In Teilen wirklich großartig
Die verborgene TochterMit dem Roman „Die verborgene Tochter“ hat Autorin Soraya Lane nun bereits den vierten Teil aus ihrer Familiensaga „Die verlorenen Töchter“ veröffentlicht. Wer bisher noch keinen Roman aus dieser Reihe ...
Mit dem Roman „Die verborgene Tochter“ hat Autorin Soraya Lane nun bereits den vierten Teil aus ihrer Familiensaga „Die verlorenen Töchter“ veröffentlicht. Wer bisher noch keinen Roman aus dieser Reihe gelesen hat - wie ich - findet problemlos sofort ins Geschehen. Alle anderen werden das Treffen der sieben Frauen in der Anwaltskanzlei wohl schon einmal erlebt haben und auch Mia, sowie Ella (Band 3) wiedererkennen. In ihrer Suche nach dem familiären Hintergrund erinnern die Romane um die insgesamt sieben Frauen in gewisser Weise stark an die „Sieben Schwestern“-Reihe von Lucinda Riley.
Mias Großmutter hatte den Kontakt zu ihrer Enkelin stets unterbunden. Doch dann erhält Mia überraschend ein Kästchen, das den Namen der inzwischen verstorbenen Frau trägt. Ihre Urgroßmutter hatte die Schachtel einst in einem ehemaligen Frauenhaus für ihre Tochter hinterlegt, bevor diese adoptiert wurde. Was haben der italienische Zeitungsartikel und der wunderschöne rosa Edelstein in dem Kästchen wohl mit ihrer Familie zu tun? Obwohl Mia sich normalerweise keinen Gedanken an die scheinbar so hartherzige Frau erlaubt, begibt sie sich doch auf die Suche nach der Vergangenheit. Die Spuren führen Mia an den Genfer See, wo der gutaussehende Juwelier Luca sie bei den Rätseln um den geheimnisvollen Stein und ihre Familie unterstützt.
Das Cover wirkt mit seiner idyllischen Landschaft zwischen Weinhängen und Häuseransammlungen entlang des Sees, sowie den Bergen im Hintergrund absolut einladend. Die leichte Wolkenschicht chargiert zwischen zartem rosa bis hin zu violett, was perfekt zu dem Edelstein der Geschichte passt.
Soraya Lanes Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen. Erzählt wird der Roman in zwei Zeitsträngen: Zum einen wird in der Vergangenheit, überwiegend um 1951/52, die Geschichte von Delphine aufgegriffen. Zum anderen sucht Georgia in der Gegenwart nach Antworten auf ihre Fragen. Obwohl mir der Teil mit Georgia und Florian mit kleinen Abstrichen gut gefallen hat, konnte mich der Roman mit Delphines tragischem Schicksal absolut berühren. Ihre Geschichte lädt regelrecht dazu ein mitzufiebern, mitzuleiden und sich mit ihr zu freuen, sodass ich ihren Kapiteln regelrecht entgegen gefiebert habe. Besonders herzergreifend finde ich auch das Ende ihrer Geschichte noch einmal. In Georgias Geschichte fehlt mir hingegen etwas Tiefe. Gerade zum Ende hin ereignen sich wichtige Geschehnisse so übereilt, dass es auf mich wenig authentisch und nicht uneingeschränkt befriedigend wirkt. Außerdem passen die Erzählstränge meiner Meinung nach in ihrer Logik nicht uneingeschränkt zusammen.
Die Charaktere in beiden Erzählsträngen rufen unterschiedliche Gefühle in mir hervor: Zum einen sind mir Martina und Hope unheimlich sympathisch. Sie stehen Delphine in schwierigen Zeiten zuverlässig wie Freundinnen zur Seite. Delphines Mann Giovanni ist hingegen lieblos und kalt seiner Frau gegenüber. Ihre Gefühle und Bedürfnisse kümmern ihn nicht. Aber auch er hat sich seine Situation, ebenso wie Delphine, nicht ausgesucht und musste seine Ehe aus familiären und unternehmerischen Gründen schließen. Delphine wünscht sich allerdings sehr die Liebe ihres Mannes zu erlangen. Seine Gleichgültigkeit macht ihr schwer zu schaffen und erschüttert ihr ohnehin geringes Selbstbewusstsein noch mehr. In Florian findet sie endlich jemanden, der sie ebenso rückhaltlos liebt, wie sie auch ihn liebt. Schade, dass der Prolog schon viel vorweg nimmt und damit zumindest zu Beginn auch die Spannung vermissen lässt.
Im anderen Teil ernten Georgias beste Freundin Sam und ihre Familie meine volle Sympathie. Nach dem tragischen Tod der Eltern haben sie Georgia ohne zögern in ihrer Familie aufgenommen und sind nach wie vor immer für sie da. Luca ist für meinen Geschmack leider zu oberflächlich dargestellt. Er wirkt galant und sehr familienverbunden. Trotzdem bin ich beim Lesen einfach nicht so richtig an seine Figur herangekommen. Georgia hat durchaus ein paar charakterliche Ecken und Kanten. Sie wird von einem alten Trauma eingeholt und nimmt in dieser Situation wenig Rücksicht auf ihre Mitmenschen und zeigt sich kaum kompromissbereit. In meinen Augen macht sie das aber durchaus authentisch. Schließlich kann eine rundum perfekte Protagonistin auch schnell mal langweilig sein.
Insgesamt ein überaus angenehm zu lesender Roman mit einer geheimnisumwobenen Handlung. Vor allem der ergreifende Erzählstrang in der Vergangenheit macht das Buch zu einer Empfehlung.