Beklemmend
Die KammerEllen arbeitet als Sättigungstaucherin, ein harter Job, in dem es nur wenige Frauen gibt. Ihr derzeitiger Einsatz findet in der Nordsee statt, zusammen mit ihren fünf männlichen Kollegen wird sie einen ...
Ellen arbeitet als Sättigungstaucherin, ein harter Job, in dem es nur wenige Frauen gibt. Ihr derzeitiger Einsatz findet in der Nordsee statt, zusammen mit ihren fünf männlichen Kollegen wird sie einen Monat in einer Druckkammer an Bord eines Schiffes Verbringen, von der aus sie zu ihren Tauchgängen startet. Als Ellen und ihr Partner nach dem ersten Tauchgang in die Kammer zurückkommen erwartet sie das Chaos, einer ihrer Kollegen ist zusammengebrochen und stirbt, trotz aller Bemühungen.
Eigentlich dachte ich, das Buch würde ein klassisches Locked Room Szenario bieten, sechs Taucher, isoliert von der Außenwelt, eingeschlossen in einer Druckkammer und es gibt einen Toten. Diese Grundidee hat mich aus dem Klappentext heraus direkt angesprochen und ich war total gespannt auf die Umsetzung. Allerdings sind die Taucher nicht komplett isoliert, den die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Dingen erfolgt von außen über eine Schleuse. Dieser Umstand erweitert den Kreis der Verdächtigen beträchtlich und die Eingeschlossenen fokussieren sich natürlich auf diese Gruppe, einfach weil es leichter ist an einen Täter von außerhalb zu glauben, als an einen, der neben einem in der Koje liegen könnte.
Direkt zu Beginn des Buches findet der Leser eine Darstellung des Schiffs mit der Position der Kammer so kann man sich ein Bild von der Anordnung machen. Zum Inneren der Kammer gibt es keine Darstellung, allerdings beschreibt der Autor diese sehr gut und man bekommt schnell ein Gefühl für die Enge und die Atmosphäre, die darin herrscht. Beklemmend ist das Wort, das es am deutlichsten beschreibt, denn nichts anderes ist es und allein die Vorstellung beim Lesen hat mir Gänsehaut gemacht. Ich bin nicht klaustrophobisch veranlagt, aber hier würde ich an meine Grenzen kommen, natürlich auch bedingt durch die Tatsache, dass man mal eben nicht einfach die Tür öffnen und nach draußen gehen kann, denn das würde, durch die herrschenden Druckverhältnisse, den sicheren Tod aller bedeuten. Diesen Teil der Geschichte hat der Autor richtig gut hinbekommen, man spürt förmlich die Beklemmung innerhalb der Kammer.
Erzählt wird die Geschichte aus Ellens Sicht, als Leser steckt man tief in ihrem Kopf, taucht ab in ihr Gedankenchaos. Leider ist Ellen jemand der viel grübelt und sich oft in seinen Mantras verliert und hier beginnt die Geschichte dann schnell an Spannung zu verlieren und wird anstrengend. Es werden ständig wiederkehrende Abläufe beschrieben, immer wieder wird betont, wie lebenswichtig deren Einhaltung ist und ich will nicht abstreiten, dass das in der Realität auch tatsächlich über Leben und Tod entscheiden kann. Beim Lesen war es aber einfach nur ermüdend, noch dazu, weil der Autor auch fast immer den gleichen Wortlaut verwendet hat. Ich kann mir vorstellen, dass das als Stilmittel gedacht war um den Charakter der Story zu unterstreichen, mir hat es nicht gefallen. Ich breche selten ein Buch ab, hier war ich aber mehrmals kurz davor, einfach, weil komplett die Luft raus war und ich eigentlich gar nicht mehr wissen wollte, wer es war. Trotzdem habe ich mich durch die zähe Dekompression gearbeitet gearbeitet und es bis zur Auflösung geschafft.
Die Auflösung hat mich ehrlich gesagt vollkommen unvorbereitet getroffen und lässt mich absolut unbefriedigt zurück. Wäre das ein Film, den ich mit meinem Mann angesehen hätte, würde der mich am Schluss nur fragend ansehen und wollen, dass ich ihm das Ende erkläre. Kann ich aber nicht, denn ich verstehe es auch nicht wirklich, es ist ein typisches - augenbrauenhochziehendes echt jetzt? Ende, anders kann ich es nicht beschreiben. Mich konnte das Buch leider gar nicht fesseln.