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Veröffentlicht am 17.07.2017

Fanfiction und die erste Liebe

Fangirl
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Bis ich das Buch "Fangirl" von Rainbow Rowell las´, waren mir die Begriffe Fangirl und Fanfiction noch nie untergekommen- nun aber kann ich mich sehr gut in diese Welt hineinfühlen.

Die Autorin ...







Bis ich das Buch "Fangirl" von Rainbow Rowell las´, waren mir die Begriffe Fangirl und Fanfiction noch nie untergekommen- nun aber kann ich mich sehr gut in diese Welt hineinfühlen.

Die Autorin schafft es hervorragend, diese Welt so klar darzustellen und faszinierend zu beschreiben, daß man sich dort zuhause fühlt. Und obgleich ich bereits eine Tochter im Teeniealter habe, konnte ich mich sehr leicht in die (pubertären) Probleme der Protagonistin einfühlen.

Cath lebte bislang mit ihrer Zwillingsschwester Wren und ihrem Vater recht abgeschottet in einer Kleinstadt. Die Mutter verließ die Familie, als die Mädchen 8 waren. Der Vater kam nie darüber hinweg, bescherte den Mädchen dennoch eine sichere, liebevolle Kindheit.

Nun ist es Zeit für das College und Wren will sich abnabeln, zugleich sich auch von Cath lösen, die davon völlig überrascht wird.
Sie muß sich allein in dieser ihr fremden Welt zurechtfinden- eine fremde Stadt, eine andere Zimmernachbarin anstelle von Wren, Collegepartys, Vorlesungen.
Dabei hilft ihr ihre Leidenschaft, Fanfiction, die sie mit vielen anderen und für ihre treuen Leser um die Figur Simon Snow schreibt.
Cath lernt dabei eine Menge über sich selbst und findet ihren Platz im Leben.

Besonders wird dieser Roman über das Erwachsenwerden durch die Zwischenstücke und Auszüge aus dem Originalromanen "Simon Snow" und Cath´s Geschichten über ihn.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm, locker und entspannt- dabei schafft sie es spielend zwischen humorvollen und dramatischen Szenen zu wechseln, sodaß es weder langweilig wird, noch an Tiefe fehlt.

Ein wunderbares Buch über das Erwachsenwerden, Loslassen, Freundschaft, Familienbande und die erste Liebe, in dem sich wahrhaft jeder ein Stück weit wiederfinden wird.

Veröffentlicht am 13.03.2026

still, sogartig

Elbland
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Das wunderschöne Cover hätte mich sofort dazu verleitet, dieses Buch in die Hand zu nehmen und darin in der Buchhandlung zu lesen.
Strahlend orange-gelbe Blumen mit ihrem Grün als Kontrast und der (trockenen) ...

Das wunderschöne Cover hätte mich sofort dazu verleitet, dieses Buch in die Hand zu nehmen und darin in der Buchhandlung zu lesen.
Strahlend orange-gelbe Blumen mit ihrem Grün als Kontrast und der (trockenen) Erde zu ihren Füßen.
Der Titel "Elbland" ist auch in diesem Gelbton gestaltet.

Der Einstieg in den Roman von Claudia Rikl war absolut fesselnd. Es beginnt mit einem Familienurlaub, 1987, wie ihn so oder so ähnlich einige DDR-Bürger erlebt haben.
Ganz schnell war ich beim Lesen wieder Kind, saß ebenso im Lada wie Nina auf den Weg in den Urlaub. Bei uns gab es zwar keinen Muckefuck, aber immer geschmierte Brote, hartgekochte Eier und natürlich Brause!
Es war schön, diesen Erinnerungen wieder zu begegnen! Denn das waren die einzigen, die "schön" im Sinne von angenehm waren.

Im starken Kontrast dazu: Kapitel 2, Jetzt-Zeit.
Ninas Mutti Irma ist gerade verstorben, sie fühlt sich verloren, zugleich befreit. Aufopferungsvoll hatte sie sich all die Jahre gekümmert, nachdem ihr Vater und ihre Schwester Katja sich zuvor "aus dem Staub" gemacht hatten.
Ihr eigenes Leben immer hintenan gestellt, obwohl ihre Mutter, kühl bis kaltherzig, offenbar ihre Schwester bevorzugte.

Doch warum?

Während Nina nach Böhmen reist, in die Heimat ihrer Mutter, erfährt sie, warum sie dieser Frau, die alles verlor, nie nahekommen konnte.
In einem 3. Erzählstrang erleben wir, was die kleine Irma nach Kriegsende erleiden mußte. Jeder Absatz ein scharfes Schwert, das Herz zieht sich zusammen, die Augen brennen vor Tränen...

Claudia Rikl gelingt es, anhand der Lebensgeschichte ihrer Familie (Oma Helene! Ihr ist das Buch gewidmet) Mitgefühl für eine Generation zu erschaffen, die nie gelernt hat, über all' das zu reden, geschweige denn, zu verarbeiten. Auch wir tragen ihre Last mit.

Ein Buch, das sehr leise und doch wunderschön erzählt.
Worte, die mit einer derartigen Wucht etwas auslösen, das unbeschreibbar erscheint.

Danke!

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Das Killer-Profil

The Killer Profile
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Das Cover verrät nicht allzu viel, ist aber genretypisch eher mysteriös und dunkel gehalten. Die Farbwahl und die besondere Haptik konnten mich jedoch überzeugen.

Midnight Jones, Anfang 30, arbeitet für ...

Das Cover verrät nicht allzu viel, ist aber genretypisch eher mysteriös und dunkel gehalten. Die Farbwahl und die besondere Haptik konnten mich jedoch überzeugen.

Midnight Jones, Anfang 30, arbeitet für die einflußreiche BioTech-Firma Necto. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Dawn, die durch mehrfache Behinderungen stetige Unterstützung im Alltag benötigt.

Bei ihrer Arbeit stößt Midnight auf ein "Profil K" (= Killer) und ist zutiefst beunruhigt.
Ihre Vorgesetzten wiegeln ihre Bedenken jedoch ab und erinnern an ihre Verschwiegenheitsklausel.
Deshalb versucht Midnight, ihn allein zu finden, denn in ihrer Nähe finden grausame Morde an Frauen statt und die Polizei kommt nicht weiter.
So glaubt Midnight, nur sie kann ihn jetzt noch aufhalten.

Parallel: "Der Bewerber" beschreibt seine Gedanken und später auch grausamen Taten... und hat Midnight bereits im Visier.

So springt man zwischen dem Erleben und den Gedanken Midnights und des Mörders hin und her und wird durch einige Nebenfiguren immer wieder auf falsche Fährten geschickt.
Eli, Amber und Jessica blieben jedoch recht blaß gegenüber den Hauptprotagonisten. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Es wird auch eine medizinische Erklärung für die Taten des Mörders gegeben, er soll unter dem Renfield-Syndrom leiden.
Nach einer Jugend im "Umerziehungsheim" voller Züchtigungen, wurde absichtlich seine extreme Neigung durch den Test wieder erweckt.

Daß allerdings die Patientenakten eines "Sanatoriums" weiterhin im Keller gelagert werden und bei einem Verkauf einfach an den Käufer übergehen, das ist schon sehr viel Fiktion.

Die Figur der Doris mochte ich dagegen sehr. Midnight lernt sie im Supermarkt im Zuge ihrer Recherche kennen und trotz aller Unterschiede freunden sich die Frauen an- was vor allem Dawn zugute kommt, denn Doris und sie haben gleich eine besondere Verbindung zueinander.

Es gab einige Logikfehler bzw. in der Nachvollziehbarkeit des Verhaltens einiger Figuren, und auch die Brutalität der Morde oder der Videos im Test, die hier sehr detalliert beschrieben werden, könnten einige Leser abschrecken.

Ein schonungsloser, extrem spannender Thriller, der durch den Perspektivwechsel zwischen den Hauptprotagonisten noch fesselnder wird.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

der Überwolf

Lupus
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Der neue Thriller von Tibor Rode besticht schon allein durch sein Cover: schwarz-weiß-rote Farbgebung, ein bedrohlicher weißer Wolf, der Titel schlicht "Lupus", untertitelt mit "Alles Böse kehrt zurück", ...

Der neue Thriller von Tibor Rode besticht schon allein durch sein Cover: schwarz-weiß-rote Farbgebung, ein bedrohlicher weißer Wolf, der Titel schlicht "Lupus", untertitelt mit "Alles Böse kehrt zurück", das auf eine Verbindung zur (DDR-) Vergangenheit hinweist.

Bereits der Vorgänger "Der Wald" hatte mich gefesselt, auch in "Lupus" überzeugt der extrem spannende Schreibstil, die Durchmischung von Wissenschaft, (KI-)Technologie und Fortschritt mit dem Aufarbeiten der (persönlichen) Vergangenheit. Die kurzen Kapitel machen es leicht, dem Geschehen zu folgen, Erinnerungen und frühere Geschehnisse sind durch die Kursivschrift kenntlich gemacht.

Zudem lebe ich in Vorpommern-Greifswald und bin in Anklam (an der Peene) geboren und aufgewachsen, sodaß dadurch eine besondere Nähe zu den Schauplätzen wie Greifswald, Loitz, Stralsund oder die Festung Spantekow oder der Insel Vilm oder Riems besteht.
Mir gefiel gut, daß T. Rode trotz all der Bedrohlichkeiten die Schönheit der Landschaft nicht unbeachtet ließ.

Hauptprotagonistin Jenny steht als Tierärztin und Wolfsbeauftragte des Landes vor einem Problem, als nicht nur Wölfe gesichtet werden, sondern diese erst Schafe und dann sogar Menschen angreifen und töten.
Ihr Vater, ein Jäger, verschwindet plötzlich und es werden mehrere Tote aufgefunden. So ermittelt auch Staatsanwalt Bach persönlich und nach anfänglicher Ablehnung und Mißtrauen, ermitteln die beiden schließlich gemeinsam.

Rückzüchtung von ausgestorbenen Spezies, Nazis in der DDR, der Unrechtsstaat DDR, der seine Bürger nur gängelte, kontrollierte und einsperrte, böse Kinderheime, Kollegen und Freunde, denen man nicht trauen durfte und keinerlei freie Entwicklung für die besten Forscher und Wissenschaftler (der Welt?) auf der Institutsinsel Riems.
Und nach der Wende: Medikamentenhandel im großen Stil, noch mehr Betrug, auch innerhalb der Familie. Weiterhin Streben nach dem großen Glück in Form von Geld, das alles überdeckt.

Daß die Geschichte des veränderten, extrem aggressiven Wolfes aufgeklärt werden muß, ist verständlich.
Aber was Rode da alles in diesen einen Thriller packt, ist m.E. viel zu überfrachtet.
Und auch sehr in Schubladen gedacht, vielleicht auch zu sehr aus "Westsicht".
Die Romanze zwischen Jenny und Bach hätte es auch nicht zusätzlich gebraucht.

Ein packender Thriller, für mich allerdings mit zuvielen Themen bestückt.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Still alive

Ava liebt noch
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Das Cover des Romans "Ava liebt noch" zeigt ein sehr sinnliches Frauengesicht. Sie, die vielleicht träumt, hält ihre Augen geschlossen, der Mund ist geöffnet. Es ist farbenfroh gemalt, am auffälligsten ...

Das Cover des Romans "Ava liebt noch" zeigt ein sehr sinnliches Frauengesicht. Sie, die vielleicht träumt, hält ihre Augen geschlossen, der Mund ist geöffnet. Es ist farbenfroh gemalt, am auffälligsten sind die vollen, dunkelroten Lippen.

Ava, 43, ist Mutter von 3 Kindern.
Sie macht all' die Care-Arbeit als Vollzeitmutter nach einem befriedigenden Job als Lektorin und fühlt sich wie tiefgefroren nach 12 Jahren Mutterschaft, Elternabenden, Treffen mit anderen Müttern und Haushalt.

Ralf, ihr Mann, verdient das Geld, das ihnen das Reihenhaus im Vorort ermöglicht. Er glaubt tatsächlich, daß es doch nichts Schöneres geben kann, als zuhause bei den Kindern zu sein. Im Gegensatz zu seinem Stress in der Anwaltskanzlei.
Die Not seiner Frau erkennt er nicht. So läuft es eben, wie bei allen anderen um sie herum auch. Doch Ava will mehr.

Das erkennt sie aber erst, als sie ihn, Kieran, 24 Jahre jung, attraktiv, freundlich zugewandt, kennenlernt. Und er sich in ihre Gedanken schleicht, und sie ihn unbedingt wiedersehen will.

Doch kann Ava sich in der Affäre mit Kieran wiederfinden? Ist sie immer noch eine Frau bzw. kann sie es wieder werden? Wieder leben, fühlen, sich selbst spüren?

Der Schreibstil ist wunderbar.
Direkt und locker einerseits, aber auch poetisch oder kritisch. Autorin Vera Zischke schaut ganz genau hin und legt den Finger in die Wunde.

Deshalb ist dies' nicht nur eine weitere Liebesgeschichte. Es ist auch ein gesellschaftskritischer Roman.

Nicht alle Mütter leiden "nur" an Bore-out, nicht alle Frauen wollen Mutter werden- ebenso wenig wie alle Männer Vater!
Avas Hausarzt würde ihr eine (Mutter-Kind-) Kur verordnen, aber mit 3 Kindern, wäre das keine Erholung, meint er. Warum dann nicht eine Kur nur für die ausgelaugte Ava?
Als Ava wieder einmal den Wunsch äußert, endlich wieder arbeiten zu wollen, könnte sie natürlich nur eine Teilzeitstelle annehmen- warum ist es undenkbar, daß auch ihr Mann Stunden reduziert und sich einbringt, damit sie mehr arbeiten kann?

Warum verhandeln wir Frauen immer noch nicht mehr über all das, was unser Leben ausmacht?
Meist mit den Männern, die uns doch lieben?

Die Affäre mit Kieran ist mehr als das, sie ist eine große, wahre Liebesgeschichte. Die Verliebtheit, der Schmerz, das Verlangen und Sehnen, der Verlust.
Eine Liebe, die erst wachsen muß, aber dann unaufhaltsam ist. Die Jahre andauert und eine Hoffnung verspricht, die wohl alle Romantiker schwärmen läßt.

Fazit: Ein wunderbarer Roman über die Wiedererweckung einer Frau, die trotz Mutterschaft auch lieben darf, ganz ohne Kitsch- dafür mit Gesellschaftskritik, die zum Nachdenken anregt.

4.5☆

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