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Veröffentlicht am 02.11.2024

"In Vietnam gab es keine Frauen"

Die Frauen jenseits des Flusses
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Frances McGrath, genannt Frankie, beschließt mit 17, Krankenschwester zu werden. Ihr Bruder meldet sich als Freiwilliger für den Vietnamkrieg und auch sie will als Krankenschwester nach Vietnam gehen. ...

Frances McGrath, genannt Frankie, beschließt mit 17, Krankenschwester zu werden. Ihr Bruder meldet sich als Freiwilliger für den Vietnamkrieg und auch sie will als Krankenschwester nach Vietnam gehen. Was sie dort erwartet, ist ein einziger Albtraum. Sie erlebt die unfassbaren Gräuel des Krieges, kümmert sich inmitten von Raketenbeschuss um junge Männer, fast Kinder, denen Gliedmaßen abgerissen wurden und von denen manche in ihren Armen sterben. Trotzdem verrichtet sie zwei Jahre lang dort ihren Dienst. Bei ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten schlägt ihr dort keineswegs Dankbarkeit für ihren Dienst am Vaterland entgegen, denn die Stimmung im Land hat sich gedreht. Demonstranten mit „Make Love, not War“ Bannern bespucken und beschimpfen sie, und selbst ihren Eltern scheint es peinlich zu sein, dass ihre Tochter bei der Army gedient hat. Zum Glück hat Frankie ihre Freundinnen und Kolleginnen aus dem Krankenhaus in Vietnam, Ethel und Barb, die, wie sie, Probleme damit haben, sich wieder im normalen Leben in den USA Fuß zu fassen, die jedoch immer an ihrer Seite sind, wenn sie gebraucht werden. Frankie hat kein Glück in der Liebe, leidet unter PTBS, trinkt zuviel und hat ihr Leben nicht im Griff. Erst als sie sich ihren Traumata stellt, wendet ihr Leben sich zum Besseren.

„Die Frauen jenseits des Flusses“ ist ein hervorragend recherchiertes und unter die Haut gehendes Buch. Anhand der Protagonistin Frances wird gezeigt, wie die Krankenschwestern, die in Vietnam viele Leben retteten, zuhause verleugnet wurden. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und war begeistert von der Vielseitigkeit der Sprecherin, Luise Helm. Ein Buch, das einen so schnell nicht wieder loslässt. Absolute Hör-/Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.10.2024

Ein Platz für alles, und alles an seinen Platz

Das Buch der neuen Anfänge
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Anstatt von ihrem langjährigen Freund den erwarteten Verlobungsring geschenkt zu bekommen, stellt sich heraus, dass er Jo betrügt. Zutiefst verletzt flieht sie nach London, wo ihr Patenonkel, der seit ...

Anstatt von ihrem langjährigen Freund den erwarteten Verlobungsring geschenkt zu bekommen, stellt sich heraus, dass er Jo betrügt. Zutiefst verletzt flieht sie nach London, wo ihr Patenonkel, der seit kurzem im Pflegeheim ist, einen kleinen Schreibwarenladen mit einem etwas angestaubten Sortiment betreibt. Die Fluktuation ist daher nicht allzu groß, doch die Menschen, die in den Laden kommen, fühlen sich wohl und erzählen Jo aus ihrem Leben. Vor allem zwei Menschen wachsen ihr ans Herz: Malcolm, ein älterer Herr, der sehr einsam scheint und sich jede Woche ein neues Notizbuch kauft. Und Ruth, die „flüchtige Vikarin“, deren Bild Jo in der Zeitung gesehen hat. Sie erlangte kurzzeitig Berühmtheit, weil sie ihre Gemeinde aus unbekannten Gründen Hals über Kopf verlassen hatte.
Doch auch die Nachbarn in Jos Straße, „Erik der Wikinger“ und Lando, heißen sie willkommen. Nach und nach tritt der treulose James in den Hintergrund und Jo beginnt den Stellenwert von Freundschaften in ihrem Leben zu erkennen.
„Das Buch der neuen Anfänge“ ist ein wirklich herzergreifendes Buch über Freundschaft und die kleinen Dinge und Gemeinsamkeiten, die Freundschaften ausmachen. Stellenweise ist es urkomisch, ich habe des Öfteren beim Lesen laut gelacht. Ich war gesundheitlich etwas angeschlagen, als ich dieses Buch gelesen habe, und es war genau die richtige feel-good-Lektüre.

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Veröffentlicht am 01.10.2024

Ein aufgewecktes Eichhörnchenkind

Gute Nacht, kleiner Strubbel − Das Bilderbuch für alle Familien, die ruhige Nächte lieben
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Das kleine Eichhörnchenkind Strubbel ist ein aufgewecktes Kerlchen, das am liebsten mit seinen Freunden Malou Maus, Igor Igel, Oskar Otter und vielen anderen Tieren den ganzen Tag im Wald spielt. Strubbel ...

Das kleine Eichhörnchenkind Strubbel ist ein aufgewecktes Kerlchen, das am liebsten mit seinen Freunden Malou Maus, Igor Igel, Oskar Otter und vielen anderen Tieren den ganzen Tag im Wald spielt. Strubbel ist auch nachts sehr lebhaft, sehr zum Leidwesen seiner Eltern, die während der Nacht so manchen Tritt abbekommen und morgens oft wie gerädert aufwachen. Als der neunmalkluge Kuckuck den Eltern rät, dass Strubbel groß genug ist, um im eigenen Nest zu schlafen, sind diese verunsichert. Hat der Kuckuck recht und sie verwöhnen ihr Strubbelchen zu sehr?
„Gute Nacht, kleiner Strubbel“ ist ein Gutenachtbuch, das vielen Eltern aus der Seele sprechen wird. Unruhige Kinder, die mitten in der Nacht eine Banane verlangen, Besserwisser, die ungefragt Erziehungstipps geben, ein großes Familienbett oder doch lieber getrennte Betten, all das wird in diesem liebevoll gestalteten Büchlein spielerisch behandelt. Die Illustrationen von Nora Paehl sind total süß. Wer hätte gedacht, dass in der Höhle des kleinen Mäuschens eine Glühbirne von der Decke hängt und Käfer und Raupen ebenfalls nachts unter einem Federbett schlafen? Auf den Seiten finden sich viele versteckte Details, die es zu entdecken gibt. Unser Dreijähriger hat viel Spaß beim Lesen dieses Buchs und wir finden immer wieder Neues. Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Realität oder Illusion?

Akikos stilles Glück
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Die 28jährige Akiko lebt allein in einer kleinen Wohnung in Tokio. Ihre Mutter ist vor drei Jahren gestorben, einen Partner hat und will sie nicht, sehr zum Erstaunen ihrer Arbeitskollegin Naoko, die gerne ...

Die 28jährige Akiko lebt allein in einer kleinen Wohnung in Tokio. Ihre Mutter ist vor drei Jahren gestorben, einen Partner hat und will sie nicht, sehr zum Erstaunen ihrer Arbeitskollegin Naoko, die gerne mal mit Zufallsbekanntschaften in eines der in Japan üblichen „Love Hotels“ geht. Ihr Arbeitstag als Buchhalterin ist lang, oft verlässt sie das Büro erst gegen neun Uhr abends, vor allem dann, wenn ihr Vorgesetzter so lange im Büro war, denn es gehört sich nicht, vor dem Chef nach Hause zu gehen. Anstatt in ihre leere Wohnung zurückzukehren, geht Akiko abends noch gern spazieren. Bei einer dieser Gelegenheiten sieht sie einen Mann, in dem sie Kento, einen früheren Klassenkameraden, zu erkennen glaubt. Allerdings kann sie die ärmliche Kleidung kaum mit dem Kento von früher in Einklang bringen, denn der Klassenkamerad stammte aus einem wohlhabenden Elternhaus. Als sie ihn am nächsten Abend vor einem 24-Stunden-Supermarkt wiedersieht, spricht sie ihn an. Sie wundert sich über seine zurückhaltende Reaktion, später erfährt sie, dass Kento zu einem Hikikomori geworden ist, der soziale Kontakte meidet und nur nachts die Wohnung verlässt. Mit der Zeit nähern sich die beiden einander an, sie schreiben sich kurze Nachrichten und unternehmen nächtliche Spaziergänge. Als Akiko Kento anvertraut, dass sie sich eine „Solo Wedding“ überlegt, eine Zeremonie, in der sie sich selbst heiratet, verblüfft er sie mit der Frage, ob sie sich dafür gut genug kennt und ob sie sich mag. Akiko beginnt ihr Leben zu hinterfragen. Ist sie die Person, die sie sein will und ist sie eigentlich mit ihrem Leben zufrieden? Was in ihrem Leben ist Realität, was Illusion?
Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil Japan für mich eine fremde und faszinierende Welt ist. „Akikos stilles Glück“ ist ein wunderschönes, sehr gut geschriebenes Buch, in dem man Einblicke in das moderne japanische Leben, aber auch Traditionen erhält. Die langsame Annäherung von Akiko und Kento und deren Entwicklung ist interessant und glaubhaft geschildert. Obwohl Jan-Philipp Sendker laut Klappentext einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren ist, hatte ich noch nie etwas von ihm gelesen und wurde angenehm überrascht. Ein wirklich lesenswertes Buch, das ich wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Freundschaft über die Generationen hinweg

Der Bademeister ohne Himmel
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Die fünfzehnjährige Linda lebt mit ihrer Mutter in einem Mehrfamilienhaus in Bregenz am Bodensee. Dreimal die Woche verbringt Linda den Nachmittag bei ihrem 86jährigen Nachbarn Hubert, der an Demenz erkrankt ...

Die fünfzehnjährige Linda lebt mit ihrer Mutter in einem Mehrfamilienhaus in Bregenz am Bodensee. Dreimal die Woche verbringt Linda den Nachmittag bei ihrem 86jährigen Nachbarn Hubert, der an Demenz erkrankt ist. Während sie dort ist, hat Ewa, Huberts polnische Pflegekraft, ein paar Stunden frei. Lindas Verhältnis zu den beiden ist inniger als das zu ihrer geschiedenen Mutter, der ihr neuer Freund, der „Bestatter“, wichtiger zu sein scheint als Linda.
Ewa ist eine sehr liebevolle und zupackende Person, sie backt und kocht und stellt Kräutermischungen her, die Hubert Linderung verschaffen sollen. Und auch Linda weiß intuitiv, was dem alten Herrn guttut. Sie spielt ihm Tonbandaufnahmen vor, die Hubert an seine Zeit als Bademeister erinnern, und kümmert sich besser um ihn als dessen eigene Tochter, die sie insgeheim den „Nachtfalter“ nennt, weil sie bei ihren seltenen Besuchen immer nur nervös herumflattert.
Neben Ewa und Hubert hat Linda nur noch einen Freund: den etwas jüngeren Kevin, der sich große Sorgen um den Zustand der Erde macht und jederzeit Statistiken über den CO2-Ausstoß und die Erderwärmung parat hat. Gleichaltrige Freundinnen hat Linda nicht. Sie ist eine Einzelgängerin, die sich gelegentlich mit Selbstmordgedanken trägt. Hubert ist der einzige, dem sie ihre Gedanken anvertraut, in dem sicheren Wissen, dass er sie im nächsten Moment wieder vergessen hat.
„Der Bademeister ohne Himmel“ ist ein wunderschönes und berührendes Buch über Freundschaft über die Generationen hinweg. Es ist stellenweise sehr komisch, dann wieder tieftraurig. Die Personen sind liebevoll charakterisiert. Wir erleben, wie Huberts Demenz immer schlimmer wird, während er sich zu Beginn des Romans noch mitteilen kann, erkennt er am Ende niemanden mehr. Die einzige Freude, die er zuletzt noch empfindet, ist angesichts eines Therapiehundes, den er für seinen verstorbenen Hund Sammy hält. Man merkt, dass die Autorin, Petra Pellini, lange Zeit in der Pflege demenzkranker Menschen tätig war, so einfühlsam, wie sie Huberts Krankheitsverlauf schildert.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

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