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Veröffentlicht am 03.01.2018

Für junge Leser geschrieben

Ikarus fliegt
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„Ikarus fliegt“ von Sally Christie hat eine große Stärke: es ist für 12-Jährige aus der Sicht eines Zwölfjährigen erzählt. Keine abgehobene Erwachsenenperspektive prägt das Buch. Alex, die Hauptfigur, ...

„Ikarus fliegt“ von Sally Christie hat eine große Stärke: es ist für 12-Jährige aus der Sicht eines Zwölfjährigen erzählt. Keine abgehobene Erwachsenenperspektive prägt das Buch. Alex, die Hauptfigur, schildert seine Sicht der Dinge, und dazu gehört auch, dass er selten so richtig den Durchblick hat.

Während man am Anfang bei „Ikarus fliegt“ noch den Eindruck hat, es handle sich um eine typische Anti-Mobbing-Geschichte, weil Alex ständig darüber philosophiert, auf welche Art und Weise man nicht zum Opfer in der Klasse wird, entwickelt sich das Buch immer mehr zu einer Geschichte um Freundschaft und Mut. Denn ein Mitschüler aus Alex‘ Klasse verteilt heimlich Zettel, die sagen: Ein Junge wird fliegen, wie Ikarus. Und schnell wird klar: Alex‘ Strategie, möglichst nicht aufzufallen, kann bald nicht mehr funktionieren.

Überzeugend ist dabei vor allem die Darstellung, wie zaghaft Freundschaft entsteht. Denn Alex findet heraus, von wem der Zettel stammt und will bei dem Abenteuer Ikarus mitmachen und zwischen den beiden Jungen entsteht nach und nach eine zaghafte Freundschaft. Die Gefahr sieht Alex zunächst nicht.

Dass am Schluss des Buches noch aus einer zweiten Perspektive erzählt wird, um die Handlung zu einer guten Auflösung zu bringen, ist schade. So braucht es doch den deus ex machina, der in die Handlung eingreift. Dabei ist es gerade die Frage, ob der Flug des „Ikarus“ nun gut ausgeht, die für Spannung sorgt. Da bleibt es nicht aus, dass man als Leser ein wenig enttäuscht zurückbleibt.

Fazit: Ein Buch, das für junge Leser bis 12 spannend ist, älteren dürfte die Handlung zu konstruiert und die Charaktere nicht nah genug sein.

Veröffentlicht am 23.12.2017

Sträter eben

Als ich in meinem Alter war
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Es ist, als ob man Torsten Sträter lesen hört, wenn man in seinem neuen Buch liest. Die Pausen. Die abgehackten Pointen. Das abrupte Hineinrutschen ins Groteske. Das Lakonische.

„Als ich in meinem Alter ...

Es ist, als ob man Torsten Sträter lesen hört, wenn man in seinem neuen Buch liest. Die Pausen. Die abgehackten Pointen. Das abrupte Hineinrutschen ins Groteske. Das Lakonische.

„Als ich in meinem Alter war“ enthält Sträter-Texte, die teilweise schon etwas älter sind. Viele der Texte dürften eingefleischten Sträter-Fans also schon bekannt sein. Allen voran der Klassiker „Fleischwurst“, in dem Sträter grandios erzählt, wie man ohne Geld eine Fleischwurst kaufen kann und wie man ein Kind in eine Spielhalle schmuggelt.

Sträters Texte sind zumeist durchkomponiert, mit – mindestens – einer Pointe und Querverweisen innerhalb des Textes. Dabei sagt Sträter über sich: „Wissen Sie, ich bin ein ganz schlichter Vogel. Grade was Komik angeht.“ Der trockene Humor Sträters und die Mischung von Komik und Kabarett machen ihn so lesens- und vor allem hörenswert.

Allerdings verliert das Buch im zweiten Teil etwas. Die hohe Qualität der Texte ist hier nicht mehr durchgängig da. Vor allem die Texte zum Thema Sport sind nicht so recht gelungen, und die Qualität der Texte sinkt manchmal vom abstrus Komischen zum Albernen ab. Auch seine Texte als „Pressesprecher“ haben bei mir oft nur ein leichtes Lächeln hervorgerufen. Das wird allerdings im Buch ausgeglichen durch überraschend ernsthafte Texte mit einem Anliegen wie zum Beispiel die Texte „Darmspiegelung“, „Flüchtlingsgesetz“ und „Pegida“ („nichts weiter als eine Butterfahrt des Hasses“) aus dem Jahr 2015.

„Als ich in meinem Alter war“ bietet eine gute Mischung an Texten Sträters, die sich zwischen Alltagsproblemen und Weltkrisen bewegen. Wenn auch nicht alle Texte gleichermaßen ausgefeilt sind: lesenswert.

Veröffentlicht am 09.08.2026

Fünf Geschichten mit überraschenden Wendungen

Alles Liebe
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Fünf Geschichten, zwischen Kurzgeschichte und Erzählung zu verorten, gibt Ronja von Rönne ihren Lesern mit. Fünf Geschichten, in denen es um Lebensentscheidungen geht – oft sind es welche, die nicht so ...

Fünf Geschichten, zwischen Kurzgeschichte und Erzählung zu verorten, gibt Ronja von Rönne ihren Lesern mit. Fünf Geschichten, in denen es um Lebensentscheidungen geht – oft sind es welche, die nicht so ganz nachvollziehbar sind. Und ja: „Alles Liebe“ , in allen Geschichten geht es irgendwie auch um Liebe.

Gemeinsam haben alle fünf Geschichten das Scheitern. Denn alle fünf Hauptfiguren ertragen etwas nicht und schlittern darauf zu, daran zugrunde zu gehen. Laura nutzt ihre krebskranke Freundin aus, um selbst im Mittelpunkt zu stehen, sie erträgt es nicht, nur am Rande zu stehen. Barbara, die mit dem Tod des eigenen Kindes nicht umgehen kann, ihn nicht erträgt, stürzt sich in eine Shopping-Orgie. Christina eträgt die Welt nur in Miniaturen und bastelt sich ihre eigene Welt. Mattis erträgt nicht den Erfolg seiner Journalistenkollegin und lernt, schmutzige Tricks anzuwenden. Heike erträgt die Enge ihrer Beziehung nicht, in der die Schwiegermutter eine dominante Rolle hat.

Ronja von Rönne schreibt nüchtern, schnörkellos. Gedrechselte Sätze findet man nur selten bei ihr. Daher verwundert es einen etwas, dass Rönne im Nachwort beschreibt, wie schwer ihr das Schreiben gefallen ist. Dass sie keinen Roman mehr schreibe will.

Roman? Ja, im Untertitel steht das Wort Roman. Aber ehrlich: ein Roman ist das nicht. Es ist eine Ansammlung von fünf Geschichten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein Roman ist etwas anderes. Die Geschichten wirken eher leicht, schnell heruntergeschrieben und gerade nicht kunstvoll gedrechselt oder komplex strukturiert.

Alle Geschichten haben mir nicht zugesagt, die Marotten der Figuren sind doch sehr exzessiv dargestellt. Das ist auch mal ermüdend. Nichtsdestotrotz gelingt es Rönne fast immer am Schluss, einen Überraschungsmoment einzubauen. Diese Wendepunkte sind es, die den fünf Geschichten ihren besonderen Charakter verleihen.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Starker Anfang, schwaches Ende

Ungebetene Gäste
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Eigentlich ist es ein kleines Kind, das die Hauptrolle in Ayelet Gundar-Goshens neuem Roman „Ungebetene Gäste“ spielt. Der Junge wirft einen Hammer vom Balkon, den ein Handwerker dort liegengelassen hat. ...

Eigentlich ist es ein kleines Kind, das die Hauptrolle in Ayelet Gundar-Goshens neuem Roman „Ungebetene Gäste“ spielt. Der Junge wirft einen Hammer vom Balkon, den ein Handwerker dort liegengelassen hat. Das klingt zunächst nicht weiter dramatisch. Doch der Hammer trifft den Sohn des Gemüsehändlers um die Ecke. Und der stirbt.

Im Chaos, das danach entsteht, gehen die Nachbarn davon aus, dass der Handwerker den Hammer heruntergeworfen hat. Von einem Terrorakt ist schnell die Rede, denn der Handwerker ist ein Araber und das Ganze spielt in Israel. Die Polizei verhaftet den Mann.

Nur die Mutter weiß, was tatsächlich geschehen ist. Und die schweigt. Drei Tage lang. Dann erst geht sie mit ihrem Mann zur Polizei.

Wer hat aber nun schuld am Tod des jungen Mannes auf der Straße? Der Gerichtsprozess, der nur am Rande erwähnt ist, sieht die Schuld eindeutig beim Handwerker, der sorgfältiger hätte sein müssen. Die Eltern des Kindes leisteten sich einen guten Anwalt, der es so hingebogen bekommt. Die Schuld ist abgewälzt. Der Araber wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Schreiende Ungerechtigkeit – gespeist vom alltäglichen Rassismus Israels.

Die Eltern verlasen mit ihrem Kind das Land, doch die Schulgefühle bleiben auch in Nigeria, wo sie jetzt wohnen. Auch, weil der älteste Sohn des Handwerkers sie immer wieder anruft und Wiedergutmachung in Form von Geld fordert. Recht bekommen und Gerechtigkeit können eben zwei unterschiedliche Paar Stiefel sein.

Im ersten Teil bietet „Ungebetene Gäste“ einen spannenden Plot und wirft moralische Fragen auf. Allerdings verläuft sich die Handlung mit dem Wegzug aus Israel in vielen Nebenhandlungen. Das Ende wirkt – so viel sei verraten – wie die Auflösung eines Kriminalfalls – der aber erst am Schluss überhaupt aufkommen. Immerhin: Ein versöhnliches Ende ist angedeutet.

Fazit: Mich hat „Ungebetene Gäste“ nicht wirklich überzeugt. Nach einem starken Beginn kommt nicht mehr viel. Die Figuren sind vielschichtig angelegt, aber auch sehr schwammig.

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Veröffentlicht am 01.09.2024

Ein Buch, das den Leser unzufrieden zurücklässt

Juli, August, September
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Eigentlich ist es Anne Frank, die das Leben von Lou durcheinanderbringt. Denn beim Übernachten bei einer Freundin liest Lous Tochter Rosa ein Kinderbuch über Anne Frank und erfährt so zum ersten Mal von ...

Eigentlich ist es Anne Frank, die das Leben von Lou durcheinanderbringt. Denn beim Übernachten bei einer Freundin liest Lous Tochter Rosa ein Kinderbuch über Anne Frank und erfährt so zum ersten Mal von Adolf Hitler und dem Holocaust. 

In der Folge stellt sich Lou zahlreiche Fragen zur Erziehung ihrer Tochter. Denn die ist nach ihrer Urgroßmutter Rosa, einer Holocaust-Überlebenden, benannt. 

Es bleibt dabei nicht bei der Frage, ob die eher säkular lebende Familie nun den Sabbat feiern sollte, damit Rosa die jüdischen Traditionen erleben kann. Vielmehr beginnt Lou, sich für die Familiengeschichte zu interessieren. 

Schließlich reist sie zu einem Familientreffen auf Gran Canaria, um mehr darüber zu erfahren. Bald muss Lou aber erkennen, dass ihr Unterfangen alles andere als einfach ist. Manche Familienmitglieder wollen die Vergangenheit auf sich beruhen lassen, andere verändern die Geschichten aus der Vergangenheit nach ihrem Gutdünken. Wieder andere sind bereits gestorben. 

Die Familienkonstellation erweist sich als vermintes Gelände. Das ist angenehm humorvoll erzählt. 

Ein wenig enervierend ist der Erzählstrang um Lous Ehe mit all den Eheproblemen und der gefährdeten Karriere des Ehemanns als Pianist. Auch Nebenfiguren wie die Putzkraft bekommen eine irritierend große Bedeutung. 

Das wäre alles verkraftbar, wäre Lous Ausflug in die Vergangenheit wenigstens von Erfolg gekrönt. Das ist allerdings nicht so. Daher erweist sich "Juli, August, September" als ein eher seicht daherkommendes Buch, das einen am Schluss unzufrieden zurücklässt. 

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