Stimmungsvoller Prag-Krimi
Die Schatten von PragIm Mai 1910 soll die Erde den Schweif des Halleyschen Kometen kreuzen, und Prag ist in heller Aufregung. Während die ganze Stadt gebannt in den Himmel starrt, geschieht in den engen Gassen ein Mord, und ...
Im Mai 1910 soll die Erde den Schweif des Halleyschen Kometen kreuzen, und Prag ist in heller Aufregung. Während die ganze Stadt gebannt in den Himmel starrt, geschieht in den engen Gassen ein Mord, und Egon Erwin Kisch, der berühmte Reporter der Bohemia", ermittelt auf eigene Faust in seinem ersten Fall.
Die Schatten von Prag ist weit mehr als ein historischer Kriminalroman, es ist das Sittengemälde einer Stadt im Ausnahmezustand. Das Autorenduo Martin Becker und Tabea Soergel erzählt mit viel Gespür für die Zeit, die Angst vor dem Weltuntergang und die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen. Ihr Vorbild für die Reporterfigur ist der legendäre Polizeireporter Kisch, ihm zur Seite stehen die Medizinstudentin Lenka Weißbach und ein kleiner Reigen wunderbar ausgearbeiteter Nebenfiguren. Und natürlich lassen es sich die Autoren nicht nehmen, auch Franz Kafka auf unterhaltsame Weise in ihre Geschichte zu integrieren. Die Begeisterung für das alte Prag ist spürbar, und so manches Mal rückt der Kriminalfall vor lauter Detailtreue und atmosphärischen Nuancen in den Hintergrund. Doch dank der gekonnten Erzählweise der Autoren sucht man weniger nach Hinweisen auf die Lösung des Falles, sondern folgt einfach den Figuren, bis sich überraschende Wendungen ergeben und das ganze Ausmaß der Verbrechen offenbart wird.
Ein unterhaltsamer und stimmungsvoller Prag-Krimi, nicht durchgehend spannend, aber mit viel Liebe zum Detail und leisem Humor erzählt.