mal verloren war. Der Brillant ist so teuer wie ein Auto, der Ring erinnert aber eher an ihre süditalienischen Schwiegereltern als an ihren Mann um den sie ein Leben lang getrauert hat. Ein Juwelier wo sie einen Vorsteckring kaufen möchte erkennt sofort den Wert des Rings, nicht ein ganzes Auto trägt sie eher einen gebrauchten.
Eingangs habe ich mich gefragt warum sucht sie erst jetzt nach dem Verursacher, möchte jetzt wissen wie alles war, wo sie selber 60 Jahre alt ist, etwa ab der Mitte des Buches erzählt sie warum. Das Buch ist im Wechsel geschrieben von Erzählung zu einem Sprachdialog in einem Café. Sie sucht den Verursacher, zunächst weiß sie nicht wie er heißt nur die Initialen E.T. im Verlauf findet sie den Namen aber es gibt mehrere davon, wer ist der richtige? Ihr Vater war ein Arzt, der Verursacher ist rüpelhaft und unvorsichtig gefahren, was war er für ein Mensch? Hier schreibt sie wertend über die Personen, ihr Vater ein Arzt, der Verursacher ein Arbeiter, sehen die Menschen das so, ist einer mehr wert wie andere. Zu Anfang des Buches hat die Autorin harte Worte zum Verursacher, sie schreibt „Der Täter meines Vaters“, aber ist er das? Ich frage mich auch wie wird der Verursacher damit umgehen nach so vielen Jahren wieder damit konfrontiert zu werden, was mutet sie ihm zu? Nein, er ist kein rüpelhafter Fahrer gewesen, was er gewesen ist, hinterfragt und findet sie und kommt zu dem Schluss ihn letztendlich doch nicht kennenlernen zu wollen. Satz: Ich werde ihn nie kennenlernen. Eine sich verlaufende Spur. Das Buch hat ein schönes Ende, sie findet von ihr unbekannte Filme ihrer Eltern, ihre Eltern als Paar. Zwei Textzeilen in dem Buch fand ich besonders gut. 1. Textzeile: Keiner, der im Straßenverkehr stirbt, hat morgens das Haus mit dem Wissen verlassen, das dies sein letzter Tag sein wird (und keiner denkt, dass er heute einen Menschen töten wird) Es kann jeden und jede treffen, auch mich. (Hier habe ich gedacht muss das nicht andersherum sein jede und jeden?) 2. Textzeile: Nahezu jeder Mensch sagt in seinem Leben nicht nur ein erstes, sondern auch ein letztes Wort, und manche letzte Worte werden berühmt, wenn auch anekdotisch, das heißt zweifelhaft, wie Goethes: Mehr Licht. Jeder von uns wird sein ureigenes Wort haben, das wir jetzt noch nicht kennen, und ich erinnere mich bei keinem der drei Menschen, die ich durch ihre finalen Stunden begleiten dufte, welche es waren.
Auf Seite 109 gab es in der Geschichte einen Sprung den ich nicht ganz verstanden habe, vielleicht kann es mir jemand erklären, bei mir sind das Stolpersätze, wenn ich einen Satz zwei Mal lesen muss und das war bei dem Absatz so.
Die Autorin hat wahrscheinlich extra für mich (quatsch) in ihrem Buch noch ein schönes Zitat geschrieben: „Immer wieder erstaunlich, wie Bücher ihren Weg zu einem finden. Manchmal liegen sie monate- oder jahrelang herum, bevor man sie aufschlägt, und genau dann passen sie zum eigenen Leben wie die Faust auf Auge“.
Resümee: Das Buch ist klar und sachlich, mit einen ruhigen Schreibstiel geschrieben, man findet leicht in das Buch, sie baut die Handlung auf, nimmt den Leser mit und entlässt ihn mit einem schönen Gedanken. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es ist für jemanden geschrieben der sich nach einem Unfall die Frage stellt, wie geht es allen die daran beteiligt sind und was hat es aus ihnen gemacht, vielen Dank dazu. Erschienen ist es im C.H. Beck Verlag
Nachtrag: Ich möchte einen Satz aus dem Buch aufgreifen, weil ich ihn richtig und wichtig finde und weil es gut ist, diese Plattform zu nutzen um darauf aufmerksam zu machen. Es hat für mich mit Wertschätzung eines jeden Menschen zu tun. Warum ist eine Arbeit, die oftmals erschwehrlich ist, wie Frisöre, Einzelhandelskaufleute, Müllmänner, Medizinisches Personal, Pfleger und viele mehr, kaum etwas wert, andere die Freitagmittag schon Wochenende habe so viel verdienen, wer Verantwortung trägt sollte etwas mehr haben, aber hat eine Frisörin nicht auch Verantwortung, wenn sie die Farbe zum Färben falsch anrührt kann es zu schweren Gesundheitlichen Folgen kommen. Oder ein Arzt kann ohne Personal gar nicht arbeiten. Und es muss Menschen geben die in „Niedriglohngruppen“ arbeiten, allein schon das Wort „Niedriglohngruppen“ oder „Mindestlohn“ sind abwertend, der Mensch oder seine Arbeit sind nur das mindeste an Lohn wert, die Frage ist auch, warum ist das so? Der Seite steht auf Seite 187 „Was auch deutlich wird: Wie nah die Löhne von Akademikern und Arbeitern damals noch beieinander lagen und das die abscheulichen Gehaltsunterschiede, die heutzutage vorherrschen, keinesfalls der Normalzustand sein müsste!“ Vielen Dank für diesen Satz.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Eine Liebe, die an das Ende denkt, hat nie angefangen. (Alexander Engel)

Man sieht sich
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Der Duden sagt zur Definition „Man sieht sich“ salopp: unverbindliche Abschiedsformel, die eine eventuelle neue Begegnung zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt ankündigt. In erster Hinsicht geht die ...

Der Duden sagt zur Definition „Man sieht sich“ salopp: unverbindliche Abschiedsformel, die eine eventuelle neue Begegnung zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt ankündigt. In erster Hinsicht geht die Geschichte um Frie und Robert und wir als Leser dürfen sie ins Erwachsenwerden begleiten. Über die Autorin steht im Klappentext, sie hat es als Grundschülerin geliebt, auf der Schreibmaschine ihres Vaters seitenlange Briefe und Geschichten zu schreiben. In genau dieser Zeit geschieht dieses Buch, in einer Zeit zwischen Schreibmaschine, Walkman, vermutlich auch Gameboy, die Findung von Jugendlichen in ihr Leben und Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe, der Flucht aus dem Elternhaus in die weite Welt, in die Studienzeit ins ungewisse, ins Erwachsenwerden. Schon am Anfang denkt man bei Frederika und Robert gesteht euch doch ein wie sehr ihr euch liebt, aber irgendwie scheinen sie immer aneinander vorbeizureden oder wie hier auch aneinander vorbei zu leben, oder wollen sie sich selbst vor der Liebe schützen? Mussten sie sich einander erst beweisen, oder war es das Leben was sie auseinandergehalten hat? Wann ist der richtige Zeitpunkt im Leben, wann ist es zu spät und man bereut unter dem Motto hätte ich doch, was wäre, wenn. Ich habe und das darf man in einer Rezension auch schreiben das Buch von Thorsten Nagelschmidt „Der Abfall der Herzen“ gelesen. Beim Lesen war ich mittendrinn, weil es in meiner Gegend spielt und die Leute im Buch genau so waren wie wir zu der Zeit, man erlebte es wieder mit. Genau so ist das hier auch, das Abi-Treffen hatten wir allerdings noch nicht. Und ob Frie und Robert sich doch noch finden, das können sie beim Lesen dieses abwechslungsreichen und im ruhigen fließendem Text geschriebenen Buch selber entdecken, ein Buch um es mit in den Urlaub zu nehmen und wenn nicht in den Urlaub dann auf das Sofa, vielen Dank.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

„Nach 40... lernst du, was du willst und brauchst. Du darfst wirklich die Person sein, die du bist.“

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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„Was ist in meinem Alter sonst noch üblich????“ Der Titel des Buches ist irgendwie gleich eine Anregung zum Nachdenken, man stolpert über den Begriff „üblich“. Laut Duden ist die Definition „üblich“ bedeutet, ...

„Was ist in meinem Alter sonst noch üblich????“ Der Titel des Buches ist irgendwie gleich eine Anregung zum Nachdenken, man stolpert über den Begriff „üblich“. Laut Duden ist die Definition „üblich“ bedeutet, dass
etwas gewöhnlich, herkömmlich, normal oder häufig anzutreffen ist, wieder lauter Fragezeichen. Das klingt als wenn ich erst nachsehen muss was andere zu meinem Leben und meinen Entscheidungen sagen, dass ich mich anpassen muss um was zu sein, dass man von mir etwas erwartet und alles andere die Norm sprengen würde. Eigentlich träumt die Protagonistin Erika vom Leben, von Sexualität und davon begeht zu werden. Ihr Mann schein sich in sein eher ruhiges Leben eingenistet zu haben, so macht es den Eindruck, aber weit gefehlt, das was Erika sich heimlich wünscht lebt Jan ungezwungen seit eineinhalb Jahren mit einer anderen Frau. Es klingt etwas abgedroschen zu sagen es ist nie zu spät etwas Neues anzugehen, aber genau das ist es, es ist nie zu spät, jemanden den man schon jahrelang neben sich hat neu und anders kennenzulernen oder eben jemand vollkommen neues in sein Leben zu lassen. Nur durch Änderungen die man angeht kann sich etwas ändern, alles andere sind Träume, die Träume bleiben. Allerdings muss man fairer weise sagen das Erneuerungen immer mit viel Mut und Ungewissheit verbunden sind, vielleicht muss man sich hin und wieder darauf besinnen was man bereits besitzt um es zu schätzten zu wissen. Dieses Buch ist in einer angenehmen Schreibweise mit viel Offenheit und Tiefgang geschrieben was angenehm zu lesen ist, ein Buch was ich gerne weiterempfehlen möchte, lassen Sie sich als Leser gerne darauf ein, wer weiß, was dann alles so „üblich“ wird. Liebe Grüße

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Auch die längste Nacht hat ein Ende, und der Morgen bringt Licht und Hoffnung

In den Scherben das Licht
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In den Scherben das Licht, in den Scherben die Zukunft oder das Leben so gut es eben geht im Nachkriegsdeutschland. Der Hungerwinter 1946/47 wird sich viele Menschen holen, entweder weil sie verhungern, ...

In den Scherben das Licht, in den Scherben die Zukunft oder das Leben so gut es eben geht im Nachkriegsdeutschland. Der Hungerwinter 1946/47 wird sich viele Menschen holen, entweder weil sie verhungern, erfrieren oder an einer Krankheit sterben. Wer den Krieg überlebt hatte musste nun die Kälte überleben, in diesem „weißen Tod“ und „schwarzen Hunger“ bezeichneten Winter starben zirka 100.000 Menschen schätzen Historiker. Die Nachkriegszeit birgt viel Geschichten, sei es ein positiver Blick in die Zukunft oder Narben des Krieges, man möchte vergessen dürfen. Die Stadt Hamburg im Nachkriegsdeutschland scheint viel Geschichten zu haben die erzählt werden möchten, nach der Trilogie „Töchter einer neuen Zeit“ nimmt uns die Autorin wieder mit in Geschichten über Menschen in Hamburg. In einer warmherzigen Schreibweise, wie wir es von der Autorin bereits kennen ist auch diese Geschichte geschrieben, die Geschichten von Carmen Korn beginnen sofort, es gibt keine große Einleitung, sondern man ist gleich im Geschehen. Das Buch birgt ein suchen, ein finden, neue Wege und große Hoffnungen. Auf den genauen Inhalt des Buches möchte ich hier nicht eingehen, das können sie als Leser selbst erleben. Was mir an dem Buch nicht ganz so gut gefallen hat, es wirkt ein wenig langatmig und ein immer wiederkehrender Namenswechsel macht es ab und zu unübersichtlich und hemmt den Lesefluss, dennoch es ist ein unverwechselbares Carmen Korn Buch wie wir die Autorin bisher erlebt haben und sicherlich auch noch weiterhin erleben werden, auch der Titel des Buches und die Farbgestaltung sind gut gewählt und lassen Hoffnung erahnen. Vielen Dank.

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