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Veröffentlicht am 07.04.2025

Was ist wirklich passiert?

Der irische Fremde
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Mary, eine junge Frau mit einem schweren Trauma aus ihrer Kindheit, verbirgt ihre seelischen Narben hinter einer coolen Fassade. Sie ist unfähig Bindungen einzugehen, betäubt sich mit Alkohol, Kaffee, ...

Mary, eine junge Frau mit einem schweren Trauma aus ihrer Kindheit, verbirgt ihre seelischen Narben hinter einer coolen Fassade. Sie ist unfähig Bindungen einzugehen, betäubt sich mit Alkohol, Kaffee, Nikotin und Sex. Doch was ist damals tatsächlich passiert? Die plötzliche Begegnung mit einem mysteriösen Fremden bringt sie völlig durcheinander. Plötzlich erinnert sie sich an Ereignisse, die lange zurückliegen. Als Leserin muss man sich darauf einlassen, dass dieser Krimi ausschließlich aus Marys Perspektive geschrieben ist. Doch das passt richtig gut zu dieser lebhaften Geschichte. Matthias Moor verwendet dazu eine bildhafte und mitreißende Sprache, lässt uns teilhaben an Marys Erinnerungen und neuen Erlebnissen, egal ob es um die wunderschöne Landschaft oder um eine schnelle Bettgeschichte geht. Die Erzählung ist intensiv, Marys innerpsychische Prozesse werden anschaulich beschrieben. Oft geht sie über Grenzen, um sich selbst wahrnehmen zu können. Dabei findet Mary Schritt für Schritt zu sich selbst zurück. Genau darin liegt für mich die Stärke dieses Krimis.

Es ist schwer über den Rest zu schreiben, ohne zu spoilern. Mary kommt dem Geheimnis ihrer Kindheit näher, doch irgendwann wird die Geschichte etwas verworren. Was ist wirklich passiert? Moor bietet hier mehr als eine Lösung. Das nervt am Ende sogar die Protagonistin. Dennoch ein sehr gutes Buch mit einer spanenden Geschichte.

Ich vergebe 4 Sterne. ⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Nordic Crime aus Norwegen - Brandaktueller Auftakt einer Politthriller-Trilogie

Echokammer
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"Wäre die Politik nicht schmutzig, könnte es schließlich jeder machen."
Norwegen steht kurz vor der Parlamentswahl. Alleine die Ränkespiele und Intrigen rund um die fiktive Kandidatin der Arbeiterpartei, ...

"Wäre die Politik nicht schmutzig, könnte es schließlich jeder machen."
Norwegen steht kurz vor der Parlamentswahl. Alleine die Ränkespiele und Intrigen rund um die fiktive Kandidatin der Arbeiterpartei, Christiane Nielson, würden schon ausreichend Stoff für einen Politthriller bieten. Ihr scheint jedes Mittel recht zu sein, um an die Macht zu kommen. Ihr zur Seite steht ihr juristischer Berater Jens Meidell, ein ehemaliger Polizeijurist und Verfechter einer harten Hand gegenüber Kriminellen. Als Sohn der ehemaligen Parteivorsitzenden Ingrid Meidell kennt er das politische Geschäft seit Kindesbeinen, war bislang aber nicht selbst politisch aktiv. Innerparteilich hat Nielson nicht nur Befürworter, doch die Presse feiert sie. Unterstützt wird sie auch von einer politischen Beraterfirma. Welches Mittel ist dabei legitim, um die Wahl zu gewinnen?
Doch Ingar Johnsrud belässt es nicht dabei, sondern zeichnet ein Bild von einer Gesellschaft, deren Demokratie von rechtem Gedankengut bedroht ist. Gerade die verschiedenen Facetten des Rechtsextremismus fand ich sehr gut dargestellt, von der Prepperszene, sozial benachteiligten Jugendlichen mit Neonazi-Tendenzen, einer gewaltbereiten rechten Szene, den ideologischen und finanziellen Unterstützern aus gutem Hause, und Menschen, denen alles recht ist, um ein gutes Geschäft zu machen. Ebenso wird der gesellschaftliche Twist wurde gut dargestellt, rechte Positionen werden bis weit über die sogenannte bürgerliche Mitte bis in die Arbeiterpartei hinein salonfähig. Die Populistin Christina scheut nicht davor zurück, wenn es ihr zum Wahlsieg verhelfen könnte.
Man müsste mehr wissen über die norwegische Politik, um einordnen zu können, weshalb Ingar Johnsrud ausgerechnet die Arbeiterpartei in den Mittelpunkt seines Romans gestellt hat. Die Partei, deren Jugendorganisation 2011 vom Rechtsterroristen Anders Breivik auf Utøya angegriffen wurde. In Johnsruds Thriller droht ein weiteres Terrorszenario. Rechtsextremisten bedrohen das Land, ein Terroranschlug steht unmittelbar bevor. Das tödliche Gift Rizin ist im Spiel. Der Countdown läuft.
Inhaltlich ein spannender Politthriller, den ich weiterempfehlen würde, auch wenn die Ermittlungen mir teilweise zu oberflächlich dargestellt wurden. Das Ermittlerduo, bestehend aus Liselott Benjamin, einer ehemaligen Polizeiunterhändlerin, und dem ehemaligen Anti-Terrorexperten Martin Tong, bleibt leider ziemlich blass. Insbesondere von Benjamin konnte ich mir bis zum Ende des Buches kein wirkliches Bild machen.
Der Thriller endet mit einem spannenden Cliffhanger, der Lust auf die Fortsetzung macht. „Echokammer“ ist der erste Band einer Trilogie, der im norwegischen Original den Titel „Patrioter“ (Patrioten). Der deutsche Titel erklärt sich nicht von selbst. Gemeint ist damit der Effekt, dass Menschen im Internet nur noch mit Gleichgesinnten kommunizieren und sich dadurch immer weiter in eine Ideologie verstricken. „Echokammer“ ist erschreckend real und dabei vor allem eins: hochspannend.

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Veröffentlicht am 25.01.2025

Abrechnung mit Hollywood

Not your Darling
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Hollywood 1950 – die Stadt der großen Träume. Margaret aus Morecombe ergaunert sich unter falschem Namen eine illegale Einreise in die USA. Das Seebad im Nordwesten Englands ist ihr nicht mehr groß genug. ...

Hollywood 1950 – die Stadt der großen Träume. Margaret aus Morecombe ergaunert sich unter falschem Namen eine illegale Einreise in die USA. Das Seebad im Nordwesten Englands ist ihr nicht mehr groß genug. Sie hegt das Ziel, Maskenbildnerin in Hollywood zu werden. Wen oder was die junge Frau dabei hinter sich lässt, erfahren wir lange nicht. Für ihren großen Traum geht sie - unbekümmert und voller Abenteuerlust - allerlei Risiken ein. Der amerikanische Kleinkriminelle Jimmie kann gar nicht so schnell gucken, wie sie ihn zum Werkzeug ihrer Träume macht. Dabei wollte er doch nur Seidenstrümpfe schmuggeln. Wunderbar! Angekommen in Hollywood lernt Margret, die sich mittlerweile Loretta nennt, die Prostituierte Primrose kennen, die zu einer Freundin wird. Mit dem Nachwuchsschauspieler Raphael hat sie weniger Glück. Er ist ein rücksichtsloser Blender und sie geht ihm auf den Leim.

Ein Oscar Wilde zugeschriebenes Zitat zu Beginn des Buches lässt aufmerksame Lesende vermuten, dass es in diesem Buch nicht bei frechen Dialogen und einer Geschichte über den American Dream bleiben wird. Die Schattenseiten der Traumfabrik lernt Loretta schneller kennen, als ihr lieb ist. Intrigen und Klatsch, menschliche Abgründe und toxische Männlichkeit weißer heterosexueller Männer prägen ebenso die Filmszene, wie vordergründig Glanz und Glamour es tun. Als Maskenbildnerin wirkt Loretta erfolgreich am schönen Schein mit, doch durch die Erzählung demaskiert die Ich-Erzählerin schonungslos die Welt der Studios und ihre Protagonistinnen.

Katherine Blake lenkt mit NOT YOUR DARLING (Originaltitel: The Unforgettable Loretta, Darling) den Blick auf Missstände im Filmgeschäft, die damals als normal angesehen wurden. Hollywood war das Sinnbild der Verruchtheit, sexuelle Freizügigkeit wurde erwartet (solange sie heterosexuell ausgerichtet war und keine vermeintlichen Rassenschranken übertreten wurden), und wenn sexualisierte Gewalt stattfand, dann konnte der Täter eigentlich nichts dafür, denn dann griff die Schuldumkehrung:

Er hat gesagt, das ist alles völlig normal und liegt nur am – wie hieß das doch? Testosteron. Ein Mann hätte eben Bedürfnisse, die er nicht kontrollieren kann, und darauf sollte ich mehr Rücksicht nehmen. (S. 298)

NOT YOUR DARLING ist aber auch ein Roman über eine junge Frau, die in dieser Welt unbeirrt ihren Weg geht, nicht nur ein loses Mundwerk hat, sondern auch großartige Talente und Kenntnisse, die ihr helfen sich zu behaupten und sich gegen Männer zur Wehr zu setzen. Es ist ein Buch über Frauenfreundschaften, frech und witzig und wenn die Sprache manchmal holprig wirkt, dann muss das nicht zwingend am englischen Originaltext liegen.

Und doch bleibt die Geschichte zu oft an der Oberfläche. Die Charaktere sind meist klischeehaft gezeichnet, die Stadt an sich, ihre außergewöhnliche Architektur, bleibt seltsam unbeschrieben. Auch der zeitliche Ablauf bleibt weitestgehend unerwähnt. Der Schreibstil ist unterhaltsam und lädt zum schnellen Lesen ein, aber es ist keine große Literatur. Der Blickwinkel richtet sich konsequent von Lorettas Gegenwart aus in die Zukunft, es bleibt kaum Raum für einen Blick zurück. Das Ende kommt mir zu abrupt und könnte ein Hinweis auf einen Folgeband sein.

Zusammenfassend ein gutes Buch zu einem wichtigen Thema. Ich spreche eine Leseempfehlung aus und vergebe 4 Sterne .

Abspann:*
Ich erinnere mich an dich, Loretta. (…) Du bist das Lip Girl! Lässt dir nichts gefallen, machst die schönsten Lippen. Das weiß jeder! (S. 202)

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Machismo, Catolicismo, Abuso - Sexueller Missbrauch unter spanischen Talaren

Roter Sommer
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Wer erinnert sich nicht an den Fußballsommer 2010? Überall in Europa ertönten Vuvuzelas und auch ganz Spanien ist vom Fußballfieber ergriffen. Zudem steht noch ein Pabstbesuch bevor. Nichts fürchtet die ...

Wer erinnert sich nicht an den Fußballsommer 2010? Überall in Europa ertönten Vuvuzelas und auch ganz Spanien ist vom Fußballfieber ergriffen. Zudem steht noch ein Pabstbesuch bevor. Nichts fürchtet die katholische Kirche da mehr als schlechte Publicity. Ausgerechnet in dieser Gemengelage ereignen sich zwei Morde, der eine in Madrid, der andere in Kantabrien. Gibt es eine Verbindung zwischen diesen beiden Fällen? Schnell wird klar, dass beide Opfer gewissen Gemeinsamkeiten aufweisen, die ich hier nicht verraten möchte. Und dass es um sexuellen Missbrauch von Jungen in der katholischen Kirche geht.

Mit 12jähriger Verspätung wurde dieses Erstlingswerk der bekannten spanischen Journalistin Berna González Harbour nun auch in Deutschland veröffentlicht. Und das Thema ist brisant und aktuell wie damals. Der Schreibstil ist rasant und geprägt von häufigen Perspektivwechseln. Dass ich ihn doch ab und zu ein bisschen holprig fand, mag an der Übersetzung liegen; obwohl es sich bei Kerstin Brandt eigentlich um eine versierte Übersetzerin handelt. Die Perspektive des Täters war mir an manchen Stellen etwas zu verworren, sein handeln hat sich mir nicht völlig erschlossen.

Die ermittelnde Comissaria María Ruiz begibt sich auf die Jagd nach den Täter. Dabei werden ab und zu Klischees wie die der Ermittler als einsame Menschen, die nur mit ihrem Beruf verheiratet sind und an ihren Beziehungen scheitern, etwas zu stark ausgereizt. Hier kommt noch hinzu, dass Ruiz sich im vom Machismo geprägten Polizeiapparat besonders behaupten muss. Auch eine zweite Hauptperson, der Investigativjournalist Luna ist mir an manchen Stellen zu überzeichnet.

Dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, denn "Roter Sommer" ist ein echter Pageturner. Spannend fand ich vor allem die Darstellung der Macht und des Einflusses der Katholischen Kirche auf die spanische Gesellschaft. Und das unglaubliche Selbstverständnis, mit der die klerikalen Würdenträger sich über die weltliche Macht und die Gesetze des Staates stellen. Sexueller Missbrauch an Kindern wird dabei nicht etwa als Verbrechen angesehen, sondern als Sodomie, als Sünde gegen das Gesetz Gottes. Das weckt Wut und Empörung in mir. Und das schafft die Autorin ganz ohne die Taten detailliert zu beschreiben. So wahrt sie die Würde der Opfer, auch wenn diese nur fiktiv sind. Ebenso erzählt sie vom Leid der Angehörigen, ohne dies auszuweiden. das hat mir sehr gefallen.

Ich vergebe voller Überzeugung 4 Sterne ⭐⭐⭐⭐und eine eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Alte Wunden

Tod im Chiemgau
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Aus familiären Gründen kehrt Bergsteiger Toni Hauser nach 10 Jahren in seinen Heimatort Reit im Winkl zurück, und wird dort von seiner Vergangenheit eingeholt. Das Schicksal wiederholt sich dabei auf grausame ...

Aus familiären Gründen kehrt Bergsteiger Toni Hauser nach 10 Jahren in seinen Heimatort Reit im Winkl zurück, und wird dort von seiner Vergangenheit eingeholt. Das Schicksal wiederholt sich dabei auf grausame Weise.

Was hier wie ein furchtbarer Abklatsch der Heimatfilme meiner Kindheit klingt, entwickelt sich auf nur 255 Seiten zu einem kurzweiligen und modernen Cosy Crime Roman, den ich gerne gelesen habe. Anfangs fühlte ich tatsächlich das ein oder andere Mal an ein Drehbuch erinnert, zumal Mathias Lehmann ganz nonchalant so manches Klischee aus gängigen Filmen und Vorabendserien mit einfließen lässt. Da gibt es inmitten einer wunderschönen und gut beschriebenen Landschaft viel Lokalkolorit und Bergidylle, über welche sich die Schatten gemeiner Verbrechen legen. Wir begegnen Familie, die seit mehreren Generationen zerstritten sind, natürlich regiert im Ort die Spezlwirtschaft und zum Dorffest darf auch eine ordentliche Prügelei nicht fehlen. Leider sprechen die Protagonisten dabei jedoch fließend Hochdeutsch. Für mich wäre es mit ein bissl Bayrisch authentischer gewesen.

Meine anfänglichen Bedenken haben sich insbesondere in der zweiten Hälfte des Buches zerstreut, denn da wird es richtig spannend. Auch wenn ich früh einen Verdacht hatte, wer hinter den Taten steckt, blieb es bis zum Ende spannend, was sicherlich an dem flotten Schreibstil von Mathias Lehmann liegt.

Obwohl das Buch auf mindestens eine Fortsetzung angelegt ist, und es in der Rahmenhandlung den einen oder anderen Cliffhanger gibt, werden alle zum eigentlichen Verbrechen gehörenden Stränge logisch aufgelöst. Mich würde die Fortsetzung auf jeden Fall interessieren. Dabei bin ich gespannt darauf, wie es Lehmann gelingen wird, die Hauptperson aus diesem Roman in weitere Kriminalfälle einzubinden. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass die ermittelnde Polizistin Roxy Mayrhofer stärker im Mittelpunkt gestanden hätte als eben jener Toni Hauser, der für mich etwas blass und oberflächlich geblieben ist.

Cover und Titel entstammen so eindeutig dem emons-Verlag, dass ich sie nicht weiter kommentieren möchte. Auch wenn emons weiterhin zu meinen favorisierten Verlagen zählt, würde ich mir wünschen, dass der Verlag seinen Autor:innen hier mehr Freiheiten lässt.

Fazit: ein flotter Regionalkrimi, der gute Unterhaltung bietet.

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