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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2024

Ruhig, atmosphärisch und spannend

Glutmoor (Janosch Janssen ermittelt 2)
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Buchmeinung zu Lars Engels – »Glutmoor«

»Glutmoor« ist ein Kriminalroman von Lars Engels, der 2024 bei Ullstein erschienen ist.

Zum Autor:
Lars Engels, Jahrgang 1992, ist Werbetexter und Autor. So oft ...

Buchmeinung zu Lars Engels – »Glutmoor«

»Glutmoor« ist ein Kriminalroman von Lars Engels, der 2024 bei Ullstein erschienen ist.

Zum Autor:
Lars Engels, Jahrgang 1992, ist Werbetexter und Autor. So oft wie möglich zieht es ihn vom Schreibtisch weg in die Natur, um neue Inspiration zu sammeln. Er lebt in Neuss, doch die Geschichten von der Moorlandschaft an der Rhön haben ihn schon immer fasziniert.

Zum Inhalt:
In einer Einfamilienhaus-Siedlung am Rande des Moors ist ein Vierfachmord geschehen. Kriminalhauptkommissar Janosch Janssen und Kriminaloberrätin Diana Quester nehmen die Ermittlungen auf.

Meine Meinung:
Trotz des Vierfachmordes ist es eher ein ruhiges Werk ohne unnötige Schilderung von Gewalt. Janosch Janssen ist gewohnt empathisch und fiebert zusammen mit seiner Frau Helen der baldigen Geburt ihres ersten Kindes entgegen. Während seine Chefin und Schwiegermutter eher für die rasanten Momente steht, hat mich die ruhige und nachdenkliche Art von Janosch Janssen mehr mitgenommen. Die wechselnde Perspektiven sorgen für ein umfassendes Bild der Ermittlungen und geben Einblick in die jeweiligen Gedanken der handelnden Personen. Manchmal liefern Rückblicke ergänzende Informationen zu den Figuren und deren Taten. Janosch Janssen hat seine eigene Sicht auf die Dinge und interpretiert Fakten und Ermittlungsergebnisse anders als seine Kollegen. Er wirkt sympathisch, vielleicht auch weil Diana Quester ihn immer noch nicht vollständig akzeptiert.
Der Fall erweist sich als komplex und vielschichtig, auch eine politische Tat ist denkbar. Immer wieder ist es die Intuition Janssens, die zu neuen Ermittlungsansätzen führt. Die Spannung ist jederzeit gegeben und steigt bis zum abschließenden Showdown deutlich an. Am Ende steht ein vollständig und nachvollziehbar gelöster Fall, der aber Narben bei den Ermittlern hinterlassen wird.
Der atmosphärische Charakter der Erzählung wird schon durch das überaus gelungene Cover geprägt. Das kleine Haus am Rande eines Holzbretterpfades inmitten einer Moorlandschaft ist typisch für die Region. Jannsens Art ist es auch passt hervorragend dazu.

Fazit:
Ein eher ruhiger und atmosphärischer Krimi, der mich dennoch fesseln konnte und sehr gut unterhalten hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde dieses Genres aus.

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Ein historischer Kriminalroman, der mich begeistern konnte

Maybrick und die Toten vom East End
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Buchmeinung zu Vanessa Glas – »Maybrick und die Toten vom East End«

»Maybrick und die Toten vom East End« ist ein historischer Kriminalroman von Vanessa Glas, der 2024 bei between pages by Piper erschienen ...

Buchmeinung zu Vanessa Glas – »Maybrick und die Toten vom East End«

»Maybrick und die Toten vom East End« ist ein historischer Kriminalroman von Vanessa Glas, der 2024 bei between pages by Piper erschienen ist. Dies ist der Debütroman der Autorin.

Zum Autor:
Vanessa Glas wurde 1993 in Schleswig-Holstein geboren und ist im Umland von Hamburg zwischen Hafen und Meer aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität Hamburg Geschichte und Biologie fürs gymnasiale Lehramt.

Zum Inhalt:
London 1910: Joseph Maybrick ist zum Leiter der H-Division im Londoner East End ernannt worden. Gleich am ersten Tag wird ein grausam getöteter Junge gefunden und gemeinsam mit Doktor Dave Roberts beginnt Maybrick zu ermitteln.

Meine Meinung:
Das Londoner East End ist um 1910 ein Ort voller Schmutz, Elend und Gewalt. Die dort lebenden Menschen versuchen irgendwie zu überleben und ihr Dasein zu verbessern. Joseph Maybrick stammt von hier und er will als neuer Polizeichef Zeichen setzen. Aber brutal getötete Kinder und Kinderbordelle setzen ihm und Doktor Roberts schwer zu. Auch Hester Jaager und Heath Ellis sind hier aufgewachsen und leiten ein Hehler- und Schmugglerbande mit vielen jungen Bandenmitgliedern. Diese vier Hauptfiguren sind alle auf ihre Art sympathisch, auch weil sie Kämpfernaturen sind und vielschichtig angelegt sind. Weitere interessante Figuren wie die Kinder Jorma und Gwen oder Maybricks Ehefrau Sue bereichern die Geschichte und sorgen mit ihrem Verhalten und ihrer Geschichte für Atmosphäre. Es werden unzählbare Missstände aufgedeckt und doch durchdringt ein wenig Optimismus die düstere Atmosphäre. Auch wenn auf die Schilderung allzu blutiger und brutaler Details verzichtet wird, isi diese Gewalt allzeit spürbar und gegenwärtig. Den Schreibstil empfand ich als fesselnd und eindringlich. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und so kommt man den einzelnen Figuren näher. Die Handlung ist komplex mit etlichen Überraschungen und die Spannung ist jederzeit gegeben. Mehrere Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Am Ende steht ein nachvollziehbar gelöster Fall, aber kein Happy End. Das wäre auch nicht passend gewesen.

Fazit:
Ein wunderbarer historischer Kriminalroman, der mich in jeder Hinsicht überzeugt hat. Atmosphäre, Figurenzeichnung, Handlung und Schreibstil ergänzen sich prächtig. Deshalb bewerte ich den Titel mit der Höchstwertung von fünf Sternen und 100 Punkten und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 03.09.2024

Aktivierte Erinnerungen

Wenn die Welt nach Sommer riecht
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Buchmeinung zu Herbert Dutzler – »Wenn die Welt nach Sommer riecht«

»Wenn die Welt nach Sommer riecht« ist ein Roman von Herbert Dutzler, der 2024 im Haymon Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Herbert ...

Buchmeinung zu Herbert Dutzler – »Wenn die Welt nach Sommer riecht«

»Wenn die Welt nach Sommer riecht« ist ein Roman von Herbert Dutzler, der 2024 im Haymon Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Herbert Dutzler, geboren 1958, ist mit seinen Krimis um den Altausseer Polizisten Gasperlmaier Autor einer der erfolgreichsten österreichischen Krimiserien. Dass Herbert Dutzler auch abseits der Krimiwelt ein versierter Schriftsteller ist, beweist der Erfolg von „Die Welt war eine Murmel" (2020) und „Die Welt war voller Fragen" (2023). Mit "Wenn die Welt nach Sommer riecht" entführt er uns 2024 nun ein drittes Mal in die Zeit seiner Kindheit.

Zum Inhalt:
Siegfried Niedermayr blättert in einem alten Fotoalbum mit Bildern aus der Zeit, als er etwa 13 Jahre alt war. Mit den Bildern erinnert sich Siegfried an Episoden und Geschichten aus dieser Zeit.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich positiv überrascht, obwohl ich hohe Erwartungen hatte. Viele der Episoden der Hauptfigur haben ein Gegenstück in meiner Jugend gehabt und mit zum Nachdenken gebracht. Vieles war in meiner Jugend ähnlich, obwohl es natürlich auch Unterschiede gegeben hat. Der Autor beschreibt Siegfrieds Erinnerungen sehr detailliert und hilft dem Leser damit, eigene Erinnerungen wieder zum Leben zu erwecken. Sogar das Lebensgefühl der damaligen Zeit erwacht und ich habe mich in meine Jugend zurück versetzt gefühlt. Fast automatisch reflektiert man über die damalige Zeit und die Unterschiede zur heutigen Zeit. Die positiven Erinnerungen Siegfrieds überwiegen bei Weitem und selbst negative Aspekte wirken weniger schlimm. Politische Ideen und Missstände werden angesprochen, aber kaum näher beleuchtet, weil Siegfried noch weitgehend politisch unbeleckt gelebt hat.
Obwohl die Episoden oft eher banal erscheinen, haben sie mich berührt und zum Reflektieren angeregt. Gespannt warte ich auf eine Fortsetzung.

Fazit:
Ein wunderbarer Roman, der meine Erinnerungen zu neuem Leben verholfen hat und mich dadurch gefesselt hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Überaus unterhaltsam

Morden in der Menopause
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Buchmeinung zu Tine Dreyer – »Morden in der Menopause«

»Morden in der Menopause« ist eine Kriminalkomödie von Tine Dreyer, die 2024 im Dumont Buchverlag erschienen ist.

Zum Autor:
Tine Dreyer ist ein ...

Buchmeinung zu Tine Dreyer – »Morden in der Menopause«

»Morden in der Menopause« ist eine Kriminalkomödie von Tine Dreyer, die 2024 im Dumont Buchverlag erschienen ist.

Zum Autor:
Tine Dreyer ist ein Pseudonym von Christine Drews, die 1972 in Osnabrück als Christine Meyer geboren wurde. Sie studierte Germanistik und Psychologie in Bonn. Schon während ihres Studiums arbeitete sie als Redakteurin für verschiedene TV-Formate und schrieb nach dem Magisterabschluss als Autorin für zahlreiche Comedy-Serien, bis sie sich 2002 selbstständig machte. Seitdem verfasst Christine Drews Drehbücher für Filme und TV-Serien und veröffentlicht seit 2013 Romane in verschiedenen Genre. Nachdem sie einige Jahre in England gelebt hat, wohnt Christine Drews mit ihrer Familie in Köln.

Zum Inhalt:
Die 48-jährige Liv wollte eigentlich nur einen Typen, der ihrem pubertierenden Sohn Drogen verkauft hat, zur Rede stellen. Am Ende hat Liv zu hart zugeschlagen und mit dem Toten fangen ihre Probleme erst an.

Meine Meinung:
Die Hauptfigur Liv war mir von Anfang an sympathisch, weil die Wechseljahre sie unvorbereitet treffen und sie sich müht, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen, ohne eine Haftstrafe absitzen zu müssen. Jedem Kapitel ist eine Anmerkung zu Themen aus dem Bereich Menopause vorangestellt. Liv ist mit Haushalt, drei Kindern, Halbtagsjob und Seniorenbetreuung voll ausgelastet. Dann hat ihr Ehemann auch noch ein Geheimnis und Liv muss in einen Abgrund blicken. Manche Szenen wirken durchaus realistisch und bilden wahres Leben ab. Die meisten Figuren sind aber überspitzt dargestellt mit Eigenheiten, die zu komischen, skurrilen oder sogar absurden Situationen führen. Notfalls hilft der Zufall um verschiedene Szenen zu verbinden. Dank des angenehmen Schreibstils, der verschiedenen Humorvarianten und der spürbaren Liebe zu den meisten Figuren liest sich die Geschichte locker weg. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und habe das Buch in weiten Teilen genossen. Beeindruckt hat mich das von der Autorin gezeichnete Ende.

Fazit:
Diese Kriminalkomödie hat mich sehr gut unterhalten und der rote Faden zum Finale hat mich beeindruckt. Deshalb bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Klassischer japanischer Detektivroman

Das Dorf der acht Gräber
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Buchmeinung zu Seishi Yokomizo – »Das Dorf der acht Gräber«

»Das Dorf der acht Gräber« ist ein Kriminalroman von Seishi Yokomizo, der 2024 bei Blumenbar in der Übersetzung von Ursula Gräfe erschienen ...

Buchmeinung zu Seishi Yokomizo – »Das Dorf der acht Gräber«

»Das Dorf der acht Gräber« ist ein Kriminalroman von Seishi Yokomizo, der 2024 bei Blumenbar in der Übersetzung von Ursula Gräfe erschienen ist. Der Titel der japanischen Originalausgabe lautet »Yatsuhakamura« und ist 1971 erschienen. Das ungekürzte Hörbuch ist 2024 bei Aufbau Audio erschienen. Dies ist der dritte Band um den japanischen Privatdetektiv Kosuke Kindaichi.

Zum Autor:
Seishi Yokomizo, 1902-1981, ist einer der berühmtesten und beliebtesten japanischen Autoren von Kriminalromanen. Er wurde in Kobe geboren und las als Junge unzählige Detektivgeschichten, bevor er selbst mit dem Schreiben begann. Allein seine Serie um Kosuke Kindaichi besteht aus 77 Büchern. »Die rätselhaften Honjin-Morde« ist der erste Band dieser Reihe und gewann sogleich den ersten Preis für Kriminalautoren Japans.
Ursula Gräfe hat Japanologie, Anglistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main studiert. Seit 1989 arbeitet sie als Literaturübersetzerin aus dem Japanischen und Englischen und hat neben zahlreichen Werken Haruki Murakamis auch Sayaka Murata und Yukiko Motoya ins Deutsche übertragen.

Sprecher:
Denis Moschitto, geboren 22. Juni 1977 in Köln, ist ein deutscher Filmschauspieler und Synchronsprecher. Mit Schock gab er 2023 sein Debüt als Drehbuchautor und Filmregisseur.
Denis Moschitto hat mich mit seinem meist ruhigen Vortrag voll und ganz überzeugt.

Zum Inhalt:
1946: Tatsuya Terada gibt seinen Job in der Stadt auf, um im Dorf der acht Gräber seine ihm unbekannte Familie kennen zu lernen, die ihn gesucht hatte. Auf dem Dorf soll ein Fluch liegen, dem mit der Heimkehr Tatsuyas neues Leben eingehaucht wurde.

Meine Meinung:
Im Prolog wird die Geschichte einer Samuraigruppe erzählt, die dem Dorf der acht Gräber seinen Namen gab und den Fluch begründet.
Zu meiner Überraschung wird die aktuelle Geschichte nicht aus der Sicht der Serienfigur Kosuke erzählt, sondern aus der Sicht eines der Hauptbeteiligten. Tatsuya tritt als Ich-Erzähler auf, der selbst auch der Täter sein könnte. Kosuke agiert eher im Hintergrund und äußert sich an manchen Stellen kurz in Anwesenheit Tatsuyas mit seinen Anmerkungen und Gedanken zum Fall. Bei Tatsuya hatte ich mehrfach das Gefühl, dass er Informationen zurückhält oder geschönt darstellt. Trotzdem hat mich die Figur Tatsuya gefesselt und als er in Gefahr gerät, habe ich mit ihm gelitten. Der Leser erfährt einiges zur japanischen Kultur, zu Traditionen und zu den gelebten Strukturen. Manche der Figuren haben Geheimnisse und ihr Verhalten erscheint manchmal verdächtig. Hin und wieder macht sich Tatsuya ausführliche Gedanken zum Fall und gerade an diesen Stellen kann man wunderbar miträtseln.
Das Erzähltempo ist meist moderat, aber Spannung ist jederzeit gegeben. Am Ende präsentiert Kosuke die nachvollziehbare Auflösung und etliche Verhaltensweisen der Beteiligten werden verständlich. Die Geschichte hat mir einige Stunden uneingeschränktes Lesevergnügens gegeben.

Fazit:
Ein sehr gelungener Nachkriegsroman, der zudem Elemente der japanischen Kultur und Traditionen nutzt. Mich hat der Titel jederzeit gefesselt und Lust auf mehr gemacht. Deshalb bewerte ich den Krimi mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde eher ruhiger Kriminalromane aus.

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