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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2025

Still und kraftvoll zugleich

Kaltblut
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Stubber ist ein Einzelgänger, scheu und wortkarg ist er, seit er zurückkam aus der Großstadt, nachdem seine Eltern verstorben sind. Er arbeitet als Sprengmeister, da braucht er nicht gesellig zu sein. ...

Stubber ist ein Einzelgänger, scheu und wortkarg ist er, seit er zurückkam aus der Großstadt, nachdem seine Eltern verstorben sind. Er arbeitet als Sprengmeister, da braucht er nicht gesellig zu sein. Als elf Männer bei einer Explosion sterben, gibt man ihm die Schuld, schließlich war es sein Sprengstoff, da kann es anders nicht sein. Als sein Alibi bestätigt wird, sucht man im Tal den Täter, Stubber aber geht in die Berge, weil die Schuld ihn erdrückt. Die Schuld und die Sehnsucht nach seiner Frau.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um das Romandebüt des bekannten Schauspielers Wolfgang Maria Bauer. In bildhafter Sprache und Sätzen so karg wie die Landschaft, in der die Handlung spielt, erzählt er die Geschichte von Stubber. Mir hat der Roman gut gefallen, obwohl ich nicht sicher bin, die vielen ungesagten, zwischen den Zeilen stehenden Hinweise richtig verstanden zu haben. Manchmal verschwamm die Grenze zwischen der Realität und der Fiktion, ein bisschen Wahnsinn brach durch, ergab nicht immer, zumindest für mich, einen Sinn. Insgesamt ein außergewöhnlicher und stimmungsvoller Roman.

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Veröffentlicht am 14.12.2024

Guter Reihenstart mit großartigen Charakteren

Dorn. Hotel der Angst
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Karla Hofbauer vom Cold Case Management am Bundeskriminalamt in Wien wird in Deutschland ermordet, sie hat in Hamburg verdeckt ermittelt und kam dem Täter anscheinend zu nah. Weil sie unautorisiert dort ...

Karla Hofbauer vom Cold Case Management am Bundeskriminalamt in Wien wird in Deutschland ermordet, sie hat in Hamburg verdeckt ermittelt und kam dem Täter anscheinend zu nah. Weil sie unautorisiert dort war, werden die richtigen Schlüsse nicht gezogen, da die Verbindung fehlt. Einzig die Kriminalpolizistin Lea Wagner verbeißt sich in den Fall, erste Spuren führen die junge Frau nach Bad Gastein, wo in einem leer stehenden, mehr als renovierungsfälligen alten Hotel der ehemalige Kriminalpsychologe Simon Dorn Zuflucht gefunden hat. Zusammen jagen die beiden einen Serienmörder, der sein Ziel noch nicht erreicht hat.

»Am Ende verhielt es sich wie mit den meisten Fällen, die Dorn kennengelernt hatte: Es gab kein Schwarz oder Weiß, kein Gut oder Böse, kein Richtig oder Falsch. Bloß tausend Abstufungen in Grau - und ein Pendel dazwischen, das mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung schwang.« (Seite 370)

Der großartige Prolog verwirrte mich zu Beginn maximal und hat bereits bei der Leseprobe dafür gesorgt, dass ich der interessanten Geschichte entgegenfieberte. Leider ließ sich Jan Beck danach sehr viel Zeit, bis es tatsächlich richtig losging, was man damit erklären könnte, dass die Figuren langsam entwickelt und vorgestellt werden sollten, allerdings wurde da noch nicht wirklich viel über Lea und Simon verraten. Dies änderte sich zum Glück etwa in der Mitte des Buches, das Tempo zog beträchtlich an und der Nervenkitzel kam förmlich um die Ecke geschossen. Ab da ging es Schlag auf Schlag und ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Der Fall war kaum zu durchschauen, die vielen losen Fäden zu entwirren gelang mir tatsächlich lange Zeit nicht. Das hat mir echt gut gefallen, obwohl ich zwischendurch sicher war, dass sich die Teile nie zufriedenstellend zu einem Ganzen fügen würden. Jan Beck belehrte mich eines besseren und hat es letztendlich geschafft, meine dunkle Seite glücklich zu machen. Ich hoffe, im nächsten Teil mehr über die weiteren Zimmer im Hotel Dornwald zu erfahren und freue mich auf eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Gehen oder bleiben?

Zwei Leben
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Roberta kehrt 1971 nach drei Jahren Abwesenheit nach Hause in ein kleines Dorf in Süddeutschland zurück, das sie für eine Schneiderlehre in der Stadt verlassen hat. Hier gehört sie hin, wird eines Tages ...

Roberta kehrt 1971 nach drei Jahren Abwesenheit nach Hause in ein kleines Dorf in Süddeutschland zurück, das sie für eine Schneiderlehre in der Stadt verlassen hat. Hier gehört sie hin, wird eines Tages den elterlichen Bauernhof übernehmen und Bäuerin sein. Wilhelm, der Pfarrerssohn und Freund aus Kindertagen, ist noch da, in den folgenden Tagen und Wochen kommen sich beide näher und verlieben sich. Gertrud, Wilhelms Mutter, ist nie warm geworden mit dem Landleben. Ihrem Sohn wünscht sie nach dem Studium ein Leben außerhalb. Bald schon steht Roberta vor einer Entscheidung, die ihr Leben für immer verändern wird.

»Er lachte auch. Wie frei es aussah, wie schön. Wenn nicht in ihn, in sein Lachen hätte sie sich immer verlieben können. Manchmal kam es ihr vor, als wäre es die ganze Kindheit und Jugend so gewesen, und sie hatte es nur nicht gemerkt. Für einen Augenblick lastete es nicht auf ihr, worüber sie gleich reden musste. Für einen Augenblick sah es so aus, als könnte alles leicht ausgehen.« (Seite 233)

Roberta und Gertrud, wie unterschiedlich können Frauen sein. Die eine tief verwurzelt, mit einer großen Verbindung fürs Daheim und der Verantwortung, die sie bindet, egal ob da eine Sehnsucht ist oder nicht. Die andere seit Jahren im Wartemodus verharrend, unzufrieden und unglücklich, nie angekommen und permanent auf der Suche nach einem Ausweg, der sie herausführt aus der Enge des Dorflebens. Zwei Charaktere, die unterschiedlicher könnten nicht sein, deren Wege parallel laufen, ohne dass eine der beiden ahnen würde, es könnte vielleicht anders sein.

Die erste Hälfte des Buches war ruhig, Ewald Arenz ließ sich und der Entwicklung der Charaktere viel Zeit. Wahrscheinlich hat es deshalb ein wenig gedauert, bis ich angekommen bin in der Geschichte, bis der Zauber der Erzählung griff, dann aber zog es mich plötzlich rein. Ich habe nicht erwartet, welche Wendung die Geschichte genommen hat, war erschüttert und traurig, habe mitgelitten, geweint, tat mich schwer zu akzeptieren, welches Schicksal sich der Autor ausgedacht hat. Einfühlsam und emphatisch führte Ewald Arenz zu Ende, was er begann. Er zeigte im Buch, dass Glück und Unglück, Freude und Leid, sehr nah beieinander liegen und man dennoch immer irgendwo etwas Schönes finden kann, das Hoffnung gibt. Lest unbedingt mal rein!

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Veröffentlicht am 26.11.2024

Kleine Teufeleien

Feuerprobe
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Jugendliche Banden treffen in Venedig aufeinander, verabreden sich zu Flashmobs, prügeln aufeinander ein. Commissario Griffoni wird hinzugezogen und versucht herauszufinden, wie es dazu kommt und warum. ...

Jugendliche Banden treffen in Venedig aufeinander, verabreden sich zu Flashmobs, prügeln aufeinander ein. Commissario Griffoni wird hinzugezogen und versucht herauszufinden, wie es dazu kommt und warum. Brunetti befragt in diesem Zusammenhang eigene Quellen, zieht Signorina Elettra hinzu und kommt einem Ereignis auf die Spur, das mit dem Vater eines der Jungen zusammenhängt.

»Licht kann man nicht anfassen. Es erlaubt uns, Dinge zu sehen, aber wir sehen es nicht als etwas Eigenständiges: Wir sehen nur die Dinge, die es beleuchtet.« (Seite 266)

Commissario Brunettis dreiunddreißigster Kriminalfall fing interessant, aber sehr gemächlich an, startete anfänglich auch ohne ihn. Tatsächlich passierte auf den ersten über hundert Seiten so wenig, dass ich schon befürchten musste, dass es ereignislos weitergeht, als die Story plötzlich anzog, bekannte Namen auftauchten und eine Komponente hinzukam, die meine volle Aufmerksamkeit erhielt. Ein über zwanzig Jahre zurückliegendes Unglück brachte die Spannung ins Buch, die Ermittlungen überkreuzten sich. Wie üblich präsentierte die Autorin viele Probleme der heutigen Zeit und befasste sich sozialkritisch damit. Dennoch blieb der Roman ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück, wenn auch die zweite Hälfte durchaus an frühere Zeiten anknüpfen konnte. Für Fans der Reihe, zu denen ich mich zähle, trotzdem ein lesenswertes Buch, das mich insgesamt gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 31.08.2024

Mörderischer Spaß auf Zypern

Rosenblütensucht
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Panagiotis Polychroniadis, kurz Pana genannt, führt ein Café in Paphos, einer Stadt an der Südwestküste der Mittelmeerinsel Zypern. Ute ist kürzlich nach Paphos ausgewandert, hat eine Scheidung hinter ...

Panagiotis Polychroniadis, kurz Pana genannt, führt ein Café in Paphos, einer Stadt an der Südwestküste der Mittelmeerinsel Zypern. Ute ist kürzlich nach Paphos ausgewandert, hat eine Scheidung hinter sich und lernt Pana auf dessen Silvesterparty kennen. Als eines Tages ein Pick-up auf dem Bürgersteig vor dem Café mit einer Leiche auftaucht, ist die Aufregung groß. Hauptkommissar Yannis Polychroniadis, ein Cousin Patas, führt die Ermittlungen, ist dabei aber nicht sonderlich erfolgreich, sodass sich Pana selbst an die Aufklärung des Falles macht.

Der erste Zypern-Krimi von Tina Walde ist eine wunderbar leichte Sommerlektüre, bei der ich immer wieder das Gefühl hatte, selbst auf der Mittelmeerinsel zu sein. Der Cosy-Krimi glänzt durch humorvolle Momente, ein sommerliches Inselflair und enthält zur Abrundung eine Liebesgeschichte. Zu Beginn lernen wir die Akteure kennen, deswegen dauert es ein wenig, bis es kriminell wird. Da es sich beim vorliegenden Buch um den ersten Teil einer Reihe handelt, ist dies vonnöten, um ein Gespür für die Personen und das Leben auf der Insel zu entwickeln. Die Geschichte hat mir viel Spaß gemacht und ich freue mich auf ein Wiedersehen im sonnenverwöhnten Zypern.

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