Unterhaltsam
Die Anatomie einer neuen ZeitDurch eine neunmonatige Dürre gelingt der als Hexe verurteilten Verena von Pfäffikon im Jahr 1540 die Flucht vor dem Scheiterhaufen. Denn der umliegende Wald und das Dorf brennen. Nach einer dreiwöchentlichen ...
Durch eine neunmonatige Dürre gelingt der als Hexe verurteilten Verena von Pfäffikon im Jahr 1540 die Flucht vor dem Scheiterhaufen. Denn der umliegende Wald und das Dorf brennen. Nach einer dreiwöchentlichen Flucht über die Alpen gelangt sie nach Padua. Verena hat sich als Mann verkleidet und nennt sich nun Johann. Sie erlebt, wie der bedeutende Chirurg und Anatom Andreas Vesal die Leiche eines gehängten Mannes obduziert. Zur gleichen Zeit liegt vor dem anatomischen Theater ein Student im Sterben. Verena und Vesal eilen zu ihm und erkennen, dass er vergiftet wurde. Doch wer sollte einen Studenten vergiften und weshalb? Verena hat es sich in den Kopf gesetzt, der Sache auf den Grund zu gehen.
Angeknüpft an historische Tatsachen erzählt der Autor eine Geschichte, die sich so hätte ereignen können. Denn Andreas Vesal unterrichtete wirklich in Padua Studenten in Medizin und verlegte 1540 seinen Wohnsitz nach Venedig. Dagegen ist die Figur der Verena fiktiv.
Die Geschichte ist sehr unterhaltsam. Leon Morell hat die Verhältnisse des 16. Jahrhunderts mit dem Glaubenseifer und der Inquisition sehr gut recherchiert und zu Papier gebracht. Dadurch war es mir möglich, schnell in die Handlung eintauchen zu können. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Person des Anatoms Vesal detaillierter in Szene gesetzt worden wäre. So blieb mir, als interessierter Leser, nichts anderes übrig, als immer bei Tante Google nachzufragen. Leider kam dann das Ende sehr abrupt und ich hatte das Gefühl, mitten aus der Handlung katapultiert worden zu sein.
Trotzdem hat mir dieses Buch, durch das ein flüssiger Schreibstil führt, abwechslungsreiche Lesestunden bereitet.
3 Sterne und eine Leseempfehlung.