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Veröffentlicht am 17.10.2024

Barrakuda

Barrakuda
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„Barrakuda“ erzählt die Geschichte von Daniel. Sein Vater ist Fernfahrer, seine Mutter Frisöse, er hat 2 jüngere Geschwister. Eine ganz normale einfache Familie. Daniel wird Danny gerufen. Er geht auf ...

„Barrakuda“ erzählt die Geschichte von Daniel. Sein Vater ist Fernfahrer, seine Mutter Frisöse, er hat 2 jüngere Geschwister. Eine ganz normale einfache Familie. Daniel wird Danny gerufen. Er geht auf eine normale Schule, hat Freunde. Doch er ist etwas Besonderes. Er schwimmt, und dass sehr gut. So wird er entdeckt und kommt mit 13 Jahren auf eine spezielle Schule. Sie ist teuer und nur mit einem Stipendium kann er überhaupt dort lernen. Doch er hat es schwer – in den Augen der reichen Mitschüler ist er nicht nur arm und ein Außenseiter, er ist auch noch schwul und wird entsprechend gehänselt und unterdrückt. Einzig sein Schwimmtrainer ist in der ersten Zeit ein Trost. Er rät Danny, im Schwimmen der beste zu werden und ansonsten „zurückzuschlagen“, sich zu wehren, sich nichts gefallen zu lassen. Nach einiger Zeit beherzigt Danny das. Er erkämpft sich Respekt. In erster Linie durch seinen unbändigen Kampfgeist, durch enormes Training und den Willen, der Beste zu sein. Und nur der Beste zählt. Bald hat er den Spitznamen „Barrakuda“. Alles wird dem Schwimmen untergeordnet und dem Ziel, der erste zu sein, irgendwann an der Olympiade teilzunehmen. Doch bei einem Wettkampf wird er nur 5. Er bricht weinend zusammen – in seinen Augen das totale Versagen. Er hört mit dem Schwimmen auf und sein Leben nimmt eine völlig andere Wendung …
Ich las das Buch während der Olympiade. Während einige Sportler Medaillen „verloren“, sie wurden „nur“ 4. Die Presse stempelte auch sie zu „Versagern“. Und das hat mich erschreckt. Ist ein Mensch/Sportler nur etwas wert, wenn er eine Medaille gewinnt. Ist das wirklich so wichtig, um damit seine gesamte Familie, sein soziales Umfeld dem unterzuordnen. Ist ein 4. oder 5. Platz schon ein Versagen?
Das Buch findet seine eigenen Antworten auf diese Fragen. Danny wird erwachsen, wird Dan und Daniel. Trifft falsche Entscheidungen, trifft später aber auch richtige. Man kann dieses Erwachsenwerden wunderbar verfolgen. Und dazu liest sich das Buch auch noch sehr gut. Nur zum Ende hin wurde es mir zu sehr philosophisch und weit weg vom eigentlichen Leben von Dan. Und einige der ausführlich beschriebenen Sexszenen fand ich unpassend und dem Fortgang der Handlung nicht wirklich dienlich.
Doch alles in allem ein Buch, das das Lesen wirklich lohnt.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Ernster als sonst

Frühstück am Rande der Apokalypse
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Das Buch spielt zeitlich am Ende der Corona-Pandemie und mit dem Beginn des Ukraine-Krieges. Wie immer ist Wladimir Kaminer ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens. In diesem Buch natürlich besonders, ...

Das Buch spielt zeitlich am Ende der Corona-Pandemie und mit dem Beginn des Ukraine-Krieges. Wie immer ist Wladimir Kaminer ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens. In diesem Buch natürlich besonders, was den Krieg zwischen Russland und der Ukraine angeht. Als gebürtiger Russe ist er sicherlich sehr oft zu dem Thema befragt worden. Und das ist ein Thema, wo einem das Lachen eher im Hals stecken bleibt. Und so sind die Geschichten um einiges ernster als die sonstigen Bücher. Das macht das Buch nicht weniger lesenswert, denn hier schreibt ein Insider, der über seine Kontakte nach Russland mehr erfährt als der Durchschnittsbürger.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Die Frau die nie fror

Die Frau, die nie fror
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Pirio, Tochter russischer Einwanderer in Amerika, hat eine besondere Fähigkeit – sie kann es im eiskalten Wasser ungewöhnlich lange aushalten, ohne zu erfrieren. Dies macht sie zu einer Berühmheit und ...

Pirio, Tochter russischer Einwanderer in Amerika, hat eine besondere Fähigkeit – sie kann es im eiskalten Wasser ungewöhnlich lange aushalten, ohne zu erfrieren. Dies macht sie zu einer Berühmheit und rettet ihr das Leben, als das Fischerboot ihres Bekannten Ned gerammt wird. Ned kommt ums Leben. Doch der Unfallverursacher wird nicht gefunden und Pirio kann Noah, Neds Sohn und ihr Patensohn, keine Antwort geben, wieso das passiert ist. Noahs Mutter – Pirios beste und wohl auch einzige Freundin – kämpft derweil schwer mit der Alkoholsucht. Und so zieht Pirio aus, den Fall aufzuklären. Er entpuppt sich als etwas ganz anderes als ursprünglich angenommen und so nimmt das Abenteuer seinen Lauf.
Ich habe mich mit dem Buch etwas schwer getan. Einerseits konnte ich viele Seiten hintereinander flüssig lesen und es war auch spannend, andererseits habe ich mich dann wieder durch einige Kapitel regelrecht gequält. Es geht nicht nur um die Geschichte der Aufdeckung des „Unfalls“, der natürlich keiner ist. Es geht auch um die komplizierten Verhältnisse im Pirios Familie. Sie hat keine richtigen Freunde oder Beziehungen und ist eigentlich sehr abweisend. Andererseits arbeitet sie anfangs ganz normal in der Parfümfirma der Familie, um dann in einen Kampf auszuziehen, den ich nicht richtig nachvollziehen kann. Als normaler Mensch hat man Angst, wenn man angegriffen wird. Sie scheint das nicht zu haben. Sie stellt sich gegen Verbrecher – ohne eigentlich die richtigen Voraussetzungen dafür zu haben. Das macht für mich das Buch an einigen Stellen unglaubwürdig, andererseits ist die gute Botschaft doch ohne erhobenen Zeigefinger gut rübergebracht worden. Ich glaube, das ist so ein Buch, das man entweder total gut findet oder mit dem man gar nichts anfangen kann. Einige der Begebenheiten darf man nicht hinterfragen, dann ist es eine gute Unterhaltung. Insgesamt vergebe ich 4 Punkte, weil das Buch für ein Erstlingswerk – noch dazu mit diesem großen Umfang – doch mehr positive Seiten hat.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung
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Italien der 80er Jahre. Das Buch beginnt mit dem Tod. Gestorben ist Alfredo und Beatrice erzählt die Geschichte dazu. Alles spielt in einem Elendsviertel (Der Festung). Die Leute dort kommen aus dem Elend ...

Italien der 80er Jahre. Das Buch beginnt mit dem Tod. Gestorben ist Alfredo und Beatrice erzählt die Geschichte dazu. Alles spielt in einem Elendsviertel (Der Festung). Die Leute dort kommen aus dem Elend nicht heraus und niemand von außen kommt hinein. Beatrice lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einem heruntergekommenen Haus. Trotz der Tristesse hat sie eine doch irgendwie schöne Kindheit, weil in ihrer Familie viel Liebe ist und die Eltern versuchen, ein einigermaßen normales Leben zu führen. Auch wenn das Versprechen des Vaters, nächstes Jahr einen Urlaub am Meer zu machen, nie eingelöst wird. Aber Beatrice wird das Meer sehen.
Über ihr wohnt Alfredo mit seinen zwei Brüdern und seinem Alkoholiker- und Schläger-Vater. Der ist so brutal, das Alfredo als Kind in Beas Familie flüchtet und dort bald wie ein weiterer Sohn behandelt wird. Bea und Alfredo wachsen zusammen auf und sind einerseits unzertrennlich, sie werden die Zwillinge genannt, andererseits streiten sie sich ständig… eine schwierige Beziehung als Kinder und auch als Jugendliche.

Die Geschichte wird auf sehr direkte Weise erzählt. Relativ unsentimental, teilweise sehr drastisch. Man bewundert Bea für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen. Die Beschreibungen der Umgebung und der Verhältnisse sind nachvollziehbar, man hat dieses Elendsviertel und die Bewohner buchstäblich vor Augen. Und obwohl anfangs gar nicht so viel passiert, gewinnt die Geschichte immer mehr an Spannung. Eine Spannung zwischen den Hauptpersonen, aber auch bei den Erlebnissen. Beide Hauptpersonen sind eigentlich völlig gegensätzlich. Bea hat nicht aufgegeben, sie versucht, ihr Leben zu verbessern. Alfredo dagegen – man hat das Gefühl, er hat als Kind verständlicherweise in der schwierigen Situation „zugemacht“ und nie mehr versucht, etwas wirklich sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Es ist auf eine Art sehr beklemmend und trotzdem gibt es immer wieder kleine Lichtblicke und viel Optimismus. Das Buch beginnt mit dem Satz: Auch die Ärmsten der Armen brauchen eine Geschichte. Sie zu erzählen, ist Valentina D’Urbano wirklich sehr gut gelungen.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Unschuldslamm

Unschuldslamm
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Ruth Holländer ist fast 50 und Besitzerin eines kleines Bistros, geschieden, 2 Kinder und eigentlich völlig ausgelastet mit ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen. Da bekommt sie die Aufforderung, ...

Ruth Holländer ist fast 50 und Besitzerin eines kleines Bistros, geschieden, 2 Kinder und eigentlich völlig ausgelastet mit ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen. Da bekommt sie die Aufforderung, als Schöffin zu arbeiten und gleich ihr erster Prozess ist ein Mord an einer jungen Kurdin.
Das Buch ist für mich ein solider Krimi. Die Geschichte wird abwechselnd zwischen dem Prozess, der Vorgeschichte der beteiligten Personen und ihrer Sicht auf die Dinge, dem Berufs- und Privatleben von Ruth erzählt. Dabei ist es interessant, das ganze aus dem Blickwinkel einer Schöffin zu sehen. Die sonst übliche Ermittlungsarbeit bleibt völlig außen vor. Trotzdem kann man die Entwicklung gut mitverfolgen. Was mir etwas gefehlt hat, war die Spannung. Es gibt Bücher, die kann ich nicht aus der Hand legen. Dieses zählte nicht dazu. Was mir aber gut gefallen hat und für mich auch sehr realitätsnah war, war die Hauptfigur Ruth. Ihr Leben war „herrlich normal“ mit all den Problemen, die man gut selbst nachvollziehen kann. Auch die Parallelen ihrer privaten Erfahrungen z. B. mit ihren Kindern zu denen des Opfers war gut herausgearbeitet. Die Beschreibungen der Verhältnisse der Kurden in Deutschland und der Türkei waren nicht überzogen und nicht einseitig. Hier ist der Autorin gelungen, nicht allzu viele Klischees aufzubauen, sondern differenziert die einzelnen Personen zu beschreiben. Insgesamt hat mir das Buch gefallen und es hat auch Potential für die geplante Reihe.

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