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Veröffentlicht am 25.08.2024

Die Geschichte Muranos und Venedigs, der Glasmacherei - und eine Reise durch die Jahrhunderte

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Ich liebe Tracy Chevaliers Romane. Mein bisheriger Favorit ist wohl "Violet".
Bei "Das Geheimnis der Glasmacherin" habe ich zugegeben ganz kurz gezögert, sind doch Venedig und das 15. Jahrhundert nicht ...

Ich liebe Tracy Chevaliers Romane. Mein bisheriger Favorit ist wohl "Violet".
Bei "Das Geheimnis der Glasmacherin" habe ich zugegeben ganz kurz gezögert, sind doch Venedig und das 15. Jahrhundert nicht meine bevorzugte Kulisse und nicht meine bevorzugte Zeit. Doch habe auf den Namen der Autorin vertraut, wollte den Roman dennoch lesen - zum Glück! Ich hätte was verpasst, wenn ich es nicht getan hätte.
Tracy Chevalier hat es geschafft, dass ich auch diese Kulisse, auch diese Zeit geliebt habe.
Die Geschichte ist, wie von Chevalier gewohnt, unglaublich gut geschrieben, auch die Figuren, vor allem die Frauen, sind ihr großartig gelungen.
Die Geschichte umspannt zugleich Orsolas Leben und etwas mehr als fünf Jahrhunderte.
Es ist die Geschichte Orsolas, die Geschichte dieser starken Frau, aber auch anderer starker Frauen, die Geschichte der Familie Rosso, die Geschichte Muranos und Venedigs, die Geschichte des Muranoglases und der Glasmacher. Es ist auch die Geschichte der Welt, vom 15. Jahrundert bis zur Gegenwart, von der Pest bis hin zu moderner Kommunikation, bis hin zum Klimawandel mitsamt seiner Ursachen, Bedrohungen und Folgen, bis hin zur Coronapandemie.
Es ist ein Roman, der ganz nebenbei noch viel mehr Wissen vermittelt als das oben genannte, indem zu Beginn eines jeden Kapitels parallel zu der Zeit, in der wir uns gerade mit Orsola in ihrer Welt befinden, erzählt wird, was gerade parallel dazu im Rest der Welt geschah. Auch das fand ich toll.
Tracy Chevalier spricht den Leser öfter direkt an, was die Verbindung zwischen Leser und Autorin/Erzählerin/Figuren und Geschichte noch verstärkt.
Es ist ein unglaublich authentischer, schöner, berührender und atmosphärischer Roman. Und es ist ein überaus intelligenter, lehrreicher, nachdenklich stimmender und wichtiger Roman.
Tracy Chevalier lässt Geschichte lebendig werden.
Ein in jeder Hinsicht wunderschönes Buch. Tracy Chevalier hat einmal mehr gezeigt, dass und warum sie eine meiner Lieblingsautorinnen ist. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 01.08.2024

Von mutigen Frauen und gefährlichen Märchen ...

Der Salon der kühnen Frauen
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Nachdem Clare Pollard schon fünf Gedichtbände und ihr Romandebüt "Delphi" veröffentlicht hat, legt sie nun mit "Der Salon der kühnen Frauen" ihren zweiten Roman vor.
Die Geschichte spielt in Versailles ...

Nachdem Clare Pollard schon fünf Gedichtbände und ihr Romandebüt "Delphi" veröffentlicht hat, legt sie nun mit "Der Salon der kühnen Frauen" ihren zweiten Roman vor.
Die Geschichte spielt in Versailles zu Zeiten Ludwig XIV an dessen Hofe. Hinter dem schönen Schein herrschen Klatsch und Tratsch, Neid und Intrigen.
Eines Tages kommt Marie d'Aulnoy auf die Idee, Frauen bei sich zu versammeln, bei Kuchen, Kakao und Champagner mit ihnen über Literatur zu reden, einander Märchen zu erzählen. Es soll ein Salon nur für Frauen sein, und diese sollen sorgfältig ausgewählt werden - ein kleiner, intimer, exklusiver Kreis.
Doch natürlich sind die modernen Märchenerzählerinnen bald in aller Munde, man kann schlecht Aufnahmen verweigern, und so kommt es, dass der Zirkel immer größer wird und schließlich auch nicht wenige Männer darin zu finden sind.
Diesen sind die Frauen, ihr Zirkel, ihre Märchen, Literatur ... ein Dorn im Auge, und sie beobachten schließlich noch ganz andere Dinge an den Frauen und ihrem Verhalten, die diese in große und größte Gefahr bringen werden ...
Die modernen Märchenerzählerinnen des späten 17. Jahrhunderts gab es wirklich. Clare Pollard ließ sich davon zu ihrem neuen Roman inspirieren und zeigt, wie das Leben, aber auch die Sexualität der Salonnières ausgesehen haben könnte.
Man merkt, dass Clare Pollard bereits Gedichtbände veröffentlicht hat und eine ausgezeichnete Lyrikerin ist. Mal nüchtern, mal von besonderer Schönheit, mal zart, mal hart, mal vornehm, mal vulgär, mal elegant, mal rau, mal strahlend hell, mal düster, oft aber fast schon poetisch erzählt sie diese Geschichte, von diesen Frauen, von ihrem Leben, von ihrem Liebesleben, von ihrer Unterdrückung durch die Männer bei Hofe und ihrem Widerstand gegen sie.
Ihren Stil habe ich von der ersten Seite an geliebt. Es ist ein Roman, historisch und doch immer noch aktuell, den ich gleichzeitig verschlungen und genossen habe. Es ist ein Buch, das ich unbedingt in meiner Bibliothek stehen haben, jeden Tag ansehen, immer wieder lesen möchte. Ein Juwel. In diesem Genre definitiv mein bisheriges Highlight des Jahres!
Clare Pollard ist eine Autorin, von der ich unbedingt noch viel mehr lesen möchte.
Frankreich und Ludwig XIV sind eigentlich nicht meine Favoriten in diesem Genre; ich liebe zwar historische Romane, vor allem aber England und das 19. und 20. Jahrhundert. Clare Pollard und ihr Salon der kühnen Frauen haben mich dennoch restlos begeistert, mich in die Zeit des Sonnenkönigs, an seinen Hofe, nach Versailles, in ihren Kreis versetzt. Cover und Klappentext hatten mich sofort begeistert, und es wurde nicht zu viel versprochen!
Fazit: Ein besonderer, ein außergewöhnlicher, auch ein etwas gewagter historischer Roman. Alle, die offen dafür sind, sollten dieses Buch aber unbedingt lesen. Es lohnt sich.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Garantiert eines der Highlights des Jahres 2024

Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente (Teil 1)
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Im Mittelpunkt der Baskerville Hall-Reihe steht Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des weltberühmten Detektivs Sherlock Holmes.

Arthur Conan Doyle wurde 1859 in Edinburgh geboren und verbrachte dort die ...

Im Mittelpunkt der Baskerville Hall-Reihe steht Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des weltberühmten Detektivs Sherlock Holmes.

Arthur Conan Doyle wurde 1859 in Edinburgh geboren und verbrachte dort die ersten Jahre seines Lebens, zusammen mit seinen Eltern und vielen Geschwistern. 1868 kam er in ein Internat in Lancashire im Nordwesten Englands. Über diese Zeit ist wenig bekannt. So weiß man etwa, dass er später seine Familie unterstützen sollte und einen Mitschüler namens Moriarty hatte.

An diesen grundlegenden Fakten orientiert sich auch Ali Standish für den Auftakt ihrer Baskerville Hall-Reihe: auch ihr Arthur Conan Doyle wurde in Edinburgh geboren, verbrachte dort die ersten Jahre seines Lebens mit seinen Eltern und Geschwistern, auch er soll die Familie unterstützen, auch sein Internat befindet sich im Nordwesten Englands. Der Rest ist aber Fiktion.

Ali Standish verbindet in "Baskerville Hall" Kinder- und Jugendbuch, Detektiv- und Internatsgeschichte, historischen Roman und Fantasy miteinander. Das Ergebnis ist absolut genial und Jung und Alt werden daran ihre Freude haben. Sowohl meine Nichte als auch ich als Erwachsene waren sehr begeistert von diesem Auftaktband.

Die Geschichte ist absolut kurzweilig, Längen sucht man vergebens. Auch ist sie unglaublich spannend, mysteriös und atmosphärisch.

Weiterhin sind die Figuren rundum gelungen und vermitteln gerade jungen Lesern und Hörern ganz nebenbei auch wichtige Botschaften.

Wir erleben Arthurs Entwicklung mit, seine Faszination für ungelöste Rätsel, sehen, wie er zu dem Menschen geworden sein könnte, den wir kennen. Auch Figuren wie Holmes, Moriarty und Watson tauchen auf.

Wir haben diesen ersten Band an einem Wochenende gehört. Er ist von Anfang bis Ende mysteriös und spannend, niemals vorhersehbar. Als Leser bzw. Hörer kann man herrlich miträtseln.

Man merkt, dass Ali Standish Kinderliteratur an der University of Cambridge studiert hat - denn Baskerville Hall ist wirklich in jeder Hinsicht meisterhaft und in diesem Genre ganz klar mein bisheriges Highlight des Jahres. Und das Werk hat das Zeug dazu, sich auch am Ende des Jahres noch unter meinen und unseren absoluten Highlights zu befinden. Wir freuen uns schon sehr auf den zweiten Band, der Ende Januar 2025 erscheinen wird.

Johann von Bülow ist ein hervorragender Sprecher, dem man stundenlang zuhören kann. Auch wegen dieses tollen Sprechers haben wir dieses Hörbuch an einem einzigen Wochenende gehört - und das so gerne!

Einziger Kritikpunkt ist, dass wir Grovers Stimme absolut nicht passend fanden. Aber das soll nicht ins Gewicht fallen, da alles andere wie gesagt herausragend ist.

Fazit also: Ein großartiger Auftakt, uneingeschränkt empfehlenswert für alle, die Arthur Conan Doyle und seine Figuren, Internats- und Detektivgeschichten, Abenteuer, Rätsel und Geheimnisse mögen. Für uns ganz klar das bisher beste Kinder-/Jugendbuch des Jahres.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Alles andere als eine Heilige

Verbrannte Gnade
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Ich mag gute Krimis, lese aber meist klassische britische. "Verbrannte Gnade" versprach etwas Neues, Abwechslung: Es ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, in deren Mittelpunkt Schwester Holiday steht ...

Ich mag gute Krimis, lese aber meist klassische britische. "Verbrannte Gnade" versprach etwas Neues, Abwechslung: Es ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, in deren Mittelpunkt Schwester Holiday steht - eine coole Nonne, die Frauen liebt, Kette raucht und gerne Punkrock hört, kurz: die alles andere als eine Heilige ist.
Holiday befindet sich seit etwa einem Jahr an und in dieser Klosterschule, als ein Brandanschlag auf sie verübt und dabei der Hausmeister getötet wird. Schnell ist klar, dass das kein Unfall war und auch erst der Anfang ist. Unzufrieden mit der Arbeit der Polizei beginnt Schwester selbst zu ermitteln und will den Täter auf eigene Faust enttarnen. Doch der Feuerteufel möchte um jeden Preis verhindern, dass Holiday ihm auf die Schliche kommt, und so gerät sie zunehmend in Gefahr ... hierbei wird sie auch zunehmend mit ihrer dunklen Vergangenheit konfrontiert.
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"Verbrannte Gnade" ist ein absolut gelungenes Debüt.
Schon der Stil der Autorin gefiel mir außerordentlich gut. Margot Douaihy kann schreiben!
Schwester Holiday ist eine neue, erfrischend andere, geniale Protagonistin, die man einfach auf Anhieb cool finden und mögen muss. Kein Wunder, dass sie schon eine Fangemeinde hat!
Zunächst verlaufen die Ermittlungen sowohl der Polizei als auch Schwester Holidays vergleichsweise gemächlich, man kann die Stadt, die Klosterschule, die Schüler und die Nonnen, v.a. natürlich Schwester Holiday, gut kennenlernen.
In der zweiten Hälfte nehmen Tempo, Spannung und Gefahr aber kontinuierlich zu; ich konnte "Verbrannte Gnade" sowohl wegen Douaihys sprachlicher Meisterschaft als auch wegen dieser Tatsache kaum noch aus der Hand legen.
Es gibt diverse Verdächtige, der Leser kann gut miträseln - doch voraussehbar ist das nicht. Douaihy hat ihr Werk auch gekonnt aufgebaut. Die Auflösung ist ebenso einleuchtend wie verblüffend und genial.
Ich habe große Lust auf Schwester Holidays nächsten Fall und werde die Reihe definitiv weiterverfolgen.
Fazit: Ein tolles Debüt, ein toller Auftakt. Douaihy schreibt hervorragend, bringt die Dinge stets auf den Punkt, überzeugt mit sprachlicher Schönheit, Weisheit und Wahrheit, regt zum Nachdenken an. Der Fall ist spannend, wendungsreich, überzeugend aufgebaut. Schwester Holiday ist eine ungewöhnliche, erfrischend andere, geniale und coole Protagonistin, die diese Reihe ebenso einzigartig macht wie Douaihys Stil.
"Verbrannte Gnade" wird Lesern gefallen, die gerne gute Krimis lesen, die nicht nur gut aufgebaut, sondern auch gut geschrieben sind, und die Lust auf etwas Abwechslung, auf eine neue, ungewöhnliche, wirklich coole Hauptfigur haben.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Ein wundervolles Buch!

Warte auf mich am Meer
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Evelyn und Joseph sind die Liebes ihres Lebens füreinander. Sie heiraten, übernehmen das Inn von Josephs Eltern an der Küste New Englands, bekommen Kinder und Enkelkinder, kurz: sie haben ein wunderschönes ...

Evelyn und Joseph sind die Liebes ihres Lebens füreinander. Sie heiraten, übernehmen das Inn von Josephs Eltern an der Küste New Englands, bekommen Kinder und Enkelkinder, kurz: sie haben ein wunderschönes Leben miteinander.
Nach sechzig gemeinsamen Jahren bekommt Evelyn eine schwere Diagnose. Die beiden wollen nicht ohne einander sein, und so beschließen sie, noch ein Jahr lang das Leben in vollen Zügen miteinander und mit ihrer Familie zu genießen und dann zusammen aus dem Leben zu scheiden ...
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Liebesgeschichten gehören nicht zu meinen bevorzugten Genres, doch diese hier gehörte zu den wenigen, die ich lesen wollte, weil mir der Klappentext und v.a. auch die Leseprobe so gut gefielen. Und ich wurde nicht enttäuscht!
"Warte auf mich am Meer" ist schön geschrieben, lässt sich angenehm und flüssig lesen; zudem besticht die Geschichte durch authentische, gut gezeichnete Figuren, zu denen man wirklich eine Verbindung aufbauen kann, sowie Atmosphäre.
Natürlich geht die Geschichte an die Substanz, ist traurig und dramatisch, emotional und berührend - aber dennoch empfand ich es nie als allzu be- und erdrückend, wollte ich das Buch nie aus diesem Grunde abbrechen, sondern habe ich diesen Roman sehr gerne gelesen und ihn ein Stück weit auch als Wohlfühlroman empfunden.
Es ist trotz Allem auch ein schöner, positiver, Mut machender Roman. Eine Geschichte, in der man sofort drin ist und mit der man sich wohl fühlt.
Erzählt wird abwechselnd vor allem aus Sicht der beiden, auf zwei Zeitebenen, nämlich ein Mal in der Gegenwart und ein Mal in Rückblenden ab dem Zeitpunkt ihres Kennenlernens im Jahre 1940.
Einzig das Ende hat mir nicht ganz so gut gefallen; dieses hätte für meinen Geschmack noch etwas besser ausgearbeitet sein können.
Insgesamt ein tolles Buch, das lange nachklingen wird. Eine klare Empfehlung für alle, die gerne Liebesgeschichten lesen - und auch Leser, die diese eigentlich nicht so gerne lesen, sollten dem Buch eine Chance geben, wenn ihnen Klappentext und Leseprobe gefallen. Man wird im Gegensatz zu vielen anderen Werken des Genres positiv überrascht. Mir hat "Warte auf mich am Meer" sehr gefallen, obwohl es wie gesagt nicht mein bevorzugtes Genre ist und ich daher bei Liebesgeschichten sehr wählerisch bin.

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