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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2024

Inspiriert dazu, den eigenen Lebensstil zu reflektieren und damit zu experimentieren

12 Neue Leben
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Sebastian Kühn ist mutig und neugierig. Er lässt sich auf ein selbst gestelltes Experiment ein: ein Jahr lang will er jeden Monat in eine andere Rolle schlüpfen und ausprobieren, was das psychisch, mental ...

Sebastian Kühn ist mutig und neugierig. Er lässt sich auf ein selbst gestelltes Experiment ein: ein Jahr lang will er jeden Monat in eine andere Rolle schlüpfen und ausprobieren, was das psychisch, mental und körperlich mit ihm macht. Ist es möglich, anonym zu leben und keine Datenspuren zu hinterlassen? Was macht es mit dem Körper, frutarisch zu leben? Wie viel Muskeln kann man in einem Monat aufbauen und wie geht es einem damit? Auf welches Ausmaß lässt sich der selbst verursachte Müll reduzieren, wenn man sich wirklich darum bemüht? Welche Antworten geben verschiedenste Menschen zum Thema Sinn des Lebens? Was verändert sich, wenn man einen Monat lang als Einsiedler keinen Kontakt zu anderen Menschen hat?

Das waren nur einige seiner Experimente. Authentisch, ehrlich und humorvoll beschreibt der Autor seine Selbst-ver-suche und gibt dabei sympathischerweise auch aufrichtig zu, wenn ihm eines davon nicht 100%ig gelungen ist. Er nimmt uns mit auf seine Erkenntnisreise und lässt uns dabei lebendig miterleben, wie es ihm mit den verschiedenen Lebensweisen (und in den verschiedenen Ländern auf mehreren Kontinenten, die er dabei bereist) so geht.

Das Buch liest sich leicht, locker und interessant. Es ist in jeweils kurze Kapitel zu den Monatsthemen eingeteilt, die dann jeweils noch in Unterkapitel unterteilt sind, in denen tagebuchartig aus ausgewählten Tagen in diesen Monaten erzählt wird. Am Anfang jedes Monatsthemas gibt es zur Einstimmung eine kurze Übersicht und am Ende ein Fazit über die Lernerfahrungen.

Nach dem Lesen habe ich so richtig Lust bekommen, einiges davon zumindest in kürzerer Form selbst auszuprobieren. Dazu lädt das beiliegende Kartenset Selbstsuche-Selbstversuche ein. Dieses besteht aus 52 kleinen Kärtchen, die jeweils einen Reflexions- bzw. Gesprächsimpuls und eine Einladung zu einem Selbstversuch beinhalten, z.B. das eigene Essen der letzten 3 Tage zu reflektieren oder die frutarische Nahrung (mit Ausnahme einer ausgewogenen Mahlzeit am Tag) mal für einen Tag auszuprobieren. Es eignet sich sowohl für die Selbstreflexion alleine als auch für tiefsinnige Gesprächs- und spannende Experimentierrunden gemeinsam mit anderen.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Eine andere werden durch den Wandlungsprozess nach einer Fehlgeburt - sehr berührender, authentischer Erfahrungsbericht

Wer sagt, dass die Welt sich weiterdreht: Mein Leben mit einer Fehlgeburt
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Im Buch "Wer sagt, dass die Welt sich weiterdreht: Mein Leben mit einer Fehlgeburt" erzählt Sylvia Halcour von ihrem Leben nach einer Fehlgeburt. Sie und ihr Mann haben schon einen Sohn und wünschen sich ...

Im Buch "Wer sagt, dass die Welt sich weiterdreht: Mein Leben mit einer Fehlgeburt" erzählt Sylvia Halcour von ihrem Leben nach einer Fehlgeburt. Sie und ihr Mann haben schon einen Sohn und wünschen sich sehnlichst ein zweites Kind, doch die zweite Schwangerschaft endet unerwartet in einer Fehlgeburt. Auch in der Zeit danach kommt es leider länger zu keiner intakten zweiten Schwangerschaft... und die Autorin fällt in ein immer tieferes Loch aus Verzweiflung, Schuldgefühlen und diversen körperlichen und psychischen Symptomen. Wir begleiten sie durch diese dunkle Zeit, die gleichzeitig mit einem enormen innerlichen Wachstumsprozess einhergeht.

Wie so viele intelligente und leistungsorientierte Frauen in der heutigen Zeit ist die Sylvia Halcour am Anfang des Buches eine extrem disziplinierte, den männlich geprägten Werten der Leistungsgesellschaft folgende Frau... das Leben ist durchgetaktet, alles muss funktionieren. Sensibilität, Auf-sich-hören und Einen-Gang-zurückschalten werden als Schwäche gesehen, als etwas, das man sich nicht zugestehen darf, nicht einmal in der Schwangerschaft.

Die Frau am Ende des Buches hingegen ist durch einen langen Prozess gegangen, in dem sie sanfter und weicher wirkt, sie hat Therapie gemacht und sich auf Alternativmedizin eingelassen, sie ist mehr in Kontakt mit sich und ihrer Weiblichkeit und wirkt insgesamt transformiert. Ich habe es schön gefunden, diese Wandlung mitzuerleben, trotz aller Dunkelheit, die das Thema des Buches auch in sich trägt.

Ich empfehle das Buch allen, die sich mit den Themen Fehlgeburt, Schwangerschaft, Weiblichkeit und Transformation auseinandersetzen möchten... und die keine Angst vor sehr ehrlichen, authentischen Beschreibungen der Verzweiflung nach Fehlgeburten haben. Für manche, die gerade selbst eine Fehlgeburt erlitten und noch nicht verarbeitet haben, könnten manche Stellen im Buch aber zu triggernd sein.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Humorvoller Entwicklungsroman einer nicht mehr ganz jungen weiblichen Heldin

Mon Chéri und unsere demolierten Seelen
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Dieses Buch hat 2022 den Österreichischen Buchpreis gewonnen, das hat mich neugierig gemacht. Es ist in einem eigenwilligen Schreibstil geschrieben und ich habe ein bisschen gebraucht, um reinzukommen, ...

Dieses Buch hat 2022 den Österreichischen Buchpreis gewonnen, das hat mich neugierig gemacht. Es ist in einem eigenwilligen Schreibstil geschrieben und ich habe ein bisschen gebraucht, um reinzukommen, aber dann hat es mich nicht mehr losgelassen. Es geht um Charly, die scheinbar unbekümmert ihr Leben lebt, lange nicht erwachsen werden will und sich lange auf niemanden so wirklich einlässt... bis mehrere Männer in ihr Leben kommen, sie mit 43 Jahren auf einmal überraschend schwanger wird, ihr Vater stirbt und noch so einiges ihr Leben auf den Kopf stellt und sie wachsen und reifen lässt - ohne dabei den ihr eigenen, liebenswerten Humor zu verlieren. Es gibt gar nicht so viele Entwicklungsromane, die eine Frau im Zentrum haben, noch dazu eine nicht mehr ganz junge... auch das macht dieses Buch besonders. Auf jeden Fall ein besonderes, herausstechendes Leseerlebnis, das noch länger nachwirken wird, und erfrischend anders als viele andere Bücher.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Lebensträume, Beziehungen, unerfüllter Kinderwunsch und "die andere Frau"

Das leise Platzen unserer Träume
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Dieses Buch ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Die Perspektive von Jule, die mit David verheiratet ist, in einer kinderlos gebliebenen Ehe, in der schon länger die Verbundenheit und Leidenschaft fehlt. ...

Dieses Buch ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Die Perspektive von Jule, die mit David verheiratet ist, in einer kinderlos gebliebenen Ehe, in der schon länger die Verbundenheit und Leidenschaft fehlt. Und die Perspektive von Hellen, der Geliebten von David, alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Hellen weiß von Jule und kommentiert deren Leben... Jule weiß lange nichts von Hellen. Jule erleben wir durch den Blick von außen, über sie wird in der dritten Person erzählt. Hellen erleben wir unmittelbarer, sie spricht in der Ich-Form, und zwar zu Jule, auch wenn diese sie (erst einmal) nicht hören kann.


Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen, es ist unterhaltsam und gut geschrieben und stellt dabei auf seine leise Art tiefgründige Lebensfragen zu Themen wie Partnerschaft, Authentizität und Lebensträume. Die Figuren sind tiefgründig gezeichnet und die Handlung hat spannende, unerwartete Wendungen. Ein recht kurzes Buch und doch eines der besten, das ich letztes Jahr gelesen habe.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Wie bewahren wir unser Selbstbild und unsere vermeintlich heile Welt - und was machen wir, wenn sie zerbricht?

Die spürst du nicht
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Das Wiener Milieu derer, die alles haben, zumindest auf materieller Ebene. Zwei gesellschaftlich sehr gut situierte Familien nehmen als Unterhaltung für die Tochter - und um sich moralisch gut zu fühlen ...

Das Wiener Milieu derer, die alles haben, zumindest auf materieller Ebene. Zwei gesellschaftlich sehr gut situierte Familien nehmen als Unterhaltung für die Tochter - und um sich moralisch gut zu fühlen - ein Flüchtlingsmädchen mit auf ihren Toskanaurlaub. Ohne sich wirklich für das Mädchen, seine Familie oder deren Hintergründe und Erlebnisse zu interessieren. Das Mädchen ist schüchtern, still, ruhig, angepasst und dankbar, man "spürt es nicht". Bis es auf einmal verschwunden ist und im Pool ertrinkt. Und die Abgründe der vermeintlich heilen Welt und der Moral der Familien offenbart.

Kluges, gut geschriebenes Buch, nachdenklich machend genauso wie unterhaltsam zu lesen.

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