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Veröffentlicht am 30.12.2024

Ein zeitloser Klassiker

Alice hinter den Spiegeln
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Inhalt: Alice sitzt schläfrig auf einem Lehnstuhl und unterhält sich mit dem schwarzen Kätzchen. Zwar antwortet das Kätzchen nicht, doch das hält Alice nicht davon ab, des Kätzchens Streiche zu ermahnen, ...

Inhalt: Alice sitzt schläfrig auf einem Lehnstuhl und unterhält sich mit dem schwarzen Kätzchen. Zwar antwortet das Kätzchen nicht, doch das hält Alice nicht davon ab, des Kätzchens Streiche zu ermahnen, sich über die Tölpelhaftigkeit der Buben beim Aufbauen des Neujahrsfeuers zu echauffieren sowie philosophierend der Frage nachzugehen, ob Kätzchen Schach spielen kann. Als ihr Blick auf den Kaminspiegel fällt, fragt Alice sich, wie wohl das Haus hinter dem Spiegel aussehen mag. Kurzerhand klettert sie auf den Kamin, um einen besseren Blick zu erhaschen - und findet sich plötzlich im Land hinter den Spiegeln wieder...

Persönliche Meinung: "Alice hinter den Spiegeln" ist nach "Alice im Wunderland" der zweite Nonsense-Roman von Lewis Carroll, in dem die titelgebende Heldin das Wunderland betritt. Beide Bände bauen nicht handlungslogisch aufeinander auf, sodass sie unabhängig voneinander gelesen werden können. Wie bereits der erste Band ist auch "Alice hinter den Spiegeln" in Episoden aufgebaut: So findet sich Alice u.a. im Garten der sprechenden Blumen wieder, begegnet Zwiddeldum und Zwiddeldei und besucht Goggelmoggel auf seiner Mauer. Diese Episoden sind eher additiv aneinandergereiht und erhalten allenfalls durch das Schach-Motiv einen feinen roten Faden; eine durchgehende Handlung entwickelt sich hier nicht - was allerdings nicht als Kritikpunkt verstanden werden sollte. Denn: "Alice hinter den Spiegeln" ist ein fantasievolles Spiel mit märchenhaften Landschaften, skurrilen Figuren und verqueren Dialogen. Kurz: Ein Roman, dem es eher um das Sprudeln der Kreativität, weniger einer strikten Handlungslogik geht. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der auch mal augenzwinkernd die vierte Wand durchbricht. Sehr gelungen ist auch die Übersetzung von Christian Enzensberger: Der Wortwitz des englischen Originals wird stimmig eingefangen; zudem besitzen Wortwahl sowie Erzählton eine schöne Patina. Außerdem ist in Bezug auf die Ausgabe des Insel-Verlags hervorzuheben, dass sie reichlich bebildert ist: So finden sich einundfünfzig Illustrationen von John Tenniel, die bereits das britische Original kongenial ergänzten (und "Alice" endgültig im popkulturellen Gedächtnis der Weltbevölkerung verankert haben). Insgesamt ist "Alice hinter den Spiegeln" ein fantasievoller, zeitloser Klassiker, den man immer wieder lesen kann.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Eine kurzweilige, spannende und witzige Lektüre

Kalmann und der schlafende Berg
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Inhalt: Eigentlich sollte es eine schöne Familienzusammenführung werden: Kalmanns Vater, der in den USA lebt, hat sich bei ihm gemeldet und möchte ihn besser kennenlernen, sodass Kalmann den Atlantischen ...

Inhalt: Eigentlich sollte es eine schöne Familienzusammenführung werden: Kalmanns Vater, der in den USA lebt, hat sich bei ihm gemeldet und möchte ihn besser kennenlernen, sodass Kalmann den Atlantischen Ozean überquert. Dort lebt Kalmann sich gut ein; die Familie macht sogar einen Ausflug zum Präsidenten – der allerdings schiefläuft. Ehe Kalmann es sich versieht, findet er sich im FBI-Hauptquartier in Washington wieder und muss die USA gen Island verlassen. Dort ist ein Todesfall geschehen, der Kalmann nicht lockerlässt: Er ist sich sicher, dass es sich um Mord handelt, sodass er beginnt, eigenständig zu ermitteln…

Persönliche Meinung: „Kalmann und der schlafende Berg“ ist ein Roman von Joachim B. Schmidt. Nach „Kalmann“ ist es der zweite Roman, der von dem eigenwilligen, selbsternannten Scheriff des kleinen isländischen Fischerdorfes Raufarhöfn handelt. Da die Fälle, in denen Kalmann ermittelt, voneinander getrennt sind, lassen sich beide Romane unabhängig voneinander lesen. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive Kalmanns, einem Außenseiter, der manchmal naiv, manchmal aber auch messerscharf denkt, und das Herz am rechten Fleck trägt. Wie im vorherigen Band hat es Kalmann auch hier nicht leicht, muss aufgrund seiner verschrobenen, eigenwilligen Art mit Vorurteilen und abschätzigen Blicken zurechtkommen, was Joachim B. Schmidt erneut einfühlsam erzählt. Die Handlung von „Kalmann und der schlafende Berg“ setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen: Der eine Strang thematisiert Kalmanns Besuch in den USA (hierbei werden auch aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen angesprochen, die ich allerdings nicht spoilern möchte), der zweite Handlungsstrang dreht sich um die Ermittlungen Kalmanns in Island (wodurch der (Gesellschafts-)Roman eine schöne Portion Krimi erhält). Dabei ist der Fall durchaus vertrackt und besitzt ein überraschendes Ende mit filmreifem Showdown. Durch Kalmanns eigenwillige Art, die sich auch in den Ermittlungen widerspiegelt, kommt zudem eine stimmige Prise Humor in die Handlung. Der Schreibstil von Joachim B. Schmidt ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Kalmann und der schlafende Berg“ eine kurzweilige, spannende wie witzige Lektüre mit gesellschaftskritischem Ton und überraschendem Ende.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein emphatischer Schreibratgeber

Die Geschichten in uns
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„Die Geschichten in uns“ ist ein autobiografischer Schreibratgeber von Benedict Wells. Die Bezeichnung „Schreibratgeber“ trifft es dabei eigentlich nicht ganz; der Begriff greift zu kurz, was hoffentlich ...

„Die Geschichten in uns“ ist ein autobiografischer Schreibratgeber von Benedict Wells. Die Bezeichnung „Schreibratgeber“ trifft es dabei eigentlich nicht ganz; der Begriff greift zu kurz, was hoffentlich im Laufe der Rezension deutlich wird (In Ermangelung eines griffigeren Begriffes nutze ich diesen aber dennoch). „Die Geschichten in uns“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die ersten ca. 100 Seiten mit dem Titel „Der Weg zum Schreiben“ thematisieren Wells Autoren-Werdegang – vom Aufkeimen des Wunsches, Schriftsteller zu werden, über einsame Nächte in der Berliner Wohnung, euphorische Momente des Flows, die von kritischen Stimmen wieder gedämpft wurden, und unzählige Überarbeitungen bis zum Verlagsvertrag bei Diogenes (der Wells Wunschverlag war). Dieser Teil ist besonders interessant für Wells-Leserinnen, zeigt Wells sich hier doch sehr persönlich und nahbar. Der zweite Teil richtet sich eher an Schreiberlinge. Denn: Wells zeigt hier exemplarisch auf, wie er schreibt. Dabei spricht er Prozesse wie das „Finden“ einer Idee und das Überarbeiten der Handlung an. In diesem Kontext thematisiert er außerdem konkrete Werkzeuge zum Überarbeiten einer Geschichte (wie bspw. Dialoge, Timing, doppelte Schleifen oder auch das Nichtschreiben). Dieser zweite Teil schließt mit konkreten Einblicken in den Entstehungsprozess von zwei Romanen, die aus Wells' Feder stammen: Wells stellt frühere Fassungen von Auszügen aus „Vom Ende der Einsamkeit“ sowie „Hard Land“ vor. Obwohl der zweite Teil sich eher an Schreiberlinge richtet, gilt auch hier: Wells-Leserinnen kommen nicht zu kurz. Immer wieder verweilt Wells bei seinen eigenen Romanen, exemplifiziert seine Ratschläge an diesen und gibt Insights in den Entstehungsprozess seiner Beststeller, was durchaus für Nicht-Autorinnen interessant ist. In beiden Teilen geht Wells sehr offen mit seinem Leben und dem Schreiben um, ist selbstkritisch- und reflexiv. Immer schlägt er einen emphatischen Ton ein und schreibt anschaulich, sodass sich der eher theoretische zweite Teil nicht wie Theorie liest, sondern wie die Ratschläge eines lieben Freundes. Insgesamt ist „Die Geschichten in uns“ ein informatives Buch für Fans von Benedict Wells, ein Mutmacher für Autorinnen sowie ein emphatischer Ratgeber für alle Schreiberlinge.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein einfühlsam erzählter Roman über Freundschaft, Liebe und das Finden des Selbst

Das größte Rätsel aller Zeiten
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Inhalt: Seit 25 Jahren, als man ihn als Säugling in einer Hutschachtel vor Creighton Hall fand, ist Clayton Mitglied der „Gemeinschaft der Rätselmacher“ – einer Gruppe leicht eigenwilliger Menschen, die ...

Inhalt: Seit 25 Jahren, als man ihn als Säugling in einer Hutschachtel vor Creighton Hall fand, ist Clayton Mitglied der „Gemeinschaft der Rätselmacher“ – einer Gruppe leicht eigenwilliger Menschen, die die Liebe zum Kreieren von Rätseln aller Art (seien es Puzzle, Kreuzworträtsel oder Irrgärten) eint. Allerdings ist Clayton bei weitem das jüngste Mitglied: Alle anderen könnten seine Großeltern sein. Da die anderen Mitglieder nicht mehr die Jüngsten sind, drängt die Zeit: Will Clayton das Geheimnis um seine Herkunft lüften, muss er sich beeilen – und als unverhofft ein Hinweis auf die Identität seiner Eltern auftaucht, verliert Clayton keine Zeit: Er begibt sich auf das Abenteuer seines Lebens…

Persönliche Meinung: „Das größte Rätsel aller Zeiten“ ist ein Roman von Samuel Burr. Erzählt wird er in zwei Handlungssträngen: Im ersten Erzählstrang, der in der Gegenwart spielt, begleiten wir Clayton auf der Suche nach seiner Herkunft. Im zweiten Erzählstrang begegnen wir Pippa, der Gründerin der „Gemeinschaft der Rätselmacher“. Dieser Strang spielt in der Vergangenheit: Thematisiert wird hier die Geschichte der „Gemeinschaft der Rätselmacher“ – über die Gründung dieser, den Zusammenschluss der Rätselmacher in eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft, das Überstehen von unterschiedlichen Krisen bis hin zum Auffinden des Findelkindes Clayton. Sowohl Pippa und Clayton als auch die anderen Mitglieder der Gemeinschaft werden lebendig geschildert: Sie haben ihre Ecken und Kanten, sind unbedarft, haben allerdings ihr Herz am richtigen Fleck. Erzählt wird die Handlung des Romans behutsam, immer auf eine einfühlsame Art und Weise. Inhaltlich wird eine Vielzahl verschiedener Themen angesprochen (ohne, dass der Roman überladen wirkt): So spielen neben Identitätskonflikten unterschiedlicher Art u.a. das Älterwerden, der Verlust geliebter Menschen, die Veränderung von Freundschaften sowie die Liebe eine wichtige Rolle innerhalb des Romans. Eine Besonderheit des Romans ist, dass sich immer mal wieder kleine Rätsel zum Selberlösen, wie Kreuzworträtsel oder Labyrinthe, innerhalb der Handlung finden. Am Ende findet sich zudem eine schöne Wendung, mit der man nicht rechnen kann. Insgesamt ist „Das größte Rätsel aller Zeiten“ ein einfühlsamer Roman über Freundschaft, Liebe und das Finden des Selbst.

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Veröffentlicht am 13.09.2024

Ein facettenreicher und komplexer Krimi

Alsensund
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Inhalt: In Harrislee, nahe der Grenze zu Dänemark, wird die seltsam drapierte Leiche einer Medizinstudentin gefunden. Da die Tote eine Dänin war, übernimmt der dänische Kommissar Marven Sånbergen – unterstützt ...

Inhalt: In Harrislee, nahe der Grenze zu Dänemark, wird die seltsam drapierte Leiche einer Medizinstudentin gefunden. Da die Tote eine Dänin war, übernimmt der dänische Kommissar Marven Sånbergen – unterstützt durch seine deutsche Kollegin Kommissarin Wiedmann – den Fall. Doch ehe sie den Täter ausfindig machen können, geschieht ein weiterer Mord – und erst der Fund eines Tagebuchs bringt langsam Licht in den Fall, der mit einem jahrzehntealten Ge-heimnis zusammenhängt…

Persönliche Meinung: „Alsensund“ ist ein Regio-Krimi von Per Sjørndahl, der im deutsch-dänischen Grenzgebiet angesiedelt ist. Erzählt wird die Handlung in zwei Erzählsträngen: Der Hauptstrang, erzählt aus der Perspektive von Sånbergen, spielt in der Gegenwart und themati-siert die aktuellen Ermittlungen in den Mordfällen; der zweite, kürzere Strang spielt in der Vergangenheit und setzt sich aus rätselhaften Tagebucheinträgen zusammen, in denen ein na-menloser Ich-Erzählender auftritt. Die Handlung besitzt eine schöne Komplexität: Es gibt ver-schiedene falsche Fährten, nicht jeder Ermittlungsansatz führt (direkt) zum Erfolg, es finden sich mehrere unerwartete Wendungen und letztlich ist die Verknüpfung der Mordfälle vielsei-tiger, als man zunächst vermutet. Daneben lädt der Krimi auch zum Miträtseln ein: Mehrfach werden Brotkrumen ausgelegt, mit denen man des Rätsels Lösung näherkommen kann – was die schlussendliche Auflösung aber nicht minder überraschend macht. Insbesondere die Er-mittlerfigur Sånbergen besitzt Ecken und Kanten: Er ist eher eigenbrötlerisch, gleichzeitig aber – so gut es geht – selbstachtsam und ermittelt auch mal unkonventionell. Der Schreibstil von Per Sjørndahl ist detailreich und flüssig sowie angenehm zu lesen. Insgesamt ist „Alsensund“ ein komplexer Krimi mit überraschenden Wendungen, der trotz seiner Länge von knapp 400 Seiten auf keiner Seite Spannung einbüßt.

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