Viel Krieger kaum Königin
Der Krieger und die Königin„Eine Liebe, die ganz Deutschland verändert“ heißt es auf dem Buchrücken. Diese Beziehung wird allerdings nur im letzten Neuntel des Buches enttäuschend knapp und oberflächlich abgehandelt. Doch ich greife ...
„Eine Liebe, die ganz Deutschland verändert“ heißt es auf dem Buchrücken. Diese Beziehung wird allerdings nur im letzten Neuntel des Buches enttäuschend knapp und oberflächlich abgehandelt. Doch ich greife vor. Hiervon handelt der Roman: Der junge Krieger Garibald wird von seinem Vater Chlothar nach Italien gesandt. Bereits auf der Reise dorthin macht er sich Freunde und Feinde, bevor er an der Seite der Goten gegen die Oströmer um die Herrschaft in Italien kämpft. Die Handlung besteht weitestgehend aus den Kampfhandlungen, an denen Garibald teilnimmt. Diese waren durchaus spannend geschrieben, allerdings setzt die Vielzahl der historischen Namen und Fraktionen historisches Vorwissen voraus, es wurde geschichtsfremden Lesern nicht gut vermittelt. Es war interessant zu lesen, wie Garibald als Krieger Ruhm, Ansehen und dadurch Gefolgschaft ansammelte, mit der er schließlich einen kulturell vermischten Grundstein des späteren Bayerns legte.
Auf der Figurenebene hingegen konnte mich der Roman nicht überzeugen. Garibald selbst könnte sympathisch sein, aber er wird vom Handlungsgeschehen dermaßen übervorteilt, dass ich ihn irgendwann einfach nicht mehr ausstehen konnte: Von herausragender Geburt fällt ihm gefühlt alles in den Schoß, er erleidet keine Rückschläge und falls er mal Fehler macht, haben diese keine Konsequenzen. Er kann einfach nichts falsch machen. Es ist schwer, unter diesen Umständen mitzufiebern und passagenweise war die Spannung komplett raus. Alle Nebenfiguren, die Garibald nicht mögen oder gegen ihn agieren sind stets negativ dargestellt während die Guten schlichtweg gut und auf seiner Seite sind. Eine innere Entwicklung oder tiefere Gefühle und Gedanken gibt’s bei ihm nicht. Und wie es die heile Welt so will, werden alle seine braven Gefolgsmänner rasch zum Ende der Handlung verkuppelt, was bei mir den faden Beigeschmack von Frauen als Belohnung für Arbeit hinterlassen hat.
Die angekündigte große Liebe zu Waltrada nimmt weniger Raum ein, als eine andere, gescheiterte Liebesbeziehung Garibalds mit der Händlerstochter Daphne. In die Perspektiven beider Frauen erhält man nur kurzen Einblick, was eine verschwendete Gelegenheit war, da sie beide komplett verschiedene, spannende Lebensumstände haben.
Ansonsten lässt sich noch sagen, dass der Roman gut recherchiert ist und die kreativen fiktiven Elemente mich positiv überrascht haben.
Alles in allem war dies leider der schwächste Roman, den ich je von Iny Lorentz gelesen habe.