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Veröffentlicht am 26.01.2025

Dreiecksbeziehung zweier Cousinen während der Vorwendezeit in DDR/Ungarn

Rückkehr nach Budapest
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Der Roman ist eine schöne Familiengeschichte vor besonderem historischem Hintergrund. Die beiden Protagonistinnen sind Cousinen mit enger Bindung, Ungarinnen, eine auch mit deutschen Wurzeln. Wenige Jahre ...

Der Roman ist eine schöne Familiengeschichte vor besonderem historischem Hintergrund. Die beiden Protagonistinnen sind Cousinen mit enger Bindung, Ungarinnen, eine auch mit deutschen Wurzeln. Wenige Jahre vor der Vorwendezeit lebt die eine mit ihren Eltern in Ostberlin, die andere in Ungarn. Während eines Besuchs in Ostberlin lernen beide einen Schriftsteller kennen und lieben und geraten in die oppositionelle Künstlerbewegung. Eine komplizierte Dreiecksbeziehung beginnt.
Die Einbettung der Geschichte in die Zeitgeschichte macht den Roman so interessant. Es ist so viel zu erfahren über den Alltag in einem sozialistischen Land, wobei es markante Unterschiede zwischen der DDR und dem offeneren Ungarn gab. Der Umgang mit kritisch eingestellten Personen sowie auch mit intellektuellen, oppositionellen Künstlern macht betroffen. Wichtige Themen sind Liebe, Verrat, Schuld.
Einmal mit Lesen begonnen, will man das Buch bis zum Ende gar nicht mehr aus der Hand legen. Eine eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Beste Unterhaltung

Wackelkontakt
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Mit großem Vergnügen habe ich bereits das letzte Buch von Wolf Haas gelesen („Eigentum“), das ich mit fünf Sternen bewertet habe. Sein neuester Roman „Wackelkontakt“ ist noch einmal eine Krönung! Allein ...

Mit großem Vergnügen habe ich bereits das letzte Buch von Wolf Haas gelesen („Eigentum“), das ich mit fünf Sternen bewertet habe. Sein neuester Roman „Wackelkontakt“ ist noch einmal eine Krönung! Allein der formale Aufbau ist sehr besonders – der Trauerredner Franz Escher wartet auf das Erscheinen des Elektrikers Marco Steiner und vertreibt sich die Zeit mit dem Lesen eines Mafia-Romans, der die Geschichte Steiners zum Inhalt hat; Steiner wiederum ist mit alter Identität inhaftierter Kronzeuge in einem italienischen Gefängnis und wartet auf den Start seines neuen Lebens in Deutschland, unterdessen liest er einen Roman über den Trauerredner Escher. Im Fortgang liest mal der eine, mal der andere bzw. sogar weitere Personen in dem jeweiligen Buch weiter, wodurch sich beider Lebensgeschichten entfalten. Der Clou erfolgt dann am Ende, wo sich der Kreis schließt und beide Protagonisten in der Realität aufeinandertreffen. Das mag jetzt etwas verwirrend klingen, bei der Lektüre erschließt sich aber alles ganz einfach. Seine Protagonisten beschreibt Haas sehr detailverliebt und gewohnt humorvoll. Einige ihrer Marotten werden sich mir einprägen, z.B. Eschers Liebe zum Puzzlespielen oder Steiners Bemühungen, deutsch zu lernen. Sprachlich glänzt der Roman durch Wortspiele und Wortwitz, ohne dass es übertrieben wirkt.
Der Roman ist beste Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Ein wortwitziger Liebesdialog

In einem Zug
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Von Daniel Glattauer habe ich bereits eine Menge Bücher gelesen – „Die spürst du nicht“, „Die Liebe Geld“, „Der Weihnachtshund“, „Die Wunderübung“, „Ewig Dein“, „Geschenkt“, „Alle sieben Wellen“ und „Gut ...

Von Daniel Glattauer habe ich bereits eine Menge Bücher gelesen – „Die spürst du nicht“, „Die Liebe Geld“, „Der Weihnachtshund“, „Die Wunderübung“, „Ewig Dein“, „Geschenkt“, „Alle sieben Wellen“ und „Gut gegen Nordwind“. Alle haben mir gut gefallen, genauso wie sein hier besprochenes, neues Buch. Dieses ist am ehesten vergleichbar mit den beiden zuletzt genannten Email-Romanen. Diese bestehen komplett aus wechselseitigen Emails der Protagonisten, während die beiden Romanfiguren vorliegend – der ältere, schon lange nicht mehr durch Veröffentlichungen in Erscheinung getretene Liebesromanautor Eduard Brünhofer und die Therapeutin (neben anderen Berufen!) Catrin Meyr – ähnlich sarkastisch, ironisch und wortgewandt einen Dialog führen. Das Ganze während einer vier Stunden dauernden Bahnreise von Wien nach München. Vor allem Catrin, die selbst sehr zurückhaltend mit Auskünften zu sich ist, analysiert Eduard derart geschickt, dass er, der eigentlich nicht sehr redselig ist und gar nicht über die Liebe und sein privates Liebesleben sprechen will, nach und nach sehr viel von sich preisgibt, nicht ahnend, dass das Ganze geschickt eingefädelt ist. Diese überraschende Wendung erfährt die Geschichte auch erst sehr spät, was einen großen Reiz beim Lesen ausmacht. Sprachlich überzeugt das Buch durch den für Glattauer eigentümlichen trockenen Humor und Wortwitz. In bleibender Erinnerung wird mir insoweit eine sage und schreibe zwei Seiten umfassende Passage bleiben, in der die beiden Romanfiguren über die korrekte Rechtschreibung des Vor- und Nachnamens von Catrin sprechen.
Das Buch ist absolut empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Trauerbewältigung einer verwaisten Mutter

Mein drittes Leben
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Eigentlich hatte ich gar nicht vor, dieses Buch zu lesen. Denn die Inhaltsangabe zum Buch machte schnell deutlich, dass beherrschende Themen Trauer und Krankheit sein würden, die mich selbst hinabreißen ...

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, dieses Buch zu lesen. Denn die Inhaltsangabe zum Buch machte schnell deutlich, dass beherrschende Themen Trauer und Krankheit sein würden, die mich selbst hinabreißen könnten. Dass ich dann doch noch zu ihm gegriffen habe, liegt daran, dass mir ein früherer Roman der Autorin – „Der Brand“ – so gut gefallen hatte, dass ich es unbedingt noch einmal mit ihr versuchen wollte. Und das war die absolut richtige Entscheidung gewesen. Sehr berührend erzählt die Autorin die Geschichte von Linda, die ihre 17jährige, einzige Tochter durch einen tragischen Verkehrsunfall verloren hat und anschließend selbst von einer schweren Erkrankung heimgesucht wird. Tief verzweifelt verarbeitet sie ihre tiefe Trauer, ein langer Prozess, an dessen Bewältigung sie nie geglaubt hat. Ihre Gefühle dabei sind für den Leser fast spürbar. Viel Raum wird auch dem Umgang der Personen aus ihrem Umfeld mit ihr und ihrer tiefen Trauer gegeben und dem Verhältnis der verwaisten Elternteile zueinander, das angesichts des gemeinsamen Schicksalsschlags zu zerbrechen droht, wie es leider in ähnlichen Fällen nicht selten ist. Alle Aspekte jedenfalls sprechen viele Menschen an und regen zum Nachdenken an.
Das Buch erhält meine volle Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Gedanken über das Leben

Akikos stilles Glück
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Eigentlich kaum zu glauben, dass dieser Roman aus der Feder eines deutschen Autors stammt und nicht aus der eines japanischen. Denn er ist mit so viel Kenntnis von Japan, seiner Gesellschaft und seiner ...

Eigentlich kaum zu glauben, dass dieser Roman aus der Feder eines deutschen Autors stammt und nicht aus der eines japanischen. Denn er ist mit so viel Kenntnis von Japan, seiner Gesellschaft und seiner Kultur geschrieben. Geschuldet ist dieses profunde Wissen der Tätigkeit des Autors als jahrelanger Asienkorrespondent für den „Stern“. In dem Roman erzählt er die Geschichte der jungen Japanerin Akiko. Sie ist Ende 20, unverheiratet, äußerst beflissen in ihrer Arbeit als Buchhalterin, in Tokio lebend. Ein zufällig wiedergetroffener früherer Mitschüler, der ein Außenseiterleben als völlig isoliert und nur nachts in die Öffentlichkeit tretender Hikikomori führt, lässt sie den Fragen nachgehen, ob sie sich eigentlich kennt und sich mag. Das geschieht zu einem Zeitpunkt, als sie ihr bisheriges Leben ohnehin in Frage stellt, nachdem sie erfährt, dass ihre allein erziehende Mutter ihr in der Kindheit jahrelang einen Vater gemietet hatte.
Der Leser bekommt ein gutes Bild von den aus europäischer Sicht so andersartigen Lebens- und Gesellschaftsverhältnissen in Japan. Sehr beeindruckend ist es zu lesen, wie arbeitsam, fleißig und pflichtbewusst die japanischen Angestellten sind. Ebenso speziell sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, dargestellt anhand Akiko und ihrer zwischenzeitlich verstorbenen Mutter einerseits und Akiko und Kento andererseits. Erstere schienen nebeneinander her zu leben, ohne dass wesentliche Dinge zwischen ihnen angesprochen wurden. Letztere nähern sich vorsichtig einander an, dem anderen neue Einsichten gebend.
Besondere Tüpfelchen auf dem i sind die vielen schönen Haikus, die Kento an Akiko übermittelt, sowie die von ihr selbst früher einmal verfassten oder in Planung befindlichen fantasievollen Erzählungen, die sie daran denken lassen, ein neues Leben als Schriftstellerin aufzunehmen.
Ich habe gerne einen Einblick in die japanische Kultur erhalten und kann das Buch empfehlen.

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