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Veröffentlicht am 08.10.2024

Humorvolle Unterhaltung - leider ohne Tiefgang

Morgen kann kommen
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Ich hatte bisher noch kein Buch von Ildikó von Kürthy gelesen und war nach dem Lesen des vielversprechenden Klappentextes sehr neugierig auf ihren neuen Roman "Morgen kann kommen", der kürzlich vom Wunderlich ...

Ich hatte bisher noch kein Buch von Ildikó von Kürthy gelesen und war nach dem Lesen des vielversprechenden Klappentextes sehr neugierig auf ihren neuen Roman "Morgen kann kommen", der kürzlich vom Wunderlich Verlag veröffentlicht wurde.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 51jährige Ruth Westphal. Es ist ihr Geburtstag und gleichzeitig ihr 15. Hochzeitstag. Ihr narzisstischer Ehemann Karl, ein bekannter Fernsehschauspieler und einst ihr absoluter Traummann, ist nach dem Tod seiner Mutter in eine Lebenskrise geraten und hat sich eine Auszeit genommen. Ruth fühlt sich einsam und legt sich eine Dogge namens Dagmar zu. Nachdem sie in einem Drogeriemarkt ein zerrissenes Foto findet und wieder zusammensetzt, bricht ihre Welt zusammen, und sie fährt spontan mit Dagmar 800 km nach Hamburg, zu der alten Villa, die einst ihrer vor 10 Jahren verstorbenen Großmutter Auguste gehörte. Inzwischen wird die Villa von ihrer 2 Jahre älteren Schwester Gloria bewohnt, zu der Ruth seit den folgenschweren Geschehnissen am Tag ihrer Hocnzeit keinen Kontakt mehr hatte.

Ruth begegnet in Hamburg nicht nur ihrer Schwester, sondern auch deren Mitbewohner Rudi, der an einer tödlichen Krankheit leidet und sein freiwilliges und vorzeitiges Ausscheiden aus dem Leben vorbereitet. Durch Erdal, einen Freund Glorias, lernt sie dessen Cousine Fatma kennen, mit der sie sich anfreundet und durch die sie unverhofft erkennen muss, dass sie ihr Leben neu ordnen muss ...

Der Roman wird in großen Teilen aus Ruths Sicht in der Ich-Form erzählt, die übrigen Kapitel in erster Linie aus der Perspektive von Gloria. Das Buch liest sich sehr leicht und locker, der Sprachstil ist angenehm flüssig. Die Geschichte ist äußerst humorvoll erzählt, leider ist sie aber auch sehr vorhersehbar und nicht nur am Beispiel von Rudi unrealistisch. Wer je einen Menschen mit einem Glioblastom kannte, wird dies bestätigen.

Nach den positiven Äußerungen von Maria Furtwängler und Bettina Böttinger über das Buch hatte ich deutlich mehr erwartet und mir als "Befreiungsschlag" eine Geschichte mit Tiefgang gewünscht. Der fehlte mir leider trotz so interessanter Themen wie Liebe, Freundschaft, Abhängigkeiten, Krankheit, so dass das Buch mich zwar öfters schmunzeln ließ, aber darüber hinaus nicht in seinen Bann ziehen konnte.

Hervorheben möchte ich die wunderschönen und kunstvollen Aquarellzeichnungen, mit denen Peter Pichler das Cover und viele Buchseiten so liebevoll gestaltet hat.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Wohlfühlroman mit Schwächen

Mathilde und Marie
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Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass Torsten Woywod sein erstes Buch geschrieben hat. Er hat vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Freundin eigens einen Verlag gegründet, um in Deutschland ...

Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass Torsten Woywod sein erstes Buch geschrieben hat. Er hat vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Freundin eigens einen Verlag gegründet, um in Deutschland "Leonard und Paul" von Rónán Hession veröffentlichen zu können. Das Buch hat mich gefesselt, es hat mich fasziniert und berührt, und es gehört zu meinen Lieblingsbüchern der letzten Jahre. Nun war ich natürlich sehr gespannt, ob Torsten Woywod mich mit "Mathilde und Marie" auch zu begeistern vermochte. Meine Erwartungen an seinen Roman waren sehr hoch, doch leider wurde ich enttäuscht.

Die 26-jährige Studentin Marie Ledoux aus Paris beschließt nach einem Schicksalsschlag, ein Zugticket nach Brüssel zu lösen und von dort aus weiter in die Provinz zu fahren. Im Zug lernt sie die Buchhändlerin Jónína kennen, die sie spontan einlädt, mit ihr in ihr Dorf Redu zu kommen, wo die 77-Jährige eine kleine Buchhandlung hat. Der kleine und ruhig gelegene Ort in den Ardennen hat 390 Bewohner, 13 Buchhandlungen und einige Geschäfte. Das Dorf verfügt über einen Fernseher und einen Internetanschluss, Internetempfang gibt es nur zwischen 19 und 20 Uhr, und es gibt so gut wie kein Mobilfunknetz. Marie fühlt sich sofort wohl in dem von wunderschöner Natur umgebenen Ort. Sie hilft Jónína in der Buchhandlung, erobert das Herz des Dorfhunds Anneliese und lernt bald die verwitwete Mathilde kennen, die ihr anfangs mit mürrischer Zurückhaltung begegnet.

Die Geschichte ist in ruhiger, blumiger Sprache erzählt und liest sich flüssig. Es handelt sich um einen sogenannten Wohlfühlroman, der ohne nennenswerte Konflikte und Reibereien auskommt. Die Protagonisten sind mit viel Empathie beschrieben und haben kaum Ecken und Kanten. Alle gehen liebevoll und rücksichtsvoll miteinander um, haben viel Verständnis füreinander. Ich mochte den entschleunigenden Ort Redu, in dem Bücher und das Lesen eine große Rolle spielen, und ich freute mich über die Lesetipps, wie z.B. für das beeindruckende Buch "Stoner". Mit Redus Bewohnern dagegen hatte ich meine Schwierigkeiten, sie waren mir zu weltfremd, und es wurde mir schnell zu viel mit der übertriebenen Höflichkeit, der Harmonie und heilen Welt.

Die Handlung empfand ich als märchenhaft und teilweise vorhersehbar, die Dialoge fand ich häufig gekünstelt und nicht lebensnah. "Innewohnen" scheint ein Lieblingswort des Autors zu sein, und die häufige Formulierung "liebe Sowieso" in der Anrede nervte mich zusehends. Als es "schüchtern dämmerte", hätte ich das Buch fast zugeklappt. Gut gefallen haben mir die interessanten Naturbeschreibungen und die Erklärungen über die Vogelwelt, obwohl es hier einige Wiederholungen gab.

Die Grundidee des Buches, in dem es um Achtsamkeit, Entschleunigung und Freundschaft geht, hatte mir gefallen, die Umsetzung hingegen konnte mich leider nicht überzeugen. 

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Enttäuschender Serienauftakt

Gala und Dalí – Die Unzertrennlichen
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Der Aufbau Verlag veröffentlicht eine neue Romanreihe über berühmte Paare. Zum Auftakt stellt er das Buch "Gala und Dalí" von Sylvia Frank vor. Hierbei handelt es sich um das Autorenehepaar Sylvia und ...

Der Aufbau Verlag veröffentlicht eine neue Romanreihe über berühmte Paare. Zum Auftakt stellt er das Buch "Gala und Dalí" von Sylvia Frank vor. Hierbei handelt es sich um das Autorenehepaar Sylvia und Frank Meierewert.

Der Roman erzählt aus dem Leben von Gala und Dalí während einer Zeitspanne von 2 Jahren.
1929 verbringt der französische Dichter Paul Éluard mit seiner Frau Gala die Sommerferien in dem spanischen Fischerort Cadaqués. Gala hofft, dass Paul dort seine Schreibblockade überwindet. Paul plant, gemeinsam mit seinen Freunden Salvador Dalí zu treffen, einen jungen und talentierten Maler, mit dessen Werken eine Ausstellung in Paris stattfinden soll.

Der 25jährige Salvador Dalí sieht Gala zufällig auf dem Balkon ihres Hotels und ist sofort fasziniert von ihrer Schönheit. Es ist für ihn Liebe auf den ersten Blick. Wenig später kommt es zu dem Treffen mit Paul, Gala und den Pariser Freunden, und Salvador hat nun Gelegenheit, im Laufe der nächsten Tage Gala näher kennenzulernen. Der Katalane zeigt den französischen Gästen seine Heimat, und die 10 Jahre ältere Frau genießt bei Ausflügen zu zweit die Zuneigung des schüchternen und unerfahrenen jungen Mannes. Nach einigen Wochen trennen sich ihre Wege, und Gala tritt die Rückreise nach Paris an. Einige Monate später reist Salvador zur bevorstehenden Ausstellung nach Paris. Dort trifft er Gala wieder, und Gala, die immer schon davon träumte, an der Seite eines bedeutenden Künstlers zu stehen, trifft eine folgenschwere Entscheidung ....

Gala und Dalí waren länger als ein halbes Jahrhundert zusammen, der Roman beschreibt lediglich 2 Jahre ihrer damals noch jungen Verbindung. Gerade die Entwicklung Dalís vom schüchternen jungen Maler zur schillernden, exzentrischen Persönlichkeit, wie wir ihn alle kennen, wäre interessant gewesen. Darüber war ich sehr enttäuscht, zumal der Titel "Gala und Dalí - Die Unzertrennlichen" auf eine längere Zeitspanne hoffen ließ. Stattdessen wurden die Seiten mit banalen Nebensächlichkeiten gefüllt, während so wichtige Themen wie das Verhältnis zu Galas Tochter und Salvadors Familie viel zu kurz kamen. Gala wird als kühle Person beschrieben, deren Hauptaufgabe darin besteht, durch intensive Verhandlungen und Verkäufe der Werke Dalís den anfangs sehr bescheidenen, an Armut grenzenden Lebensstandard der beiden zu sichern. Leider finden die Bilder Dalís und ihre Entstehung viel zu wenig Erwähnung, das Thema Kunst kommt eindeutig zu kurz.

Den Schreibstil empfand ich als sehr schlicht, das Buch war schnell gelesen. Mir fehlten Tiefgang und Emotionen, die Protagonisten sind mir leider fremd geblieben.

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