Platzhalter für Profilbild

meggie3

Lesejury Profi
offline

meggie3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit meggie3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2024

Unterschwelliger Grusel

Der lange Schatten
0

Imogen hat vor einigen Monaten ihren Ehemann bei einem Autounfall verloren. Nach dem ersten Schock beginnt sie mit den Überlegungen, was sie mit dem großen Haus anstellen möchte. Doch schnell quartieren ...

Imogen hat vor einigen Monaten ihren Ehemann bei einem Autounfall verloren. Nach dem ersten Schock beginnt sie mit den Überlegungen, was sie mit dem großen Haus anstellen möchte. Doch schnell quartieren sich über die Weihnachtsferien die Exfrau ihres Mannes, ihr Stiefsohn, ihre Stieftochter mit Kindern und Ehemann sowie eine weitere junge Frau bei ihr ein. Außerdem wird ihr von einem Bekannten unterstellt, ihren Ehemann ermordet zu haben. Und dann passieren im Haus unerklärliche Dinge…

Celia Fremlin beschreibt die Wochen um Weihnachten sehr ruhig, aber auch sehr intensiv. Sie lässt mit ihrem Schreibstil Bilder entstehen und die Atmosphäre greifbar werden. Das macht für mich den Roman aus: der unterschwellige Grusel und die Frage, was in dem Haus vor sich geht.

Da ich hauptsächlich zeitgenössische Romane lese, war es für mich spannend, ein im Original 1975 erschienenes Buch dieses Genres zu lesen. Die ruhige, unterschwellige Spannung finde ich außergewöhnlich und sehr abwechslungsreich im Vergleich zu aktuelleren Romanen dieses Genres.

Ich kann mir den Roman wirklich sehr gut als Theaterstück vorstellen, das ich gerne besuchen würde.

Ich würde den Roman allen empfehlen, die sich auf einen ruhigen, aber sehr atmosphärischen Roman einlassen mögen. Mir hat er gut gefallen.

Veröffentlicht am 28.09.2024

Vom Aufwachsen und Entfremden

Ich komme nicht zurück
0

Hanna wächst in den 80er/90er-Jahren bei ihren Großeltern in einer Arbeitersiedlung im Ruhgebiet auf. Gemeinsam mit ihrem Freund Cem hat sie die Tage und Ferien verbracht. Als Zeyna mit ihrem Vater nach ...

Hanna wächst in den 80er/90er-Jahren bei ihren Großeltern in einer Arbeitersiedlung im Ruhgebiet auf. Gemeinsam mit ihrem Freund Cem hat sie die Tage und Ferien verbracht. Als Zeyna mit ihrem Vater nach Deutschland kommt, nehmen Hanna und Cem und auch die Großeltern die beiden herzlich auf.
Sie werden erwachsen und Jahre später haben Hanna und Zeyna keinen Kontakt mehr. Als nach Hannas Großvater auch die Großmutter stirbt, kehrt Hanna zurück in die Stadt und das Viertel ihrer Kindheit und Jugend. Sie muss sich dem stellen, was zur Entfremdung zwischen den Freunden, aber insbesondere ihr und Zeyna, geführt hat...

Ich mochte den Roman sehr gerne lesen. Der Schreibstil ist zum Teil etwas ungewöhnlich und poetisch, hat mir aber gut gefallen. Insbesondere die erste Hälfte des Romans hat mich sehr gefesselt. Auch wenn mich die zweite Hälfte nicht mehr ganz so gepackt hat, habe ich gerne und gespannt weitergelesen.
Der Autorin gelingt es sehr eindrücklich, die Atmosphäre und das gemeinsame Aufwachsen zu beschreiben, sodass ich das Gefühl hatte, die beschriebenen Szenen vor Augen zu haben. Aber auch die Unterschiede in der Wahrnehmung von Hanna und Zeyna werden sehr deutlich. Die Entwicklung von Hanna, aber auch von Cem und Zeyna, habe ich als sehr realistisch empfunden.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich würde ihn auf jeden Fall weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 02.09.2024

Vielsprechender Reihenauftakt

Tode, die wir sterben
0

Im Malmöer Stadtteil Hermodsdal wird ein dreizehnjähriger Junge auf offener Straße erschossen. Da es zunächst nach einem verunglückten Anschlag im Gangmilieu aussieht, werden der frisch verwitwete Jon ...

Im Malmöer Stadtteil Hermodsdal wird ein dreizehnjähriger Junge auf offener Straße erschossen. Da es zunächst nach einem verunglückten Anschlag im Gangmilieu aussieht, werden der frisch verwitwete Jon Nordh und Svea Karhuu, die nach einem verunglückten Undercovereinsatz aus Stockholm abgezogen wurde, mit dem Fall betraut. Dies stößt bei der eigentlich zuständigen Soko gegen Gangkriminalität nicht wirklich auf Zustimmung. Doch bald fallen Ungereimtheiten auf und es kommen die ersten Zweifel auf, ob es sich tatsächlich um eine Tat im Gangmilieu handelt.

Sowohl Svea Karhuu als auch Jon Nordh haben sich von traumatischen Erlebnissen zu erholen und kämpfen mit ihrer Geschichte. Die beiden Ermittler:innen sind sehr unterschiedlich, was das Duo so interessant macht. Insbesondere Jon scheint im Laufe des Krimis eine Entwicklung durchzumachen, die ich durchaus realistisch finde.

Besonders gelungen finde ich aber die Beschreibung der Atmosphäre in dem sogenannten Brennpunktstadtteil Hermodsdal, in dem die Kriminalitätsrate hoch ist. Die zum Teil bedrückenden Situationen waren sehr eindrücklich und es wurde meiner Meinung nach sehr deutlich, wie leicht man in Gangaktivitäten „rutschen“ kann.

Der Plot hat sich langsam entwickelt, da den beiden Protagonist:innen viel Raum gegeben wurde. Mit der Zeit hat sich das Tempo verschärft und ich fand den Krimi richtig spannend. Es werden viele sehr aktuelle Themen eingebunden, die nachdenklich machen.

Ich werde sicherlich weitere Bände um Nordh und Karhuu lesen und bin gespannt, wie das Autor:innenduo die beiden Charaktere weiterentwickelt.

Ich würde „Tode, die wir sterben“ Krimi-Fans empfehlen, die aktuelle gesellschaftliche Themen interessieren und die die Entwicklung der Protagonist:innen spannend finden.

Veröffentlicht am 06.08.2024

Ein berührendes Leseerlebnis

In den Farben des Dunkels
0

Patch und Saint wachsen in den 70-ern gemeinsam im US-amerikanischen Monta Clare auf. Beide sind eher Außenseiterinnen, Patch hat nur ein Auge und Saint begeistert sich für ihre Bienen und die Herstellung ...

Patch und Saint wachsen in den 70-ern gemeinsam im US-amerikanischen Monta Clare auf. Beide sind eher Außenseiterinnen, Patch hat nur ein Auge und Saint begeistert sich für ihre Bienen und die Herstellung von Honig. Als Patch beobachtet, wie die stadtbekannte Misty Meyer in Gefahr ist, greift er ein. Sie kann fliehen, während er entführt wird. Saint setzt alle Hebel in Bewegung, um ihren Freund zu finden. Doch auch nach der erfolgreichen Befreiung wirkt die fast ein Jahr dauernde Gefangenschaft nach. Patch macht sich auf die Suche nach Grace, dem Mädchen, das mit ihm im dunklen Keller war. Saint versucht ihre Freundschaft aufrechtzuerhalten und unterstützt ihn so gut sie kann. Beide Leben drehen sich über Jahrzehnte um die Suche nach Grace und der Wahrheit…

Für mich ist in „In den Farben des Dunkels“ ein ganz besonderer Roman. Chris Whitaker hat es über die fast 600 Seiten geschafft, die Spannung jederzeit hochzuhalten. Sein Schreibstil ist sehr ruhig und es hat mir viel Freude gemacht, mitzuleiden und mitzufiebern. Die Charaktere sind authentisch und sehr liebevoll beschrieben. Nicht nur Saint und Patch haben viel Tiefe, auch alle anderen Charaktere sind mehrdimensional. Die Entwicklung der Charaktere ist sehr gelungen und ich habe mit den beiden Protagonist
innen sehr mitgefiebert. Die Beziehung zwischen Saint und Patch ist wirklich besonders und interessant.

Ich fand sehr spannend, wie Chris Whitaker die Auswirkungen eines so traumatischen Erlebnisses beschreibt und wie es das gesamte Leben vieler verschiedener Personen bestimmt.

„In den Farben des Dunkels“ ist toll geschrieben und absolut empfehlenswert, für alle, die sich auf berührende Literatur einlassen möchten. Es geht um Freundschaft, Liebe, Hingabe und Verzweiflung. Insgesamt ist es ein sehr emotionaler, umfangreicher Roman und sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Chris Whitaker gelesen habe.

Veröffentlicht am 06.08.2024

Starke Fortsetzung

Signum
0

Kim Ribbing hat beschlossen, einige Antworten auf seine Fragen bekommen zu wollen. Dazu entführt er seinen früheren Peiniger, den Psychiater Martin Rudbeck. Als alles anders läuft als geplant, muss Kim ...

Kim Ribbing hat beschlossen, einige Antworten auf seine Fragen bekommen zu wollen. Dazu entführt er seinen früheren Peiniger, den Psychiater Martin Rudbeck. Als alles anders läuft als geplant, muss Kim reagieren. Und auch die Schriftstellerin Julia Malmros, seine Freundin, muss die Entscheidung treffen, auf welcher Seite des Gesetzes sie in diesem Fall stehen möchte bzw. kann. Sie selbst recherchiert zu der rechtsextremen Bewegung der „wahren Schweden“. Außerdem beschäftigt sie der Umgang mit dem Sterben, da ihr Vater alt und krank ist und ihre Vertraute und Freundin Irmi das Thema immer wieder thematisiert.

In dem Thriller ist thematisch sehr viel drin, auch unabhängig von der „reinen“ Thrillerhandlung. Mir hat die Mischung aber gut gefallen. Die Charaktere werden im Vergleich zum ersten Teil nochmal weiterentwickelt und haben viel Tiefe. Mich hat der Thriller wie schon Band 1 sehr gefesselt. Auch wenn es nicht klassisch um das Aufklären eines Verbrechens geht, wie ich es sonst gerne mag, fand ich das Buch sehr spannend. John Ajvide Lindqvist gelingt ein guter Spannungsaufbau und er spielt mit Charakteren, die Ecken und Kanten haben. Gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr gut herausgearbeitet.

Ich würde empfehlen, den ersten Teil (Refugium) zuerst zu lesen, da einige Zusammenhänge dadurch besser verständlich sind und im zweiten Teil Aspekte vorweggenommen werden, sodass aus meiner Sicht das Lesen des ersten nach dem zweiten Teil nicht mehr viel Sinn macht.

Ich freue mich schon sehr auf den dritten Band, den ich mit Sicherheit auch lesen werde.