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Veröffentlicht am 10.11.2024

Nehmt die rosarote Brille ab!

Women Living Deliciously
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Männer und Frauen sind gleichberechtigt, das ist doch klar!
Das könnte man(n) denken – und Frau ebenso. Doch ganz so einfach ist es nicht. Und er erst recht nicht so eindeutig. Denn Auswirkungen und Einfluss ...

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, das ist doch klar!
Das könnte man(n) denken – und Frau ebenso. Doch ganz so einfach ist es nicht. Und er erst recht nicht so eindeutig. Denn Auswirkungen und Einfluss des Patriachats sind verändert und subtil und damit häufig erst auf den zweiten, sensibilisierten Blick zu erkennen.
Und genau diese geschärfte Sichtweise legt Florence Given an den Tag, wenn sie den weiblichen Körper, Schönheitsideale und (Selbst-) Beschränkungen von Frauen kritisch unter die Lupe nimmt und gleich einer Chirurgin freien Willen und Entscheidungsautonomie von patriarchalen Denkmustern und Grenzziehungen trennt. Und dabei Erstaunliches zu Tage befördert.
Für Given steht fest: Es ist Zeit, die rosarote Brille abzunehmen! Denn „der patriarchalische Käfig, der uns zurückhält, befindet sich jetzt in unseren eigenen Köpfen“. Hört sich nicht nur erschreckend an, hat auch Hand und Fuß und unzählige Anknüpfungspunkte an die doch so unterschiedlichen Lebenswelten und -modelle der Leser*innen. Oder anders gesagt: Auch ich selbst habe mich in zahlreichen Ausführungen und Beispielen wiedererkennt. Schmerzhaft. Aber auch notwendig.
Doch wie sagt Given weiter: Wir können nichts ändern, was uns nicht bewusst ist! Und das ist auch der Ausgangspunkt für ihren Drei-Punkte-Plan. Jäten, Pflanzen, Blühen! Denn nach dem Aufdecken von Glaubenssätzen und Gewohnheiten gibt sie lebensnahe und ganz praktische Impulse und Anleitungen, um die Samen für all die Ideen und Ziele zu pflanzen, die Frau für sich selbst will, und deren Früchte sie in der Phase des Blühens erntet.
Tatsächlich hat mich das Buch über viele Kapitel eiskalt erwischt. Warum? Weil ich mich für selbstreflektiert und aufgeklärt halte. Und trotzdem zahlreiche Fallen ausfindig gemacht habe, in die ich nur zu gern tappe, immer wieder. Und selbst nicht mal als solche wahrgenommen habe. Aus diesem Grunde: Das Buch ist Pflichtlektüre, Konfrontationstherapie und Ideengeber für Reflektionen und Wünsche. Und Seelenstreichler und Herzenswärmer gleich dazu.

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Ein Wunderwerk – eine große Leseempfehlung

Antichristie
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Wenn Ihr in den verbliebenen Wochen dieses Jahres nur noch ein Buch lesen könnt: Greift zu „Antichristie“! Legt es Freunden unter den Weihnachtsbaum, und lasst sie mit diesem Wunderwerk ins neue Jahr starten!
Warum ...

Wenn Ihr in den verbliebenen Wochen dieses Jahres nur noch ein Buch lesen könnt: Greift zu „Antichristie“! Legt es Freunden unter den Weihnachtsbaum, und lasst sie mit diesem Wunderwerk ins neue Jahr starten!
Warum ich so euphorisch bin? Es liegt nicht an der goldenen Herbstsonne in meinem Gesicht und den bunten Blättern vor meinen Füßen – okay, vielleicht ein wenig. Doch vor allem ist es dieses grandiose Gesamtpaket von Roman, das mich die vergangenen Tage und Wochen in seinen Bann gezogen hat, eine Geschichte vor meinen Augen und in meinem Kopf hat abspielen lassen und mir so viel neues Wissen, Einsichten und Denkanstöße vermittelt hat.
Und ganz wichtig und nicht zu vergessen: Die Sprache hat Witz, die Handlung Humor. Und das, obwohl das Sujet ein ernstes ist, ein grausames Kapitel der britischen Geschichte und des Leids der Menschen Indiens in der Kolonialzeit des Empires. Historische Figuren und Ereignisse vermischen sich mit Fiktion und einer Lebendigkeit, die sie die Jahrzehnte überbrücken und in der Gegenwart wieder auferstehen lässt.
Durga ist Teil dieser Fiktion und zugleich Mittelpunkt und verbindendes Element zwischen einem Heute im Jahre 2022 – zum Zeitpunkt des Todes Queen Elisabeth II. – und den indischen Revolutionären im Londoner India House des beginnenden 20. Jahrhunderts. Und neben dem fantastischen Motiv der Zeitreise, allerlei Skurrilem wie einem Locked Room-Mord und Doctor Who als Zitategeber und Referenz geht es doch und vor allem um den Widerstand junger Inder im Herzen des Königreichs gegen ihre Unterdrücker und die Heterogenität und Trennung innerhalb des großen Subkontinents Indien in Form von Religionen, Abstammung, Kasten.
Mithu Sanyal vollbringt das Kunststück, aus dieser Vielzahl an Themen, Einflüssen und einem reichen Figurenensemble ein großartiges Ganzes zu erschaffen, das beim Lesen ebenso viel Vergnügen wie Nachdenklichkeit erzeugt. Und Zugang zu Geschichte und Ereignissen vermittelt, die aus eurozentristischer Sicht oftmals verborgen scheinen.

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Veröffentlicht am 05.10.2024

Wirklich und die Wahrheit: Nervenkitzel, Spannung und voller Rätsel

Scandor
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Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – das ist, was Philipp, Tessa und die weiteren Mitspielerinnen sprechen müssen, wollen sie die fünf Millionen Preisgeld gewinnen. Und sich nicht ihren schlimmsten ...

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – das ist, was Philipp, Tessa und die weiteren Mitspielerinnen sprechen müssen, wollen sie die fünf Millionen Preisgeld gewinnen. Und sich nicht ihren schlimmsten Albträumen stellen müssen. Klingt einfach? Nicht aber, wenn Scandor Deinen Arm umschließt. Denn Scandor hört, spürt und bewertet alles. Und lässt Deinen Alltag damit zum Spießrutenlauf werden.
Doch diese Konsequenz wird Philipp und Tessa erst nach und nach bewusst. Wenn sie ihre Freund
innen vor den Kopf stoßen, Kund*innen mit schonungsloser Ehrlichkeit verärgern und sich zunehmend sozial isolieren. Und wäre das allein nicht schon genug, um die eigene Spielteilnahme wieder und wieder in Frage zu stellen und Nerven und Kräfte mehr und mehr schwinden zu lassen, häufen sich auch die merkwürdigen Zufälle und rätselhaften Begegnungen und Verbindungen. Was steckt wirklich hinter dem Wettbewerb? Und verfolgen die Spielmaster möglicherweise ein ganz eigenes Ziel?
Wer Poznanski und ihre Jugendbücher kennt, weiß: Bis zum Schluss, bis zur allerletzten Zeile bleibt es spannend und rätselhaft. Nimmt die Autorin uns mit auf Irrwege, führt uns in Sackgassen und setzt uns Verschwörungen, Staunen und ganz viel Überraschung und Nervenkitzel aus. Und weiß einfach großartig zu unterhalten! Und all das finden wir auch in „Scandor“ – verbunden mit der erschreckenden Vorstellung, dass jemand Drittes tiefen Einblick in unser Innerstes, in unser Selbst nehmen kann.
Wäre das bei mir möglich: Der Wahrheitsgehalt dieser Besprechung ist 100 %. Scandor würde es bestätigen.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

So schön, klug und witzig – ein Pageturner

Pi mal Daumen
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Lieblingsbuch! Und zwar auf ganzer Linie.
Die Geschichte hat mich ins Herz getroffen, ohne dabei rührselig zu sein. Hat mich zum Lachen gebracht mit einem Witz und Humor, der punktgenau und passend ist. ...

Lieblingsbuch! Und zwar auf ganzer Linie.
Die Geschichte hat mich ins Herz getroffen, ohne dabei rührselig zu sein. Hat mich zum Lachen gebracht mit einem Witz und Humor, der punktgenau und passend ist. Und hat mich an das Buch gefesselt, die Nacht zum Tag gemacht.
Doch vor allem lässt sie mich nun wehmütig zurück, denn scheinbar bin ich noch nicht bereit, Moni und Oscar ziehen zu lassen. Mich von den Marotten und Besonderheiten des jungen Mathematikgenies zu verabschieden und auch Moni ein hoffnungsvolles „Auf Wiedersehen“ zu sagen, der lebenserfahrenen und patenten Mutter, Großmutter und Studentin, deren Herz so groß wie ihre Handtasche ist. Und auch die Mathematik werde ich vermissen, die vage Vorstellung von einer Wissenschaft, die das Leben, unsere Welt, das gesamte Universum zu erklären vermag und dabei für diejenigen, die sie zu durchdringen vermögen, Klarheit, Ordnung und den Blick in die tiefsten Tiefen und höchsten Höhen verspricht. Während alle anderen nur Zahlen, Symbole und Formeln sehen.
Doch, was mich wirklich überrascht, ist, wie sehr mir die Geschichte gefallen hat! Das Cover ist wunderschön, ein Eyecatcher, hat mich aber auch auf eine gänzlich andere Fährte geführt. Und wird samt Inhalt nun meinem Mann in die Hand gedrückt, der sich schon über mein verzücktes Lächeln und lautes Lachen gewundert hat. Und die brennende Nachttischlampe zur Schlafenszeit.
Wenn die Tage nun kürzer werden, darf „Pi mal Daumen“ für ein wenig wärmenden Sonnenschein zwischen den Seiten auf keinen Fall fehlen! Kombiniert mit einer Tasse Kamillentee – Oscars Lieblings- und einzigem Getränk in der Unimensa.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Ein wilder Ritt durch Witz, Humor und ein Berlin der Zukunft

Lieferdienst
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Die Geschichte ist rasant. Hat Tempo und gibt ordentlich Gas.
Und das hat sie gemein mit den Bringern der großen Lieferdienste in einem neuen Berlin der Zukunft. Denn flink, findig und mit Blick auf die ...

Die Geschichte ist rasant. Hat Tempo und gibt ordentlich Gas.
Und das hat sie gemein mit den Bringern der großen Lieferdienste in einem neuen Berlin der Zukunft. Denn flink, findig und mit Blick auf die Konkurrenz gnadenlos müssen auch diese sein, bricht doch mit jeder Bestellung, die aufgegeben wird, ein gnadenloses Wettrennen um die schnellste Zustellung los. Und die eigens aus dem 3D-Drucker produzierte Ware droht bei Niederlage wertlos zu werden.
So weit, so erschreckend. Und ein Albtraum des Kapitalismus. Und für all diejenigen, die wissen, dass auch die neuste GameStation – so die Konsole der Zukunft – Ressourcen zieht. Von Arkadis, einem „Vollblut-Bringer“ des Unternehmens Rio, sind jedoch vor allem Kraft und Nerven gefordert, als er nicht nur Zeuge der Ermordung seines legendären Kollegen Airbox sondern in dessen Folge auch in Geheimnisse und Abgründe hineingezogen wird, welche den Fortbestand des bisherigen Liefersystems in Frage zu stellen drohen.
Es ist also dramatisch. Mysteriös. Und hoch spannend! Denn Airbox‘ Mission ist mit Lug und Trug, Fallstricken und Sackgassen, Explosionen und vor allem der schärfsten Currybulette Neu-Berlins gepflastert. Und auch die Leser*innen sind gefragt, wenn sie in ein Feuerwerk an kreativen Einfällen und originellen Wortschöpfungen eintauchen, die auf den ersten Seiten noch ins Auge springen mögen – dann jedoch Teil des stimmigen Settings und eines runden Gesamtbildes werden. Und einfach jede Menge Spaß machen!
Hillenbrand kanns! Mich maßlos unterhalten. Mich zum Lachen bringen. Und mich immer wieder mit einem „Das musst Du hören!“ Sätze und Passagen meinem Mann laut vorlesen lassen. Dem es wohl ebenfalls gefällt – zumindest ist das Buch nun direkt in seine begierigen Hände gewandert.

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