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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2024

Ein düsterer Krimi mit einem besonderen Ermittler

Die rauen Nächte von Graz
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Kurz vor Weihnachten wird eine junge Frau mehr tot als lebendig gefunden und sie ist nur eine von mehreren Vermissten. Ausgerechnet Sonderermittler Armin Trost ist derjenige, dem die Frau sozusagen in ...

Kurz vor Weihnachten wird eine junge Frau mehr tot als lebendig gefunden und sie ist nur eine von mehreren Vermissten. Ausgerechnet Sonderermittler Armin Trost ist derjenige, dem die Frau sozusagen in die Arme läuft und sofort ist er Teil einer Sonderkommission, die verdeckt ermittelt. Abgelenkt wird Trost immer wieder von seiner attraktiven Nachbarin, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat. Doch im Laufe der Ermittlungen gerät nicht nur seine neue Liebe, sondern auch er selbst in Gefahr.

Dieser neunte Band rund um den Grazer Kommissar Armin Trost war für mich der Einstieg in diese Krimireihe.
Von Anfang an hat hier für mich alles zusammengepasst; die düstere Atmosphäre im winterlichen Graz und der Schreibstil des Autors haben perfekt zum komplizierten Innenleben des Kommissars und zur Ungeheuerlichkeit des Falls gepasst.
Zwar rücken die Ermittlungen zeitweise etwas in den Hintergrund und kommen nicht so wirklich voran, doch dafür gewinnt man ein gutes Bild von Armin Trost, der mir sehr sympathisch geworden, für seine Kollegen allerdings oft eine Zumutung ist.
Die Handlung des Romans lässt der Autor Robert Preis an einigen wenigen Tagen Ende des Jahres stattfinden, den sogenannten Rauhnächten. Das fand ich nicht nur interessant, es hat auch noch einmal mehr zur gruseligen Stimmung beigetragen.
Es gibt immer wieder Hinweise auf frühere Fälle, die mich sehr neugierig gemacht haben, ich hatte aber zu keiner Zeit Verständnisprobleme. „Die rauen Nächte von Graz“ kann man sehr gut lesen, ohne die Vorgänger zu kennen.

Fazit
Ein düsterer Kriminalroman mit einem besonderen Ermittler, über den ich gerne mehr lesen würde.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Ein gelungener Abschluss

Wie Spuren am See - Das Juwel
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Auch im letzten Teil der Bodensee-Saga von Sibylle Baillon kommen Bella und Chris einfach nicht zur Ruhe. Wie ein Deja-vu erscheint es Julia, als es eines Tages unerwartet an der Tür klopft. Doch diesmal ...

Auch im letzten Teil der Bodensee-Saga von Sibylle Baillon kommen Bella und Chris einfach nicht zur Ruhe. Wie ein Deja-vu erscheint es Julia, als es eines Tages unerwartet an der Tür klopft. Doch diesmal ist es keine Fremde, der Julia öffnet, sondern ihre Freundin Rita in Begleitung eines Mannes. Die Wiedersehensfreude ist groß, währt allerdings nicht lange. Denn wieder einmal sorgt ein altes Geheimnis aus der Vergangenheit für mächtigen Ärger.



Wie auch schon die ersten beiden Teile dieser Reihe habe ich „Das Juwel“ sehr gerne gelesen. Allerdings sollte man schon die Vorgeschichte kennen, um die Hintergründe zu verstehen und mit den Protagonisten mitfiebern zu können.

Mit Napoleon und der Suche nach dem verschollenen Juwel fügt die Autorin diesmal noch eine Prise Historisches hinzu, was mir sehr gut gefallen hat.

Wieder einmal lässt dieser Roman nichts an Spannung und Emotionen zu wünschen übrig, alles eingebunden in die tolle Kulisse des Bodensees.



Fazit

Ein gelungener Abschluss, der keine Fragen offen lässt.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Eine absolut mitreißende, wenn auch etwas ungewöhnliche Zeitreise

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Venedig 1468: Als Lorenzo Rosso, ein Meister der Glaskunst und Oberhaupt der Familie, plötzlich stirbt, hinterlässt er eine große Lücke, die es zu füllen gilt. Mutig versucht seine Tochter Orsola die Familie ...

Venedig 1468: Als Lorenzo Rosso, ein Meister der Glaskunst und Oberhaupt der Familie, plötzlich stirbt, hinterlässt er eine große Lücke, die es zu füllen gilt. Mutig versucht seine Tochter Orsola die Familie zu unterstützen, doch als Frau ist es ihr nur im Geheimen erlaubt, kleine Kostbarkeiten aus Glas herzustellen.


Tracy Chevalier hat sich in diesem 464 Seiten umfassenden Roman für eine ungewöhnliche Herangehensweise entschieden. Sie umreißt die Geschichte der Glasmacherkunst auf der kleinen Insel Murano mehrerer Jahrhunderte, lässt aber ihre Protagonisten dabei „normal“ altern, sodass sie quasi in jeder Epoche nur einige Jahre älter sind als in der vorherigen.
Was mich anfangs etwas verwirrte, fand ich doch ziemlich schnell faszinierend und großartig umgesetzt.
So verfolgen wir wie das pulsierende Venedig des 15. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Österreicher 300 Jahre später verarmt und seinen Glanz verliert. Wie es wieder aufsteht und nicht zuletzt durch den ansteigenden Tourismus wieder zu einem Anziehungspunkt wird.
Sei es die Pest oder Zölle, die auferlegt werden; alles was in Venedig passiert, hat immer auch Auswirkungen auf die kleine Insel Murano. Und somit auf die Familie Rosso. Die Veränderungen, die nötig waren, um die Familie und das Unternehmen durch alle Krisen zu steuern, haben Mut und Kraft gekostet. Das anhand immer der gleichen Protagonisten verfolgen zu können, hat mir wahnsinnig gut gefallen.
Das Glasmacherhandwerk wird von der Autorin detailliert und fast liebevoll beschrieben und so schön in die Geschichte eingebettet, dass es zu keinem Zeitpunkt langweilig wird.
Die Entwicklung, die die Charaktere im Laufe der Jahre und auch im Laufe der Jahrhunderte machen, war spannend zu beobachten; herausgestochen haben für mich natürlich Orsola und ihre Familie, aber auch viele andere wie der Kaufmann Klingenberg und seine Tochter hatte ich genauso bildlich vor Augen wie die einzigartigen Kanäle Venedigs.

Fazit
Eine mitreißende Zeitreise vom Venedig des 15. Jahrhunderts bis heute. Absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 12.09.2024

Vielschichtiger Generationenroman

Die Frauen von Maine
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In Awadapquit, einem kleinen Ort an der Küste Maines, steht am Rande der Klippen ein Haus, das schon viel gesehen hat. Hier haben schon einige Menschen gelebt, gelitten und geliebt. Auch für Jane Flanagan ...

In Awadapquit, einem kleinen Ort an der Küste Maines, steht am Rande der Klippen ein Haus, das schon viel gesehen hat. Hier haben schon einige Menschen gelebt, gelitten und geliebt. Auch für Jane Flanagan hat es eine besondere Bedeutung. Als Kind hat sie das damals verlassene Haus oft als Rückzugsort genutzt. Nachdem sie viele Jahre später einen schrecklichen Fehler begangen hat, der sie Job und Mann gekostet hat, kehrt sie in ihre Heimat zurück und trifft dort auf die neue Besitzerin „ihres“ Hauses.
Als diese Jane damit beauftragt, etwas über die Vergangenheit des Hauses herauszufinden, willigt sie ein und stößt dabei auf alte Familiengeheimnisse, die auch Einfluss auf ihr eigenes Leben haben.

Von Beginn an war ich sehr angetan vom Schreibstil der Autorin J. Courtney Sullivan, die die Schönheit Maines wunderbar in Worte fasst.
In relativ langen Kapiteln begegnen wir zuerst Jane, die sich gerade an einem Tiefpunkt ihres Lebens befindet, und lernen dann im Verlauf ihrer Recherchen die Frauen kennen, die „das lila Haus“ einst bewohnt haben.
Besonders gut gefallen hat mir, wie die verschiedenen Akteure im Verlauf des Buches miteinander verknüpft werden. Während man immer tiefer in die Geschichte des Hauses und seiner verschiedenen Bewohner eindringt, droht man manchmal fast die Orientierung zu verlieren, bis plötzlich unerwartet der Zusammenhang durch eine Begegnung oder ein Gespräch wieder hergestellt wird.
Die Geschichte ist sehr vielschichtig, reicht von Themen wie religiösen Gemeinschaften, dem Umgang mit der indigenen Bevölkerung und Spiritualität bis zu Alkoholismus, Verlust und Freundschaft.
Die Schicksale der Frauen von Maine sind allesamt berührend und spannend zu verfolgen.

Fazit
„Die Frauen von Maine“ ist kein Roman, den man mal so nebenher lesen kann, dafür ist der Inhalt einfach zu komplex. Wer davor nicht zurückschreckt, wird jedoch mit wunderbaren Lesestunden beschenkt.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Klare Leseempfehlung für diesen Roman, der viel mehr ist als ein Krimi

Das Haus in dem Gudelia stirbt
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Als eine Flutkatastrophe über das Dorf Unterlingen hereinbricht, ist die Zerstörung groß, alle Anwohner werden evakuiert. Nur Gudelia weigert sich, ihr Haus zu verlassen. Ohne Strom und Wasser verharrt ...

Als eine Flutkatastrophe über das Dorf Unterlingen hereinbricht, ist die Zerstörung groß, alle Anwohner werden evakuiert. Nur Gudelia weigert sich, ihr Haus zu verlassen. Ohne Strom und Wasser verharrt die 81 jährige in ihren Räumen, denn hier befindet sich ein dunkles Geheimnis, das es unbedingt zu schützen gilt.

Mit „Das Haus, in dem Gudelia stirbt“ ist dem Autor Thomas Knüwer ein außergewöhnlicher Krimi gelungen.

Wir begleiten Gudelia auf drei verschiedenen Zeitebenen, die sehr überschaubar kapitelweise voneinander getrennt sind. Im Jahr 1984 stirbt ihr Sohn Nico und nichts ist mehr wie es vorher war. Gudelias Mann Heinz, ein starker Alkoholiker, ist ihr keine Stütze und so trauert jeder für sich alleine.

1998 wohnen beide immer noch im gleichen Haus, doch die Situation ist unerträglich geworden, unter anderem weil Heinz‘ Sucht nicht in den Griff zu bekommen ist.

Schließlich verfolgen wir im Jahr 2024 wie die Wassermassen Autos, ganze Schweineherden und sogar zwei Leichen an Gudelias Fenster vorbeispülen. Ihr Haus wird stark in Mitleidenschaft gezogen, doch um ihr lang gehütetes Geheimnis zu bewahren, ist Gudelia fast jedes Mittel recht.



Was diesen Roman für mich so außergewöhnlich gut macht ist, abgesehen von der spannenden Handlung, diese unglaublich beklemmende Atmosphäre, die mich durch das ganze Buch hinweg begeistert hat.

Der Schreibstil hat perfekt dazu gepasst; kurze Sätze und die zum Teil nüchterne Betrachtung der bedrückenden Themen haben einen großen Teil zum Aufbau von Spannung und Stimmung beigetragen.

Gudelia ist eine starke, aber auch extreme Person, mit der man extrem mitleidet, über die man aber auch manchmal den Kopf schüttelt ob ihrer grenzwertigen Aktionen.



Fazit

„Das Haus in dem Gudelia stirbt“ ist mehr als ein Kriminalroman. Es ist eine beklemmende Geschichte über die Liebe einer Mutter, Schuld und was daraus entstehen kann.

Fünf Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die wieder einmal einen außergewöhnlichen Krimi lesen möchten.

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