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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2024

Mörderisch spannend und sehr berührend

Das mörderische Christmas Puzzle
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Edie O`Sullivan ignoriert schon seit vielen Jahren Weihnachten. Es ist für sie mit zu vielen schrecklichen Erinnerungen von Tod und Verlust verbunden. Sie hat bis auf ihre Freundschaft mit ihrer Nachbarin ...

Edie O`Sullivan ignoriert schon seit vielen Jahren Weihnachten. Es ist für sie mit zu vielen schrecklichen Erinnerungen von Tod und Verlust verbunden. Sie hat bis auf ihre Freundschaft mit ihrer Nachbarin Riga keine sozialen Kontakte und würgt Annäherungsversuche mit beißender Ironie ab. Ihr Lebensinhalt besteht aus ihren drei Katzen, Puzzeln und dem Erstellen von Kreuzworträtseln für Zeitungen. Ihr Leuchtturm in diesem Meer von Tristesse ist ihr Adoptivsohn Sean, der bei der Polizei arbeitet. Kurz vor Heiligabend liegen Teile eines Puzzles vor ihrer Haustür mit der Aufforderung, das Rätsel zu lösen, wenn sie Morde verhindern wolle. Was zuerst wie ein makaberer Scherz wirkt, wird zur tödlichen Gewissheit, als es kurz darauf eine Leiche gibt, bei der weitere Puzzleteile gefunden werden. Angetrieben von Neugierde, Ehrgeiz und dem Wunsch weitere Tode zu verhindern, versucht Edie das Rätsel zu lösen. Die Suche führt Edie in ihre eigene Vergangenheit und zwingt sie, sich ihrem Giftschrank der bösen Erinnerungen zu stellen.
Obwohl ich Weihnachten mit seinem Glitzer und Rührseligkeit liebe, liebe ich auch Weihnachtskrimis als perfektes Gegengewicht. Dabei sei angemerkt, dass dieser Krimi zu jeder Jahreszeit mörderische Unterhaltung bietet.
Die über 80jährige Edie hat von der ersten Seite an mein Herz berührt. Ich fand ihre Einsamkeit einfach nur traurig und ihre Bissigkeit hat mich an ein krankes Tier erinnert, das aus Angst Hilfe abwehrt.
Zwei Ideen der Autorin haben mir besonders gut gefallen. Das war die Mördersuche als Puzzle zu gestalten, was in meinen Augen mal etwas anderes war und die Umsetzung super spannend. Ein wenig erinnerte es mich an eine Schnitzeljagd aus Kindertagen. Und dann die Person des Mörders, er nennt sich R.I.P, was mir sehr gut gefallen hat. Und er kommt selbst zu Wort und lässt mich an seinen Gefühlen teilhaben.
Edies Intelligenz und Denkweise beeindruckt. So um die Ecke denken muss man erstmal können. Das hat mich immer wieder verblüfft und ein wenig neidisch gemacht. Als Sean entführt wird, ist Edie kurz davor aufzugeben. Aber wenn sie Schuld an seinem Tod wäre, das würde sie sich nicht verzeihen. Und so stellt sich ihrer eigenen alten Schuld und findet die Lösung in letzter Minute.
Der Krimi endet mit einem sehr schönen Weihnachtsfest und viel Gefühl, was ich absolut passend fand. Schließlich ist es ein Weihnachtskrimi und da darf das so sein.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Historische Fakten gepaart mit einer packenden Geschichte

Das Amulett der Sekhmet
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Dies ist die Fortsetzung der Abenteuer von Mara, einer Chirurgin ,die durch ein ägyptisches Amulett in die Vergangenheit reist. Der Reiz der Geschichte liegt darin, dass die Autorin historische Personen ...

Dies ist die Fortsetzung der Abenteuer von Mara, einer Chirurgin ,die durch ein ägyptisches Amulett in die Vergangenheit reist. Der Reiz der Geschichte liegt darin, dass die Autorin historische Personen lebendig werden lässt und diese überaus unterhaltsam in eine fiktive Geschichte einbindet.

Mara und Brutus hatten sich im 1. Band ineinander verliebt. Anders als in der Realität kann Mara Brutus vor dem Tod retten. und beide fliehen nach Seleukia , wo sie ein beschauliches, gemeinsames Leben planen. Das hätten die beiden sich durchaus verdient, wir Leser würden aber nichts über die weiteren historischen Ereignisse erfahren. Brutus ist mit Labienus und dem parthischen Prinzen Pakoros befreundet. Die Parther halten die Römer durch die Unruhen nach Caesars Tod für geschwächt und versuchen das alte persische Großreich wieder auferstehen zu lassen. Pakoros zwingt Mara und Brutus, ihn auf seinem Feldzug zu begleiten. Nun erlebe ich den Feldzug hautnah mit und stelle fest, Krieg war schon immer ein blutiges Geschäft zu Lasten der einfachen Leute, um Machtphantasien der Regierenden zu befriedigen. Gleichzeitig schildert die Autorin die damalige Landschaft und Städte und gibt Einblicke in die Prachtentfaltung in den Palästen. Das war sehr anschaulich und hat mich nachhaltig beeindruckt.

Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit dem Geschehen in Rom und den Zwistigkeiten zwischen Octavius und Marcus Antonius. Das war zeitweise sehr amüsant zu lesen . Auch Octavius Verhältnis zu Frauen und seine Rolle als pater familias werden beleuchtet. Das hat mir neue Erkenntnisse beschert und mir Octavius nicht sympathischer gemacht.

Der Band endet mit Octavius erzwungener Heirat mit Scribonia und der Niederlage und Tod Labienus im Taurusgebirge. Wie bereits im ersten Band wurde Geschichte für mich erlebbar und dadurch auch begreifbarer. Anders als gewohnt erschöpft sich die Autorin nicht in der Aufzählung der bekannten Fakten, sondern erfüllt sie mit Leben und macht Geschichte damit spannend.

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Veröffentlicht am 27.09.2024

Der Schlachter von Jefferson City

Im Zeichen der Lämmer
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Inspector Aidan Carter und sein Team bekommen es mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun. Es werden Füße einer Frau auf einem Schulgelände gefunden. Kurz darauf ein Frauentorso, der aber zu einer anderen ...

Inspector Aidan Carter und sein Team bekommen es mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun. Es werden Füße einer Frau auf einem Schulgelände gefunden. Kurz darauf ein Frauentorso, der aber zu einer anderen Leiche gehört. Eine gefundenes Fressen für die Presse, die dem Täter den Namen Metzger von Jefferson City verleiht. Die Tötungsweise deutet auf einen Ritualmord hin. Dafür spricht auch, dass die Opfer keine Gemeinsamkeiten zu haben scheinen. Aidans Lebensgefährtin Jessica stellt eigene Nachforschungen an, denn sie wird von ihrer Verlegerin gedrängt, einen neuen Krimi zu schreiben und hat eine Schreibblockade. Dies war die einzige Stelle im Buch, wo ich mir gewünscht habe, den Vorgängerband zu kennen. Ansonsten sind keine Vorkenntnisse notwendig.
Jessica spricht mit Familienangehörigen und Kollegen der Opfer und findet einen neuen Hinweis. Die Opfer haben die gleiche Schule besucht. Das hilft bei der Tätersuche nur bedingt weiter, denn die Morde gehen weiter. Ohne es zu ahnen, ist Jessica aber durch ihre Nachforschungen in den Focus des Mörders gerückt und wird von ihm entführt. Aidan muss alles auf eine Karte setzen, wenn er seine Lebensgefährtin retten will.


Nach den ersten Seiten und anfänglichen Orientierungsproblemen mit den verschiedenen Personen, hatte mich die Autorin am Haken. Schon allein die Tatbegehung war sehr bizarr. Und dann beginnt die gute, alte Polizeiarbeit. Zeugen befragen, Tatortspuren auswerten und mögliche Szenarien entwerfen. Ich liebe diese Art von Krimi, weil man dabei sehr gut mit ermitteln kann und eigene Theorien erstellen. Gelungen fand ich , dass ab und zu der Täter zu Wort kam und mir das einen kleinen Wissensvorsprung brachte. Die Ermittler tragen kleine Schnipsel der Lösung zusammen, sehen aber noch nicht das große Ganze. Auch ich bin auf einige Nebelkerzen der Autorin hereingefallen. Aidans Lebensgefährtin Jessica war mir zu Beginn nicht sympathisch. Ich fand sie etwas zu naiv und unvorsichtig. Tatsächlich gerät sie dadurch in eine bedrohliche Situation. Ich konnte mich aber dann doch och mit ihr anfreunden und als der Mörder sie entführt, war ich entsetzt und habe um ihr Leben gebangt.
Die Lösung des Falles war überzeugend und in meinen Augen fast schon tragisch und ich hatte, wenn schon kein Verständnis, so doch etwas Mitleid mit dem Täter. Auf jeden Fall ist es in meinen Augen ein packender Thriller, der mich mit wohl dosiertem Schrecken gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Gut historisch recherchiert und dabei spannend wie ein Abenteuerroman

Captain Nelson – Unter der Flagge des Königs
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Horatio Nelson, der Held der Seeschlacht bei Trafalgar, begraben in der St Pauls Cathedral - dies sind die Fakten, die mir spontan einfallen und nicht zu vergessen sein skandalöses Verhältnis mit Lady ...

Horatio Nelson, der Held der Seeschlacht bei Trafalgar, begraben in der St Pauls Cathedral - dies sind die Fakten, die mir spontan einfallen und nicht zu vergessen sein skandalöses Verhältnis mit Lady Hamilton. Doch was war Nelson für ein Mensch ? Auf diese Frage gibt der Autor in seiner Dilogie über diese interessante Persönlichkeit historisch fundierte Antworten. Der erste Band beleuchtet schlaglichtartig seine Karriere bis zu seiner Erhebung in den Adelsstand und der Ernennung zum Admiral.

Nelson ist der Sohn eines Landpfarrers. Seine Liebe und Loyalität galt stets England und der Seefahrt. Bereits mit 20 Jahren erhält er sein erstes selbstständiges Kommando und steigt Schritt für Schritt die Karriereleiter hinauf. Er ist ein begnadeter Seefahrer und Stratege und hält sich strikt an seine Order. Das führt zu seinem ersten großen persönlichen Rückschlag, als er er den Schmuggel in den Gewässern um die Westindischen Inseln bekämpfen soll. Die dortigen Pflanzer sind davon wenig begeistert und er macht sich bei ihnen einflussreiche Feinde bis nach London. Das führt dazu, dass er trotz seiner anerkannten nautischen Fähigkeiten 5 Jahre lang kein neues Schiff zugewiesen bekommt. Erst als der Krieg mit Frankreich beginnt, erinnert man sich seiner und beendet sein Landrattendasein. Nun agiert er vorsichtiger und bemüht sich, sich unterzuordnen. Nur wenn er eine Entscheidung für erfolgsgefährdend hält, geht er seinen eigenen Weg. Zu seinem Glück behält er Recht und ermöglicht seinen Vorgesetzten erfolgreiche Schlachten. Als Vorgesetzter verhält sich Nelson so, wie man es sich heute noch wünscht. Er erwartet hervorragende Leistungen, die er aber auch anerkennt. Er übernimmt Verantwortung für sein Tun und scheut nicht die Gefahren der Schlacht.

Und Nelson privat ? Da war er wohl ein typischer Vertreter des männlichen Geschlechts seiner Zeit. Er war gutaussehend und einer Liebschaft nicht abgeneigt. Seine Ehe mit Francis Nisbet war zum großen Teil eine Verstandesheirat. Nelson war in Geldnöten. Nicht weil er den gängigen Laster der Spielsucht und Trunksucht gefrönt hätte, sondern weil der Sold gering und die Seeleute auf Prisengelder angewiesen waren. Frances schien eine reiche Erbin zu sein und er mochte sie. Das Erbe zerschlug sich . Seine Beziehung zur verheirateten Lady Hamilton ist legendär und wird im 2. Band Thema sein.

Der Roman liest sich fesselnd. Der Autor lässt Bilder im Kopf entstehen und schildert die Seeschlachten so anschaulich, dass ich als Laie eine gute Vorstellung davon bekommen habe. Und er schildert Nelson als Mensch mit Fehlern und Vorzügen, was mir persönlich Nelson sehr sympathisch macht. Ich freue mich bereits auf die Fortsetzung und die Möglichkeit , Nelson auf seiner weiteren Reise zu begleiten.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Chronologie einer Mördersuche

In Zeiten des Todes
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Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, dachte ich, über 700 Seiten, das könnte eine Herausforderung werden. Weit gefehlt , es war ein absolutes Vergnügen und für mich viel zu schnell vorbei.
Der ...

Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, dachte ich, über 700 Seiten, das könnte eine Herausforderung werden. Weit gefehlt , es war ein absolutes Vergnügen und für mich viel zu schnell vorbei.
Der Autor schildert die Suche nach einem Serienmörder Anfang der 90ziger in Bozen nach einem wahren Kriminalfall. Es ist in meinen Augen kein Thriller im herkömmlichen Sinne, der den Fokus auf die konkrete Mördersuche legt. Es sind viel mehr die Zustände bei der Bozener Polizei und die beruflichen Anfänge und Karrieren des Kriminalbeamten Krupp sowie des Journalisten Milla. Beide nehmen ihren Beruf sehr ernst, sind voller Empathie und Tatendrang und werden schmerzhaft mit dem realen Leben konfrontiert. Ein Mörder tötet drogensüchtige Prostituierte. Bei der Polizei hat der allmächtige Commissario Capo Levada das Sagen und die Bulldogen - Polizisten - sind ihm treu ergeben. Wen kümmert schon der Mord am Müll der Gesellschaft ? Krupp sieht das anders. Für ihn sind die Opfer Menschen mit Angehörigen, die leiden . Er beginnt die Suche nach dem Mörder mit einer Besessenheit, die den üblichen Rahmen sprengt und gerät in Konflikt mit Levada. Die Jagd nach dem Mörder erstreckt sich über mehrere Jahre und fällt mit dem beruflichen Aufstieg von Krupp und Milla zusammen.
Milla wird vom altgedienten und desillusionierten Jo unter die Fittiche genommen. Milla soll Bildern liefern, die Angehörige in ihren intimsten Momenten zeigen und reißerische Artikel, um die Auflage zu erhöhen. Milla lehnt das ab, aber er braucht das Geld.
Nach der Verurteilung des Serienmörders gibt es neue Morde, deren Tatumstände mit den alten Verbrechen nahezu identisch sind. Milla und Krupp erinnern sich, welche Ideale sie früher hatten und treffen Entscheidungen, die ihr weiteres Leben verändern.
Mich hat die Entwicklung der beiden Charaktere stark gefesselt. Zeitweise habe ich vergessen, dass wir einen Mörder suchen, der ohne Skrupel Frauen tötet. Obwohl sie unterschiedliche Wege gehen, habe ich beide gemocht - trotz mancher falschen Entscheidung. Ich hatte aber immer den Eindruck, dass es beiden um die Menschen geht, sie sich aber aus unterschiedlichen Gründen den realen Bedingungen unterordnen.
Die Erzählweise erweckte oft das Gefühl von Dringlichkeit, indem sich der Autor kurzer Sätze und Wiederholungen bedient, besonders wenn er die inneren Qualen der beiden Akteure schildert. Das war oft kaum auszuhalten. Fand ich das Ende gerecht ? Ich bin mir nicht sicher. Letzten Endes zahlen alle Beteiligten einen Preis für ihr Handeln. Mir hat der Thriller sehr gut gefallen. Er hat mich in Atem gehalten und die etwas ruhigeren Passagen fand ich angenehm, auch wenn mir bewusst war, dass sie nur all zu oft Vorboten neuer Schrecken waren. Was der Handlung in meinen Augen zusätzliche Dramatik verliehen hat, ist die Tatsache, dass sich der Autor an einen wahren Fall anlehnt.

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