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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2019

Ein Leseerlebnis - nicht nur für Kinder

Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe
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Eine liebe Miteule hatte mich auf "Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe" aufmerksam gemacht. Das liebevoll gestaltete Cover und die originellen Namen im Titel haben es mir dann unmöglich gemacht, dieses ...

Eine liebe Miteule hatte mich auf "Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe" aufmerksam gemacht. Das liebevoll gestaltete Cover und die originellen Namen im Titel haben es mir dann unmöglich gemacht, dieses Buch nicht weiter zu beachten.

Jedenfalls stelle ich es mir sehr schwer vor, ein Romanfragment weiter zu entwickeln und gar zu vollenden. Aber ich finde, dass das Wieland Freund hier vortrefflich gelungen ist. Die bunten, charakterstarken Figuren wurden vor meinem inneren Auge lebendig und mir gefiel besonders, dass jede Figur ihre Ecken und Kanten und Macken hatte. Ich fühlte mich beim Lesen selber mittendrin in Knirps' Abenteuer, das sich immer spannender entwickelte. Überraschende Wendungen liessen nie eine Langeweile aufkommen, so dass das Büchlein fast zu schnell ausgelesen war.

Die Illustrationen von Regina Kehn runden dieses schöne Leseerlebnis perfekt ab. Sie hat meiner Meinung nach den richtigen Pinselstrich getroffen, um die Geschichte zu untermalen und gleichzeitig die Phantasie weiter anzuregen.

Wieland Freunds Erzählkunst steht hier der von Michael Ende in nichts nach und ich bin überzeugt, dass dem verstorbenen Autor diese Weiterentwicklung seiner Idee auch sehr gut gefallen hätte. Da ich nach wie vor sehr gerne Kinder- und Jugendbücher lese, werde ich mir Wiland Freunds anderen Werke unbedingt Mal genauer anschauen.

Veröffentlicht am 09.11.2025

Ein besonderes Krimi-Erlebnis

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Zum Inhalt:
Vor dem Kauf eines Hauses, wendet sich der potenzielle Käufer an einen jungen Autor mit einer Affinität für das Okkulte, mit der Bitte, sich den Grundriss des geheimnisvoll anmutendes Hauses ...

Zum Inhalt:
Vor dem Kauf eines Hauses, wendet sich der potenzielle Käufer an einen jungen Autor mit einer Affinität für das Okkulte, mit der Bitte, sich den Grundriss des geheimnisvoll anmutendes Hauses anzusehen und zu beurteilen. Dabei fällt ihm ein versteckter, sprich "eingeschlossener" Raum ins Auge. Da ihm dieses Detail keine Ruhe lässt, kontaktiert er seinen Bekannten Kurihara, der als Architekt arbeitet. Zusammen finden sie immer mehr Hinweise darauf, dass in dem besagten Haus ein oder gar mehrere Verbrechen geschehen sein könnten. Je länger sie sich mit dem Grundriss beschäftigen, umso näher scheinen sie dem Geheimnis des versteckten Raumes auf die Spur zu kommen. Kann es sein, dass ein Kind dort eingesperrt wurde? Und hatte dieses Kind gar mehrere Morde begangenen?

Meine Gedanken zum Buch:
Die Kurzbeschreibung und die Aufmachung des Buches versprachen einen Krimi, der aus dem Genre-Standard heraussticht. Und da ich über Uketsus "Seltsame Bilder" schon so viel Gutes gehört hatte und dann die Möglichkeit bekam, "Das seltsame Haus" zu lesen, konnte ich nicht widerstehen. Und von Anfang an wurde meine Erwartung nach einer "ewas anderen und originellen Lektüre" erfüllt. Der Erzählstil ist in der Tat sehr eigen - durchaus auf positive Art. Die Geschichte wird in Form eines Dialogs erzählt und besticht vor allem in einer einfachen, aber dennoch eindringlichen Weise. Ich hatte das Gefühl zusammen mit dem Protagonisten und seinem Bekannten Kurihara an einem Tisch zu sitzen und den beiden ganz gebannt zuzuhören.

Es faszinierte mich, was die beiden alles aus dem Grundriss rauslesen konnten. Und auch wenn die Theorie, den versteckten Raum betreffend, auf den ersten Blick abstrus und von weit hergeholt erschien, blieb es auf fesselnde Weise plausibel und man konnte sich das beim Lesen gut vorstellen.

Die erste Hälfte las sich dadurch auch sehr flott, was natürlich auch an der eher ungewöhnlich kleinen Seitenzahl lag. Zudem wurde der Grundriss immer wieder mit abgedruckt, was ein wenig als "Seitenfüller" empfunden werden könnte. Für mich als Ebook-Leserin war das jedoch hilfreich, da man sich so die Theorien der beiden "Ermittler" immer wieder selbst anhand des Grundrisses vor Augen führen konnte.

In der zweiten Hälfte hat mich der Autor dann leider nicht mehr ganz so überzeugt. Ich hätte mir da die eine oder andere zusätzliche Überraschung gewünscht. Das hätte das Gefühl, einen Thriller zu lesen, bestimmt intensiviert. Stattdessen ging für mich die Spannung etwas verloren. Dennoch blieb sich der Autor mit seinem Erzählstil durchgehend treu, was mich auch weiterhin über die Seiten hat fliegen lassen. Für mich als Nicht-Japan-Expertin kam jedenfalls die Mentalität und die asiatische Zurückhaltung in diesem Buch sehr gut zur Geltung, was es für mich zusätzolich besonders macht.

Auch wenn die Begeisterung im zweiten Teil der Geschichte einen Dämpfer erlitten hat, habe ich das Buch sehr gerne gelesen. In der Zwischenzeit habe ich auch erfahren, dass "Das seltsame Haus" Uketsus eigentliches Debüt war. Daher freue ich mich umso mehr auf die Lektüre von "Seltsame Bilder", da er sich bei diesem zweiten Buch gesteigert zu haben scheint.

"Das seltsame Haus" ist für mich auf jeden Fall ein besonderes Leseerlebnis, das ich allen gerne weiterempfehle, die auch gerne Mal aus den üblichen Genre-Standards "ausbrechen" möchten.

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Veröffentlicht am 01.09.2024

Kai Meyers 2. Hommage an die Liebe zu Büchern und Geschichten

Die Bibliothek im Nebel
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Darum geht’s:
1917 in Sankt Petersburg tobt die Revolution. Der junge Bibliothekar Artur verliert seine Pflegefamilie und schafft es in letzter Sekunde zu fliehen. Und niemand ahnt, was für ein besonderes ...

Darum geht’s:
1917 in Sankt Petersburg tobt die Revolution. Der junge Bibliothekar Artur verliert seine Pflegefamilie und schafft es in letzter Sekunde zu fliehen. Und niemand ahnt, was für ein besonderes Manuskript er im Gepäck hat. Während der Flucht sind seine Gedanken schon in Leipzig, wo er nach seiner verlorenen Liebe Mara suchen will.

Knapp elf Jahre später entdeckt das Mädchen Liette auf dem Dachboden des Luxushotels ihres Onkels das Reisegepäck, das eine russische Familie eingelagert, aber nie abgeholt hatte. Die Kisten sind eine wahre Fundgrube für das Mädchen, das darin auch ein geheimnisvolles Buch, das mit einem Schloss gesichert ist, findet.

Liette wird erwachsen, vergisst aber auch nach fünfzig Jahren nie die Geschichte rund um die Bibliothek im Nebel in der alten Villa am Meer. Mithilfe des Gauners Thomas möchte sie unbedingt Mara, die Besitzerin des verschlossenen Buches, finden. Einige Hinweise führen nach Leipzig und auf die Spuren des Bibliothekars Artur.


So fand ich’s:
Drei Hauptschauplätze, drei Zeitabschnitte – und obwohl so manches weit auseinander scheint, verwebt Kai Meyer die Schicksale seiner Figuren so miteinander, dass die Geschichte zeitlos wirkt. Ja, auch dieses Kai-Meyer-Werk, das das Leipziger Graphische Viertel zum Thema hat, hat mir gut gefallen und mich stellenweise sehr berührt.

Allerdings bin ich etwas skeptisch an die Lektüre rangegangen. Konnte das gleiche Geschichtskonstrukt wie schon bei „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ ein zweites Mal funktionieren? Doch meine Zweifel wurden schnell zerstreut und sofort war ich vor allem wieder fasziniert von der intensiven Atmosphäre, die der Autor mit seinen Worten zu schaffen vermag.

Kurzzeitig wurde meine Begeisterung zwar etwas gedämpft. Der dritte Zeitabschnitt konnte mich nicht so richtig mitnehmen. Vor allem die erwachsene Liette war so gar nicht mein Fall. Einerseits gefiel mir ihre Begeisterungsfähigkeit und Sehnsucht nach der Bibliothek im Nebel. Gleichzeitig empfand ich sie als sehr oberflächlich, stellenweise sogar arrogant.

Aber man muss ja nicht alle Figuren mögen. Meine Lieblingsfigur ist hier klar Artur. Er ist sich und seiner Liebe – zu Mara und der Liebe zum Geschichtenerzählen – durchweg treu geblieben.

Ein besonderer Platz nimmt auch Grigori bei mir ein. Warum müsst ihr aber selbst nachlesen. Am besten fangt ihr – falls nicht schon geschehen – mit „Der Junge, die Bücher und die Nacht“ an. So gut mir „Die Bibliothek im Nebel“ gefallen hat, kommt es doch nicht ganz an den Vorgänger heran.

Auch als Hörbuch, das ich parallel zur Lektüre gehört habe, funktioniert die Geschichte sehr gut. Die verschiedenen Stimmen haben es mir leicht gemacht, am Plot dranzubleiben und auch bei den Zeitebenenwechseln nicht den Faden zu verlieren.

Die beiden Bücher können zwar unabhängig voneinander gelesen werden. Zusammengenommen sind die beiden Bücher für mich aber eine bewegende Hommage an die Liebe zu Büchern und Geschichten.

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Veröffentlicht am 01.09.2024

4,0 von 5 Sternen Frisch und fröhlich - eine Geschichte, die mit viel Augenzwinkern erzählt wird

Valentina Amor. All you need is love (oder so)
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Darum geht’s:
Für Valentina, die Tochter des Liebesgottes Amor, ist die Liebe das Größte, was es gibt. Sie wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem sie endlich ihre Ausbildung zur Liebesgöttin beginnen kann. ...

Darum geht’s:
Für Valentina, die Tochter des Liebesgottes Amor, ist die Liebe das Größte, was es gibt. Sie wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem sie endlich ihre Ausbildung zur Liebesgöttin beginnen kann. Ihr Vater und Ihre Großmutter sind jedoch skeptisch, ob sie schon bereit dazu ist. Als Amor aus Liebeskummer in Selbstmitleid versinkt und nicht mehr fähig ist, seinen Job auszuführen, bekommt Valentina dann doch endlich ihre große Chance, sich zu beweisen: Sie soll an einer Schule zwei Teenager zusammenbringen. Da sie alles über die Liebe weiß, fühlt sie sich absolut selbstsicher. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass Sterbliche so ganz anders ticken als die Götter, was sie in so manches Fettnäpfchen stapfen lässt. So langsam sieht sie ihre Chance dahinschwinden. Schafft sie es, das Ruder noch rumzureißen und dafür zu sorgen, dass die Teenager ihre Liebe finden?

So fand ich’s:
Der Liebesgott Amor kann selbst an Liebeskummer leiden? Laut der Autorin Sarah M. Kempen schon. Mit viel Witz beschreibt sie zu Beginn des Buches den erbärmlichen Zustand, indem sich Amor befindet. Trotz rosa Wolken und viel Liebesgedöns schafft er es nicht, sich schnell wieder aus dem Selbstmitleid zu befreien. Daher muss also seine Tochter Valentina ran.

Auf den ersten Blick wirkt Valentina wie ein modernes, junges Mädchen. Doch es wird dem Leser rasch klar, dass sie etwas Besonderes ist. Bei ihr dreht sich alles um die Liebe und ihren großen Wunsch, endlich Liebesgöttin zu sein.

Zu Beginn war mir alles fast ein wenig zu pink und zu fluffig. Trotzdem musste ich immer wieder vor mich hin grinsen und so rückwirkend betrachtet, ist es der Autorin wirklich absolut passend gelungen, Amors Haus und sein Leben darzustellen. Jedenfalls wird die Geschichte mit viel Augenzwinkern erzählt und es sind durchwegs Figuren, die man sehr schnell ins Herz schließt.

Auch wenn das Buch oberflächlich betrachtet recht schnulzig rüberkommt, ist es doch viel mehr als das. Klar, die Liebe und das Verliebtsein steht im Vordergrund. Aber man spürt, dass es der Autorin wirklich um die Unterhaltung und auch der Fröhlichkeit geht.

Für mich ist „Valentina Amor: All You need is Love (oder so) eine junge, frische und fröhliche Geschichte, über die ich mich sehr amüsiert habe.

Es wird einen zweiten Teil geben und auf den freue ich mich schon. Denn ab und zu braucht man einfach rosa Wölkchen und eine Gute-Laune-Lektüre, um dem Alltag zu entfliehen. Und zusammen mit Valentina gelingt das einem allemal.

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Veröffentlicht am 04.07.2024

Gelungene Fortetzung

Das Retreat
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Darum geht’s:
Die sagenumwobene Insel Reapers’s Rock, Fels des Sensenmanns, war vor einigen Jahren Schauplatz ungeheuerlicher Taten eines Serienkillers und gilt seitdem bei den Einheimischen als verflucht. ...

Darum geht’s:
Die sagenumwobene Insel Reapers’s Rock, Fels des Sensenmanns, war vor einigen Jahren Schauplatz ungeheuerlicher Taten eines Serienkillers und gilt seitdem bei den Einheimischen als verflucht. Trotzdem wurde an dem idyllisch wirkenden Ort eine luxuriöse Wellness-Anlage errichtet. Ein schrecklicher Todesfall erschüttert jedoch die Ruhe und Entspannung. Eine junge Frau, die gar nicht auf der Insel sein sollte, wird zerschmettert am Fuße des Yoga-Pavillons gefunden. Die Ermittlerin Elin Warner, die noch an den Folgen der Vorkommnisse im Sanatorium im Schweizer Ort Montana zu knabbern hat, wird auf die Insel geschickt. Alles deutet auf einen Unfall hin. Dennoch lässt Elin ein ungutes Gefühl nicht los, dass doch mehr dahinterstecken könnte. Ein weiterer mysteriöser Todesfall eines Tauchers scheint ihre Befürchtungen zu bewahrheiten.

So fand ich’s:
Da ist er also, der zweite Fall von Elin Warner. Ich hatte ja im ersten Teil „Das Sanatorium“ so meine Mühe mit der jungen Ermittlerin. Zum Ende des ersten Bandes hin hat sich jedoch einiges aufgeklärt und als deutlich wurde, warum Elin so ist, wie sie ist, konnte ich mich leichter mit ihr anfreunden. Und obwohl die Autorin durchaus ihr Erzähltalent gezeigt hatte, gab es noch Luft nach oben. Umso gespannter war ich auf ihren zweiten Streich.

Nun ist die letzte Seite umgeblättert, was ich übrigens mit einem zufriedenen Gefühl tun konnte, und ich finde, dass Sarah Pearse ihre eigene Messlatte mit diesem Buch tatsächlich höher gelegt hat. Diesmal geht es viel mehr um den eigentlichen Fall und auch Elins Entwicklung hat mir gut gefallen. Sie hat noch einen längeren Weg vor sich und der Autorin ist es echt gut gelungen, diese kleinen Fortschritte bildlich und realistisch darzustellen. Es wäre auch unglaubwürdig gewesen, wenn sie gar nicht mehr mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hätte. In diesem Band war dieser Erzählstrang jedenfalls um einiges besser und für meinen Geschmack angenehmer dosiert.

Der Plot entwickelt sich von Anfang an spannend und gerade auch wegen den unterschiedlichen Perspektiven sehr lebendig und abwechslungsreich. Zum Schluss hin bleiben von meiner Seite her keine Fragen offen. Oh, nein, das stimmt nicht ganz. Der fast unsichtbare rote Faden, der bereits am Ende des ersten Bandes gesponnen wurde, wird hier noch verlängert und macht neugierig auf den nächsten Teil.

Für mich ist „Das Retreat“ ein angenehm zu lesender und spannender Thriller, ohne zu blutig oder zu dramatisch zu werden. Auch wenn es sich hier um einen abgeschlossenen Fall handelt, würde ich empfehlen, „Das Sanatorium“ vorab zu lesen, um Elins Entwicklung besser nachvollziehen zu können.

Jedenfalls bleibe ich sehr gerne an dieser Reihe dran und werde Elin auch bei ihrem nächsten Fall begleiten und hoffe, dass der erwähnte rote Faden sichtbarer wird…

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