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Venatrix

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Ein komplexer Krimi

Riviera Express - Schatten über Triora
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In seinem zweiten Fall bekommt es Commissario Tomas Gallo mit der Vergangenheit von Triora zu tun, das als Hauptstadt der Hexen gilt. Im 16. Jahrhundert hat die Inquisition rund 200 Frauen (und wenige ...

In seinem zweiten Fall bekommt es Commissario Tomas Gallo mit der Vergangenheit von Triora zu tun, das als Hauptstadt der Hexen gilt. Im 16. Jahrhundert hat die Inquisition rund 200 Frauen (und wenige Männer) wegen Hexerei angeklagt und hinrichten lassen. Jedes Jahr gedenkt Triora am 31. Oktober dieser Frauen mit einem opulenten historischen Fest, das als Gegenpol zum kommerziellen Halloween gedacht ist.

Doch zunächst macht sich am Vorabend diesem Spektakel eine Gruppe von Jägern auf, um Wildschweine, die Triora, das idyllische Hinterland der Blumenstadt Sanremo verwüsten, zu erlegen. Dann liegt einer erschossen im Dickicht, ein weiteres Mitglied der Gruppe fehlt. Ein typischer Jagdunfall, wie er recht häufig in der alkoholgeschwängerten Luft vorkommt? Oder vorsätzlicher Mord?

Tomas Gallo beginnt akribisch zu ermitteln. Ihm zur Seite stehen, wie schon im ersten Fall, unter anderem der ehemalige Rallye-Pilot Benzina sowie Ispettore Rubbano, das wandelnde Lexikon. Die Jäger sind ein sturer Haufen aus dem wenig herauszubekommen ist. Man verpfeift keinen aus der Gruppe.

Beinahe gleichzeitig verschwindet eine junge Frau, die sich intensiv für alte Heilpflanzen, die hier besonders gut gedeihen und bereits im Mittelalter bekannt waren, interessiert.

Während Gallo und sein Team fieberhaft ermitteln, tauchen kryptische Botschaften auf, die weitere Opfer ankündigen. Muss das Kostümspektakel abgesagt werden?

Meine Meinung:

Wie schon im ersten Band („Dynamit in der Villa Nobel“) ist auch dieser Krimi ziemlich komplex. Er bietet neben dem eigentlichen Kriminalfall auch Einblick in die Geschichte der Region, was mir sehr gut gefällt. Allerdings wird die Spannung durch zahlreiche, einige Seiten lange, in kursiver Schrift gehaltener Einschübe, unterbrochen. Diese detailreichen Intermezzi dienen als Hintergrundinformationen, die den Verdacht der Leser in zwei Richtungen lenken und zudem andeuten soll, wer das eigentliche Ziel der Rache sein könnte. Die hätten meiner Meinung nach gekürzt werden können - zu lang, zu ausführlich. Im Gegensatz dafür ist dann die Auflösung mit allen Drumherum in nur knapp sieben (von 336!) deutlich zu kurz geraten.

Was mir noch aufgefallen ist: Der gesamte Krimi spielt am 31. Oktober von etwa 2 Uhr nachts, als der Jäger tödlich getroffen wird, und endet am selben Abend. In den geschätzten 18-20 Stunden dazwischen werden die Jäger verhört, der flüchtige Jäger sowie die Kräutersammlerin gesucht, zahlreiche Kilometer Berg auf und Berg ab zurückgelegt, Dutzende Telefongespräche mit Pharmafirmen geführt, das Internet durchforstet und dann taucht noch Sonia, das Gspusi von Tomaso auf, mit der dann Süßholz geraspelt wird. Auch der Bürgermeister, der Staatsanwalt sowie die Carabinieri und Hundestaffel werden informiert bzw. angefordert und eingewiesen - und Gallo erledigt das meiste selbst. Irgendwie geht sich das meiner Meinung nach zeitlich nicht aus.

Und ja, das Rendezvous mit Sonia fällt dann auch noch aus. Das wird wohl nichts mehr werden mit den beiden.

Fazit:

Ich befürchte, das war es wohl mit mir und Tomaso Gallo, der eigentlich Tommaso Galimberti della Casa heißt und der letzte Spross einer alten Adelsfamilie ist, und zum Leidwesen seiner Mutter den bürgerlichen Beruf eines Commissario ergriffen hat. Leider wieder nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 21.09.2024

Hat micht diesmal nicht ganz überzeugt

Seelenglut
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Diesmal ist der Krimi auf zwei, mehrere Tausend Kilometer entfernte Erzählstränge aufgeteilt, denn zum einen befinden sich Landpolizist Werner Adler mit seiner Freundin Helena und deren Sohn Alexandros ...

Diesmal ist der Krimi auf zwei, mehrere Tausend Kilometer entfernte Erzählstränge aufgeteilt, denn zum einen befinden sich Landpolizist Werner Adler mit seiner Freundin Helena und deren Sohn Alexandros auf der schönen Insel Korfu, um an einer echt griechisch-orthodoxen Taufe teilzunehmen, denn Helena ist Taufpatin des Babys ihrer Cousine Gaia. Neben kulinarischen Genüssen erlebt Werner ein griechisches Brauchtum, das auch den Gebrauch von Waffen mit scharfer Munition einschließt.

Aber, das ist ja nicht seine Baustelle. Die hat er gleich nach seiner Rückkehr, denn beinahe gleichzeitig brennt es in seiner Heimat am Attersee gleich mehrmals. Dummerweise gerät Petra, eine 17-jährige HTL-Schülerin und Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Verdacht, die Brandstifterin zu sein, um gleich ihren Eifer beim Löschen zeigen zu können.

Aber, stimmt das wirklich?

Meine Meinung:

Diesmal hat Autor Erich Weidinger meiner Ansicht nach zu viel gewollt. Für mich waren die beiden Handlungsstränge Griechenland und Feuerteufel genug, da hätte es jenen mit der eigenartigen Touristin nicht unbedingt gebraucht. Ich bin sicher, es gibt genügend Anhänger von allerlei Verschwörungstheorien, die solches interessant finden.

Gut gefallen hat mir die Entwicklung von Alexandros, dem elfjährigen Sohn von Helena, der Werner als Vater und Werner Vater als Großvater einfach adoptiert. Das Geheimnis um Alexandros leiblichen Vater wird auch diesmal nicht gelüftet, zumal Beni, der IT-Nerd, den Werner mit Nachforschungen beauftragt hat, bei einer der Brandstiftungen stirbt. Warum Helena darum so ein Gewese macht, erschließt sich mir nicht. Andererseits ist sie extrem eifersüchtig. Misst sie da mit zweierlei Maß? Oder was steckt dahinter? Hier ist nur zu hoffen, dass Werner Adler nicht unsanft aus seinen Träumen von einer Familie herausgerissen wird.

Fazit:

Diesmal hat mich der Krimi nicht ganz überzeugt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 24.08.2024

Hat mich nicht ganz überzuegt

Die Villa der Architektin
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Wenn heute endlose Touristenströme durch Rom fluten und über die prunkvollen Palazzi staunen, wird man kaum daran erinnert, dass auch Frauen als Künstlerinnen ihren Anteil hatten.

In ihrem historischen ...

Wenn heute endlose Touristenströme durch Rom fluten und über die prunkvollen Palazzi staunen, wird man kaum daran erinnert, dass auch Frauen als Künstlerinnen ihren Anteil hatten.

In ihrem historischen Roman "Die Villa der Architektin" schildert die italienische Autorin Melania G. Mazzucco das Rom des 17. Jahrhunderts in seiner ganzen Widersprüchlichkeit. Die Stadt erlebt in dieser Zeit einen Bau-Boom und wächst in ihrem barocken Glanz. Wie es in diesem Business, heute wie damals üblich ist, hofieren mächtige Männer andere mächtige Männer und schanzen sich gegenseitig prestigeträchtige Aufträge zu.

Frauen führen in dieser Zeit ein Leben im Verborgenen. Die meisten sind Ehefrauen und Mütter manche Kurtisanen oder Klosterfrauen. Künstlerinnen sind sie kaum, auch wenn so manche Tochter eines Künstlers Malunterricht erhält. Sie dürfen sich an kleinformatigen Blumenbildern wagen, bis es zu ihrer Verheiratung kommt. Danach sind sie - siehe oben - Ehefrauen und Mütter.

Eine Ausnahme hier ist die Römerin Plautilla Bricci (1616-1705), die als Tochter eines Malers und Komödianten Malunterricht erhält. Schon als Kind malt sie Heiligenbilder, die angeblich durch göttliche Eingebung entstanden sind - zumindest verkauft sich diese Geschichte recht gut. Berühmt wird sie durch das Altargemälde „Madonna mit Kind“, das sie mit 13 Jahren als Auftragsarbeit malt. Damit ist sie die erst vierte Frau, die einen solchen Auftrag aus dem Klerus erhält. Später wird sie für ein paar Jahre als Ehrenmitglied in die Accademia di San Luca, einer 1577 gegründeten Künstlervereinigung, aufgenommen.

Sie arbeitet mit dem Bildhauer Gian Lorenzo Bernini zusammen und macht die Bekanntschaft mit dem kunstsinnigen und umtriebigen Abt Elpidio Benedetti. Dieser ist der Kunstagent von Kardinal Jules Mazarin und König Ludwig XIV.. Mit Elpidio Benedetti wird sie zeitlebens ein Verhältnis haben, das vermutlich über eine reine Freundschaft hinausgeht, bevor sie sich entschließt, ihren Lebensabend hinter Klostermauern zu verbringen.

Benedetti verschafft ihr zahlreiche Aufträge. Unter anderem gestaltet sie in der Kirsche San Luigi dei Francesi eine barocke Kapelle. Bekannt ist Plautilla Bricci durch die 1663 von in Trastevere ihr entworfene Villa Benedetta. Dort feilscht sie mit dem Baumeister um passendes Baumaterial und eignet sich Kenntnisse in der Verarbeitung von Stuck an. Das Bauwerk als „Il Vascello“ (Das Schiff) bekannt, wird während des Risorgimentos und den damit verbundenen Kämpfen durch französische Truppen 1849 zerstört.

Obwohl Plautilla Bricci als erste Architektin gilt, sind kaum Dokumente oder Bauten überliefert. Melania G. Mazzucco hat zahlreiche Archive durchforstet. In der Urkunde zur Villa Benedetta lässt sich der Begriff „architettice“, also die weibliche Form zu „architetto“ entdecken.

Soweit die wenigen Fakten, die belegt sind. Die großen Lücken dazwischen füllt die Autorin mit Geschichten und G’schichtln aus der damaligen Zeit, sowie mit viel Fantasie aus. Manche Stellen ihres Romans ähneln jenem über das Leben einer anderen Barockkünstlerin: Artemisia Gentileschi (1593 - 1654). Intrigen bestimmen das Leben beider Frauen, wechselnde Vermögensverhältnisse ebenso. Briccis Familie muss mehrmals umziehen, da man die Miete nicht mehr zahlen kann und sie daher schuldig bleibt - Mietnomaden im Barock.

Dieser historische Roman, als Biografie kann ich das Buch nicht sehen, zeichnet ein von Männern dominiertes Bild des Barock, in dem auch Herrscherinnen wie Anna von Österreich (Ehefrau von Ludwig XIII., also Königin von FRankreich) als mögliche Mäzenin Briccis, wenig ausrichten können.

Vielleicht finden sich ja in anderen Archiven mehr Hinweise auf Plautilla Briccis Werke. Ganz kann ich die Vorschusslorbeeren, die Mazzuccos Roman erhält, nicht nachvollziehen. Die Persönlichkeit Plautilla wird durch die Beschreibung des Zeitgeschehens wie hohe Säuglings- und Müttersterblichkeit sowie der Pestepidemie von 1656 und den Quarantänemaßnahmen überlagert. Breiten Raum nimmt das (wahrscheinliche) Liebesverhältnis zwischen Elipidio und Plautilla ein. Dass hohe Geistliche Geliebte und Kinder haben, ist im Rom des Barock nichts Außergewöhnliches.

Das Buch liest sich angenehm und ist durchaus lesenswert, auch wenn es eher Abbild der Zeit mit allen ihren Intrigen, Glanz und Elend sowie der barocken Üppigkeit ist, als die Biografie einer Frau, die Malerin und Architektin war.

Fazit:

Diesem historischen Roman, der versucht, der lange in Vergessenheit geratenen Plautilla Bricci ein literarisches Denkmal zu setzen, gebe ich gute 3 Sterne.

Veröffentlicht am 27.07.2024

Auftakt einer neuen Krimi-Reihe

Riviera Express - Dynamit in der Villa Nobel
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San Remo - die durch ihr Musikfestival bekannte Blumenstadt an der italienischen Riviera direkt an der Grenze zu Frankreich gelegen, wird von einem brutalen Mord erschüttert. Der bekannte Rechtsanwalt ...

San Remo - die durch ihr Musikfestival bekannte Blumenstadt an der italienischen Riviera direkt an der Grenze zu Frankreich gelegen, wird von einem brutalen Mord erschüttert. Der bekannte Rechtsanwalt Mario Boeri liegt tot im Garten der Villa von Alfred Nobel, in seinem Mund eine Stange Dynamit.

Der neue Chef der Polizia die Stato, der Kriminalpolizei, Commissario Tomas Gallo, beginnt gemeinsam mit seinem Team die Ermittlungen. Recht bald ist klar, dass die Stange Dynamit nur eine Attrappe ist. Doch was sind die Hintergründe zu diesem Mord? Und spielt der Selbstmord von Boeris Klientin direkt vor dessen Kanzlei eine Rolle? Und wenn ja, welche?

Je tiefer er in die Geschäfte der Anwaltskanzlei eindringt, desto komplexer wird der Fall.

Meine Meinung:

Zunächst einmal ist das Setting in San Remo sehr ansprechend. Die Idee hat mir in ihrer Komplexität auch sehr gut gefallen und die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Zwar werden einmal die Klischees des nervenden Vorgesetzten sowie des ungewöhnlichen Ermittlers inklusive eines Mitarbeiters mit einer Inselbegabung bemüht, doch passen die Charaktere recht gut zusammen.

Nervig hingegen ist, und das kostet den 4. Stern, dass das handelnde Personal mehrmals sogar mit dem selben Wortlaut vorgestellt wird. Wir Leser können und das schon merken, dass Gallo ein Spross einer uralten Adelsfamilie ist und mit vollem Namen Tomaso Galimberti della Casa heißt. Oder dass Sub-Commissario Antonio Rubbano ein sogenannter Savant ist, der nicht nur über ein fotografisches Gedächtnis verfügt, Gallo unbedingt loyal gegenüber ist, und seine Rituale braucht, um gute Arbeit leisten zu können. Das muss nicht mehrmals extra wiederholt werden, zumal am Ende des Krimi die Charaktere nochmals detailliert beschrieben aufgelistet sind. Solche dramatis personae wären zu Beginn des Krimis nützlicher.

Die Handlung selbst ist komplex und wir Leser wissen immer ein wenig mehr als der Commissario. Auch deswegen, weil es in kursiver Schrift Einschübe gibt, die zunächst nicht ganz einzuordnen sind, aber im Laufe der Ereignisse sehr gt zusammengeführt werden.

Der Krimi bietet hohe Spannung und unterhält durch die wechselnden Schauplätze (Gallo macht auch einen Abstecher ins französische Menton) sowie durch die Komplexität der Handlung.

Fazit:

Ein komplexer Fall, der so manchen Abgrund aufzeigt. Wegen der nervigen Wiederholungen (siehe oben) ziehe ich den 4. Stern wieder ab, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 17.07.2024

Leichte Sommerlektüre

Mörderisches Santorin - Zoe und die tödliche Kreuzfahrt
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Dieser 2. Krimi rund um Zoe Dahlmann, Halbgriechin und Restaurantbesitzerin auf Santorin, ist ein netter Urlaubskrimi, der sich in wenigen Stunden am Pool eines Kreuzfahrtschiffes oder am Strand lesen ...

Dieser 2. Krimi rund um Zoe Dahlmann, Halbgriechin und Restaurantbesitzerin auf Santorin, ist ein netter Urlaubskrimi, der sich in wenigen Stunden am Pool eines Kreuzfahrtschiffes oder am Strand lesen lässt. Es muss ja nicht unbedingt Griechenland sein.

Die Überraschung ist gelungen, als Sonja, eine Freundin von Zoe aus Frankfurt im Restaurant erscheint und noch größer das Erstaunen, als Sonja wegen Mordverdachts festgenommen wird. Sonjas Kabinennachbarin auf dem Kreuzfahrtschiff ist erstickt worden.

Ausgerechnet Kommissar Spanos, der schon im ersten Fall für Zoe seine Unfähigkeit unter Beweis stellen durfte, ist Chefermittler. Deshalb bleibt Zoe und ihrem Freund Leon nichts anderes übrig, auf eigene Faust den Mörder zu finden ...

Meine Meinung:

Wie schon erwähnt, gehört dieser Krimi in das Subsubgenre Urlaubskrimi. Leicht zu lesen, ein dümmlicher und ignoranter Polizist und Laien, die ermitteln. Daneben lernen wir Land und Leute kennen, dürfen die kulinarischen Köstlichen und das Flair der griechischen Inseln genießen. Und ja, eine Katze, pardon, ein Kater darf auch nicht fehen.

Hier werden wenige Klischee ausgelassen wie allein reisende ältere Frauen, die von Toyboys angesprochen werden oder das Ambiente eines Kreuzfahrtschiffes.

Fazit:

Wer eine sommerliche Lektüre ohne allzu viel Tiefgang zu Entspannung lesen will, ist hier richtig. Von mir gibt’s 3 Sterne.