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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2017

Ein wunderschönes poetisches Bilderbuch.

Wenn die Nacht erwacht
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Louise Greig, Ashling Lindsay, Wenn die Nacht erwacht, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-5958-2

Der Übergang vom Tag zur Nacht hat schon immer Menschen zum staunenden Nachdenken und zu poetischen Beschreibungen ...

Louise Greig, Ashling Lindsay, Wenn die Nacht erwacht, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-5958-2

Der Übergang vom Tag zur Nacht hat schon immer Menschen zum staunenden Nachdenken und zu poetischen Beschreibungen geführt. Das vorliegende zuerst 2016 in London erschienene Bilderbuch von Louise Greig und Ashling Lindsay versucht dieses Staunen und diese geheimnisvollen Stimmung, „wenn die Nacht erwacht, für kleine Kinder ab etwa 3 Jahren in Wort und Bild lebendig zu machen.

In sparsamen und dennoch sehr dichten Worten erzählt das Bilderbuch, wie der kleine Max dieses Geschehen in der Wohnung seiner Eltern, draußen vor dem Fenster und in seinem Zimmer beobachtet.
Wohin geht der Tag, wenn er müde ist? Und woher kommt die Nacht? Max hat eine Nachtkiste in seinem Zimmer, und wenn die Nacht abends munter wie ein Schelm aus der Kiste heraussaust, begrüßt sie Max freundlich. Und mit diesem Zutrauen kann er ruhig schlafen in seinem warmen Bett.
Und am Morgen ist es umgekehrt. Die Nacht schlüpft in die von Max geöffnete Kiste und der Tag saust heraus:
„Der Tag atmet in die Blätter,
Stille fliegt aus den Bäumen,
Gelb steigt aus den Dächern
Und ein neuen Lied beginnt.“

Ein wunderschönes poetisches Bilderbuch.


Veröffentlicht am 16.11.2017

hervorragend beschrieben aus der Sicht eines betroffenen Kindes. Ein preiswürdiges Bilderbuch.

Meine neue Mama und ich
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Renata Galindo, Meine neue Mama und ich, NordSüd Verlag 2017, ISBN 978-3-314-10394-0

Mit diesem wunderbaren, in einer knappen und reduzierten Bildsprache erzählten Bilderbuch ist es der Amerikanerin Renata ...

Renata Galindo, Meine neue Mama und ich, NordSüd Verlag 2017, ISBN 978-3-314-10394-0

Mit diesem wunderbaren, in einer knappen und reduzierten Bildsprache erzählten Bilderbuch ist es der Amerikanerin Renata Galindo sehr gut gelungen, das in der Kinderliteratur selten angesprochen und dargestellte Thema der Adoption kindgerecht aufzubereiten.
Der kleine Hund, der seine Geschichte erzählt, ist von einer Katze adoptiert worden: „Als ich zum ersten Mal zu meiner neuen Mama heimkam, war ich sehr aufgeregt. Dies würde mein neues Zuhause sein“, erzählt der rotbraune Welpe. Dass seine Mama so ganz anders aussieht als er, verunsichert ihn zuerst und er versucht so auszusehen wie seine Mama, die ein gestreiftes Fell hat. Doch bald schon lernt er, mit Unterschieden umzugehen und sich nicht um die Meinung der anderen zu kümmern. Seine neue Mama macht alles für ihn. Sie backt Pfannkuchen, tröstet ihn, wenn er hingefallen ist. Sicher, manchmal ist er auch wütend und traurig, ohne genau zu wissen warum. Doch seine Mama versteht auch das: „Mama lernt, meine Mutter zu sein, ich lerne, ihr Kind zu sein. Wir lernen beide, eine Familie zu sein.“

Es ist eine einfühlsam und warmherzig erzählte Geschichte, die eine n tief berühren kann. Es geht um Liebe, Vertrauen und Geborgenheit in einer nicht ganz gewöhnlichen Familie, die sich erst neu finden muss.

Das Thema Adoption wird zwischen den Zeilen hervorragend beschrieben aus der Sicht eines betroffenen Kindes. Ein preiswürdiges Bilderbuch.





Veröffentlicht am 16.11.2017

Viele überraschende Wendungen, die man von Musso gewohnt ist, erzeugen eine fast unerträgliche Spannung bis zu einem nicht für möglich gehaltenen überraschenden Ende.

Das Papiermädchen
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Guillaume Musso, Das Papiermädchen, Piper 2017, ISBN 978-3-492-30856-4

Der neue wieder überaus spannende Roman des französischen Erfolgsautors Guillaume Musso ist in Frankreich schon 2010 erschienen und ...

Guillaume Musso, Das Papiermädchen, Piper 2017, ISBN 978-3-492-30856-4

Der neue wieder überaus spannende Roman des französischen Erfolgsautors Guillaume Musso ist in Frankreich schon 2010 erschienen und wird jetzt , vielleicht wegen einer Schreibpause des Autors, von Piper als neuer Bestseller präsentiert.

Es ist zu hoffen, dass es ihm nicht so geht, wie seinem Protagonisten in dem Roman „Das Papiermädchen“. Tom Boyd hat es geschafft, in den letzten Jahren ein so erfolgreicher Schriftsteller zu werden, dass er es sich leisten kann, in Malibu in einer großen Villa zu leben. Über viele Monate war er in einer leidenschaftlichen Beziehung mit einer weltberühmten Pianistin zusammen. Doch die hatte kein wirkliches Interesse an einer längerfristigen und festen Bindung und so ging die Beziehung in die Brüche. Diese Trennung stürzt Tom in seine bisher größte Lebenskrise. Er stürzt total ab, verfällt Drogen und Alkohol, und als sein Freund und langjähriger Berater Milo ihm auch noch gestehen muss, dass er durch die Finanzkrise nicht nur sein ganzes eigenes Vermögen , sondern auch das von Tom, das er verwaltete., verspielt hat, sieht Tom keine wirkliche Zukunft mehr für sich. Obwohl sein Verlag auf den dritten Band einer auf der ganzen Welt erfolgreichen Romantrilogie drängt, weigert sich Tom, auch nur eine einzige Zeile zu schreiben. Auch seine Jugendfreundin Carole, eine Polizistin, die neben Milo versucht, ihn aus seinem tiefen Loch herauszuholen, ist hilflos.

Da passiert eines Abends etwas sehr Seltsames, wie meist in den Büchern von Musso, etwas Magisches und Fantastisches, etwas jenseits aller normalen Realität. Eine Frau steht vor seiner Tür und behauptet, sie sei „Billie“, eine Figur aus einem seiner Bücher. Aufgrund einer Panne in der Druckerei ist die neueste Ausgabe des Buches fehlerhaft gedruckt worden. Mitten im Buch bricht der Text mit den Worten „schrie sie und fiel“ ab. Jene Frau, die behauptet Billie zu sein, erzählt ihm, deshalb sozusagen aus dem Buch herausgefallen zu sein aus der Fiktion in die Realität. Der skeptische Tom prüft sie mit Fragen zu seiner Figur, die nur er kennen kann. Als Billie sie alle richtig beantwortet, wächst bei ihm die Überzeugung, sie habe Recht.
Langsam beginnt sie ihm davon zu überzeugen, dass er unbedingt den dritten Band seiner Engeltrilogie schreiben müsse, um ihr endlich in der Fiktion ein anderes Leben zu geben. Der Leser ahnt es schon bald: hier bahnt sich eine ganz ungewöhnliche Liebesgeschichte an.

Bis gegen Ende des ersten Drittels wartet man vergeblich auf die von Musso gewohnte Spannung und Tempoaufnahme der Handlung, aber dann geht es los. Während Milo und Carole ihren Freund Tom in einer Klinik zu einer fragwürdigen Therapie unterbringen wollen, springt Tom aus dem Fenster und flieht mit Billie zunächst nach Mexiko, wo er seiner Pianistin noch einmal begegnet und ernüchtert auch innerlich sich von ihr verabschiedet.

Doch das ist erst der Beginn eines dramatischen Abenteuers, das Tom und Billie, aber auch Milo und Carole, die ihnen folgen, bis nach Paris führt. Währenddessen macht das einzige bei einer Einstampfungsaktion des Verlags übriggebliebene Exemplar des Fehldrucks eine erstaunliche Reise, die auf magische Weise mit dem gesundheitlichen Zustand von Billie zusammenhängt…

Viele überraschende Wendungen, die man von Musso gewohnt ist, erzeugen eine fast unerträgliche Spannung bis zu einem nicht für möglich gehaltenen überraschenden Ende.


Veröffentlicht am 16.11.2017

Immer ihre eigene Situation kenntnisreich reflektierend erzählt sie sehr persönlich aber völlig unsentimental von dieser Reise durch die Dunkelheit

Die Liebe in dunklen Zeiten
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Alina Bach, Die Liebe in dunklen Zeiten. Partnerschaft und Depression – Erfahrungen einer Angehörigen, Dumont 2017, ISBN 978-3-8321-9862-6

Unter dem Pseudonym Alina Bach hat eine deutsche Kinderbuchautorin ...

Alina Bach, Die Liebe in dunklen Zeiten. Partnerschaft und Depression – Erfahrungen einer Angehörigen, Dumont 2017, ISBN 978-3-8321-9862-6

Unter dem Pseudonym Alina Bach hat eine deutsche Kinderbuchautorin und Journalistin hier ein beeindruckendes und bewegendes Buch und persönliches Zeugnis vorgelegt, das anders als die vielen aktuellen Bücher über Depression und ihre Behandlung den Fokus ganz auf die Situation der Angehörigen von an Depression erkrankten Menschen legt.

Alina Bach Jannis Küster trifft, fühlt sie sich vom Leben beschenkt. Es beginnt eine Liebe voller Lebensfreude und Lust, Empathie und Respekt. Doch schon bald bemerkt sie gravierenden Veränderungen im Verhalten des Menschen den sie liebt, wie nie einen anderen zuvor. Jannis kehrt sich mehr und mehr in sich hinein, ist unendlich müde, zeigt sich unfähig am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und hat schon bald kein Interesse mehr an Sex und Nähe mit seiner Partnerin.

Es dauert sehr lange, bis beide begreifen, dass sie es mit einer ausgewachsenen Depression zu tun haben. Das Buch erzählt von „unserer Reise durch Jannis` dunkle Zeit“ ein Weg, der sich über insgesamt neun(!) Jahre erstreckt.

Immer ihre eigene Situation kenntnisreich reflektierend erzählt sie sehr persönlich aber völlig unsentimental von dieser Reise durch die Dunkelheit und hat dabei als Leser immer die Angehörigen von anderen Depressionskranken im Blick, die sie anspricht und durch ihre eigene schwere Geschichte ermutigen will, sich durch die Krankheit nicht zerstören zu lassen.

Ein hilfreiches Glossar erklärt wichtige Begriffe, die verwendet werden und ein Kapitel „Literaturen“ macht nachvollziehbar, mit welchen literarischen und wissenschaftlichen Texten sich die Autorin über diese ganze Zeit beschäftigt und auseinandergesetzt hat.

Veröffentlicht am 16.11.2017

Eine ganz außergewöhnliche und wertvolle Heilungsgeschichte, die unter die Haut geht und nicht nur Betroffenen Mut zum Leben vermittelt

Tage ohne Hunger
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Delphine de Vigan, Tage ohne Hunger, Dumont 2017, ISBN 978-3-8321-9837-4

Mit ihren Romanen „Das Lächeln meiner Mutter (2013) und „Nach einer wahren Geschichte“ 2016) wurde die 1966 geborene französische ...

Delphine de Vigan, Tage ohne Hunger, Dumont 2017, ISBN 978-3-8321-9837-4

Mit ihren Romanen „Das Lächeln meiner Mutter (2013) und „Nach einer wahren Geschichte“ 2016) wurde die 1966 geborene französische Schriftstellerin Delphine de Vigan auch in Deutschland einem größeren Publikum bekannt.

Die Art und Weise, wie sie in beiden bei Dumont in Köln erschienenen Romanen biographische Erfahrungen literarisch verarbeitete, hat mich damals sehr angesprochen und begeistert.

Durch diesen Erfolg ermutigt, hat der Dumont Verlag nun ein Buch veröffentlicht, das 2001 das literarische Debüt de Vigans war und das sie damals wohl auch wegen dem biographischen Charakter und der sehr persönliche Thematik unter dem Pseudonym Lou Delvig veröffentlichte.

In „Tage ohne Hunger“ erzählt sie von der 19-jährigen Laure, die unter einer schweren Magersucht leidet. Als die Krankheit ihr Leben bedroht und ohne rasche Hilfe der baldige Tod droht. Wer den Arzt, der sie anruft und ihr regelrecht befiehlt, sofort in seine Klinik zu kommen, über ihren Zustand informiert hat, bleibt im Dunkel. Sie wartet noch einige Tage, unschlüssig, was sie tun soll: „In ihrem Bauch klopfte der Tod, sie konnte ihn berühren.“ Und sie wählt die Nummer des Krankenhauses.

Dort macht sie jeden Tag Notizen darüber, was mit ihr passiert, wie sie sich fühlt. Sie schreibt über ihre Beziehung und ihre Beziehung zu ihrem Arzt, Dr. Brunel und zu manchen ihrem Mitpatienten. Sie berichtet ihrem Notizbuch von ihrem dauernden Kampf, von ihrer Sehnsucht nach dem alten Zustand, von der Kraft, die sie aufbringt, durchzuhalten und was ihr dabei hilft.

Diese Notizen werden ihr Jahre später, als sie längst wieder in ein normales Leben zurückgekehrt ist und Mutter zweier Kinder geworden ist, helfen, dieses Buch zu schreiben, unter dem Schutz eines Pseudonyms, aber nicht weniger offen und ehrlich. Später dann wird sie mit ihren weiteren Romanen auch öffentlich mit ihrem Namen dafür stehen, dass sie persönlich Erlebtes und Erfahrenes auf eine Weise literarisch verarbeitet, die dem Leser Respekt abringt.

„Noch heute sagt sie trotz der vielen Jahre, die vergangen sind, und trotz der Lebensfreude, die sie wiedergefunden hat, genau das, wenn sie davon spricht: Er hat mir das Leben gerettet.“

Eine ganz außergewöhnliche und wertvolle Heilungsgeschichte, die unter die Haut geht und nicht nur Betroffenen Mut zum Leben vermittelt