Vielschichtig und nachhallend
Von Norden rollt ein DonnerDer 19-jährige Jannes ist Schäfer, wie sein Vater und sein Großvater vor ihm. Ein Traditionsbetrieb seit Generationen. Der Roman ist aus Sicht von Jannes erzählt. Er lebt mit der Familie und dem Großvater ...
Der 19-jährige Jannes ist Schäfer, wie sein Vater und sein Großvater vor ihm. Ein Traditionsbetrieb seit Generationen. Der Roman ist aus Sicht von Jannes erzählt. Er lebt mit der Familie und dem Großvater in einem Mehrgenerationenhaus.
Wie komplex ist der Beruf eines Schäfers, welche Herausforderungen gibt es? Markus Thielemann beschreibt dies detailliert. Doch dann tauchen Spuren eines Wolfes auf,
der eine unheimliche Hintergrundsbedrohung darstellt, doch nie zu sichten ist. Vater und Großvater reagieren, treffen Entscheidungen. Ein neuer Nachbar wird aktiv. Jannes trägt schon in seinem Alter eine große Verantwortung für die Heidschnucken, fühlt sich manchmal „wie der angebundene Bock, der am Rande seiner Weide steht und nicht weiterkann“. Plötzlich hat er Visionen einer Frau auf der Heide und will dem auf den Grund gehen. Er forscht nach, was in der Vergangenheit in der Südheide passiert ist und findet Antworten.
Das Buch besticht durch eine erfrischend moderne Sprache.
Aktuell beschrieben, trotz Traditionsgeschichte! Hochinteressant, dass der Roman auf verschiedenen Ebenen spielt. Jannes Generation, der traditionellen Berufssituation mit all den Herausforderungen eines Schäfers, die Situation der Eltern, die Großeltern, der neue Nachbar mit völkischer Gesinnung, Jannes eigene mit Gleichaltrigen, die Geschichte der Südheide, die Vision und neben allem die drohende Gefahr eines Wolfes.
Eine schöne Sprache mit detaillierten Beschreibungen, durchgehend eine ungewöhnliche, sehr zum Nachdenken anregende und nachhallende Geschichte. Sie hat mir sehr gut gefallen. Der Roman spielt 2015, ist dennoch sehr aktuell, da gerade die EU beschlossen hat, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern.