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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2024

Irgendwo dazwischen

Verlassene Nester
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Ein Ort in Ostdeutschland kurz nach der Wende, drei Mädchen im Teenager-Alter spielen Machtspielchen, die Erwachsenen hängen noch irgendwo zwischen den Systemen. Die 13-jährige Pilly wächst beim Vater ...

Ein Ort in Ostdeutschland kurz nach der Wende, drei Mädchen im Teenager-Alter spielen Machtspielchen, die Erwachsenen hängen noch irgendwo zwischen den Systemen. Die 13-jährige Pilly wächst beim Vater auf, ihre Mutter ist irgendwann verschwunden, die Tanten bieten ihr weibliche Fürsorge.
Große Teile des Buchs nimmt die Dynamik der „Freundinnen“ ein, die im Freien herumhocken und gelangweilt scheinen. Pilly, die dazugehören will, wird erniedrigt, und das hätte für meinen Geschmack nicht ständig wiederholt werden müssen.
Die eigentlich spannenden Fragen, die sich beispielsweise um Verrat oder Verlassen drehen, werden angedeutet, aber nicht vollständig aufgeklärt. „Mein Vater gab der »Wende« die Schuld am »Personalmangel«, und wie immer, wenn es in den Gesprächen der Erwachsenen um die Wende ging, verstand ich kein Wort.“ Nun betrifft dies zwar mehr die ältere Generation, doch auch in der präsenteren Kinderebene wäre das Wahrnehmen des anderen Systems ein interessanter Aspekt gewesen, doch dieser wird gar nicht beleuchtet.
Und so bin ich nach der Lektüre dieses Buchs etwas unbefriedigt in Anbetracht meiner Erwartungen an den Inhalt. Die Sprache, die das Vokabular von Ort und Zeit berücksichtigt, und die Erzählweise, die durch den Wechsel von Perspektiven für Einblicke sorgt, habe ich als sehr ansprechend empfunden.

Veröffentlicht am 09.09.2024

Kursbuch, natürlich

Kursbuch 218
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Das Kursbuch 218 enthält eine Sammlung von Beiträgen, die unter der Überschrift „Von Natur aus“ zusammengefasst werden. Es handelt sich dabei vorwiegend um Essays, aber auch Grafiken, Fotos und Interviews ...

Das Kursbuch 218 enthält eine Sammlung von Beiträgen, die unter der Überschrift „Von Natur aus“ zusammengefasst werden. Es handelt sich dabei vorwiegend um Essays, aber auch Grafiken, Fotos und Interviews sind enthalten.
Mir gefällt am Kursbuch, dass durch die unterschiedlichen Urheber verschiedene Aspekte eines Themas beleuchtet werden. Diesmal geht es beispielsweise um natürliche Ernährung, um Müll oder aber um künstliche Intelligenz.
Und wie das bei solch einer bunten Mischung nicht anders sein kann, nehme ich jeden Beitrag anders auf und mal mehr, mal weniger daraus mit. Soll heißen: Einige Texte habe ich als derart wissenschaftlich-speziell empfunden, dass es mir schwerfiel, der Argumentation zu folgen. Andere Texte haben mir neue Blickwinkel geboten oder mich durch ihre Art sogar zum Lachen gebracht. „Und selbstverständlich kann man sich auch aus radioaktiven Abfällen eine Halskette basteln - man wird sie nur nicht lange tragen.“ (Roman Köster: Alles Müll, oder was?)
Das Kursbuch ist jedenfalls immer eine gute Empfehlung für die Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben.

Veröffentlicht am 02.09.2024

Evolution

Die Magie der Gemeinschaft
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Der Mensch steht zwischen dem Tier und der künstlichen Intelligenz. Sie sind quasi seine Vergangenheit und seine Zukunft. Was die drei „Arten“ gemeinsam haben, versucht ein Verhaltensforscher in diesem ...

Der Mensch steht zwischen dem Tier und der künstlichen Intelligenz. Sie sind quasi seine Vergangenheit und seine Zukunft. Was die drei „Arten“ gemeinsam haben, versucht ein Verhaltensforscher in diesem Buch zu klären.
Anhand verschiedener wissenschaftlicher Methoden wird dargelegt, wie viele Ähnlichkeiten wir mit verschiedenen Tieren haben. Unser Steinzeitgehirn tut sein Übriges, damit wir uns ihnen dennoch überlegen fühlen. „Genau da liegt das Problem, die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, dass wir viel tierischer sind, als wir es wahrhaben wollen, und dass uns Tiere viel ähnlicher sind, als wir glauben.“
Was KI angeht, stehen wir noch am Anfang der Entwicklungen. Dementsprechend gibt es zwar Beobachtungen, aus denen Spekulationen entstehen, aber noch keine fundierten Erkenntnisse. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass künstliche Intelligenz stärker als ein Mensch werden und Regeln für das Miteinander vonnöten sein könnten.
Karsten Brensing hat viele interessante Aspekte angeschnitten, es aber nicht geschafft, mich vollends zu überzeugen. Den Großteil des Buchs nehmen die Kapitel zu tierischem Verhalten ein, und als es dann endlich um KI geht, wird es stellenweise recht trocken. Aufgrund der unübersichtlichen Struktur fiel es mir schwer, den Zusammenhang oder die Kernaussagen zu finden. Da mich „Die Magie der Gemeinschaft“ thematisch ansprach, bin ich etwas enttäuscht von der Umsetzung.

Veröffentlicht am 16.08.2024

Mystisches Prag

Der Bezoar
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Zwei Österreicher, die sich im November des Jahres 1594 ihrer Arbeit wegen in Prag aufhalten, werden in eine Mordermittlung verwickelt. Alles scheint sich um einen Bezoar, einen Stein mit besonderen Kräften, ...

Zwei Österreicher, die sich im November des Jahres 1594 ihrer Arbeit wegen in Prag aufhalten, werden in eine Mordermittlung verwickelt. Alles scheint sich um einen Bezoar, einen Stein mit besonderen Kräften, zu drehen. Hier trifft das Vertrauen in Alchemie auf wissenschaftliche Methoden, um den Täter zu enttarnen.
„‚Welch ein Glück‘, dachte der junge Salzamtsgegenschreiber bei sich, ,dass es die Lingua Latina gibt, die alle Gebildeten lesen und sprechen, und die es einem, egal aus welchem Land Europas man kommt, ermöglicht, sich trotz verschiedener Muttersprachen ohne Dolmetscher miteinander zu unterhalten.‘“
Mein Hadern mit diesem Roman betrifft die Sprache. Die häufige Verwendung des Wortes „trotzdem“ als Konjunktion empfand ich als besonders störend. Zudem fehlten mir Erklärungen für spezifische Funktionsbezeichnungen der Figuren für das Verständnis ihrer Aufgaben.
Gut gefallen hat mir hingegen, wie eine mystische Atmosphäre geschaffen wurde. Ich konnte mit der Hauptfigur mitfiebern, da sie sympathisch dargestellt wurde und nicht sicher sein konnte, wem zu trauen war. Die Auflösung des Kriminalfalls war noch dazu so komplex, dass es bis zum Ende spannend blieb.

Veröffentlicht am 14.07.2024

Bunt und gesund

Healing Kitchen - Quick & Easy
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Mit ihrer persönlichen Geschichte über den eigenen Umstieg auf anti-entzündliche Ernährung beginnt Shabnam Rebo ihr Kochbuch „Healing Kitchen - Quick & Easy“. Im Einstiegsteil bietet sie des Weiteren Kombinationsmöglichkeiten ...

Mit ihrer persönlichen Geschichte über den eigenen Umstieg auf anti-entzündliche Ernährung beginnt Shabnam Rebo ihr Kochbuch „Healing Kitchen - Quick & Easy“. Im Einstiegsteil bietet sie des Weiteren Kombinationsmöglichkeiten für die einzelnen Gerichte zur Vorbereitung oder Resteverwertung an.
Die achtzig Rezepte werden eingeteilt nach Basics, Frühstück & Brunch, Für jeden Tag, Comfort Food und Sweets. „Zu jedem Rezept findest du einen Tipp, der den gesundheitlichen Nutzen der Zutaten kurz und knapp erklärt.“ Außerdem gibt als Appetithäppchen immer eine kleine Botschaft der Köchin, die beispielsweise zu Alternativen anregt. Die weitere Formulierung ist dann sachlich gehalten.
Mir gefällt die Vielfalt der veganen Gerichte - da trifft Italien auf Marokko oder Persien, und auch ganz Bodenständiges, wie eine Erbsenstulle, ist dabei. Das Kochbuch ist ansprechend mit ganzseitigen Fotos gestaltet, der Text übersichtlich in Zutaten und Zubereitung aufgeteilt. In der Testküche wurden ein Dattel-Curry-Dip und eine grüne Frühlingsminestrone ausprobiert, was einfach gelang, schmeckte und gut verträglich war.
Aufgefallen ist jedoch, dass den Hinweisen nicht unbedingt intuitiv zu folgen war (Ist nun die rohe oder die gefrorene Variante gemeint, die eine oder die andere Bohnensorte, wenn einfach nur von Bohnen gesprochen wird?). Zudem empfand ich die Mengenangaben als unpraktisch (ich gebrauche ja nicht 80 g Fenchel und lasse den Rest der Knolle übrig); meine Verwendung größerer Mengen und vorwiegend frischer Zutaten hat also zu einem höheren Zeitaufwand geführt als angegeben. Davon lasse ich mich aber nicht abschrecken, denn es lachen mich noch viele Rezepte an, die ausprobiert werden wollen!