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Veröffentlicht am 07.10.2024

Eine emotionale und lieblich erzählte Geschichte

Zeilenflüstern (Sweet Lemon Agency, Band 1)
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Ich habe das Hörbuch gehört

Ein emotionales und lieblich erzähltes Hörbuch, das durch die beiden talentierten Sprecher besticht. Besonders gelungen sind die abwechselnden Perspektiven und die gelungene ...

Ich habe das Hörbuch gehört

Ein emotionales und lieblich erzähltes Hörbuch, das durch die beiden talentierten Sprecher besticht. Besonders gelungen sind die abwechselnden Perspektiven und die gelungene Repräsentation der gehörlosen Community.

Rezension

Zeilenflüstern hat mich von Anfang an gefesselt, vor allem dank der beiden herausragenden Sprecher. Ich bin ein großer Fan davon, wenn Geschichten aus zwei Perspektiven erzählt werden, besonders wenn die Stimmen von unterschiedlichen Sprechern kommen. Dadurch fällt es mir viel leichter, mich in die Geschichte hineinzuversetzen, und es sorgt für mehr Authentizität. Die Sprecher müssen ihre Stimmen nicht unnötig verstellen, was für mich oft störend ist.

Die Handlung selbst hat mich emotional tief berührt und regelrecht dahinschmelzen lassen. Die Geschichte ist liebevoll erzählt, bietet eine perfekte Länge und führt durch zahlreiche Höhen und Tiefen. Besonders die Ausgestaltung der Charaktere hat mir sehr gut gefallen. Jeder hat eine klare Persönlichkeit, die sich konsequent durch die gesamte Handlung zieht. Das Setting in der Agentur, in der die Handlung stattfindet, hat ebenfalls einen besonderen Reiz.

Von den beiden Hauptfiguren hat mir Klara deutlich besser gefallen als Noel. Ihr Charakter war für mich greifbarer und sympathischer. Besonders hervorheben möchte ich die wunderbare Repräsentation der Gehörlosen-Community in der Geschichte. Die Autorin hat es geschafft, Vorurteile zu thematisieren und einen kleinen Lerneffekt für die Hörer*innen zu schaffen, was ich sehr zu schätzen weiß.

Die romantischen und emotionalen Szenen sind unglaublich gefühlvoll und romantisch erzählt, was das Hörbuch besonders für Fans des Genres empfehlenswert macht.

Leider gab es jedoch einen Satz in einer der romantischen Szenen, der mir überhaupt nicht gefallen hat:

"Ich weiß, dass ich in diesem Moment ein Stück von mir an ihn verliere, das ich nie wieder zurückbekomme."

Dieser Satz wirkte für mich zu konservativ, besonders in einer Geschichte, in der es auch eine Figur gibt, die sich aktiv für Frauenrechte und Feminismus einsetzt. Auch wenn die Autorin versucht hat, diesen Satz zu relativieren, empfand ich ihn als unpassend und störend.

Fazit:

Ein rundum gelungenes Hörbuch mit liebenswerten Charakteren und einer emotional fesselnden Handlung. Kleinere Schwächen, wie der konservative Satz und die Wahl der Sprecher in manchen Szenen, trüben das Gesamtbild nur geringfügig. Vor allem die abwechselnden Perspektiven und die gelungene Repräsentation machen Titel des Hörbuchs zu einem Hörgenuss.



Kritik zum Hörbuch

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft auch die Produktion des Hörbuchs selbst.

Es gibt Szenen, die aus Klaras Perspektive erzählt werden, aber die Szenen eines ihrer Lieblingshörbücher repräsentieren . Ich hätte mir gewünscht, dass der Sprecher von Noel diese Szenen übernimmt, um das Gefühl zu verstärken, dass wir das gleiche Hörbuch hören wie Klara in der Geschichte. Denn Noel hat dieses Hörbuch ja gesprochen. Das hätte das Erlebnis noch intensiver gemacht.

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Veröffentlicht am 13.09.2024

Zwischen Inselträumen und Schicksalsschlägen: Eine Reise durch Herz und Zeit

Wie eine Perle im Ozean
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Malediven, 16. Jahrhundert:

Buraki steht kurz davor, die Nachfolge ihres Vaters auf dem Thron anzutreten. Mit ihrem scharfen Verstand und einem ausgeprägten Talent für Politik beeindruckt sie sowohl ...

Malediven, 16. Jahrhundert:

Buraki steht kurz davor, die Nachfolge ihres Vaters auf dem Thron anzutreten. Mit ihrem scharfen Verstand und einem ausgeprägten Talent für Politik beeindruckt sie sowohl ihre Berater als auch das Volk durch ihre meisterhafte Schwertkunst. Sie hat aus Liebe bereits einen zukünftigen Ehemann gewählt, doch schon bald muss sie erkennen, dass Vertrauen eine wertvolle Gabe ist, die nicht jeder verdient.

Shaina, Tochter des königlichen Waffenmeisters, wuchs mit Buraki im Palast auf. In der Liebe zu einem Portugiesen findet sie Trost, doch ihre Heilkünste machen sie zur Zielscheibe für Hexenverfolgung, und ihr Leben gerät in Gefahr.

Dieses Buch hat mich ganze drei Wochen lang begleitet – und das mit seinen 488 Seiten! Es fühlte sich aber nie an, als wäre es zu lang, denn die Autorin hat viele wunderbare, aber auch traurige Momente in der Geschichte geschaffen, die Raum zur Entwicklung bieten und die Handlung auf eine sanfte, entspannte Weise vorantreiben.

Von Anfang an nahm mich das Buch mit auf eine Reise, die ich so zuvor noch nie erlebt habe. Die Geschichte, die auf traumhaften Inseln in der Nähe der Hauptstadt Mahal spielt, hat mich tief verzaubert. Ich habe bisher kaum Romane aus dieser Ecke der Welt gelesen, geschweige denn solche, die mich so sehr in eine andere Zeit und an einen anderen Ort entführt haben.

Der Schreibstil

Besonders beeindruckt hat mich der Schreibstil der Autorin: Er ist flüssig und angenehm zu lesen. Die eingestreuten Bezeichnungen in den verschiedenen Sprachen, die auf den Inseln gesprochen werden, haben der Geschichte zusätzliches Leben eingehaucht. Es fühlte sich einfach echter an, als würde man selbst Teil dieser Welt sein. Durch die detailreichen Beschreibungen konnte ich mir die Schauplätze und Charaktere sehr gut vorstellen. Insbesondere die Kleidung und die Räume im 16. Jahrhundert wurden so genau geschildert, dass ich förmlich die Stoffe spüren und die Räume vor mir sehen konnte.

Die Handlung
Die Geschichte umfasst viele verschiedene Themen, die für manche Leser vielleicht triggernd sein könnten, darunter Gewalt, sexueller Missbrauch und eine teils derbe Wortwahl.

Das Sultanat und die Regierung spielen eine Zentrale Rolle aber gleichzeitig werden aber auch tiefgründige Themen wie Freundschaft, Liebe, Machtmissbrauch, Selbstbestimmung und Religion behandelt. Besonders die Rolle der Frau in der damaligen Zeit wird intensiv beleuchtet, was in mir, als Feministin, starke Gefühle geweckt hat.

Zu Beginn des Buches fühlte ich mich etwas überfordert, da viele Protagonisten mit Namen und Verwandtschaftsbeziehungen, auf einmal eingeführt werden. Doch das gibt sich recht schnell. Im Laufe der Handlung reduziert sich die Anzahl der Protagonisten, auf die der Fokus gelegt wird, und man findet sich leichter in der Geschichte zurecht. Die Charaktere sind vielschichtig und wirken realistisch – niemand ist perfekt. Gerade die beiden Hauptfiguren, Shaina und Buraki, stechen dadurch hervor, dass sie Ecken und Kanten haben, was sie menschlicher und greifbarer macht. Die Emotionen in diesem Buch waren ein ständiges Auf und Ab. Es gab Momente, in denen ich Wut und Hass empfand, weil bestimmte Figuren Handlungen vollführten, die mich aufbrachten. Aber das ist auch das Schöne an der Geschichte: Sie bewegt den Leser ständig zwischen positiven und negativen Gefühlen hin und her.

Fazit
Das Buch ist nicht von extremer Spannung geprägt, aber man bleibt dennoch dran, weil man wissen möchte, wie es weitergeht, wie die Charaktere sich entwickeln und welche Entscheidungen sie treffen. Besonders gegen Ende gibt es ein paar emotionale Wendungen, die mich überrascht und tief berührt haben.

Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der es genießt, in eine detaillierte Welt voller Entscheidungen, historischen Einflüssen und zwischenmenschlichen Beziehungen einzutauchen. Es ist eine eher ruhige, aber sehr reiche Leseerfahrung, die Zeit und Muße erfordert, aber belohnt wird man mit einer vielfältigen und lebendigen Geschichte.

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Veröffentlicht am 02.08.2024

Eine bezaubernde Liebesgeschichte voller Leichtigkeit, Humor und tiefer Emotionen.

This could be love
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Handlung

Deutschlands aufstrebendes Tennis-Talent Louisa ist nach einer Verletzung am Boden zerstört. Um sich auf ihr Comeback zu konzentrieren, reist sie in die Tennisschule ihrer Patentante Kay auf ...

Handlung

Deutschlands aufstrebendes Tennis-Talent Louisa ist nach einer Verletzung am Boden zerstört. Um sich auf ihr Comeback zu konzentrieren, reist sie in die Tennisschule ihrer Patentante Kay auf Hawaii. Doch schon beim ersten Lauftraining am Strand überfordert sie sich und erwacht ausgerechnet auf der Couch eines attraktiven Surfers. Der ist aber spätestens dann tabu, als sie erfährt, dass es sich bei ihm um Vince Greenfield handelt, mit dem ihre Patentante auf Kriegsfuß steht, weil er in direkter Nachbarschaft zu ihrer Strandvilla ein Surfer-Hostel renoviert. Obwohl sie Kay nicht in den Rücken fallen will, zieht es Louisa immer häufiger zu Vince.

Anmerkung ! Das Buch wird als Enemies to lovers vermarktet was ich garnicht sehe! Lou lernt Vince ganz normal kennen und irgendwann entwickelt sich etwas, langsames süßes kennenlernen.



Rezension

Von Anfang an hat mich " This could be Love" durch die angenehme Kapitellänge und die gelungene Einteilung begeistert. Die kurzen Kapitel machen es leicht, in die Geschichte einzutauchen und sorgen dafür, dass man stets motiviert bleibt, weiterzulesen. Die liebevolle Verzierung der Kapitel ist ein süßes Detail, das den Lesegenuss zusätzlich steigert.

Die erste hälfte strahlt eine wunderbare Leichtigkeit aus, die mich sofort gefesselt hat. Lilly Lucas' weicher und leichter Schreibstil lässt die Leser wie ein stiller Beobachter an der Seite der Protagonistin Lou teilhaben. Es fühlt sich an, als würde man einer guten Freundin zuhören.

Besonders charmant fand ich die Szenen, in denen Lou über Vince nachdenkt. Diese Momente sind nicht nur niedlich, sondern verleihen der Geschichte eine süße Unschuld, die mich immer wieder zum Lächeln brachte. Der leichte Witz, den die Autorin mit in die Geschichte bringt, sind echte Highlights.

Der leichte Humor, den Lou in ihren inneren Gedanken zeigt, ist ein weiterer Pluspunkt. Eine meiner Lieblingsstellen ist: "Wenn ich Kiwis esse, kribbelt meine Zunge. Er hielt mir den Becher hin, und unsere Hände berührten sich ganz leicht, als ich ihn entgegennahm. Und plötzlich war es, als hätten meine Finger Kiwis gegessen." Diese Zeile ist das Niedlichste, was ich je gelesen habe.

Auch der Moment, als Lou sagt: "Wir sind zu einem Foodtruck gefahren," und dabei so eloquent klingt wie "Ich habe eine Wassermelone getragen," brachte mich laut zum Lachen. Solche humorvollen Einlagen machen das Buch zu einem wahren Vergnügen.

Ein kleiner Kritikpunkt, den ich habe, ist, dass einige Charaktere, wie die Patentante Kay und der Physiotherapeut Gabe, nicht ausreichend ausgearbeitet waren. Kay's Groll bleibt etwas unverständlich, und auch Gabe hätte mehr Tiefe vertragen können.

Romantische Szenen

Es gibt romantische und leidenschaftliche Szenen dabei steht aber das Küssen und die Anziehung zwischen den beiden im Vordergrund. Die Autorin hält sich bei der Auserzählung jedoch zurück, fand ich wunderbar umgesetzt, da vieles der Fantasie überlassen bleibt. Besonders hervorzuheben ist die Thematisierung von Verhütung und Konsens. Es ist großartig, dass dies in die Geschichte eingebaut wurde – ein Aspekt, den ich innerlich bejubelt habe.



"This could be Love" von Lilly Lucas ist eine bezaubernde Geschichte voller Leichtigkeit, Humor und tiefer Emotionen. Die authentische Darstellung der Charaktere und ihre Beziehungen machen das Buch zu einem wahren Lesevergnügen. Insgesamt musste ich während der Lektüre mehrmals vor Rührung weinen, was zeigt, wie tief mich die Geschichte berührt hat.

Absolut empfehlenswert für alle, die sich gedanklich nach Hawaii entführen lassen möchten, um Lou auf ihrer Reise zu begleiten, während sie Vince kennenlernt und unvergessliche Erlebnisse genießt.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Liebe, Lügen und Geheimnisse

Firewatch
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Dieses Buch hat mir wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht und zwar auf eine Art, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Es hat meine Erwartungen übertroffen, aber anders als gedacht. Vor allem hat es mich ...

Dieses Buch hat mir wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht und zwar auf eine Art, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Es hat meine Erwartungen übertroffen, aber anders als gedacht. Vor allem hat es mich hervorragend unterhalten.

Das Buch wird als Thriller beziehungsweise Suspense-Romance eingeordnet. Wer hier allerdings von der ersten Seite an knallharte Thriller-Elemente erwartet, sollte seine Erwartungen ein wenig anpassen. Die Romance nimmt einen großen Raum ein deutlich größer, als ich zunächst angenommen hatte. Für mich war das jedoch kein Kritikpunkt, im Gegenteil: Genau dieser starke Romance-Anteil hat mich letztlich überzeugt.

Im Zentrum steht ein ungeklärter Vermisstenfall. Aaron ist verschwunden, und sein bester Freund Robin versucht auf eigene Faust herauszufinden, was mit ihm passiert ist. In der Gegenwart begleiten wir vor allem Robin, während die Vergangenheit sich stark um Aaron und Kian dreht. Diese Struktur – Vergangenheit und Gegenwart – wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Die Vergangenheit aus einer Erzählperspektive, die Gegenwart aus der Ich-Perspektive. Gerade am Anfang fiel es mir etwas schwer, die Perspektiven klar einzuordnen. Ich war zunächst überzeugt, dass Robin selbst der Erzähler der Vergangenheitskapitel sei. Erst als der Erzähler deutlich aus dem Geschehen heraustrat und sogar an Robin appellierte, wurde klar, dass hier anders gearbeitet wird.

Der Autor spielt gezielt mit Unsicherheit und Irritation, ein Stilmittel, das der Spannung definitiv zugutekommt. Diese bewusste Verwirrung passt hervorragend zur Atmosphäre des Buches. Besonders gelungen fand ich die mysteriösen, fast poetisch anmutenden Kapitel, in denen eine unbekannte Person von Dunkelheit, Vergangenheit und Geheimnissen spricht. Diese Einschübe sind leicht verstörend, wirken psychologisch intensiv und lassen einen rätseln: Wer spricht hier? Was bedeutet das? Diese Momente haben die Geschichte spürbar vorangetrieben und für echtes Gänsehaut-Feeling gesorgt.

In der Mitte hatte das Buch kleinere Längen, vor allem weil der Romance-Plot hier sehr präsent ist. Die Beziehung zwischen den Figuren, es handelt sich um eine Gay Romance nimmt viel Raum ein, inklusive "romantischer" Szenen. Wer damit nichts anfangen kann oder einen reinen Thriller erwartet, könnte hier enttäuscht sein. Für mich war diese Entwicklung jedoch stimmig und emotional nachvollziehbar.

Das Ende hat mir dann wieder richtig gut gefallen. Es gibt mehrere Twists: einen konnte ich im Moment der Auflösung erahnen, aber ein weiterer hat mich wirklich überrascht. Das war stark umgesetzt. Lediglich ganz zum Schluss hätte ich mir noch ein zusätzliches Kapitel gewünscht. Das Finale wirkte etwas abrupt, fast zu stark „geschnitten“. Ein kleiner Ausblick hätte dem Ganzen für mich noch das gewisse Extra gegeben.

Trotz des etwas holprigen Einstiegs und kleiner Längen im Mittelteil vergebe ich 4,5 von 5 Sternen. Eine spannungsgeladene Suspense-Romance mit emotionaler Tiefe, überraschenden Wendungen und einer Atmosphäre, die stellenweise richtig unter die Haut geht.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Zwischen Misstrauen, Lügen und schockierenden Wahrheiten

Don't Believe Her
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Dieser Thriller hat mich wirklich von Anfang an gepackt und dann immer tiefer in seinen Bann gezogen. Ich wollte permanent wissen, wie es weitergeht und genau das macht für mich einen richtig guten Spannungsroman ...

Dieser Thriller hat mich wirklich von Anfang an gepackt und dann immer tiefer in seinen Bann gezogen. Ich wollte permanent wissen, wie es weitergeht und genau das macht für mich einen richtig guten Spannungsroman aus.

Wir folgen Ellie in der Ich-Perspektive. Schon ihre Vorgeschichte ist ungewöhnlich und geheimnisvoll: In jungen Jahren ist Ihre Beste Freundin von zu Hause abgehauen und gilt seit zwölf Jahren als verschwunden. Inzwischen lebt Ellie mit dem Bruder Ihrer besten Freundin, in den sie sich verliebt hat, seiner Mutter, sowie ihrer Tochter aus einer früheren Beziehung unter einem Dach.

Als plötzlich Ellies beste Freundin von früher wieder auftaucht, beginnt das eigentliche Spiel. Denn Ellie spürt sofort: Das ist nicht die Person, die sie vorgibt zu sein. Und genau dieser Grundgedanke ist einfach großartig. Man fiebert die ganze Zeit mit, weil man gemeinsam mit der Protagonistin weiß, dass hier etwas nicht stimmt. Es macht unglaublich viel Spaß, Ellie dabei zu begleiten, wie sie Indizien sammelt, Beweise sucht und versucht, hinter die Wahrheit zu kommen.

Der Anfang nimmt sich etwas Zeit. Die ersten zweieinhalb bis drei Stunden dienen vor allem dazu, Figuren, Beziehungen und Hintergründe aufzubauen. Das ist gut gemacht, aber noch nicht wirklich Thriller-typisch nervenaufreibend. Es geht mehr um Charakterentwicklung als um Hochspannung. Dadurch wirkt der Einstieg stellenweise etwas schleppend.

Doch sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, entfaltet sie eine enorme Sogwirkung. Kleine Hinweise werden wie Brotkrumen gestreut, scheinbar unscheinbar, aber unglaublich effektiv. Man stellt Theorien auf, verwirft sie wieder, wird überrascht und ständig zum Weiterdenken angeregt. Genau dieses Miträtseln hat mir viel Spaß gemacht.

Neben der konstanten Spannung transportiert der Thriller auch unglaublich viele Emotionen. Besonders in den Momenten, in denen Ellie alles daransetzt, die Wahrheit über die vermeintliche beste Freundin aufzudecken, entstehen Szenen, bei denen man sich teilweise für ihr Verhalten schämt. Man denkt sich „Oh nein, bitte tu das nicht“, oder fühlt sich selbst unwohl bei dem, was sie tut. Ellie wird einem dadurch nicht immer sympathisch, man hinterfragt sie, zweifelt an ihr und ist sich zeitweise unsicher, ob man wirklich hinter ihr steht. Genau dieses emotionale Schwanken macht die Geschichte so intensiv.

Auch andere Figuren treffen Entscheidungen oder geraten in Situationen, bei denen man innerlich aufstöhnt und sich denkt: „Nein, warum passiert das jetzt?“ oder „Warum macht die Person das?“ Dieses Aufregen, dieses Mitfiebern und teilweise Schockiert sein verstärkt die Wirkung des Thrillers enorm, weil man eben nicht nur zuschaut, sondern emotional komplett involviert ist.

Besonders hervorzuheben sind die Wow-Momente: Einige Twists habe ich wirklich nicht kommen sehen. Sie verleihen der Geschichte eine neue Dynamik und sorgen für echte Gänsehaut. Auch das Ende hat mich beeindruckt. Es war stellenweise sprachlos machend, emotional intensiv und insgesamt sehr befriedigend. Zwar hätte ich mir an ein, zwei Stellen noch etwas mehr Ausarbeitung gewünscht, da es gegen Schluss etwas abrupt wirkte, aber der Ausblick rundet das Ganze gelungen ab.

Don’t Believe Her – Die Fremde unter deinem Dach ist ein spannungsgeladener Thriller mit starken Wendungen, interessanten Figuren und einer fesselnden Grundidee.Trotz des etwas gemächlichen Einstiegs vergebe ich 4,5 von 5 Sternen, hätte der Anfang minimal mehr Tempo gehabt, wären es für mich ganz klar 5 Sterne gewesen.

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