Das Buch spielt zeitlich am Ende der Corona-Pandemie und mit dem Beginn des Ukraine-Krieges. Wie immer ist Wladimir Kaminer ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens. In diesem Buch natürlich besonders, ...
Das Buch spielt zeitlich am Ende der Corona-Pandemie und mit dem Beginn des Ukraine-Krieges. Wie immer ist Wladimir Kaminer ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens. In diesem Buch natürlich besonders, was den Krieg zwischen Russland und der Ukraine angeht. Als gebürtiger Russe ist er sicherlich sehr oft zu dem Thema befragt worden. Und das ist ein Thema, wo einem das Lachen eher im Hals stecken bleibt. Und so sind die Geschichten um einiges ernster als die sonstigen Bücher. Das macht das Buch nicht weniger lesenswert, denn hier schreibt ein Insider, der über seine Kontakte nach Russland mehr erfährt als der Durchschnittsbürger.
Pirio, Tochter russischer Einwanderer in Amerika, hat eine besondere Fähigkeit – sie kann es im eiskalten Wasser ungewöhnlich lange aushalten, ohne zu erfrieren. Dies macht sie zu einer Berühmheit und ...
Pirio, Tochter russischer Einwanderer in Amerika, hat eine besondere Fähigkeit – sie kann es im eiskalten Wasser ungewöhnlich lange aushalten, ohne zu erfrieren. Dies macht sie zu einer Berühmheit und rettet ihr das Leben, als das Fischerboot ihres Bekannten Ned gerammt wird. Ned kommt ums Leben. Doch der Unfallverursacher wird nicht gefunden und Pirio kann Noah, Neds Sohn und ihr Patensohn, keine Antwort geben, wieso das passiert ist. Noahs Mutter – Pirios beste und wohl auch einzige Freundin – kämpft derweil schwer mit der Alkoholsucht. Und so zieht Pirio aus, den Fall aufzuklären. Er entpuppt sich als etwas ganz anderes als ursprünglich angenommen und so nimmt das Abenteuer seinen Lauf.
Ich habe mich mit dem Buch etwas schwer getan. Einerseits konnte ich viele Seiten hintereinander flüssig lesen und es war auch spannend, andererseits habe ich mich dann wieder durch einige Kapitel regelrecht gequält. Es geht nicht nur um die Geschichte der Aufdeckung des „Unfalls“, der natürlich keiner ist. Es geht auch um die komplizierten Verhältnisse im Pirios Familie. Sie hat keine richtigen Freunde oder Beziehungen und ist eigentlich sehr abweisend. Andererseits arbeitet sie anfangs ganz normal in der Parfümfirma der Familie, um dann in einen Kampf auszuziehen, den ich nicht richtig nachvollziehen kann. Als normaler Mensch hat man Angst, wenn man angegriffen wird. Sie scheint das nicht zu haben. Sie stellt sich gegen Verbrecher – ohne eigentlich die richtigen Voraussetzungen dafür zu haben. Das macht für mich das Buch an einigen Stellen unglaubwürdig, andererseits ist die gute Botschaft doch ohne erhobenen Zeigefinger gut rübergebracht worden. Ich glaube, das ist so ein Buch, das man entweder total gut findet oder mit dem man gar nichts anfangen kann. Einige der Begebenheiten darf man nicht hinterfragen, dann ist es eine gute Unterhaltung. Insgesamt vergebe ich 4 Punkte, weil das Buch für ein Erstlingswerk – noch dazu mit diesem großen Umfang – doch mehr positive Seiten hat.
Italien der 80er Jahre. Das Buch beginnt mit dem Tod. Gestorben ist Alfredo und Beatrice erzählt die Geschichte dazu. Alles spielt in einem Elendsviertel (Der Festung). Die Leute dort kommen aus dem Elend ...
Italien der 80er Jahre. Das Buch beginnt mit dem Tod. Gestorben ist Alfredo und Beatrice erzählt die Geschichte dazu. Alles spielt in einem Elendsviertel (Der Festung). Die Leute dort kommen aus dem Elend nicht heraus und niemand von außen kommt hinein. Beatrice lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einem heruntergekommenen Haus. Trotz der Tristesse hat sie eine doch irgendwie schöne Kindheit, weil in ihrer Familie viel Liebe ist und die Eltern versuchen, ein einigermaßen normales Leben zu führen. Auch wenn das Versprechen des Vaters, nächstes Jahr einen Urlaub am Meer zu machen, nie eingelöst wird. Aber Beatrice wird das Meer sehen.
Über ihr wohnt Alfredo mit seinen zwei Brüdern und seinem Alkoholiker- und Schläger-Vater. Der ist so brutal, das Alfredo als Kind in Beas Familie flüchtet und dort bald wie ein weiterer Sohn behandelt wird. Bea und Alfredo wachsen zusammen auf und sind einerseits unzertrennlich, sie werden die Zwillinge genannt, andererseits streiten sie sich ständig… eine schwierige Beziehung als Kinder und auch als Jugendliche.
Die Geschichte wird auf sehr direkte Weise erzählt. Relativ unsentimental, teilweise sehr drastisch. Man bewundert Bea für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen. Die Beschreibungen der Umgebung und der Verhältnisse sind nachvollziehbar, man hat dieses Elendsviertel und die Bewohner buchstäblich vor Augen. Und obwohl anfangs gar nicht so viel passiert, gewinnt die Geschichte immer mehr an Spannung. Eine Spannung zwischen den Hauptpersonen, aber auch bei den Erlebnissen. Beide Hauptpersonen sind eigentlich völlig gegensätzlich. Bea hat nicht aufgegeben, sie versucht, ihr Leben zu verbessern. Alfredo dagegen – man hat das Gefühl, er hat als Kind verständlicherweise in der schwierigen Situation „zugemacht“ und nie mehr versucht, etwas wirklich sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Es ist auf eine Art sehr beklemmend und trotzdem gibt es immer wieder kleine Lichtblicke und viel Optimismus. Das Buch beginnt mit dem Satz: Auch die Ärmsten der Armen brauchen eine Geschichte. Sie zu erzählen, ist Valentina D’Urbano wirklich sehr gut gelungen.
Ruth Holländer ist fast 50 und Besitzerin eines kleines Bistros, geschieden, 2 Kinder und eigentlich völlig ausgelastet mit ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen. Da bekommt sie die Aufforderung, ...
Ruth Holländer ist fast 50 und Besitzerin eines kleines Bistros, geschieden, 2 Kinder und eigentlich völlig ausgelastet mit ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen. Da bekommt sie die Aufforderung, als Schöffin zu arbeiten und gleich ihr erster Prozess ist ein Mord an einer jungen Kurdin.
Das Buch ist für mich ein solider Krimi. Die Geschichte wird abwechselnd zwischen dem Prozess, der Vorgeschichte der beteiligten Personen und ihrer Sicht auf die Dinge, dem Berufs- und Privatleben von Ruth erzählt. Dabei ist es interessant, das ganze aus dem Blickwinkel einer Schöffin zu sehen. Die sonst übliche Ermittlungsarbeit bleibt völlig außen vor. Trotzdem kann man die Entwicklung gut mitverfolgen. Was mir etwas gefehlt hat, war die Spannung. Es gibt Bücher, die kann ich nicht aus der Hand legen. Dieses zählte nicht dazu. Was mir aber gut gefallen hat und für mich auch sehr realitätsnah war, war die Hauptfigur Ruth. Ihr Leben war „herrlich normal“ mit all den Problemen, die man gut selbst nachvollziehen kann. Auch die Parallelen ihrer privaten Erfahrungen z. B. mit ihren Kindern zu denen des Opfers war gut herausgearbeitet. Die Beschreibungen der Verhältnisse der Kurden in Deutschland und der Türkei waren nicht überzogen und nicht einseitig. Hier ist der Autorin gelungen, nicht allzu viele Klischees aufzubauen, sondern differenziert die einzelnen Personen zu beschreiben. Insgesamt hat mir das Buch gefallen und es hat auch Potential für die geplante Reihe.
Lukas, 50, verheiratet, 2 Töchter lebt ein normales bürgerliches Leben. Doch er hat ein Geheimnis: als Jugendlicher saß er 10 Jahre im Gefängnis, weil er seine Freundin ermordet hat. Nicht einfach so, ...
Lukas, 50, verheiratet, 2 Töchter lebt ein normales bürgerliches Leben. Doch er hat ein Geheimnis: als Jugendlicher saß er 10 Jahre im Gefängnis, weil er seine Freundin ermordet hat. Nicht einfach so, sondern auch aufgrund eigenartiger sexueller Fantasien. Sein ganzes Leben lang versucht er, diese Fantasien im Griff zu haben. Doch jetzt werden wieder junge Mädchen ermordet – auf die gleiche Art wie damals seine Freundin. Und er kennt einige der Mädchen, hat sie beobachtet und verfolgt. Doch an die Mordnacht hat er keine Erinnerung. War er es doch?
Das Buch hat mir gut gefallen, ich habe es sehr schnell gelesen, es war auf eine eigene Art spannend und nicht loslassend. Obwohl man lange das Gefühl hatte, Lukas kann nicht der Täter sein, gibt es immer wieder Kapitel, die diesen Glauben ins Wanken bringen. War er es doch noch und warum? Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Sichten: der von Lukas in der Gegenwart und in der Vergangenheit, der von der ermittelnden Polizisten Sina, die mehr in die Geschichte verstrickt ist, als sie glaubt. Aber auch aus Sicht der Opfer. Diese Vermischung ist sehr geschickt gemacht und die Auflösung gut gelungen.