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Veröffentlicht am 09.09.2024

Zauberhaftes Vorlesebuch

Lina und der Schnee-Engel
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Als die kleine Lina eines Nachts aufwacht, sieht sie zu ihrer Verwunderung einen Engel neben ihrem Bett. Der erzählt ihr, dass sie selbst ihn ins Leben gerufen hat, als sie im letzten Winter draußen einen ...

Als die kleine Lina eines Nachts aufwacht, sieht sie zu ihrer Verwunderung einen Engel neben ihrem Bett. Der erzählt ihr, dass sie selbst ihn ins Leben gerufen hat, als sie im letzten Winter draußen einen Schnee-Engel gemacht hat. Nun ist Lina krank und der Engel verspricht ihr, sie zu beschützen. Tatsächlich ist das Mädchen bald darauf wieder gesund, doch sie sehnt sich nach ihrem Schnee-Engel. Und so viel sie auch nach ihm ruft, er will einfach nicht auftauchen. Da schmiedet Lina einen aberwitzigen Plan, um den Engel aus der Reserve zu locken.

Die nordirische Autorin Maggie O‘Farrell ist bisher hauptsächlich für ihre Romane bekannt, so zum Beispiel für „Judith und Hamnet“ oder „Porträt einer Ehe“. Im Jahr 2020 erschien jedoch ihr erstes Kinderbuch „Lina und der Schnee-Engel“, das nun auch in deutscher Übersetzung von Kerstin Rabe vorliegt. Die wunderbaren Illustrationen stammen von der kroatisch-italienischen Künstlerin Daniela Jaglenka Terrazzini und sind im Inneren des Buches mit schimmernden Akzenten und auf dem Cover mit Silberfolie verziert, was dem Ganzen einen wertigen, künstlerischen Anstrich verleiht.

Erzählt wird die Geschichte von einem allwissenden Erzähler, der jedoch die ganze Zeit über bei Lina bleibt. Über das kleine Mädchen erfahren wir eigentlich nur, dass sie gesundheitlich etwas angeschlagen zu sein scheint, aber dennoch einen starken Willen und verrückte Ideen hat. Ihre Familie liegt ihr sehr am Herzen und so beschließt sie, dass auch sie alle einen eigene Schnee-Engel benötigen, aber leider lässt der Schneefall auf sich warten. Was nun?

„Lina und der Schnee-Engel“ ist eine zauberhafte Geschichte über Familie und eine unsichtbare Macht, die uns beschützt. Obwohl es sich hier um einen Engel handelt, ist die Geschichte jedoch nicht religiös aufgeladen, sondern erklärt dessen Existenz als eine Art Magie. Somit eignet sie sich für alle Kinder – und vielleicht besonders solche, die mit Ängsten zu kämpfen haben.

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Veröffentlicht am 04.09.2024

Herbstliche Kleinstadt-Romanze

Meet me in Autumn. Eine Pumpkin spiced Romance
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Jeanie Ellis braucht nach einem einschneidenden Erlebnis in ihrem Job einen Neuanfang. Da trifft es sich perfekt, dass ihre Tante Dot sich zur Ruhe setzen möchte und ihr das „Pumpkin Spice Café“ im idyllischen ...

Jeanie Ellis braucht nach einem einschneidenden Erlebnis in ihrem Job einen Neuanfang. Da trifft es sich perfekt, dass ihre Tante Dot sich zur Ruhe setzen möchte und ihr das „Pumpkin Spice Café“ im idyllischen Dream Harbor vermacht. Jeanie stürzt sich in ihre neue Aufgabe, aber irgendjemand scheint mit ihrer Ankunft unzufrieden zu sein. Nachts sind komische Geräusche rund um das Café zu hören und es werden immer wieder Dinge beschädigt. Dann trifft sie auch noch auf den Farmer Logan Anders und zwischen beiden knistert es heftig. Doch es gibt einiges in Logans Leben, das er vearbeiten muss und eine ganze Kleinstadt sieht dabei zu.

„Meet me in Autumn“ ist der erste Band einer Reihe aus der Feder von Melissa McTernan, die für ihre Kleinstadt-Romance das Pseudonym Laure Gilmore verwendet. Die deutsche Übersetzung stammt von Martina Takacs, die neben ihrer Tätigkeit als freie Lektorin auch Liebesromane übersetzt. Erzählt wird wechselnd aus der Perspektive von Jeanie und Logan, so dass wir beide Seiten der Geschichte sowie die Gefühle und Gedanken von beiden Hauptcharakteren mitbekommen.

Dream Harbor ist ein Ort zum Wohlfühlen – mit all den kleinen Läden und skurrilen Bewohnern. Logan steht besonders im Mittelpunkt, da er als Kind seine Eltern verloren hat und sich somit alle für ihn verantwortlich fühlen. Das macht es für ihn noch schwerer, sich Jeanie zu nähern, weil er eine öffentliche Zurückweisung vermeiden will. Jeanie hingegen muss sich erst einmal an ihr neues Leben gewöhnen, arbeitete sie doch vorher als Assistentin des Geschäftsführers in einem ganz anderen Bereich. Beides müssen also erst einmal ihre Vergangenheit überwinden, bevor sie sich aufeinander einlassen können.

Das Genre legt eigentlich schon fest, welchen Verlauf die Geschichte nehmen wird und auch die kleine Krimihandlung rund um die seltsamen Geschehnisse im Café sind recht vorhersehbar; es gibt auch nicht allzu viele Verdächtige. Dafür punktet der Roman mit seinem wunderbar herbstlichen Setting, den liebenswerten Bewohner*innen von Dream Harbor und der Aussicht, in Band zwei ein anderes Paar kennenzulernen.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Drei Freundinnen in der Krise

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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Geoffrey Lushington, der Bürgermeister von Marlow, stirbt mitten in einer Stadtratssitzung. Teilnehmerin ist durch Zufall auch Suzie, die natürlich sofort ihre Freundinnen Judith und Becks anruft. Schon ...

Geoffrey Lushington, der Bürgermeister von Marlow, stirbt mitten in einer Stadtratssitzung. Teilnehmerin ist durch Zufall auch Suzie, die natürlich sofort ihre Freundinnen Judith und Becks anruft. Schon bald stellt der Todesfall sich als Giftmord heraus und der Mordclub der drei Frauen wird dieses Mal ganz offiziell von der Polizei zu zivilen Beraterinnen ernannt – nämlich von Polizistin Tanika, die seit der letzten Ermittlung zum Detective Inspector befördert wurde. Doch wer hatte überhaupt einen Grund, Geoffrey zu töten, wenn er doch von allen geliebt wurde und immer hilfsbereit war?

„Mrs Potts‘ Mordclub und der tote Bürgermeister“ ist bereits der dritte Fall um den Mordclub der drei Freundinnen. Autor Robert Thorogood ist übrigens auch der Schöpfer der Drehbücher für die Serie „Death in Paradise“, die deutsche Übersetzung des Romans stammt von Katharina Herzberger. Die Handlung wird von einem allwissenden Erzähler geschildert, der jedoch immer in der Nähe unserer drei Protagonistinnen bleibt, so dass wir als Leser*innen stets den gleichen Wissensstand haben und miträtseln können.

In diesem Fall haben alle drei Frauen mit etwas Persönlichem zu kämpfen. Judith möchte sich endlich von einigen Dingen in ihrer Vergangenheit trennen und das ganz besonders, als sie sich in einem der Verdächtigen wiedererkennt. Becks wird von ihrer Schwiegermutter aus dem eigenen Zuhause verdrängt und zudem gibt diese auch noch das Geld der Familie aus. Und Suzie fragt sich, ob sie in ihrem Leben überhaupt etwas erreicht hat, mit ihrer Stelle beim Radio und dem Ausführen von Hunden. Zum Glück stehen die drei Freundinnen füreinander ein und helfen sich gegenseitig dabei, ihre Krisen zu überwinden.

Der Kriminalfall ist spannend, obwohl der Kreis der Verdächtigen eigentlich recht überschaubar ist. Im Verlauf der Geschichte kommen aber immer wieder neue Geheimnisse ans Licht, die wunderbar zum Spekulieren über den Täter einladen. Ich muss jedoch zugeben, dass ich die Auflösung als etwas konstruiert empfunden habe, weil in letzter Minute neue Fakten auftauchten. Dennoch wieder ein unterhaltsamer Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Spannender, aber nüchterner Krimi

Tokio Express
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Ein Paar wird leblos am Strand des kleinen Ortes, Kashii gefunden. Die junge Frau, Hideko Kuwayama, genannt Toki, arbeitete als Serviererin im Restaurant Koyuki in Tokio. Der Mann - Kenichi Sayama - war ...

Ein Paar wird leblos am Strand des kleinen Ortes, Kashii gefunden. Die junge Frau, Hideko Kuwayama, genannt Toki, arbeitete als Serviererin im Restaurant Koyuki in Tokio. Der Mann - Kenichi Sayama - war Beamter in einem Ministerium, in dem gerade in einer Korruptionsaffäre ermittelt wurde. Schnell ist das Urteil gefasst: die beiden haben sich gemeinsam das Leben genommen. Doch zwei Männer wollen nicht so recht an diese Theorie glauben. Da ist zum einen Jūtarō Torigai, Kriminalkommissar aus Fukuoka und zum anderen sein jüngerer Kollege, Kommissar Kiichi Mihara aus Tokio. In ihren Ermittlungen kommen sie vielen Ungereimtheiten und Geheimnissen auf die Spur, doch der Täter scheint ihnen immer einen Schritt voraus.

„Tokio Express“ von Seichō Matsumoto erschien bereits 1958 in Japan sowie im selben Jahr im Deutschen unter dem Titel „Spiel mit dem Fahrplan“. Für diese Neuausgabe wurde die deutsche Übersetzung von Mirjam Madlung grundlegend überarbeitet. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der je nach Bedarf, zwischen wichtigen Figuren springt. Im ersten Teil folgen wir jedoch hauptsächlich Torigai, im zweiten dann Mihara. Dabei stehen ganz klassische Ermittlungsarbeiten und logische Schlüsse im Vordergrund, was dem Kriminalroman eine gewisse Sachlichkeit und Nüchternheit verleiht.

Schon zu Beginn gibt es zahlreiche Ungereimtheiten: Warum wusste niemand von der Beziehung zwischen Toki und Kenichi? Wieso verbrachten sie die Tage vor ihrem Selbstmord getrennt? Und was hat das alles mit der Affäre im Ministerium zu tun? Eine verdächtige Person nehmen beide Kommissare schnell ins Visier, doch diese kann es einfach nicht gewesen sein. Von da an grübeln die beiden Männer über Zugstrecken, Zeugenaussagen und wasserfesten Alibis – was für ein verzwickter Fall!

„Tokio Express“ hat mir gut gefallen - obwohl der Täter eigentlich recht früh bekannt ist – denn es sind im Zuge der Ermittlungen jede Menge Rätsel zu lösen. Emotionen darf man hier jedoch nicht erwarten, der Bezug zu den Charakteren bleibt daher sehr oberflächlich und der Stil ähnelt einem Bericht. Dennoch absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 24.08.2024

Ein leiser, aber beeindruckender Roman

Hotel Paraíso
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Frieda ist Synchronsprecherin, doch eines Tages scheinen ihr die Worte zu entgleiten und sie kann ihren Beruf nicht mehr ausüben. Ihr Freund Jonas schlägt ihr daraufhin einen besonderen Job vor: sie soll ...

Frieda ist Synchronsprecherin, doch eines Tages scheinen ihr die Worte zu entgleiten und sie kann ihren Beruf nicht mehr ausüben. Ihr Freund Jonas schlägt ihr daraufhin einen besonderen Job vor: sie soll im Dezember und über Neujahr hinaus ein leeres Hotel an der Algarve hüten, während die Besitzerin selbst Urlaub macht. Also findet sich Frieda dort ein, in diesem anderen Leben auf Zeit und beginnt sich zu fragen, wo sie selbst eigentlich zuhause ist.

„Hotel Paraíso“ ist bereits der dritte Roman der Autorin und Journalistin Arezu Weitholz, die darüber hinaus aber auch Gedichte und Songtexte schreibt. Protagonistin Frieda erzählt die Geschichte selbst aus der Ich-Perspektive und im Präsens, wechselt aber auch immer wieder in die Vergangenheitsform, wenn sie von früher erzählt, besonders von ihrer Kindheit und Jugend. Die Sprache der Autorin ist dabei sehr bildhaft, poetisch und voller Metaphern.

In Friedas Leben spielt das Thema Herkunft und Heimweh eine große Rolle. „Fernweh ist Heimweh nach Irgendwo“, so drückt sie es aus, denn sie weiß nicht, wohin sie gehört; ihr Herz liegt in Fetzen. Als Kind lebt sie in einem „Dazwischen“ mit der elterlichen Tankstelle, wo sie sich wohlfühlt und dem eigentlichen Wohnhaus, das ihr fremd ist. Und immer dieses Gefühl, nicht dazu zu gehören, das sich erst nach der Beerdigung des Vaters auflöst. Zurück bleiben Wut und Leere.

In Portugal nimmt Frieda sich zum ersten Mal die Zeit, diesen Gefühlen nachzuspüren. Sie unternimmt lange Spaziergänge mit dem Hotelhund Otto, sammelt Strandgut und spielt Klavier. Sie kocht und stellt die Reste in den Kühlschrank; am nächsten Morgen sind sie weg und an derselben Stelle liegt ein Dankeszettel und kleine Geschenke. Frieda findet bald heraus, dass der Nachtwächter Herr Higuchi dafür verantwortlich ist und spricht viel mit ihm über das Thema Heimat. Sie stellt sich aber auch ihren Ängsten und der Unbehaglichkeit in ihrem Herzen, wenn es um das Thema Familie geht – und vielleicht kann sie irgendwann auch positiv auf ihre Kindheit und Jugend zurückblicken.

Fazit: Ein leiser, aber beeindruckender Roman

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