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Veröffentlicht am 25.11.2024

Atmosphärisch-düsteres Hexenerlebnis

Tage einer Hexe
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Diese Geschichte stand bereits auf meiner Wunschliste, bevor ich die wunderschöne äußere Gestaltung der deutschen Übersetzung zum ersten Mal gesehen habe, aber spätestens dann wäre es um mich geschehen ...

Diese Geschichte stand bereits auf meiner Wunschliste, bevor ich die wunderschöne äußere Gestaltung der deutschen Übersetzung zum ersten Mal gesehen habe, aber spätestens dann wäre es um mich geschehen gewesen.
Kosara, eine erfahrene Hexe, tauscht aus Angst vor dem Zmey, dem Zaren der Monster, ihren Hexenschatten gegen eine Fluchtmöglichkeit. Doch ohne die Quelle ihrer magischen Kräfte wird sie bald von der Schattenkrankheit heimgesucht. Um ihren Schatten wiederzuerlangen, muss sie nicht nur eine Allianz mit einem Polizisten eingehen, sondern sich auch den Geistern der Vergangenheit stellen.
Die dunkle Atmosphäre hat mich von Beginn an in den Bann gezogen. Die großartige Einarbeitung slawischer Mythologie hat zusätzlich dazu beigetragen, dass das Setting mich nicht mehr losgelassen hat. Da die Geschichte um Neujahr einsetzt, passt sie außerdem perfekt zur aktuellen Jahreszeit.
Die Handlung konnte mich jedoch nicht immer fesseln, sodass ich nicht ständig den Drang verspürt habe, zum Buch zu greifen. Beispielsweise waren einige Wendungen für mich vorhersehbar. Außerdem drohte die Geschichte zwar immer wieder Grausamkeit an, zog diese aber selten durch. Dadurch steht das Buch in meiner Wahrnehmung etwas unausgewogen zwischen Jugendliteratur und erwachsener Fantasy.
Mit Kosara als Protagonistin hatte ich gerade am Anfang so meine Probleme, da sie erst handelt, bevor sie nachdenkt und den Großteil ihrer Probleme somit selbst verschuldet. Im Lauf der Zeit macht sie jedoch eine in Ansätzen sichtbare, also glaubhafte Entwicklung durch. Vor allem der Einblick in ihre aufgewühlte Gefühlswelt hat zusätzlich dazu geführt, dass ich Verständnis für sie entwickeln konnte. Asen stellte sich als weniger perfekt heraus, als befürchtet. Auch ihn quält die Vergangenheit, dennoch hatte ich das Gefühl, er ging mit seiner Buße mitunter etwas zu weit und ließ sich etwas zu viel antun. Immerhin treffen wir hier so unperfekte Protagonisten, deren Schicksale mich durchaus berühren konnten.
Obwohl ich vor dem Lesen gehört habe, dass es sich hierbei um Romantasy handeln soll, habe ich davon nur einen angenehmen, sich langsam herauskristallisierenden Hauch gespürt. Alles andere hätte für mich auch gar nicht zur Handlung gepasst.
Besonders die Ausarbeitung der Monsterthematik nach innen - spürbare Negativfolgen einer toxischen Beziehung - und außen - die Geschichte bietet eine ganze Bandbreite echter albtraumhafter Gestalten - hat mich auf ganzer Linie überzeugen können.
Insgesamt hat mich Tage einer Hexe gut unterhalten. Wer eine ruhigere winterliche Fantasygeschichte voll slawischer Mythologie, Monstern und eher untypischen Heldenfiguren sucht, die vor allem durch eine einnehmende dunkle Grundstimmung besticht, sollte hier unbedingt einmal reinlesen.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.11.2024

Geschichtsfutter im Doku-Stil

Eine kurze Geschichte der Tudors
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Die Herrscherdynastie der Tudors fasziniert wahrhaft bis heute. Gerade angesichts der Fülle an medialen Aufbereitungen zum Thema möchte ich diese Rezension einmal ganz anders starten und zuerst klären, ...

Die Herrscherdynastie der Tudors fasziniert wahrhaft bis heute. Gerade angesichts der Fülle an medialen Aufbereitungen zum Thema möchte ich diese Rezension einmal ganz anders starten und zuerst klären, für wen dieses Werk hier geeignet ist und für wen eher nicht.
Wer zwar Geschichtsinteresse, aber kein bis wenig Vorwissen zu dieser Familie hat und auf der Suche nach leicht zugänglicher Lektüre ist, ist mit diesem Büchlein gut aufgehoben. Im Vorwort des Autors werden auch SchülerInnen als AdressatInnen erwähnt, wenn, dann doch allerdings Richtung Oberstufe, bedenkt man beispielsweise die Rolle der Erbenproduktion im Leben Heinrichs VIII. Wer jedoch zum Beispiel nach einem feministischen Zugang zum Haus der Tudors sucht, wird hier nicht fündig werden, da die Ausführungen sich an traditionellen Sichtweisen orientieren.
Ihr seid immer noch interessiert? Wunderbar! Dann freut euch auf einen informativen, aber verständlichen - so muss man diesen Stoff erst einmal verpacken können, Chapeau dafür - Abriss von knapp 120 Jahren englischer Dynastiegeschichte. Auf wenigen Seiten trifft man entsprechend viele historische Persönlichkeiten, die man erst einmal auseinanderhalten halten muss. Ich empfehle eine langsame Lektüre mit Pausen, um über das Gelesene nachzudenken. Manchmal wechseln die deutschen und englischen Bezeichnungen für die Personen, was unter Umständen zu etwas Verwirrung führen kann. Ein Stammbaum wäre hier in jedem Fall die Kirsche auf der Sahnetorte gewesen.
Ein besonderes Highlight für mich waren die vielfältigen Zitate vor dem Beginn jedes neuen Kapitels, die eine zusätzliche Perspektive eröffnen. Ich für meinen Teil habe dieses Buch verschlungen und hätte auch nichts gegen die eine oder andere Seite mehr einzuwenden gehabt.
Man merkt dem Autor seine Geschichtsbegeisterung an, wodurch ein gut lesbares Sachbuch mit Einstiegscharakter entstanden ist, welches im besten Fall Interesse an der weiteren Beschäftigung mit den Tudors weckt.

Veröffentlicht am 17.11.2024

Ein Spannungs-Auf und Ab

Dezember 41
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Das Cover hat mich sofort angesprochen, die bildliche Gestaltung und düstere Farbgebung passen perfekt zu Setting und Inhalt des Buchs.
Am Tag nach Pearl Harbour stehen die USA unter Schock, während der ...

Das Cover hat mich sofort angesprochen, die bildliche Gestaltung und düstere Farbgebung passen perfekt zu Setting und Inhalt des Buchs.
Am Tag nach Pearl Harbour stehen die USA unter Schock, während der deutsche Spion Martin Browning plant, dem Land und dessen Vorsteher beim Erleuchten des Weihnachtsbaums vor dem Weißen Haus einen weiteren Treffer zuzufügen. Wer wird ihn aufspüren und stoppen können?
Der rasante Einstieg in die düstere Geschichte hat mir sehr gefallen, trotz einer Vielzahl handelnder Personen und teils ellenlanger Kapitel, die durch schnelle Perspektivwechsel dennoch kurzweilig erscheinen. Auf diesen Start folgte ein zäher Mittelteil, in dem ich mitunter die Lust verloren habe, zum Buch zu greifen. Im letzten atemberaubenden Drittel konnte ich es dafür wieder kaum aus der Hand legen. Durch den filmischen Erzählstil fühlt es sich an, als würde man die Geschehnisse hautnah miterleben.
Selten hat mir die Ausarbeitung eines historischen Kontexts in letzter Zeit so gut gefallen. Wer sich für Hollywoods Filmgeschichte interessiert, schon immer mal mit dem damals hochmodernen Super Chief quer durch die USA reisen oder tief ins politische - und schrecklich aktuell anmutende - Pulverfass der Zeit eintauchte wollte, wird voll auf seine Kosten kommen. Der Detailreichtum mag auf manche Lesende fast schon ermüdend wirken und klar, wer sich etwas mit Geschichte auskennt, weiß von Anfang an, wie der große Plan des Protagonisten ausgeht. Das hat dem Reiz der Handlung für mich aber keinen Abbruch getan.
Ich liebe es, wenn mir auch die Perspektive des Bösewichts geboten wird und ich seine Handlungen dadurch nachvollziehen, mich ihm mitunter fast schon gruselig nah fühlen kann. Allerdings sorgen die bereits erwähnten Perspektivwechsel dafür, dass die Charaktere etwas fremd bleiben. Angespannt mit ihnen mitgefiebert habe ich trotzdem. Sympathisch war mir am ehesten die taffe Privatdetektivin Stella, vor allem aber schätze ich, dass alle Figuren mit Stärken, Schwächen und reichlich realistisch wirkenden Grauzonen gestaltet wurden. Unbescholtene Helden sucht man hier also vergeblich.
Insgesamt hat mir die wendungsreiche Geschichte nicht zuletzt dank der grandiosen Atmosphäre gut gefallen. Eine klare Empfehlung für Fans alter Agentenfilme und historischer Spannungsromane mit Sogwirkung.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Ein Ruhepol in Buchform

Im Schmetterlingsflieder
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Anni wagt einen Neuanfang und flieht aus der Großstadt in die Leipziger Seenlandschaft, um wieder zu sich selbst zu finden.
Dieses Buch spielt damit quasi vor meiner Haustür. Es war ungewohnt, ein solches ...

Anni wagt einen Neuanfang und flieht aus der Großstadt in die Leipziger Seenlandschaft, um wieder zu sich selbst zu finden.
Dieses Buch spielt damit quasi vor meiner Haustür. Es war ungewohnt, ein solches Setting zu lesen, gleichzeitig aber wahnsinnig interessant, die Gegend durch andere Augen zu sehen. Außerdem kann man hier so manchen Ausflugstipp mitnehmen.
Der Schreibstil ist angenehm. Annis Auszeit beziehungsweise ihrer Reise zu sich selbst entsprechend begegnet uns eine ruhige Handlung, die auch zum Nachdenken über die eigenen Lebensumstände anregt und dabei gleichzeitig eine Hommage an die kleinen Freuden des Lebens darstellt: Bücher, gutes Essen, Aufenthalte in der Natur und Zusammenkünfte mit besonderen Menschen. Ein Buch zum Abschalten und damit sicher auch eine geeignete Urlaubslektüre.
Mir war es teilweise schon etwas zu ruhig, was dazu geführt hat, dass ich etwas gebraucht habe, diese Geschichte zu beenden, da ich nicht den ultimativen Drang gespürt habe, dazu zu greifen. Dennoch hat mir die Lektüre inmitten des turbulenten Alltags durchaus gutgetan.
Anni ist eine sympathische Protagonistin, deren Wunsch nach einem Neuanfang ich absolut nachvollziehen konnte. Ihr Weg dahin ist glaubhaft und herzerwärmend. Was ihre romantischen Abenteuer angeht, hat es eine Weile gedauert, bis ich mich für diese erwärmen konnte. Immerhin kommt die Handlung hier ohne allzu viel Drama aus. Begeistert haben mich aber vor allem die Nebencharaktere, allen voran die vor Energie sprühende Evi und die resolute Danielle, über die ich jederzeit ein eigenes Buch lesen wollen würde.
Insgesamt hat mich die Geschichte gut unterhalten, mitunter tief bewegt, zum Grübeln animiert und meinen regionalen Entdeckergeist geweckt. Wer einen buchigen Zufluchtsort der Stille abseits vom Alltagsstress sucht, sollte hier unbedingt einmal reinlesen.

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Veröffentlicht am 25.08.2024

Sapphic Romance mit Tiefgang

sie zu lieben
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Das Cover ist ein echter Augenschmaus und greift die inhaltlichen Elemente gestalterisch auf. Kurzum: Ein Cover, das wirklich zur Geschichte passt.
Zum Inhalt: Als Lilly und Tara aufeinandertreffen, sprühen ...

Das Cover ist ein echter Augenschmaus und greift die inhaltlichen Elemente gestalterisch auf. Kurzum: Ein Cover, das wirklich zur Geschichte passt.
Zum Inhalt: Als Lilly und Tara aufeinandertreffen, sprühen die Funken. Doch Lilly kostet ihr lesbisches Singleleben aus, Tara möchte eine Beziehung. Zudem passen die aufkeimenden Gefühle gar nicht ins Chaos ihrer Leben, oder können sie sich vielleicht gegenseitig stützen?
Die Geschichte lässt sich leicht lesen. Durch die wechselnden Erzählperspektiven kommt Abwechslung in die eher ruhige Handlung, die einen Fokus auf die Gefühlswelt der Protagonistinnen legt. Lilly war für mich direkt greifbar, bei Tara hat es etwas gedauert, bis ich sie als Individuum wahrnehmen konnte. Besonders die ersten zwei Drittel haben mir richtig gut gefallen, danach wurde es mir eine Prise zu dramatisch.
Die Handlung ist mir durch ihre Nähe zum echten Leben – vom kritischen Blick auf Lillys akademischen Arbeitsbereich über Familienprobleme und die Suche nach Beruf beziehungsweise Berufung – mehrfach so nah gegangen, dass ich Tränen wegblinzeln musste. Wir treffen hier außerdem mal nicht auf eine direkt perfekte Beziehung, sondern glaubwürdige Zweifel, Herausforderungen und wachsende Gefühle. Die Spiceszenen sind dabei wohldosiert und fügen sich nahtlos ins Geschehen ein.
Ich mochte beide Protagonistinnen, wobei mir besonders Lilly von Beginn an sympathisch erschien. Lillys Beschützerinstinkt und Taras Begeisterungsfähigkeit haben mir mehrfach ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Taras Leidenschaft fürs Fotografieren macht direkt Lust, selbst mit einer Kamera loszuziehen. Ich habe mit ihnen gelitten und ihre Entwicklungen gespannt verfolgt.
Jede gute Liebesgeschichte braucht stützende Nebenfiguren und auch diese treffen wir hier. Manchmal waren sie mir fast etwas zu präsent im Leben der Protagonistinnen. Gefühlt werden die wenigen Seiten von sehr vielen einzelnen Schicksalen eingenommen. Ich würde allerdings jederzeit eines davon in eigener Geschichte verpackt lesen wollen.
Insgesamt hat mich diese queere own-voices-Story gut unterhalten. Selten habe ich eine Liebesgeschichte gelesen, die ich als derart glaubwürdig empfunden habe. Wenn ihr auf der Suche nach einer gefühlvollen sapphic Lovestory mit unperfekten und dadurch lebensechten Protagonistinnen seid, dann solltet ihr hier einmal reinlesen.

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