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Veröffentlicht am 04.05.2025

Jugend-Dystopie mit Klima-Fokus - Seichter Roman aber guter Auftakt

Vega – Der Wind in meinen Händen
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Wetterbändigen, Deutschland 2052, Klimakrise und chemische Unfälle – wenn man sich den Klappentext durchliest, klingt das Buch als würde Avatar Aang auf eine Dystopie treffen.

Tatsächlich steht und fällt ...

Wetterbändigen, Deutschland 2052, Klimakrise und chemische Unfälle – wenn man sich den Klappentext durchliest, klingt das Buch als würde Avatar Aang auf eine Dystopie treffen.

Tatsächlich steht und fällt das Buch mit der Erwartungshaltung. Man darf nicht zu viel erwarten. Und das meine ich überhaupt nicht böse oder wertend.

Es ist ein Jugendroman, der sich wirklich an ein sehr junges Publikum richtet. Wer sich eine richtige Dystopie oder ein krassen Urban Fantasy-Roman wünscht, wird mit Vega enttäuscht werden. Dafür ist der Weltenaufbau zu flach und die Story insgesamt nicht gesellschaftskritisch genug.

Was das Buch aber klasse macht, ist, einen spannenden Plot um ein tatsächlich ernsthaftes Problem aufzubauen. Klimawandel, dürre Perioden und damit einhergehende Hungersnöte: all das wird thematisiert, aber so, dass heranwachsende Menschen davon nicht verängstigt werden. Und auch nicht auf eine Art, die einen beim lesen machtlos zurück lässt. Sondern nüchtern, sachlich und in einen spannenden Plot verpackt.

Vega ist ein typisches Mädchen von nebenan. Sie will selbst herausfinden was diesen Unfall in der Gartenlaube hervorgerufen hat, teils um sich selbst zu entlasten, aber teils auch einfach, weil sie neugierig ist. Sie hat einige kecke Sprüche auf lager, ist aber oft auch ein wenig naiv. Sie ist Einzelgängerin und lieber für sich, kann gleichzeitig aber auch auf ein Netzwerk aus Freundes-Freunden zurückgreifen. Sie ist keine Superheldin. Und genau das macht sie so spannend und liebenswert. Wenn selbst Vega (die Frau, die bei einer Verfolgungsjagd im Zaun stecken bleibt) es schafft etwas zu bewirken, dann wir alle.

Da ich mit einer sehr offenen Erwartungshaltung an die Geschichte ran bin, hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich würde es mit vier Sternen bewerten. Ich mochte den sehr jugendlichen Schreibstil gern. Der Mittelteil wurde etwas langatmig, das Ende aber wiederum extrem spannend und ich freue mich schon sehr den zweiten Band zu lesen. Insgesamt habe ich das Buch in einem Schwung weggelesen – ohne zu viel zu leiden, aber spannend genug um es dennoch nicht aus der Hand legen zu wollen. Wenn ich mir eine “echte” Dystopie erhofft hätte, wie es der Klappentext anteasert, wäre ich jedoch enttäuscht gewesen. Ich würde das Buch als “Snack” für Zwischendurch empfehlen.

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Veröffentlicht am 06.10.2024

Fesselender Urban-Fantasy Roman mit Gesellschaftskritischem Plot​

We Will Give You Hell
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Lina Frisch bezeichnet sich selbst als Feministin. Feminismus und Inklusivität sollten daher auch eine Rollen in ihrem neuen Buch "We will give you hell" spielen. Genauso, wie wütende Jugendliche, schwedische ...

Lina Frisch bezeichnet sich selbst als Feministin. Feminismus und Inklusivität sollten daher auch eine Rollen in ihrem neuen Buch "We will give you hell" spielen. Genauso, wie wütende Jugendliche, schwedische Mythologie, uralte magische Kräfte, und eine queere Hauptprotagonistin. Ganz schön viel Input für 464 Seiten. Aber - und so viel kann ich schon vorwegnehmen - die Autorin schafft es diese unterschiedlichen Themen wunderbar miteinander zu verknüpfen.

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch die wunderschöne Sonderausgabe von Bücherbüchse. Das Wald-Cover gefällt mir richtig gut und passt unglaublich gut zu der Geschichte und dem späteren Setting. Auch der Klappentext ist ansprechend und macht Lust auf mehr.

Zu Beginn des Buches bin ich nur so über die Seiten geflogen. Hell wird als eine typische Jugendliche porträtiert, die leider nicht immer ein leichter Charakter ist. Sie ist schnell verletzt, aufbrausend, immer wütend, oft von Vorteilen geplagt und trifft ständig Entscheidungen für andere, ohne vorher mit Ihnen zu reden. Beim lesen musste ich oftmals mit dem Kopf schütteln. Hell - du bist echt nicht einfach. Wenn ich aber an meine eigene Pubertät zurückdenke, und wie ich in dem Alter war… sagen wir, ich kann ihr Handeln gut „nachfühlen“, wenn auch nicht immer nachvollziehen. Mir gefällt gut, dass Hell im Laufe der Geschichte eine Entwicklung macht und ihre eigene Wut nicht mehr als Belastung sieht, sondern als eine Emotion die sie antreibt. Auch ihre Freunde und die etlichen Nebencharaktere entwickeln sich weiter und finden neues Selbstbewusstsein und den Mut für sich einzustehen. Ich kann mich gut in die einzelnen Protagonisten hineinversetzen. Das liegt aber auch an Lina Frischs unglaublich gutem Schreibstil. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Hell erzählt. Dabei ist der Schreibstil sehr lebendig, emotional, leicht, flüssig und atmosphärisch. Mir fällt es zur jederzeit sehr leicht, mir die Orte und Geschehnisse bildlich vorzustellen. Auch schafft es Lina Frisch ganz wunderbar nordische Mythologie mit gesellschaftskritischen, aktuellen Themen zu verbinden.

Was mich beim lesen teilweise etwas irritiert hat ist, dass Hell so oft in Situationen als „wütend“ beschrieben wurde, in denen sie nicht so wirkte - oder „Wut“ ein in diesem Kontext unpassendes Gefühl war. So war sie oft verwirrt, verärgert oder ängstlich aber nicht wütend. Außerdem wird die weibliche Wut nur von Männern ausgelöst. Was ich unter dem Feministischen Aspekt, noch etwas schwieriger finde, da Feminismus oftmals mit Männerhass gleichgesetzt wird, und dieses Vorurteil dadurch gefüttert wird. Die Autorin webt zwar eine Hintergrundgeschichte um diese magische Wut, die verständlich macht, warum es ausgerechnet Männer sind, die diese Wut entfesseln, doch gibt es viel mehr Gründe für eine Frau wütend zu sein. Die Story ist im allgemeinen wirklich gut durchdacht und schlüssig. An einigen Stellen war mir der Feminismus-Aspekt dennoch etwas zu steif in die Geschichte eingearbeitet, sodass ich mich regelrecht durch diese Seiten kämpfen musste. Das Ende wird allerdings wieder richtig spannend und fesselnd. Die Autorin lässt sich mit dem Ende einige Möglichkeiten offen, sodass ein weiterer Band rund um Hell möglich wäre. Dennoch ist es kein offenes Ende und als Leser bleibe ich ohne unbeantwortete Fragen zurück.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ich bin ein Fan von Büchern, die einem etwas mitgeben und nachdenken lassen. Und das gelingt „We will give you hell“ ganz ausgezeichnet. Lina Frisch hat eine schöne Geschichte geschaffen, die uns verdeutlicht, dass Wut nicht nur schlecht ist - sondern uns auch Kraft schenkt, Durchhalten lässt, Leidenschaft schenkt. Das Buch ist aufwühlend, regt zum Nachdenken an und zeigt wie wichtig Zusammenhalt ist. Ähnlich wie Hell, werden wir dazu aufgerufen, unsere Stimmen zu erheben und für unsere Überzeugungen zu kämpfen. Gleichzeitig mahnt es aber auch davor, dass auch gute Absichten, wenn sie ins Extrem schlagen, schnell Böse enden können und man nicht jedem, um jeden Preis seinen eigenen Willen aufzwingen sollte. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.10.2024

Spannende Social Media Dystopie, die zum Nachdenken anregt.

Follow Us
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Megan Angelo erzählt in Follow us die Geschichte von drei jungen Frauen, deren Leben von Social Media bestimmt wird. Alles für die Follower. Dabei schafft sie es, uns mit einer starken Handlung in eine ...

Megan Angelo erzählt in Follow us die Geschichte von drei jungen Frauen, deren Leben von Social Media bestimmt wird. Alles für die Follower. Dabei schafft sie es, uns mit einer starken Handlung in eine spannende Welt zu entführen, in der wir mehr als nur einmal zum Nachdenken gezwungen werden. Follow Us ist eine Dystopie, in der die Geschichte nicht nur aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, sondern auch zu unterschiedlichen Zeiten.

Wir erleben Orla und Floss vor der großen Flut, sowie Marlow nach der großen Flut. Dabei ist die „Flut“ nicht wörtlich zu nehmen, denn es handelt sich nicht um Wasser sondern um einen großen, umfangreichen Hacker-Angriff, der das gesamte Internet und das Leben wie wir es heute kennen lahm legt.

Vor dem Tag X, tun Floss und Orla alles, um berühmt zu werden – auch, wenn es moralisch mehr als fragwürdig ist. Am besten so schnell und so einfach wie möglich. Warum also nicht Social-Media Sternchen werden? Orla soll den Grundstein legen, denn als Autorin für einen Online Promi-Blog kann sie Floss über Nacht interessant machen. Es gelingt ihnen und beide kosten ihr Leben als B-Promis in vollen Zügen aus, bis eine unüberlegte Nachricht alles zum Einsturz zu bringen scheint und eine junge Frau stirbt.

Wir wechseln die Perspektive: Marlow wächst nach dem großen Hackerangriff auf – unter den Augen von 12 Millionen Followern. Privatsphäre kennt sie nicht. Die Kameras sind zu jeder Zeit, immer und überall dabei. Wenn sie mehr als 5 Minuten aus dem Bild verschwindet, sagt ihr der Chip in ihrem Handgelenk, wie viele Follower sie just in diesem Moment verliert. 100, 200, 5000. In einer Fake-Stadt, die nur darauf ausgelegt ist neue Zuschauer zu gewinnen, darf sie es sich nicht erlauben Follower zu verlieren. Und so streamt sie 23 Stunden am Tag live. Ihre Abonennten erleben ihre Einschulung, ihren ersten Liebeskummer, ja sogar auch ihre erste Periode live mit. Die Sponsoren entscheiden was sie isst, was sie trägt und wen sie heiratet. Sogar wann die beiden eine Familie gründen sollen.

Megan Angelo ist dabei nah am aktuellen Zeitgeist und hinterfragt in ihrer spannenden Geschichte Social Media durchaus Gesellschaftskritisch.

Und das Buch wirft Fragen auf: Wie weit würdest du gehen, um ein bekannter Influencer zu werden? Wie glamourös ist diese Art zu leben wirklich? Wie lebt es sich mit dem Druck so viele Menschen zufrieden selten zu wollen, zu müssen? Ständig mehr zu geben, ständig interessanter sein zu müssen als andere? Ständig gesehen zu werden? Wie gefährlich ist dieses dauerhafte teilen und der freiwillige Verzicht auf Privatsphäre wirklich? Was macht diese Omnipräsenz langfristig mit unserer Psyche und mit unserem Körper?

Besonders gut gefällt mir an Follow us, dass Megan Angelo wirklich versucht die Thematik von verschiedenen Perspektiven und vollumfassend zu beleuchten. Zeitweiße hat sich die Story für mich beim lesen dadurch ein wenig in die Länge gezogen und trotzdem ist das Thema so aktuell, so spannend, dass ich selbst Wochen nachdem ich das Buch beendet habe noch daran knabbere und meinen eigenen Social Media Konsum überdenke. 4/5 Sterne. Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.10.2024

Hochemotional, mitreisend, poetisch und verdammt anspruchsvoll

i fell in love with hope
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„Die Liebe meines Lebens will sterben.“

Wenn das der erste Satz eines Buches ist, weißt du eigentlich schon genau worauf du dich einlässt. Tränen, Tränen und noch viel mehr Tränen. Und gleichzeitig schafft ...

„Die Liebe meines Lebens will sterben.“

Wenn das der erste Satz eines Buches ist, weißt du eigentlich schon genau worauf du dich einlässt. Tränen, Tränen und noch viel mehr Tränen. Und gleichzeitig schafft es die Autorin auf wundersame weise, mir beim lesen über den Kopf zu streicheln und mich fest zu drücken.

I fell in love with hope‘ erzählt die Geschichte von fünf jungen Heranwachsenden, die außer den vier Wänden des eigenen Krankenhaus-Zimmers, nur wenig kennen. Doch irgendwie schaffen sie es sich, neben den schmerzhaften Behandlungen, gegenseitig Freundschaft zu schenken und halt zu geben, liebe zu finden und wieder zu verlieren, Hoffnung zu machen und Mut zu zusprechen. Dabei verpackt die Autorin diese tragischen Themen auf eine höchst emotionale und mitreisende Art. Sie geht das Thema mit einer wichtigen und auch nötigen Portion Sensibilität an. Sie schenkt keine unnötige Hoffnung, nimmt keinen Platt vor den Mund, beschönigt nicht – redet im Gegenzug aber auch nur schlecht, konfrontiert nicht nur. Sie schafft es genau die Grauschattierungen zwischendrin einzufangen. Die Zwischendrin-Momente, die Krankheit zwar nicht schön reden aber die einem zeigen, dass es auch in schrecklichen Zeiten, schöne Momente geben kann.

Sam, Neo, Hikari, Couer und Sony sind dabei so nahbar, so menschlich, so unperfekt, so nervig und so tapfer, wie es nur wenige andere Buchcharaktere sind. Die Autorin erzählt ihre Geschichte so poetisch, so schön,, gleichzeitig aber so blumig und kaum greifbar, dass es mir oft beim lesen unglaublich schwer fällt, zu verstehen, was sie eigentlich sagen möchte. Das Buch hat 422 Seiten, doch das meiste der Geschichte spielt sich zwischen den Zeilen ab.

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Veröffentlicht am 04.10.2024

Cozy Krimi trifft auf sexy Drachen und gefährliche Einhörner

Glimmer – Tod einer Nymphe
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Okay, ein Urban Fantasy Roman der aber gleichzeitig auch ein Krimi ist?! Glimmer hat sich allein damit natürlich ganz weit oben auf meine Leseliste katapultiert. Zu Recht, wie sich schon nach wenigen Seiten ...

Okay, ein Urban Fantasy Roman der aber gleichzeitig auch ein Krimi ist?! Glimmer hat sich allein damit natürlich ganz weit oben auf meine Leseliste katapultiert. Zu Recht, wie sich schon nach wenigen Seiten herausstellte.

Glimmer – Tod einer Nymphe ist der zweite Band rund um Privatermittlerin Jinx. Die junge Frau spürt, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Eine Gabe, die sie schon ihr Leben lang begleitet – das sie magischen Ursprungs ist, wird ihr erst klar – als ihre Eltern im ersten Buch ermordet werden und sie in eine Parallelwelt gelangt. Der zweite Band spielt wenige Jahre später. Zugegeben, den ersten Band „Glimmer – Die Verschollene“ habe ich nie gelesen. Aber das spielt auch keine Rolle – dieses Vorwissen wird gar nicht benötigt. Die Autorin holt einen so gut ab, dass ich auch so problemlos in die Geschichte komme. Ich bekomme so viele Informationen wie nötig an die Hand, um dem Verlauf folgen zu können, aber keine Details, sodass Personen, die den ersten Band bereits kennen nicht mit Wiederholungen gelangtweilt werden.

Das zieht sich tatsächlich durch das gesamte Buch: Die Geschichte wird in einem ordentlichen Tempo voran getrieben, mit genau der richtigen Menge an Handlung, ohne sich in Details zu verlieren. Der Schreibstil von Heather G. Harris gefällt mir dabei wirklich sehr gut. Die Art wie sie die Charaktere auf- und ausgebaut hat – komplett ohne chichi aber dennoch nahbar – ist wirklich toll. Mir gefällt vor allem Jinx unkomplizierte Art und ihr mutiges Auftreten. Sie wirkt immer ein wenig lustlos (ein Vampir, will ihr Blut saugen? Ist dann halt so. Ein Werwolf zerfetzt ihr Arm? Passiert eben) ist dabei aber unglaublich schlagfertig und keck. Kein wunder, dass sie im Buch von ihren Mitmenschen schnell respektiert und gemocht wird. Ich wäre auch gern ein klein wenig wie sie.

Das Buch macht unglaublich viel Spaß und Lust auf mehr. Das erste Mal finde ich es sogar überhaupt nicht schlimm, dass das Buch mit einem üblen Cliffhanger endet, denn für mich steht fest: den nächsten Band werde ich (genauso wie den ersten) ohnehin lesen!

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