Profilbild von darkola77

darkola77

Lesejury Star
offline

darkola77 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit darkola77 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2024

Und draußen geht die Welt unter

Es sind nur wir
0

Wenn die eigene Welt in Scherben bricht – der Protagonist in „Es sind nur wir“ hat genau das erlebt. Und daraus seine Konsequenzen gezogen, Schritt für Schritt, dann zunehmend drastisch und ohne einen ...

Wenn die eigene Welt in Scherben bricht – der Protagonist in „Es sind nur wir“ hat genau das erlebt. Und daraus seine Konsequenzen gezogen, Schritt für Schritt, dann zunehmend drastisch und ohne einen Weg zurück in sein altes Leben.
Denn dieses Leben hat ihn schwer verwundet zurückgelassen. Als Lehrer, der seinen Beruf ohne Profession und nur mit halben Herzen ausgeübt hat, wurde er von dem tragischen Schicksal seines Schülers aus seiner instabilen Bahn geworfen – und direkt zu Mascha katapultiert. Mascha ist Prepperin und damit bestens und mit großer Ernsthaftigkeit auf das vorbereitet, was der Ich-Erzähler im Privaten bereits erlebt hat: den Untergang der Welt.
Maschas Bunker ist ihr gemeinsamer Zufluchts- und Rückzugsort, ihr Schutz vor Bedrohungen und Anforderungen einer Außenwelt, er ist aber auch der Ort, an welchem Zivilisation und Natur aufeinandertreffen und sich begegnen – und dies in geradezu mystischer oder auch mythologischer Gestalt einer Füchsin. Nicht nur, dass das Tier die Nähe zu den beiden Eremiten in seinem Revier sucht, es wagt sich zunehmend auch in deren Behausung vor, scheint dort ein- und auszugehen und so zu einem festen Bestandteil des Lebens im Rückzug zu werden. Einem Leben, das auf das Ende ausgerichtet ist.
Martin Peichl vermag in klarer Sprache und mit poetischen Worten eine Geschichte zu erschaffen, die einen Rausch an Emotionen freisetzt und dabei ebenso fasziniert wie verstörend wirkt in Denken und Ausrichtung der Figuren. Dass der Roman mich gerade zwischen den Jahren gefunden hat, sehe ich dabei als großes Glück und wunderbare Fügung – denn kaum treffender hätte diese Zeit des Abschlusses und Neubeginns für mich begleitet werden können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2024

Fantasy mit Magie und Hexenkunst

Tage einer Hexe
0

Hexen, Monster und eine geteilte Stadt voll Magie und Zauberei – „Tage einer Hexe“ ist all das, was Fantasy spannend, fantasievoll und zu einem großen Lesevergnügen macht. Und für mich ist es der Roman, ...

Hexen, Monster und eine geteilte Stadt voll Magie und Zauberei – „Tage einer Hexe“ ist all das, was Fantasy spannend, fantasievoll und zu einem großen Lesevergnügen macht. Und für mich ist es der Roman, der mich durch Stunden voll Kerzenschein und Keksen in der Adventszeit begleitet hat.
Doch besinnlich ist die Geschichte dabei wirklich nicht – ganz im Gegenteil! Denn Kosaras Kampf um ihren eigenen Hexenschatten und damit auch um die Zukunft Chernograds, der verfluchten Stadt hinter der Mauer, hat ihren Ausgangspunkt in den „Schmutzigen Tagen“. Und das ist genau die Zeit im Jahr, in welcher Upire, Rusalken und Samodiven die Straßen unsicher machen und sich ihrem Blutdurst und ihrer Freude an Spiel und Schabernack mit den Lebenden hingeben.
Und leider sind diese ungeweihten Tage auch die Jagdsaison des Zmey, des Königs der Monster, in welcher er eine junge Frau zur Braut wählt und sie nach und nach ihrer Kräfte beraubt – wie Kosara schmerzlich am eigenen Leib erfahren musste. Doch auf der Suche nach ihrem Hexenschatten muss sie sich nicht nur ihren alten Wunden und Ängsten stellen, sondern sich auch in einem magischen Duell beweisen, in welchem nichts weniger als der Fortbestand ihrer Welt auf dem Spiel steht. Und nicht zuletzt wartet eine noch größere Herausforderung auf die junge Hexe: wieder Vertrauen zu fassen und Nähe zuzulassen – auch, wenn er buchstäblich aus einer anderen Welt zu stammen scheint.
Als die Tage kürzer und die Nächte kälter und länger wurden, hat „Tage einer Hexe“ mein Leseherz erwärmt und mir Leuchten in die Augen und Gänsehaut überhaupt und überall gezaubert. Und mich vor allem in eine Geschichte voll Fantasie und Magie eintauchen lassen, die mich ganz wunderbar begeistert und meinen Kopf mit Bildern und Figuren gefüllt hat. Und mich mit Mondwein und verzauberten Früchten auf den ersten Schnee und die „Schmutzigen Tage“ hoffen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.11.2024

Nehmt die rosarote Brille ab!

Women Living Deliciously
0

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, das ist doch klar!
Das könnte man(n) denken – und Frau ebenso. Doch ganz so einfach ist es nicht. Und er erst recht nicht so eindeutig. Denn Auswirkungen und Einfluss ...

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, das ist doch klar!
Das könnte man(n) denken – und Frau ebenso. Doch ganz so einfach ist es nicht. Und er erst recht nicht so eindeutig. Denn Auswirkungen und Einfluss des Patriachats sind verändert und subtil und damit häufig erst auf den zweiten, sensibilisierten Blick zu erkennen.
Und genau diese geschärfte Sichtweise legt Florence Given an den Tag, wenn sie den weiblichen Körper, Schönheitsideale und (Selbst-) Beschränkungen von Frauen kritisch unter die Lupe nimmt und gleich einer Chirurgin freien Willen und Entscheidungsautonomie von patriarchalen Denkmustern und Grenzziehungen trennt. Und dabei Erstaunliches zu Tage befördert.
Für Given steht fest: Es ist Zeit, die rosarote Brille abzunehmen! Denn „der patriarchalische Käfig, der uns zurückhält, befindet sich jetzt in unseren eigenen Köpfen“. Hört sich nicht nur erschreckend an, hat auch Hand und Fuß und unzählige Anknüpfungspunkte an die doch so unterschiedlichen Lebenswelten und -modelle der Leser*innen. Oder anders gesagt: Auch ich selbst habe mich in zahlreichen Ausführungen und Beispielen wiedererkennt. Schmerzhaft. Aber auch notwendig.
Doch wie sagt Given weiter: Wir können nichts ändern, was uns nicht bewusst ist! Und das ist auch der Ausgangspunkt für ihren Drei-Punkte-Plan. Jäten, Pflanzen, Blühen! Denn nach dem Aufdecken von Glaubenssätzen und Gewohnheiten gibt sie lebensnahe und ganz praktische Impulse und Anleitungen, um die Samen für all die Ideen und Ziele zu pflanzen, die Frau für sich selbst will, und deren Früchte sie in der Phase des Blühens erntet.
Tatsächlich hat mich das Buch über viele Kapitel eiskalt erwischt. Warum? Weil ich mich für selbstreflektiert und aufgeklärt halte. Und trotzdem zahlreiche Fallen ausfindig gemacht habe, in die ich nur zu gern tappe, immer wieder. Und selbst nicht mal als solche wahrgenommen habe. Aus diesem Grunde: Das Buch ist Pflichtlektüre, Konfrontationstherapie und Ideengeber für Reflektionen und Wünsche. Und Seelenstreichler und Herzenswärmer gleich dazu.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 27.10.2024

Ein Wunderwerk – eine große Leseempfehlung

Antichristie
0

Wenn Ihr in den verbliebenen Wochen dieses Jahres nur noch ein Buch lesen könnt: Greift zu „Antichristie“! Legt es Freunden unter den Weihnachtsbaum, und lasst sie mit diesem Wunderwerk ins neue Jahr starten!
Warum ...

Wenn Ihr in den verbliebenen Wochen dieses Jahres nur noch ein Buch lesen könnt: Greift zu „Antichristie“! Legt es Freunden unter den Weihnachtsbaum, und lasst sie mit diesem Wunderwerk ins neue Jahr starten!
Warum ich so euphorisch bin? Es liegt nicht an der goldenen Herbstsonne in meinem Gesicht und den bunten Blättern vor meinen Füßen – okay, vielleicht ein wenig. Doch vor allem ist es dieses grandiose Gesamtpaket von Roman, das mich die vergangenen Tage und Wochen in seinen Bann gezogen hat, eine Geschichte vor meinen Augen und in meinem Kopf hat abspielen lassen und mir so viel neues Wissen, Einsichten und Denkanstöße vermittelt hat.
Und ganz wichtig und nicht zu vergessen: Die Sprache hat Witz, die Handlung Humor. Und das, obwohl das Sujet ein ernstes ist, ein grausames Kapitel der britischen Geschichte und des Leids der Menschen Indiens in der Kolonialzeit des Empires. Historische Figuren und Ereignisse vermischen sich mit Fiktion und einer Lebendigkeit, die sie die Jahrzehnte überbrücken und in der Gegenwart wieder auferstehen lässt.
Durga ist Teil dieser Fiktion und zugleich Mittelpunkt und verbindendes Element zwischen einem Heute im Jahre 2022 – zum Zeitpunkt des Todes Queen Elisabeth II. – und den indischen Revolutionären im Londoner India House des beginnenden 20. Jahrhunderts. Und neben dem fantastischen Motiv der Zeitreise, allerlei Skurrilem wie einem Locked Room-Mord und Doctor Who als Zitategeber und Referenz geht es doch und vor allem um den Widerstand junger Inder im Herzen des Königreichs gegen ihre Unterdrücker und die Heterogenität und Trennung innerhalb des großen Subkontinents Indien in Form von Religionen, Abstammung, Kasten.
Mithu Sanyal vollbringt das Kunststück, aus dieser Vielzahl an Themen, Einflüssen und einem reichen Figurenensemble ein großartiges Ganzes zu erschaffen, das beim Lesen ebenso viel Vergnügen wie Nachdenklichkeit erzeugt. Und Zugang zu Geschichte und Ereignissen vermittelt, die aus eurozentristischer Sicht oftmals verborgen scheinen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2024

Wirklich und die Wahrheit: Nervenkitzel, Spannung und voller Rätsel

Scandor
0

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – das ist, was Philipp, Tessa und die weiteren Mitspielerinnen sprechen müssen, wollen sie die fünf Millionen Preisgeld gewinnen. Und sich nicht ihren schlimmsten ...

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – das ist, was Philipp, Tessa und die weiteren Mitspielerinnen sprechen müssen, wollen sie die fünf Millionen Preisgeld gewinnen. Und sich nicht ihren schlimmsten Albträumen stellen müssen. Klingt einfach? Nicht aber, wenn Scandor Deinen Arm umschließt. Denn Scandor hört, spürt und bewertet alles. Und lässt Deinen Alltag damit zum Spießrutenlauf werden.
Doch diese Konsequenz wird Philipp und Tessa erst nach und nach bewusst. Wenn sie ihre Freund
innen vor den Kopf stoßen, Kund*innen mit schonungsloser Ehrlichkeit verärgern und sich zunehmend sozial isolieren. Und wäre das allein nicht schon genug, um die eigene Spielteilnahme wieder und wieder in Frage zu stellen und Nerven und Kräfte mehr und mehr schwinden zu lassen, häufen sich auch die merkwürdigen Zufälle und rätselhaften Begegnungen und Verbindungen. Was steckt wirklich hinter dem Wettbewerb? Und verfolgen die Spielmaster möglicherweise ein ganz eigenes Ziel?
Wer Poznanski und ihre Jugendbücher kennt, weiß: Bis zum Schluss, bis zur allerletzten Zeile bleibt es spannend und rätselhaft. Nimmt die Autorin uns mit auf Irrwege, führt uns in Sackgassen und setzt uns Verschwörungen, Staunen und ganz viel Überraschung und Nervenkitzel aus. Und weiß einfach großartig zu unterhalten! Und all das finden wir auch in „Scandor“ – verbunden mit der erschreckenden Vorstellung, dass jemand Drittes tiefen Einblick in unser Innerstes, in unser Selbst nehmen kann.
Wäre das bei mir möglich: Der Wahrheitsgehalt dieser Besprechung ist 100 %. Scandor würde es bestätigen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere